„Wir für Anerkennung“ – Preis des BMBF für Unternehmen

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Unter dem Motto „Wir für Anerkennung“ veranstaltet das Bundes­ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) einen Wettbewerb für Unter­nehmen, die sich besonders für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse einsetzen.

Wer mit Unternehmen zusammenarbeitet oder Unternehmen in seiner Region kennt, die solches Engagement zeigen, kann diese gern auf den Wettbewerb hinweisen.

Auf der Seite www.anerkennungspreis.de kann man sich bis zum 30. April 2017 bewerben. Die Gewinner werden von einer Fachjury ausgewählt. Die Preisverleihung findet auf der BMBF-Tagung „5 Jahre Anerkennungsgesetz – gelernt ist gelernt!“ am 21. Juni 2017 in Berlin statt.

 In zwei Kategorien „Gute Praxis“ und „Gute Ideen“ sollen beispiels­weise Unternehmen sowie Personal- und Betriebsräte ausgezeichnet werden, die Beschäftigte zur Anerkennung ihrer ausländischen Berufs­qualifikation beraten oder Hilfestellung bei der Antragstellung, etwa bei der Zusammenstellung der benötigten Unterlagen, gewähren. Außerdem gesucht sind hilfreiche Konzepte, wie Unternehmen oder regionale Netzwerke qualifizierte Zuwanderer über den Weg der Berufsanerkennung finden, aber auch Ideen, wie Betriebe solche Fachkräfte an sich binden können.

Aussiedlung – Beheimatung – politische Teilhabe Deutsche aus Russland in Wechselwirkung mit russischsprachigen Gruppen in Deutschland

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Mit rund 2,4 Millionen Menschen stellen die Russlanddeutschen, die seit 1950 als Aussiedler oder Spätaussiedler aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten nach Deutschland gekommen sind, die größte Einwanderergruppe, die die deutsche Gesellschaft seit der Zuwanderung der „Gastarbeiter“ aufgenommen hat. Ebenfalls in engen zeitlichen Zusammenhang mit der Auflösung der Sowjetunion siedelten sich seit 1990 ca. 215.000 ‚Kontingentflüchtlinge‘ mit jüdischem Hintergrund in Deutschland an. Schließlich leben gut 230.000 Menschen in Deutschland, die ausschließlich einen russischen Pass besitzen.

Die Fachtagung der Bundeszentrale für politische Bildung zielt darauf ab, die in den letzten Jahren öffentlich nur unzureichend diskutierten Fragen von Beheimatung und Identitäten dieser ganz unterschiedlichen Gruppen in den Mittelpunkt eines ergebnisoffenen und konstruktiven Gesprächs zu stellen. Sie fokussiert auf die Deutschen aus Russland als einer der größten Einwanderergruppen in der Bundesrepublik, nimmt sich jedoch auch der Wechselwirkungen mit anderen russischsprachigen Gruppen und Menschen in Deutschland an.

Stellungnahme zum Artikel „Spätaussiedler in Friedland. Heimkehr in die Fremde“

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Wappen-LmDRSPIEGEL ONLINE, 05.02.2017, Heike Klovert

Link:  Spiegel Online – Artikel
Link:  Stellungnahme des Landsmannschaft (pdf, 595 kb)


Der oben genannte Artikel hat bei zahlreichen Deutschen aus Russland zwiespältige Gefühle hervorgerufen. Zum einen sind sie dankbar für die Sympathie, die man den Worten über die Spätaussiedlerfamilie Getts entnehmen kann. Zum anderen sind sie empört über sachliche Fehler und tendenziöse Kommentare zum Spätaussiedlerzuzug im Allgemeinen.

Dazu im Einzelnen:

1. Deutsche aus Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden eingebürgert und bekommen einen deutschen Pass, weil sie der Gesetzgebung entsprechend
– deutsche Volkszugehörige sind,
– sich zum Deutschtum bekennen
– und deutsche Sprachkenntnisse nachweisen können.

Vor allem aber dürfen sie (im Gegensatz zu Antragstellern aus anderen ost- und südosteuropäischen Ländern) weiterhin als Spätaussiedler nach Deutschland kommen, weil ihnen ein „kollektives Kriegsfolgenschicksal“ attestiert wird. Sie wurden nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 aus ihren angestammten Siedlungsgebieten bspw. an der Wolga, am Schwarzen Meer oder im Kaukasus in die kargen Gebiete Kasachstans und Sibiriens deportiert und in Zwangsarbeitslager gesteckt. Nach einer eher vorsichtigen Schätzung beträgt die Gesamtzahl der russlanddeutschen Todesopfer in der Sowjetunion 480.000 Personen. Unter den Folgen der Enteignung, Deportation und Massenvernichtung sowie des Verbots der deutschen Sprache und der Diskriminierung leiden die Familien und Nachkommen der Opfer bis heute.

Wir wenden uns daher mit Nachdruck gegen jeden Versuch, die Berechtigung unschuldig bestrafter Menschen, in ihre historische Heimat zurückzukehren, in Frage zu stellen oder sie mit einseitigen und tendenziösen Kommentaren zu diskreditieren.

2. Die Formulierung „Nach dem Zerfall der Sowjetunion in den Neunzigerjahren kehrten ihre Nachfahren zu Hunderttausenden zurück.“ lässt breiten Raum für Fehlinterpretationen. Vollständig wäre die Formulierung mit dem Hinweis darauf, dass die Deutschen in der Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte eines zumeist vergeblichen und mit zahlreichen Repressionen verbundenen Kampfes um Ausreise in die Bundesrepublik hinter sich hatten.

3. Es wird nicht explizit darauf hingewiesen, dass die Deutschen aus Russland nicht aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten nach Deutschland kommen, sondern aus den Vertreibungsgebieten innerhalb der ehemaligen Sowjetunion. Eine Rückkehr in die ursprünglichen Siedlungsgebiete war nämlich gesetzlich untersagt.

4. Vor dem Hintergrund des bisher Ausgeführten dürfte die massive Verärgerung vieler unserer Landsleute über ihre Formulierung „sie (die Familie Getts) würden wohl als Wirtschaftsflüchtlinge gelten“ nachvollziehbar sein, zumal dem Artikel auch zu entnehmen ist, dass der Familienvater Getts noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg als Deutscher unterdrückt wurde.

5. Wenig Verständnis haben wir für den Vergleich der Rechtsansprüche auf Aufnahme von Asylbewerbern und Spätaussiedlern. Hier wird erneut eine Mauer zwischen Menschen aufgebaut, die, jeweils vor dem Hintergrund ihres eigenen Schicksals, Zuflucht bzw. Heimat in Deutschland suchen.

Bundesvorstand

Altersarmut bei Spätaussiedlern und klare Aussagen zur Verständigungspolitik

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BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB

Bundesversammlung fasst einstimmige Entschließungen

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB erklärt:

Die versammelten Vertreter der Landsmannschaften und Landesverbände haben am 2. Dezember 2016 einmütig gefordert, das Risiko der Altersarmut bei Spätaussiedlern abzumildern. Dies begrüße ich ausdrücklich.

Ich freue mich außerdem, dass die BdV-Bundesversammlung sich klar zur Fortsetzung der grenzüberschreitenden verständigungspolitischen Arbeit des Verbandes bekannt hat.

Die folgenden Entschließungen wurden einstimmig von den Delegierten verabschiedet. Auch dies werden Schwerpunkte unserer Arbeit in der nunmehr begonnenen Wahlperiode sein.

Entschließungen der BdV-Bundesversammlung vom 2. Dezember 2016

Altersarmut bekämpfen – auch bei Spätaussiedlern

Die Bundesversammlung des BdV blickt mit Besorgnis auf das gesamtgesellschaftlich ansteigende Risiko der Altersarmut.

Die zu uns gekommenen Spätaussiedler sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. Ursache hierfür sind die Änderungen des Fremdrentengesetzes (FRG) der 1990er-Jahre sowie die Bestimmungen nach dem Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz von 1996 mit der Deckelung der im Ausland erworbenen anrechenbaren Entgeltpunkte und der Einführung eines niedrigeren Bewertungsfaktors von 0,6.