250. Jahrestag der Einladung ausländischer Kolonisten durch Katharina II.

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Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland hat in der letzten Zeit mehrere Anfragen bezüglich des 250. Jahrestags der Einladung von ausländischen Kolonisten nach Russland erhalten. Dazu erklärt die Landsmannschaft:

Grigorij Pisarewskij hat in seiner 1909 erschienenen fundamentalen Publikation „Iz istorii inostrannoj kolonizacii v Rossii v XVIII v.“ (“Aus der Geschichte der ausländischen Kolonisation in Russland im 18. Jh.”) dargelegt, dass das Manifest vom 4. Dezember 1762 keine Einwanderung ausländischer Kolonisten ausgelöst hat (S. 48-50). Erst nachdem die Aufnahmebedingungen geklärt waren, konnte am 22. Juli 1763 ein Manifest ausgefertigt werden, das im Ausland als Einladung zur Einwanderung nach Russland aufgefasst wurde.

Das Manifest vom 4. Dezember 1762 richtete sich vor allem an die aus Russland entflohenen Untertanen, denen bei Rückkehr nach Russland Straffreiheit in Aussicht gestellt wurde.

Ausländer wurden zwar als Zielgruppe genannt, aber ohne jegliches Angebot. Zugleich wurden Juden von der Einwanderung nach Russland ausgeschlossen. Das Einwanderungsverbot für Juden hatte Katharina II. bereits in einem eigenhändig ausgefertigten Erlass an den Senat vom 14. Oktober 1762 verfügt. Nach den Teilungen Polens wurde die Ausgrenzungspolitik gegenüber den nun zu russischen Untertanen gewordenen Juden in Form des „Ansiedlungsrayons“ (“Tscherta postojannoj osedlosti”) gesetzlich verankert. Diese antisemitische Politik der Zarenregierung kann kein Grund für Gedenkveranstaltungen unserer Landsmannschaft sein.

Aus der Sicht der Landsmannschaft sind das Einladungsmanifest von Katharina II. vom 22. Juli 1763 und die Gründung der ersten Kolonie „Nischnjaja Dobrinka“ an der Wolga am 29. Juni 1764  Daten, die in der Geschichte unserer Volksgruppe von zentraler Bedeutung waren und feierlich zu begehen sind. Die Landsmannschaft plant zu den genannten Anlässen verschiedene Veranstaltungen durchzuführen und Publikationen vorzulegen.

Dr. Alfred Eisfeld, stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft