„In der Kultur zu Hause“ – Abwechslungsreiches Kulturwochenende der Landesgruppe Bayern

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Tanzgruppe des Seminars mit Nadja und Waldemar Fuchs vom Tanzensemble „Birkenhain“ aus Schlüsselfeld.

Es ist wie dahoam“, so die zufriedenen Äußerungen der Seminar­teilnehmer nach dem Auftritt der Schauspielerin Maria Warkentin, die im Rahmen ihres Workshops spontan in die Rolle der „russlanddeutschen Oma“ schlüpfte und in der authentischen Mundart ihrer wolgadeutschen Mutter über die Auswanderung und das Einleben in Deutschland erzählte.

 

Mit dem Motto „In der Kultur zu Hause“ und den Schwerpunkten Gesang, Tanz und Theater lockte die Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft über 30 kulturinteressierte Landsleute aus verschiedenen Orten Bayerns in das Schweinfurter Jugendgästehaus zum Kulturwochenende vom 24. und 25. März.

Die überlieferten kulturellen Traditionen und Bräuche der Deutschen aus Russland standen im Mittelpunkt des Seminars. Das Projekt wurde aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert. Die Gesamtorganisation lag in den Händen der Projektleiterin Olga Knaub (Projekt „Angekommen und integriert in Bayern“), die von den Aktiven der Ortsgruppe Schweinfurt unterstützt wurde.

Eingeladen waren Chor- und Tanzleiter sowie Kulturreferenten russlanddeutscher Kulturgruppen und der bayerischen Ortsgliederungen der Landsmannschaft. Sachkundige Referenten thematisierten zusammen mit den Teilnehmern Aspekte der kulturellen Breitenarbeit, anschließend vertieft in praktischer Gruppenarbeit.

Die Teilnehmer wurden vom Gastgeber Ewald Oster, Mitglied des Bundesvorstandes der Landsmannschaft und Vorsitzender der Ortsgruppe Schweinfurt,  sowie vom Bayerischen Landesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun (Regensburg) begrüßt. Ewald Oster stellte seine Ortsgruppe vor, die seit Jahren lebendige Integrations- und Kulturarbeit leistet. Der 20-jährige Peter Aifeld, Sprecher der Ortsgruppe Schweinfurt und Mitglied der Jugendgruppe Indigo, berichtete über die Jugendarbeit in seiner Stadt.

Dr. Robert Korn, Mundartforscher und Kenner der russlanddeutschen Musikkultur, gewährte einen Einblick in die Geschichte der Erforschung und Dokumentation des Liedguts der Russlanddeutschen im 19. und 20. Jahrhundert und stellte das Buch „Es war einmal… “ vor, das er gemeinsam mit dem russlanddeutschen Musiker Eduard Isaak verfasst hat. Die Publikation enthält zahlreiche Lieder der Deutschen aus Russland von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Die Inhalte des Buches standen im Mittelpunkt der Gruppenarbeit mit Olga Baluyev, die in Schweinfurt den russlanddeutschen Chor „Harmonie“ leitet. Sie übte mit den Teilnehmern eine Auswahl alter deutscher Volkslieder und Romanzen aus dem Buch, unterstützt von Viktor Stricker auf dem Akkordeon. Auf kreative Art lockerte sie die Gruppenarbeit mit Übungselementen aus ihrem Beruf als Musikgeragogin (Bildendes Musizieren mit alten Menschen) auf.

Zur gleichen Zeit beschäftigte sich die Tanzgruppe unter der Leitung von Nadja Fuchs (zusammen mit ihrem Mann Waldemar) vom Tanzensemble „Birkenhain“ aus Schlüsselfeld mit der „Tanztradition der Russlanddeutschen“. Als Schlussergebnis wurden „Walzer“ und „Stampfpolka“ von den Teilnehmern aus München und Ansbach als bühnenreife Präsentation aufs Parkett gelegt.

Der Theater-Workshop war für die Teilnehmer allein schon wegen der Präsenz der Schauspielerin Maria Warkentin aus Niederstetten ein Erlebnis. Seit 1994 in Deutschland, leitet sie seit über zehn Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Peter das Russland-Deutsche Theater Niederstetten.

„Ich wünsche mir, dass unsere Landsleute sich für Amateurtheater begeistern“, so Maria Warkentin. Vor allem bei der Aufarbeitung der Geschichte der Volkgruppe und ihrer Popularisierung unter den Einheimischen sei das Theater ein sehr wirkungsvolles Mittel, weiß die Schauspielerin aus eigener Erfahrung.

In lebendiger Gruppenarbeit erfuhren die Teilnehmer, wie man ein Amateurtheater aufbaut und was ein Improvisationstheater ist. Auch die Teilnehmer konnten sich mit ihren Erfahrungen einbringen, so beispielsweise Erna Horn aus Sulzbach-Rosenberg mit Übungen für Seniorentanz.

In jeder Arbeitsgruppe bekamen die Teilnehmer außerdem Handreichungen, die ihre Arbeit vor Ort unterstützen sollen. Ein Bücher- und Zeitschriftentisch der Landsmannschaft sowie eine aufschlussreiche abendliche Stadtführung durch Schweinfurt, bei der man die Stadt von ihrer historischen Seite kennen lernte, rundeten das angebotsreiche Kulturwochenende ab.

Mehr Fotos                                                                                             Nina Paulsen