Begegnungen mit Odessa und Samara

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Odessa

 Am 29. August 2012 fand im Haus der Heimat in Stuttgart eine Präsentation der Forschungsarbeit „Deutsche Spuren in Odessa“ statt, die als Ergebnis eines Projektes von Prof. Dr. Viktor Levchenko (Universität Odessa) und einer Gruppe von Studenten entstanden ist. Die Kulturmanagerin des Bayerischen Hauses in Odessa, Liana Kryshevska, begleitete die Gruppe.

Im Rahmen des Projektes haben die Studenten ein halbes Jahr lang nach Spuren in den Bereichen Theater, Wissenschaft, Architektur, Kirche und religiöses Leben, Musik, Bevölkerungszusammensetzung, Bildung, Wirtschaft und deutsche Kolonien gesucht.

Dabei konnten zum Beispiel trotz fehlender offizieller Doku­mente aus zahlreichen privaten Quellen Informationen und Material zum Deutschen Theater in Odessa zusammengetragen werden. Es wurde die Geschichte des Theaters dargestellt und über die schweren Jahren von 1933 bis 1939 berichtet, als ohne finanzielle Mittel Aufführungen in deutscher Sprache für die Kolonisten und die kulturinteressierte Bevölkerung auf die Bühne gebracht wurden.

Über die Philosophen und Psychologen Nikolaj Grot (1852-1899) und Nikolaj Lange (1858-1921) wurde berichtet, dass sie in Berlin studierten und in Odessa das erste Laboratorium in Russland für psychologische Experimente eröffneten. Sie gaben die Zeitung „Fragen der Philosophie und Psychologie“ heraus und boten Bildungskurse für Frauen an. Beide wurden später Professoren an der Universität St. Petersburg.

Viele Gebäude und Denkmäler der Stadt wurden von deutschen Architekten erbaut, so in den Jahren 1827 bis 1832 die evangelische Kirche. Die Kirche wurde zerstört und konnte jetzt mit Hilfe von Spenden des Landes Bayern wieder aufgebaut werden. Vor zwei Jahren wurde sie feierlich eingeweiht.

Eine der Studentinnen berichtete über Spuren im musikalischen Leben Odessas. Dabei habe man in einem Salzburger Museum den Hinweis gefunden, dass Franz Liszt 1847 in Odessa war.

Weitere Ergebnisse der Projektarbeit betrafen unter anderem Volkszählungen im 19. Jahrhundert (laut denen die Deutschen in der Bevölkerungsstatistik hinter Russen, Juden und Polen Platz 4 belegten), unternehmerische Erfolge der Odessaer Deutschen (etwa des Sektherstellers Rederer oder der Firma für landwirtschaftlichen Maschinenbau Johann Höhn) und das Jahr 1804, als die ersten deutschen Kolonisten (Mennoniten) nach Odessa kamen. Abgerundet wurde die Präsentation durch einen Bericht über die Odessaer Organisation „Wiedergeburt“, die sich für die deutsche Minderheit in der Stadt einsetzt.

 Samara

 Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Partnerschaft Stuttgart-Samara war im Sommer eine größere Stuttgarter Gruppe aus dem Gemeinderat, der Verwaltung, von Schulen und Jugendeinrichtungen in Samara.

 

Laut einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ sind die Kontakte zwischen den beiden Städten ausgesprochen lebendig. So gab eine Künstlergruppe des Stuttgarter Renitenztheaters im Juni 2012 ein Gastspiel in Samara, und am 5. Oktober 2012 war das Theater Samarskaya Ploschtschad in Stuttgart.

Das Leibniz-Gymnasium Stuttgart unterhält eine Partnerschaft im kulturellen Bereich, verbunden mit gegenseitigem Schüleraustausch. Im Mai 2013 wird wieder eine Schülergruppe aus Samara erwartet. Partnerschaftsbeziehungen mit Samara pflegen außerdem verschiedene Stuttgarter Kirchen und das Olga-Krankenhaus.

Ludmilla Holzwarth