Altersarmut bei Spätaussiedlern und klare Aussagen zur Verständigungspolitik

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BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB

BdV-Prä­si­dent Dr. Bernd Fabri­ti­us MdB

Bundesversammlung fasst einstimmige Entschließungen

BdV-Prä­si­dent Dr. Bernd Fabri­ti­us MdB erklärt:

Die ver­sam­mel­ten Ver­tre­ter der Lands­mann­schaf­ten und Lan­des­ver­bän­de haben am 2. Dezem­ber 2016 ein­mü­tig gefor­dert, das Risi­ko der Alters­ar­mut bei Spät­aus­sied­lern abzu­mil­dern. Dies begrü­ße ich aus­drück­li­ch.

Ich freue mich außer­dem, dass die BdV-Bun­des­ver­samm­lung sich klar zur Fort­set­zung der grenz­über­schrei­ten­den ver­stän­di­gungs­po­li­ti­schen Arbeit des Ver­ban­des bekannt hat.

Die fol­gen­den Ent­schlie­ßun­gen wur­den ein­stim­mig von den Dele­gier­ten ver­ab­schie­det. Auch dies wer­den Schwer­punk­te unse­rer Arbeit in der nun­mehr begon­ne­nen Wahl­pe­ri­ode sein.

Ent­schlie­ßun­gen der BdV-Bun­des­ver­samm­lung vom 2. Dezem­ber 2016

Alters­ar­mut bekämp­fen – auch bei Spät­aus­sied­lern

Die Bun­des­ver­samm­lung des BdV blickt mit Besorg­nis auf das gesamt­ge­sell­schaft­li­ch anstei­gen­de Risi­ko der Alters­ar­mut.

Die zu uns gekom­me­nen Spät­aus­sied­ler sind von die­ser Ent­wick­lung beson­ders betrof­fen. Ursa­che hier­für sind die Ände­run­gen des Fremd­ren­ten­ge­set­zes (FRG) der 1990er-Jah­re sowie die Bestim­mun­gen nach dem Wachs­tums- und Beschäf­ti­gungs­för­de­rungs­ge­setz von 1996 mit der Decke­lung der im Aus­land erwor­be­nen anre­chen­ba­ren Ent­gelt­punk­te und der Ein­füh­rung eines nied­ri­ge­ren Bewer­tungs­fak­tors von 0,6.

Dies wird in kei­ner Wei­se der Leis­tung und dem Lebens­schick­sal der Betrof­fe­nen gerecht, denen es erst Anfang der 1990er Jah­re über­haupt mög­li­ch war, ver­mehrt in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land aus­zu­rei­sen, und deren Fami­li­en­struk­tu­ren hier mit dazu bei­tra­gen, die gesetz­li­che Ren­te zu stüt­zen.

Nach dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs hat­ten vie­le der Betrof­fe­nen zunächst die Hoff­nung, sich in den Hei­mat- und Ver­trei­bungs­ge­bie­ten frei ent­wi­ckeln zu kön­nen. Als die Lebens­per­spek­ti­ve sich dort aber nicht änder­te, ent­schlos­sen sie sich dann doch zur Aus­rei­se. Die­ser auch von der Bun­des­re­gie­rung unter­stütz­te vor­läu­fi­ge Blei­be­wil­le wirkt sich nun für vie­le nega­tiv aus.

Des­halb for­dert die Bun­des­ver­samm­lung die Bun­des­re­gie­rung auf, Maß­nah­men zu ergrei­fen, um die­ses Alters­ar­muts­ri­si­ko für Spät­aus­sied­ler ange­mes­sen abzu­mil­dern.

Dabei ist es für alle Betei­lig­ten wich­tig, dass die mit dem Ren­ten­be­zug aus dem Aus­land ver­bun­de­nen büro­kra­ti­schen Hür­den und finan­zi­el­len Belas­tun­gen für die betrof­fe­nen Spät­aus­sied­ler abge­baut wer­den und nicht wie bis­her nur der deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rungs­trä­ger Ein­spa­run­gen erzielt. Auch die Erklä­rungs­frist für Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten von einem Jahr nach Zuzug nach Deutsch­land ist zu kurz bemes­sen. Die wenigs­ten Spät­aus­sied­ler wer­den im ers­ten Jahr des Zuzu­ges mit die­sem Sach­ver­halt über­haupt kon­fron­tiert und ver­säu­men es des­we­gen, die Erklä­rung abzu­ge­ben. Für die Spät­aus­sied­ler wäre außer­dem eine Anhe­bung der FRG-Ent­gelt­punk­te auf ein höhe­res Niveau sowohl bei Allein­ste­hen­den als auch bei Ver­hei­ra­te­ten not­wen­dig.

Die­se Schrit­te zur Abmil­de­rung des bestehen­den und sich wei­ter ver­stär­ken­den Alters­ar­muts­ri­si­kos bei Spät­aus­sied­lern sind auch im Sin­ne des sozia­len Frie­dens in den Rei­hen der Spät­aus­sied­ler drin­gend not­wen­dig. Die­se Men­schen ver­die­nen unse­re beson­de­re Soli­da­ri­tät.

Sechs Jahr­zehn­te Brü­cken­bau – für Men­schen­rech­te und Ver­stän­di­gung

Die Bun­des­ver­samm­lung des BdV erin­nert an den jahr­zehn­te­lan­gen erfolg­rei­chen Ein­satz der deut­schen Hei­mat­ver­trie­be­nen und ihrer Ver­bän­de für Men­schen­rech­te und Ver­stän­di­gung.

Schon kur­ze Zeit nach dem erlit­te­nen Unrecht von Flucht und Ver­trei­bung wur­de 1950 mit der Char­ta der deut­schen Hei­mat­ver­trie­be­nen der Grund­stein für die seit­dem gewach­se­nen, ste­tig brei­ter und fes­ter wer­den­den Brü­cken in die öst­li­chen Nach­bar­län­der gelegt. Deut­li­ch bekann­ten sich die Ver­trie­be­nen zu Frie­den und Recht sowie zur Schaf­fung eines geein­ten Euro­pas und zur Mit­ver­ant­wor­tung für die Exis­tenz und Wür­de der Nach­barn, wes­we­gen die Char­ta bis heu­te als ein Grün­dungs­do­ku­ment der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bezeich­net wird.

Der dar­auf auf­bau­en­de Ein­satz für Ver­stän­di­gung und einen gerech­ten Aus­gleich mit den Nach­bar­län­dern ist immer wie­der auch durch Unrechts­de­kre­te erschwert wor­den, die zum Teil bis heu­te dort gel­ten. Den­no­ch sorg­ten die Ver­trie­be­nen schon vor dem Fall des Eiser­nen Vor­han­ges auf dem Wege der „Diplo­ma­tie von unten“ dafür, dass lang­sam Brü­cken des Aus­tau­sches mit den Hei­mat-, Sied­lungs- und Her­kunfts­ge­bie­ten ent­stan­den, die eine Unter­stüt­zung der dort leben­den Men­schen ermög­lich­ten.

Die­se Brü­cken wur­den von unzäh­li­gen Ver­tre­tern aller Glie­de­rungs­ebe­nen des BdV seit­her aus­ge­baut und zusam­men mit ihren Dia­log­part­nern in den Nach­bar­län­dern zukunfts­si­cher gefes­tigt.

Vie­le ver­stän­di­gungs­po­li­ti­sche Erfol­ge im letz­ten Jahr zei­gen bei­spiel­haft, dass die­se Brü­cken kei­ne Ein­bahn­stra­ßen sind:

  • das gemein­sa­me deut­sch-pol­ni­sche Geden­ken an die Todes­op­fer von Krieg, Flucht und Ver­trei­bung auf der deut­schen Kriegs­grä­ber­stät­te in Neumark/Stare Czar­no­wo im Okto­ber 2016 mit einer Gedenk­re­de des BdV-Prä­si­den­ten,
  • das vom Brün­ner Ober­bür­ger­meis­ter Petr Vokřál in sei­ner Stadt maß­geb­li­ch mit­in­iti­ier­te Geden­ken an den Brün­ner Todes­mar­sch sowie die Ver­lei­hung des Wen­zel-Jak­sch-Prei­ses der Seli­ger-Gemein­de im Juni 2016 für die­ses Enga­ge­ment,
  • die offi­zi­el­len Besu­che und Reden des rumä­ni­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Daci­an Cio­loș bei den Hei­mat­ta­gen der Sie­ben­bür­ger Sach­sen und der Bana­ter Schwa­ben 2016,
    der offi­zi­el­le Besu­ch und die Rede des tsche­chi­schen Kul­tur­mi­nis­ters Dani­el Her­man beim Sude­ten­deut­schen Tag 2016,
  • die regel­mä­ßig statt­fin­den­den kom­mu­nal­po­li­ti­schen Kon­gres­se, etwa der Lands­mann­schaft Ost­preu­ßen oder der Sude­ten­deut­schen Lands­mann­schaft, unter Betei­li­gung der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker aus Deutsch­land und den jewei­li­gen Nach­bar­län­dern,

Der BdV und die in ihm zusam­men­ge­schlos­se­nen Ver­bän­de wol­len die­sen erfolg­rei­chen Brü­cken­bau durch ver­stän­di­gungs­po­li­ti­sche Maß­nah­men sowie Begeg­nun­gen und Gesprä­che, z.B. mit Diplo­ma­ten, aus­län­di­schen Regie­rungs­ver­tre­tern sowie nach wie vor mit den Men­schen vor Ort im Rah­men von Rei­sen und zen­tra­len Ver­an­stal­tun­gen, fort­set­zen und wei­ter aus­bau­en. Hin­zu kom­men gemein­sa­me Bemü­hun­gen um den Erhalt und die Wei­ter­ent­wick­lung der deut­schen Kul­tur in den Nach­bar­län­dern, die die­sen Weg der Ver­stän­di­gung ver­brei­tern.

Die BdV-Bun­des­ver­samm­lung begrüßt die bis­he­ri­ge För­de­rung des BdV und sei­ner Ver­bän­de in die­sem Bereich durch alle bis­he­ri­gen Bun­des­re­gie­run­gen. Die BdV-Bun­des­ver­samm­lung dankt eben­falls den­je­ni­gen Bun­des­län­dern, die sich ernst­haft um die För­de­rung unse­rer Arbeit bemü­hen. Es wäre wün­schens­wert, dass auch wei­te­re Bun­des­län­der die­sen Bei­spie­len fol­gen. Gera­de in der heu­ti­gen Zeit ist es wich­tig, dass die errich­te­ten Brü­cken zukunfts­fest blei­ben.

Des­halb for­dert die BdV-Bun­des­ver­samm­lung die Bun­des­re­gie­rung, aber auch die Regie­run­gen der öst­li­chen Nach­bar­län­der dazu auf, die ver­stän­di­gungs­po­li­ti­schen Initia­ti­ven der deut­schen Hei­mat­ver­trie­be­nen und ihrer Ver­bän­de sowie der deut­schen Min­der­hei­ten in den Län­dern anzu­er­ken­nen und auch wei­ter­hin ange­mes­sen zu för­dern.

Quel­le: BDV