Die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland – Geschichte und Gegenwart“ in Forchheim

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Die Wan­der­aus­stel­lung, die vom 9.1. bis 30.1.2016 in Rat­haus­hal­len im Forch­heim gezeigt wur­de, war ein vol­ler Erfolg.

02Die Aus­stel­lung ist ein Teil des bun­des­wei­ten Inte­gra­ti­ons­pro­jekts, geför­dert vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, Ber­lin und vom Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge, Nürn­berg. Sie zeigt das wech­sel­vol­le Schick­sal der Russ­land­deut­schen, illus­triert ihre His­to­rie und die kul­tu­rel­len Wur­zeln. Sie doku­men­tiert die Rück­kehr nach Deutsch­land, die unter oft­mals schwie­ri­gen Bedin­gun­gen erfolg­te, und die Inte­gra­ti­on der Men­schen in der Nach­kriegs­zeit. Die Wan­der­aus­stel­lung zeigt, dass die Deut­schen aus Russ­land sich inzwi­schen gut inter­giert haben und heu­te das Land in viel­fa­cher Wei­se mit­ge­stal­ten. Sowohl die Aus­stel­lung als auch die Abschluss­fei­er am Sonn­tag den 31.01.2016 waren sehr gut besucht. Die zahl­rei­chen Gäs­te wur­den vom Vor­sit­zen­den der OG, Johan­nes Moos­mann, herz­li­ch begrüßt. Der Lei­ter des Pro­jekts, Jakob Fischer, führ­te durch die ver­schie­de­nen Epo­chen der Russ­land­deut­schen. Er wur­de dabei durch die Orts­grup­pe Forch­heim unter­stützt, die mit einem Kul­tur­pro­gramm der Gesangs­grup­pe, sowie gemein­sa­men Sin­gen, einen ange­neh­men Rah­men mit­ge­stal­te­te. Auf einer Groß­lein­wand zeig­te Hr. Fischer eine Prä­sen­ta­ti­on und eine Film­vor­füh­rung mit dem Titel „Geschich­te und Kul­tur der Deut­schen in Russ­land, und ihre Inte­gra­ti­on in Deutsch­land“. Ein Vor­trag über die Inte­gra­ti­on, spe­zi­ell in Forch­heim, fand auch gro­ßes Inter­es­se. Die Auf­trit­te ver­schie­de­ner Musi­ker aus der Regi­on sorg­ten für eine fröh­li­ch ent­spann­te Atmo­sphä­re. Am Ende der Aus­stel­lung zeig­te sich die Orts­grup­pe beein­druckt und sehr zufrie­den mit dem gro­ßen Inter­es­se der ört­li­chen Bevöl­ke­rung.

Der Vor­stand
2016

Tä­tig­keits­be­richt des Bun­des­be­auf­trag­ten für 2015 ver­öf­fent­licht

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Hartmut_KoschykBundesbeauftragter Koschyk MdB bedankt sich für die vertrauensvolle und sachorientierte Zusammenarbeit im Jahr 2015

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, hat seinen Tätigkeitsbericht für das Jahr 2015 vorgelegt. Er steht nunmehr zum Download bereit.

Der Jahresbericht gibt einen Überblick über die Tätigkeit des Bundesbeauftragten im Jahr 2015 für die Belange der Aussiedler, der nationalen Minderheiten in Deutschland und der deutschen Minderheiten in Europa und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.


Tätigkeitsbericht 2015

Download (PDF, 6 MB)

Typische Neubürger zwischen Migration und Integration? Aktuelle Einblicke und Erfahrungen von Russlanddeutschen in München

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Projekt: „Neue Bürger lernen und erfahren Solidarität in München“ 

Maß­nah­me­ti­tel Az.. 312/2609000650

Ver­an­stal­tung

Typi­sche Neu­bür­ger zwi­schen Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on? Aktu­el­le Ein­bli­cke und Erfah­run­gen von Russ­land­deut­schen in Mün­chen”
Ort: “Stadt­teil­kul­tur­zen­trum 2411”, Blo­dig­s­tr. 4, 80933 Mün­chen

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Datum: 15.2.2016, 19:00–21:30
Mode­ra­ti­on: Peter Hil­kes

Verlauf und Ergebnisse

DSC00083Peter Hil­kes führ­te in das The­ma „Neu­bür­ger“ im Rah­men der Inte­gra­ti­ons­po­li­tik und -for­schung in Deutsch­land ein. Dem­nach stand nach 1945 zunächst vor allem die Inte­gra­ti­on von Ver­trie­be­nen und Flücht­lin­gen im Mit­tel­punkt. Mit den ers­ten „Gast­ar­bei­tern“ ent­stan­den For­schun­gen zu ihrer Inte­gra­ti­on, wobei vor allem päd­ago­gi­sche Fra­gen sowie Sprach­kom­pe­tenz und beruf­li­che und sozia­le Inte­gra­ti­on domi­nier­ten. Mit dem Zustrom von Spät­aus­sied­lern und ihren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen stieg das Inter­es­se auch an der bis dato in der Öffent­lich­keit rela­tiv unbe­kann­ten Per­so­nen­grup­pe der Deut­schen aus Russ­land bzw. der Russ­land­deut­schen (im Fol­gen­den: RD). For­schungs­pro­jek­te unter­such­ten die Lage in den Her­kunfts­län­dern und wid­me­ten sich umfang­reich der Inte­gra­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Obgleich Bil­dung, Spra­che und Kul­tur sowie sozia­le Inte­gra­ti­on von hoher Bedeu­tung waren, stan­den Arbeits­platz- und Woh­nungs­fin­dung im Mit­tel­punkt. Mit ihnen wur­den auch Grund­be­dürf­nis­se abge­deckt. Seit Mit­te bzw. Ende der 1990er Jah­re ist mit Aus­nah­me wis­sen­schaft­li­cher Unter­su­chun­gen – hier­zu zäh­len vor allem auch Ver­öf­fent­li­chun­gen des BAMF — das öffent­li­che Inter­es­se an den RD abge­flaut. Sie gal­ten als inte­griert.

Dis­kus­sio­nen über RD sowie deren Aktio­nen und Ver­an­stal­tun­gen seit Janu­ar 2016 haben die Lage geän­dert. Es ist deut­li­ch gewor­den, dass die Inte­gra­ti­on schein­bar auch ande­re bzw. unbe­kann­te Facet­ten hat. Nicht weni­ge RD füh­len sich oder sind de fac­to immer noch „Neu­bür­ger“, wobei dies enspre­chen­der Dif­fe­ren­zie­rung bedarf. Hil­kes unter­strich die Viel­falt, die die Grup­pe von „Neu­bür­gern“ kenn­zeich­net.

Als Über­gang zu Gespräch und Dis­kus­si­on prä­sen­tier­te er ein Musik­vi­deo, das Lisa Kos zum The­ma „Inte­gra­ti­on in Deutsch­land“ kom­po­niert hat und das Gespräch und Dis­kus­si­on beflü­geln soll­te.

Das Lied zur Inte­gra­ti­on, gespickt mit Humor, iro­ni­schen Kom­men­ta­ren und Refle­xio­nen über den Umgang mit zwei Wel­ten hat­te inter­es­san­ter­wei­se zwei­er­lei Wir­kung, die öffent­li­ch und in die­ser Offen­heit sel­ten spür­bar sein dürf­te: Den anwe­sen­den Nicht-RD gefiel die Auf­be­rei­tung des The­mas „Inte­gra­ti­on“ sehr, wohin­ge­gen man­che RD geschockt waren. Sie fühl­ten sich pein­li­ch berührt und pro­vo­ziert. Der Umgang mit Sati­re und Humor ist sehr spe­zi­fi­sch. Das war für alle Anwei­sen­den eine wich­ti­ge Erfah­rung.

Gemäß der Fra­ge, ob man, wie vie­le RD im Janu­ar und Febru­ar 2016, von einer „kal­ten (neu­en) Hei­mat“ spre­chen könn­te, berich­te­ten zwei Per­so­nen exem­pla­ri­sch über ihre Inte­gra­ti­ons­er­fah­run­gen – dies nicht zuletzt vor dem Hin­ter­grund von Situa­ti­on und Ent­wick­lung in den Her­kunfts­län­dern. Im Gespräch mit Dr. Anna Bom­bo­low­sky und Iri­na Aigner stan­den jeweils die eige­ne Bio­gra­phie im Vor­der­grund sowie die Fra­ge nach der Situa­ti­on als „Neu­bür­ge­rin“ in Deutsch­land. Bei­de Fäl­le kön­nen als exem­pla­ri­sch für bestimm­te Gene­ra­tio­nen gel­ten. War in einem Fall mit der Aus­rei­se Mit­te der 1990er Jah­re ins­be­son­de­re das Über­le­ben – dies auch dank eines tief emp­fun­de­nen Glau­bens und einer reli­giö­sen Erzie­hung — sowie das Gestal­ten einer eige­nen Bil­dungs­lauf­bahn trotz Dis­kri­mi­nie­rung und sons­ti­gen behörd­li­chen Schwie­rig­kei­ten im Vor­der­grund, domi­nier­te im ande­ren Fall, der Aus­rei­se nach 2010, der Wil­le, zu den zahl­rei­chen bereits in Deutsch­land leben­den Ver­wand­ten zu zie­hen und sich man­gels Per­spek­ti­ven in Russ­land in Deutsch­land ein neu­es Leben auf­zu­bau­en.

Bei­de prä­sen­tier­ten ihre Ein­schät­zun­gen, wobei die Dis­kus­si­on mit dem Publi­kum fort­ge­setzt wur­de. Ins­be­son­de­re den Nicht-RD waren neben man­chen Fak­ten vor allem spe­zi­fi­sche Ein­stel­lun­gen zur Fra­ge der „Mut­ter­spra­che“ und zur Lage in den Her­kunfts­län­dern, aber auch die Situa­ti­on kon­kret in Mün­chen nicht bekannt. Ihnen erschloss sich mit der Ver­an­stal­tung ein von Viel­falt gepräg­tes Bild, wonach sie es mit Deut­schen, aber teil­wei­se auch noch mit „Neu­bür­gern“ zu tun hat­ten, wobei sie Let­ze­res vor allem mit den (noch zu ver­bes­sern­den) Deutsch­kennt­nis­sen ver­knüpf­ten.

Bemer­kens­wer­ter­wei­se stell­ten auch die anwe­sen­den RD öffent­li­ch ein dif­fe­ren­zier­tes Bild hin­sicht­li­ch der gesam­ten Grup­pe der RD fest. Nach anfangs sehr emo­tio­na­len Wort­bei­trä­gen ver­sach­lich­te sich die Dis­kus­si­on. Des Wei­te­ren wur­de an die­sem Abend das Inter­es­se aller Anwe­sen­den deut­li­ch, aus­führ­li­ch zu debat­tie­ren und sich um eine sach­li­che Debat­ten­kul­tur zu bemü­hen. Dies gelingt erfah­rungs­ge­mäß nicht immer, und daher kann die­se Ver­an­stal­tung als eine beson­de­re gel­ten. Ihre Dau­er unter­streicht dies zusätz­li­ch.

Es wur­den unter ande­rem auch Fak­ten ange­spro­chen, die nicht immer im Fokus vor allem öffent­li­cher Bei­trä­ge von RD selbst ste­hen, z. B. neben der sehr kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Ver­wen­dung von Spra­chen (Rus­si­sch – Deut­sch) der unter­schied­li­che Sta­tus von Spät­aus­sied­lern bei der Aner­ken­nung nach dem BVFG (z. B. § 4 oder § 7), die aktu­el­len Demons­tra­tio­nen von RD, Rus­sisch­spra­chi­gen und ande­ren sowie die Begriff­lich­keit („Deut­sche aus Russ­land“, „Russ­land­deut­sche“ etc.). Die leb­haf­te und inten­siv geführ­te Dis­kus­si­on leg­te eini­ge Fra­gen offen. Es bestand letzt­li­ch Kon­sens dar­in, dass die Viel­falt der Russ­land­deut­schen eine Tat­sa­che dar­stell­te, die zu akzep­tie­ren sei. Hier­durch wür­de Tole­ranz geför­dert.

Es wur­de der drin­gen­de Wunsch geäu­ßert, der­ar­ti­ge Dis­kus­sio­nen fort­zu­set­zen und dies ins­be­son­de­re auch in der LmDR selbst zu tun. Indem man sich mit aktu­el­len Fra­gen aus­ein­an­der­set­ze, so die ein­hel­li­ge Mei­nung der RD unter den Teil­neh­mern, kön­ne man auch in der Öffent­lich­keit Infor­ma­tio­nen über­mit­teln, die zum Abbau von Vor­ur­tei­len und Des­in­for­ma­tio­nen bei­trü­gen. Dass ein Jour­na­list vom Baye­ri­schen Rund­funk anwe­send war und Gespräch und Dis­kus­si­on auf­zeich­ne­te, wur­de sehr posi­tiv bewer­tet. Es ist eine Sen­dung zum The­ma geplant.

Peter Hil­kes, Pro­jekt­lei­ter                                                                                        7.3.2016

Be­ra­tung mit der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land

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v.l.n.r.: Dr. Manfred Michl (BMI), Stv. LmDR-Bundesvorsitzender Ernst Strohmaier, LmDR-Geschäftsführer Jürgen Arnhold, Bundesbeauftragter Hartmut Koschyk MdB, LmDR-Bundesvorsitzender Waldemar Eisenbraun, Dr. Alexander Schumacher (BMI)

v.l.n.r.: Dr. Man­fred Michl (BMI), Stv. LmDR-Bun­des­vor­sit­zen­der Ern­st Stroh­mai­er, LmDR-Geschäfts­füh­rer Jür­gen Arn­hold, Bun­des­be­auf­trag­ter Hart­mut Kos­chyk MdB, LmDR-Bun­des­vor­sit­zen­der Wal­de­mar Eisen­braun, Dr. Alex­an­der Schu­ma­cher (BMI)

Ausführlicher Gedankenaustausch

am 18.02.2016 im Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern.

 

Link zum Bei­trag auf der Inter­net­sei­te des Aus­sied­ler­be­auf­tra­gen:
Be­ra­tung mit der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land


Der Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten, Hart­mut Kos­chyk MdB, ist in Ber­lin mit dem Bun­des­vor­sit­zen­den der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land (LmDR), Wal­de­mar Eisen­braun, des­sen Stell­ver­tre­ter Ern­st Stroh­mai­er und LmDR-Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Jür­gen Arn­hold zu einem aus­führ­li­chen Infor­ma­ti­ons- und Gedan­ken­aus­tau­sch zusam­men­ge­trof­fen. Aus dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern (BMI) nah­men die bei­den zustän­di­gen Refe­rats­lei­ter Dr. Man­fred Michl und Dr. Alex­an­der Schu­ma­cher teil.

Bericht zum Pressegespräch am 04.02.2016 in Berlin

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Web2Deut­sche aus Russ­land — auf­fäl­lig unauf­fäl­lig?“ war das The­ma, zu dem die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land am 04.02.16 in Ber­lin zu einem Pres­se­ge­spräch gela­den hat. Hin­ter­grund war das Bedürf­nis um öffent­li­che Auf­klä­rung und Stel­lung­nah­me der Lands­mann­schaft zu den aktu­el­len bun­des­wei­ten Pro­tes­ten, die von der rus­sisch­spra­chi­gen Bevöl­ke­rung aus­ge­gan­gen sind. In dem ein­stün­di­gen Gespräch haben die Mit­glie­der des Bun­des­vor­stands der Lands­mann­schaft, Wal­de­mar Eisen­braun, Ern­st Stroh­mai­er und Wal­ter Gauks, sich zu Fra­gen von Ver­tre­tern deut­scher und rus­si­scher Medi­en geäu­ßert. Anwe­send waren unter ande­rem das Focus Maga­zin, Funk­haus Euro­pa, RBB, und RIA Novos­ti. Klä­rungs­be­darf gab es im Ein­zel­nen auch hin­sicht­li­ch der Mög­lich­kei­ten zur Stär­kung der Ver­bands­ar­beit hin zu mehr Attrak­ti­vi­tät, vor allem für die Jugend. Vor dem Hin­ter­grund der ver­mehr­ten Demons­tra­tio­nen wur­de auch der Erfolg der Inte­gra­ti­ons­ge­schich­te von Deut­schen aus Russ­land dis­ku­tiert.

Koschyk ver­neint, dass rech­tes Ver­hal­ten bei Russ­land­deut­schen über­pro­por­tio­nal zur deut­schen Be­völ­ke­rung zu be­ob­ach­ten ist

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Arti­kel in der Welt am Sonn­tag 31.1.2016

Nach Berich­ten über eine angeb­li­che Ver­ge­wal­ti­gung einer 13-jäh­ri­gen Russ­land­deut­schen in Ber­lin sind Aus­sied­ler auf die Stra­ße gegan­gen. Gegen­über der Zei­tung Die Welt, die in ihrer heu­ti­gen Aus­ga­be “Welt am Sonn­tag” das The­ma auf­greift  ver­neint der Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten, Hart­mut Kos­chyk MdB, “dass rech­tes Ver­hal­ten bei Russ­land­deut­schen über­pro­por­tio­nal zur deut­schen Bevöl­ke­rung zu beob­ach­ten ist”. Auch Russ­land­deut­sche enga­gier­ten sich für Flücht­lin­ge. Die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land fürch­tet, die jüngs­ten Vor­fäl­le lie­ßen “ein ver­zerr­tes Bild unse­rer Lands­leu­te ent­ste­hen” und spricht von Aktio­nen “nicht reprä­sen­ta­ti­ver Grup­pen”.

Zum Arti­kel “Russ­land­deut­sche: Wie Mos­kau Spät­aus­sied­ler auf­wie­gelt” gelan­gen Sie hier

Zum Art­kel: “Im Namen des Kremls” gelan­gen Sie hier

Quel­le: Aussiedlerbeauftragter.de

Zeitzeugenserie „Russlanddeutsche in München…”

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Projekt: „Neue Bürger lernen und erfahren Solidarität in München“ 

Maß­nah­me­ti­tel Az.. 312/2609000650

Ver­an­stal­tung

Zeit­zeu­gen­se­rie „Russ­land­deut­sche in Mün­chen: Bio­gra­fi­en – Hin­ter­grün­de – Per­spek­ti­ven. Ein­bli­cke aus Geschich­te, Kul­tur, Poli­tik und Gesell­schaft“
Ort: Kul­tur­zen­trum „Gie­sin­ger Bahn­hof“, Gie­sin­ger Bahn­hof­platz 1, 81539 Mün­chen

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Datum: 21.11.2016, 18:30–21:00
Zeit­zeu­ge: Eugen Hör­ner
Gesprächs- und Dis­kus­si­ons­lei­tung: Peter Hil­kes

Verlauf und Ergebnisse

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Der in der Nähe von Nowo­si­birsk gebo­re­ne Zeit­zeu­ge reiht sich mit sei­ner beson­de­ren und teil­wei­se unge­wöhn­li­chen, dadurch jedoch beson­ders inter­es­san­ten Bio­gra­phie in die Rei­he der bedeu­ten­den Zeit­zeu­gen­ge­sprä­che ein. Ins­be­son­de­re durch sei­ne Groß­mut­ter erfuhr Eugen Hör­ner bereits im Kin­des­al­ter vom „beson­de­ren Sta­tus“, der die Deut­schen aus Russ­land bzw. Russ­land­deut­schen (im Fol­gen­den: RD) beson­ders kenn­zeich­ne­te. Dies gilt für das Schick­sal von depor­tier­ten und gestor­be­nen Ver­wand­ten. Als „Natio­na­li­tät ohne Rechts­sta­tus“ erfuhr auch Hör­ner Dis­kri­mi­nie­rung in der Schu­le, jedoch wehr­te er sich vehe­ment dage­gen. Die durch die Fami­lie über­mit­tel­te Ori­en­tie­rung auf die deut­sche Spra­che und Kul­tur sowie auf Deutsch­land war prä­gend und bestimm­te Hör­ners Leben in der UdSSR.

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Für die Nicht-RD unter den Anwe­sen­den beschrieb der Zeit­zeu­ge sei­nen prag­ma­ti­schen Umgang mit den Lebens­um­stän­den. Er schloss trotz wid­ri­ger Umstän­de eine Aus­bil­dung zum Geo­de­sis­ten ab, galt als kom­pe­ten­ter Fach­mann und wur­de vom öffent­li­chen Arbeit­ge­ber zu zahl­rei­chen Pro­jek­ten ent­sandt. Dies führ­te ihn in ent­le­ge­ne Regio­nen Sibi­ri­ens, aber auch nach Usbe­kis­tan und Kasach­stan. Gleich­zei­tig blieb das Bestre­ben der Fami­lie, nach Deutsch­land aus­zu­rei­sen.

Mit der Aus­rei­se von Ver­wand­ten in den 1970er Jah­ren nach Deutsch­land setz­te die Fami­lie auf Besuchs­rei­sen in die Bun­des­re­pu­blik, um sich zu infor­mie­ren und ori­en­tie­ren. Damit war auch Eugen Hör­ner auf das Leben in Deutsch­land gut vor­be­rei­tet. Ver­su­che, wegen des Aus­rei­se­an­trags Mit­te der 1970er Jah­re Hör­ner zu benach­tei­li­gen schei­ter­ten, da sei­ne Fach­kom­pe­tenz gefragt war und er es geschickt ver­stand, dem zu ent­ge­hen.

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Der­ar­tig auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor­be­rei­tet, fand er nach der Aus­rei­se Ende der 1970er Jah­re recht bald eine Arbeit, die Hör­ner bis zum Ende des nor­ma­len Erwerbs­le­bens inne hat­te. Sei­nen beruf­li­chen Erfolg ist mit den vor­ab vor­han­de­nen Kennt­nis­sen, den Erfah­run­gen in der UdSSR und dem ziel­ge­rich­te­ten Gestal­ten der beruf­li­chen Lauf­bahn ver­bun­den.

Die Zuge­hö­rig­keit zu einer Groß­fa­mi­lie sicher­te auch die Über­win­dung von Pro­ble­men, etwa durch die neue „Unüber­sicht­lich­keit“ in Deutsch­land. Das „Leben in einer Schach­tel“ in der Sowjet­uni­on wur­de vom „Leben in Ord­nern“ in Deutsch­land ersetzt. Tei­le der Groß­fa­mi­lie gelang­ten früh zur LmDR und waren in füh­ren­der Funk­ti­on tätig. Vor dem Hin­ter­grund der nach Deutsch­land gelan­gen­den Flücht­lings­strö­me kam es Hör­ner in dem Gespräch dar­auf an, einen gere­gel­ten Zuzug zu eta­blie­ren und ins­be­son­de­re auf das Ein­hal­ten von Regeln der Zuwan­de­rer in einem frei­en Land zu set­zen.

In der Dis­kus­si­on bekräf­tig­ten die Nicht-RD die unge­wöhn­li­che, da unbe­kann­te, aber sehr inter­es­san­te Bio­gra­phie des Zeit­zeu­gen. Ins­be­son­de­re der Grad der Infor­miert­heit über Deutsch­land und die kla­re Ori­en­tie­rung dar­auf im Her­kunfts­land hat ent­spre­chend über­rascht. Es hat sich im Lau­fe der Zeit die­se „ande­re“ Sicht auf die Din­ge ent­wi­ckelt, die für Russ­land­deut­sche eher unty­pi­sch ist. Auch die Rol­le der eige­nen Iden­ti­tät, in die­sem Fall der deut­schen, war ein grund­sätz­li­ches The­ma, über das im Ver­hält­nis zu ande­ren Iden­ti­tä­ten (z. B. rus­si­sch, „baye­ri­sch“) leb­haft debat­tiert wur­de. Die dabei über­mit­tel­te Offen­heit ist nicht selbst­ver­ständ­li­ch, da eher die Aus­nah­me.

Auf beein­dru­cken­de Wei­se gab Hör­ner Ein­bli­cke in die sowje­ti­sche Arbeits­welt – einen Bereich, den vie­le heu­te schon „ver­ges­sen“ haben. Auch dar­auf ging man in der Dis­kus­si­on ein.

Dass ein Jour­na­list des Baye­ri­schen Rund­funks anwe­send war, der im Rah­men der Ver­an­stal­tung Auf­nah­men für eine geplan­te Radio­sen­dung mach­te, unter­streicht das öffent­li­che Inter­es­se an der Zeit­zeu­gen­se­rie.

Peter Hil­kes, Pro­jekt­lei­ter                                                                                        25.1.2016