Aussiedlung — Beheimatung — politische Teilhabe Deutsche aus Russland in Wechselwirkung mit russischsprachigen Gruppen in Deutschland

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Mit rund 2,4 Mil­lio­nen Men­schen stel­len die Russ­land­deut­schen, die seit 1950 als Aus­sied­ler oder Spät­aus­sied­ler aus der Sowjet­uni­on und ihren Nach­fol­ge­staa­ten nach Deutsch­land gekom­men sind, die größ­te Ein­wan­de­r­er­grup­pe, die die deut­sche Gesell­schaft seit der Zuwan­de­rung der “Gast­ar­bei­ter” auf­ge­nom­men hat. Eben­falls in engen zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Auf­lö­sung der Sowjet­uni­on sie­del­ten sich seit 1990 ca. 215.000 ‘Kon­tin­gent­flücht­lin­ge’ mit jüdi­schem Hin­ter­grund in Deutsch­land an. Schließ­li­ch leben gut 230.000 Men­schen in Deutsch­land, die aus­schließ­li­ch einen rus­si­schen Pass besit­zen.

Die Fach­ta­gung der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung zielt dar­auf ab, die in den letz­ten Jah­ren öffent­li­ch nur unzu­rei­chend dis­ku­tier­ten Fra­gen von Behei­ma­tung und Iden­ti­tä­ten die­ser ganz unter­schied­li­chen Grup­pen in den Mit­tel­punkt eines ergeb­nis­of­fe­nen und kon­struk­ti­ven Gesprächs zu stel­len. Sie fokus­siert auf die Deut­schen aus Russ­land als einer der größ­ten Ein­wan­de­r­er­grup­pen in der Bun­des­re­pu­blik, nimmt sich jedoch auch der Wech­sel­wir­kun­gen mit ande­ren rus­sisch­spra­chi­gen Grup­pen und Men­schen in Deutsch­land an.

Stellungnahme zum Artikel „Spätaussiedler in Friedland. Heimkehr in die Fremde“

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Wappen-LmDRSPIEGEL ONLINE, 05.02.2017, Hei­ke Klovert

Link:  Spie­gel Online — Arti­kel
Link:  Stel­lung­nah­me des Lands­mann­schaft (pdf, 595 kb)


Der oben genann­te Arti­kel hat bei zahl­rei­chen Deut­schen aus Russ­land zwie­späl­ti­ge Gefüh­le her­vor­ge­ru­fen. Zum einen sind sie dank­bar für die Sym­pa­thie, die man den Wor­t­en über die Spät­aus­sied­ler­fa­mi­lie Getts ent­neh­men kann. Zum ande­ren sind sie empört über sach­li­che Feh­ler und ten­den­ziö­se Kom­men­ta­re zum Spät­aus­sied­ler­zu­zug im All­ge­mei­nen.

Dazu im Ein­zel­nen:

1. Deut­sche aus Russ­land und ande­ren Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­uni­on wer­den ein­ge­bür­gert und bekom­men einen deut­schen Pass, weil sie der Gesetz­ge­bung ent­spre­chend
— deut­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge sind,
— sich zum Deutsch­tum beken­nen
— und deut­sche Sprach­kennt­nis­se nach­wei­sen kön­nen.

Vor allem aber dür­fen sie (im Gegen­satz zu Antrag­stel­lern aus ande­ren ost- und süd­ost­eu­ro­päi­schen Län­dern) wei­ter­hin als Spät­aus­sied­ler nach Deutsch­land kom­men, weil ihnen ein „kol­lek­ti­ves Kriegs­fol­gen­schick­sal“ attes­tiert wird. Sie wur­den nach dem Über­fall Hit­ler-Deutsch­lands auf die Sowjet­uni­on 1941 aus ihren ange­stamm­ten Sied­lungs­ge­bie­ten bspw. an der Wol­ga, am Schwar­zen Meer oder im Kau­ka­sus in die kar­gen Gebie­te Kasachstans und Sibi­ri­ens depor­tiert und in Zwangs­ar­beits­la­ger gesteckt. Nach einer eher vor­sich­ti­gen Schät­zung beträgt die Gesamt­zahl der russ­land­deut­schen Todes­op­fer in der Sowjet­uni­on 480.000 Per­so­nen. Unter den Fol­gen der Ent­eig­nung, Depor­ta­ti­on und Mas­sen­ver­nich­tung sowie des Ver­bots der deut­schen Spra­che und der Dis­kri­mi­nie­rung lei­den die Fami­li­en und Nach­kom­men der Opfer bis heu­te.

Wir wen­den uns daher mit Nach­druck gegen jeden Ver­su­ch, die Berech­ti­gung unschul­dig bestraf­ter Men­schen, in ihre his­to­ri­sche Hei­mat zurück­zu­keh­ren, in Fra­ge zu stel­len oder sie mit ein­sei­ti­gen und ten­den­ziö­sen Kom­men­ta­ren zu dis­kre­di­tie­ren.

2. Die For­mu­lie­rung „Nach dem Zer­fall der Sowjet­uni­on in den Neun­zi­ger­jah­ren kehr­ten ihre Nach­fah­ren zu Hun­dert­tau­sen­den zurück.“ lässt brei­ten Raum für Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen. Voll­stän­dig wäre die For­mu­lie­rung mit dem Hin­weis dar­auf, dass die Deut­schen in der Sowjet­uni­on zu die­sem Zeit­punkt bereits Jahr­zehn­te eines zumeist ver­geb­li­chen und mit zahl­rei­chen Repres­sio­nen ver­bun­de­nen Kamp­fes um Aus­rei­se in die Bun­des­re­pu­blik hin­ter sich hat­ten.

3. Es wird nicht expli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Deut­schen aus Russ­land nicht aus ihren ursprüng­li­chen Sied­lungs­ge­bie­ten nach Deutsch­land kom­men, son­dern aus den Ver­trei­bungs­ge­bie­ten inner­halb der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on. Eine Rück­kehr in die ursprüng­li­chen Sied­lungs­ge­bie­te war näm­li­ch gesetz­li­ch unter­sagt.

4. Vor dem Hin­ter­grund des bis­her Aus­ge­führ­ten dürf­te die mas­si­ve Ver­är­ge­rung vie­ler unse­rer Lands­leu­te über ihre For­mu­lie­rung „sie (die Fami­lie Getts) wür­den wohl als Wirt­schafts­flücht­lin­ge gel­ten“ nach­voll­zieh­bar sein, zumal dem Arti­kel auch zu ent­neh­men ist, dass der Fami­li­en­va­ter Getts noch Jahr­zehn­te nach dem Zwei­ten Welt­krieg als Deut­scher unter­drückt wur­de.

5. Wenig Ver­ständ­nis haben wir für den Ver­gleich der Rechts­an­sprü­che auf Auf­nah­me von Asyl­be­wer­bern und Spät­aus­sied­lern. Hier wird erneut eine Mau­er zwi­schen Men­schen auf­ge­baut, die, jeweils vor dem Hin­ter­grund ihres eige­nen Schick­sals, Zuflucht bzw. Hei­mat in Deutsch­land suchen.

Bun­des­vor­stand

Altersarmut bei Spätaussiedlern und klare Aussagen zur Verständigungspolitik

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BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB

BdV-Prä­si­dent Dr. Bernd Fabri­ti­us MdB

Bundesversammlung fasst einstimmige Entschließungen

BdV-Prä­si­dent Dr. Bernd Fabri­ti­us MdB erklärt:

Die ver­sam­mel­ten Ver­tre­ter der Lands­mann­schaf­ten und Lan­des­ver­bän­de haben am 2. Dezem­ber 2016 ein­mü­tig gefor­dert, das Risi­ko der Alters­ar­mut bei Spät­aus­sied­lern abzu­mil­dern. Dies begrü­ße ich aus­drück­li­ch.

Ich freue mich außer­dem, dass die BdV-Bun­des­ver­samm­lung sich klar zur Fort­set­zung der grenz­über­schrei­ten­den ver­stän­di­gungs­po­li­ti­schen Arbeit des Ver­ban­des bekannt hat.

Die fol­gen­den Ent­schlie­ßun­gen wur­den ein­stim­mig von den Dele­gier­ten ver­ab­schie­det. Auch dies wer­den Schwer­punk­te unse­rer Arbeit in der nun­mehr begon­ne­nen Wahl­pe­ri­ode sein.

Ent­schlie­ßun­gen der BdV-Bun­des­ver­samm­lung vom 2. Dezem­ber 2016

Alters­ar­mut bekämp­fen – auch bei Spät­aus­sied­lern

Die Bun­des­ver­samm­lung des BdV blickt mit Besorg­nis auf das gesamt­ge­sell­schaft­li­ch anstei­gen­de Risi­ko der Alters­ar­mut.

Die zu uns gekom­me­nen Spät­aus­sied­ler sind von die­ser Ent­wick­lung beson­ders betrof­fen. Ursa­che hier­für sind die Ände­run­gen des Fremd­ren­ten­ge­set­zes (FRG) der 1990er-Jah­re sowie die Bestim­mun­gen nach dem Wachs­tums- und Beschäf­ti­gungs­för­de­rungs­ge­setz von 1996 mit der Decke­lung der im Aus­land erwor­be­nen anre­chen­ba­ren Ent­gelt­punk­te und der Ein­füh­rung eines nied­ri­ge­ren Bewer­tungs­fak­tors von 0,6.

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Altersarmut unter den Deutschen aus Russland

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Wappen-LmDRStel­lung­nah­me der Lands­mann­schaft

Alters­ar­mut unter den Deut­schen aus Russ­land  und den ande­ren Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­uni­on 

Aus Sor­ge um die Zukunft unse­rer Volks­grup­pe for­dern wir die Poli­tik Deutsch­lands auf, wirk­sa­me Maß­nah­men gegen die Alters­ar­mut der Deut­schen aus Russ­land zu ergrei­fen.


Als armuts­ge­fähr­det gel­ten gemäß EU-Defi­ni­ti­on Men­schen, die mit weni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren bedarfs­ge­wich­te­ten Ein­kom­mens der Bevöl­ke­rung in Pri­vat­haus­hal­ten aus­kom­men müs­sen. Nach den Ergeb­nis­sen des Mikro­zen­sus gal­ten im Jahr 2013 bei­spiels­wei­se Ein­per­so­nen­haus­hal­te mit einem monat­li­chen Net­to-Ein­kom­men von weni­ger als 892 Euro als armuts­ge­fähr­det. Das ist bei wei­tem mehr, als die meis­ten Rent­ner der Deut­schen aus Russ­land bekom­men.

Unter den Deut­schen aus Russ­land nimmt der Anteil der über 65-Jäh­ri­gen, die im Alter armuts­ge­fähr­det sind, sehr schnell zu. Wäh­rend 2013 jeder sieb­te Ruhe­ständ­ler in Deutsch­land von Alters­ar­mut bedroht war, war die­ser Anteil unter unse­ren Lands­leu­ten erheb­li­ch höher. Betrof­fen sind alle Deut­schen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on, unab­hän­gig davon ob sie mit dem Sta­tus Heim­keh­rer, Spät­heim­keh­rer, Aus­sied­ler oder Spät­aus­sied­ler geführt wer­den.

Ursa­chen sind die restrik­ti­ven Ände­run­gen des Fremd­ren­ten­ge­set­zes in den 90er Jah­ren. Seit 1996 gibt es Bestim­mun­gen nach dem Wachs­tums- und Beschäf­ti­gungs­för­de­rungs­ge­setz mit einer Decke­lung der im Aus­land erwor­be­nen anre­chen­ba­ren Ent­gelt­punk­te, die eine Berech­nungs­grund­la­ge für die Ren­ten­hö­he bil­den.

Mit dem Argu­ment, dass die Deut­schen aus Russ­land nicht bes­ser­ge­stellt wer­den dür­fen als die Ost­deut­schen, wur­de für sie ein nied­ri­ger Bewer­tungs­fak­tor für Ent­gelt­punk­te von 0,6 ein­ge­führt. Wir begrü­ßen das Vor­ha­ben, die Ost-Ren­te an das West­ni­veau anzu­glei­chen. Gleich­zei­tig kri­ti­sie­ren wir aber, dass die Deut­schen aus Russ­land in die­ser Betrach­tung nicht vor­kom­men. Der Bewer­tungs­fak­tor von 0,6 ist unver­än­dert geblie­ben. Damit ver­schärft sich das Risi­ko der Alters­ar­mut unter unse­ren Lands­leu­ten zuneh­mend.

Beson­ders dra­ma­ti­sch ist die Situa­ti­on für Frau­en und Män­ner, die nach 1993 in Deutsch­land mit dem Sta­tus Spät­aus­sied­ler ein­ge­reist sind. Ein hoher Anteil die­ser ein­ge­reis­ten Per­so­nen wur­de nach § 7 BVFG und deren Ehe­gat­ten nach § 8 BVFG ein­ge­stuft, wodurch sie kei­nen Anspruch auf Aner­ken­nung ihrer Beschäf­ti­gungs­zei­ten in den Her­kunfts­län­dern haben.

Auch in den nächs­ten Jah­ren wer­den die Deut­schen aus Russ­land deut­li­ch häu­fi­ger von Alters­ar­mut bedroht sein. Unse­re Volks­grup­pe ist über­durch­schnitt­li­ch häu­fig von unter­bro­che­nen Erwerbs­bio­gra­phien, hohen Teil­zeit­ar­beits­quo­ten und nied­ri­gen Löh­nen betrof­fen, was die Wahr­schein­lich­keit für nied­ri­ge Ren­ten und Alters­ar­mut erhöht. Der Inte­gra­ti­ons­wil­le und die hohe Bereit­schaft, eine belie­bi­ge nie­der­qua­li­fi­zier­te Arbeit zu über­neh­men, nur um nicht von den Sozi­al­kas­sen abhän­gig zu sein, brin­gen somit nega­ti­ve Fol­gen mit sich.

Die über­pro­por­tio­nal hohe Zunah­me der Alters­ar­mut unter den Deut­schen aus Russ­land soll als gro­ße Her­aus­for­de­rung für Poli­tik und Gesell­schaft auf allen Ebe­nen betrach­tet wer­den. Der „Gene­ra­tio­nen­ver­trag“ soll auch für die Deut­schen aus Russ­land gel­ten. Die Deut­schen aus Russ­land bil­den eine jun­ge Volks­grup­pe und zah­len mehr in die Ren­ten­kas­se ein, als ihre Rent­ner in Anspruch neh­men kön­nen.

Wir  for­dern wirk­sa­me  Schrit­te zur Besei­ti­gung  der  bestehen­den  und  der  dro­hen­den  Alters­ar­mut  bei Deut­schen aus Russ­land auch im Sin­ne des sozia­len Frie­dens in den Rei­hen der Spät­aus­sied­ler. Unse­re Lands­leu­te haben die Soli­da­ri­tät der Gesell­schaft ver­dient.

(Ein­stim­mi­ger Beschluss der Bun­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung der LmDR e.V. am 30.10.2016 in Ful­da)

Stel­lung­nah­me der LmDR zur Alters­ar­mut (pdf)

Trauer um Josef Schleicher

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Josef SchleicherDie Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land trau­ert um den schmerz­vol­len Ver­lust ihres ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ters Josef Schlei­cher, der sich als enga­gier­ter Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung, lang­jäh­ri­ger Ide­en­spen­der und Mit­ge­stal­ter des Ver­ban­des vor Ort und bun­des­weit her­vor­ge­tan hat.


Josef Schlei­cher wur­de 14.04.1960 in Eli­sa­wet­grad der Altairegion/Russland in einer russ­land­deut­schen Fami­lie gebo­ren. Er stu­dier­te Geschich­te, Päd­ago­gik und Jour­na­lis­tik an der Staats­uni­ver­si­tät Barnaul/Altai. 1986–1991 war er rüh­ri­ger Kor­re­spon­dent der deutsch­spra­chi­gen Regio­nal­zei­tung „Rote Fahne“/„Zeitung für Dich“, 1992–1998 enga­gier­ter Chef­re­dak­teur der „Zei­tung für Dich“.

Auch unter den schwie­rigs­ten wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen der 1990er Jah­re in Russ­land konn­te er das Redak­ti­ons­team lei­den­schaft­li­ch für sei­ne Ide­en und Vor­ha­ben mit­rei­ßen – so sind vie­le Publi­ka­tio­nen und Koope­ra­tio­nen ent­stan­den. Mit ihm fei­er­te die deutsch­spra­chi­ge „Zei­tung für Dich“ 40 Jah­re (1997) ihres Bestehens mit viel­fäl­ti­gen grenz­über­schrei­ten­den Fes­ti­vi­tä­ten und Gäs­ten aus ganz Russ­land und dem Aus­land.

Auch sei­ne akti­ve Teil­nah­me an der Auto­no­mie­be­we­gung und der Wie­der­her­stel­lung des Deut­schen Natio­na­len Rayons Halb­stadt darf nicht ver­ges­sen sein.

Seit 1998 leb­te er mit Ehe­frau und zwei Töch­tern in Deutsch­land. Nach einer Wei­ter­bil­dung als Mul­ti­me­di­a­f­ach­kraft arbei­te­te er als Redak­teur der rus­sisch­spra­chi­gen Zei­tung „Ost-Express“ und war seit Novem­ber 2001 bis Mit­te 2002 Mit­her­aus­ge­ber und Redak­teur der deutsch­spra­chi­gen Zei­tung „DIA­LOGp­lus“.

Seit Sep­tem­ber 2004 bis Ende 2015 war er enga­gier­ter und krea­ti­ver Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung „Volk auf dem Weg. Geschich­te und Gegen­wart der Deut­schen in/aus Russ­land“ tätig. Mit sei­nem umfang­rei­chen Wis­sen zur Geschich­te und Kul­tur der Russ­land­deut­schen und sei­ner ein­zig­ar­ti­ger Art, die­ses Wis­sen zu ver­mit­teln – vor allem bei Vor­trä­gen und Füh­run­gen im Rah­men des Schul­pro­jek­tes an Schul­ein­rich­tun­gen, hat er das Pro­jekt und sei­ne bun­des­wei­te Prä­sen­ta­ti­on auf eine unnach­ahm­li­che authen­ti­sche Art berei­chert. Als Pro­jekt­lei­ter, His­to­ri­ker und Men­sch gelang es ihm jeder­zeit und vor jedem Publi­kum, die Geschich­te und Kul­tur der Russ­land­deut­schen sach­kun­dig, inhalts­reich, span­nend und zugäng­li­ch zu erläu­tern und zu ver­mit­teln.

Als frei­er Jour­na­list ver­fass­te und publi­zier­te er Skiz­zen, Por­träts, popu­lär­wis­sen­schaft­li­che und wis­sen­schaft­li­che Abhand­lun­gen zu ver­schie­dens­ten Aspek­ten der russ­land­deut­schen Kul­tur­ge­schich­te unter ande­rem für die „Mos­kau­er Deut­sche Zei­tung“, „Zei­tung für Dich“ (Russ­land), „Volk auf dem Weg“ und die Hei­mat­bü­cher der Lands­mann­schaft (Stutt­gart), Kalen­der des HFDR e.V. (Nürn­berg), „Kontakt“(Köln) u.a.

Als His­to­ri­ker ver­öf­fent­lich­te er die Diplom­ar­beit „Volks­bil­dung der deut­schen Kolo­nis­ten in Russ­land vor 1917“ (rus., 1985), die Mono­gra­phie „Deut­sche in der UdSSR: Geschich­te und Gegen­wart“ (rus., 1992), das Lehr­buch „Geschich­te der Russ­land­deut­schen“ (rus., 1992), die Mono­gra­phie „Auto­no­mie­be­we­gung: pro­vin­zi­el­le Träu­me“ (deut­sch, 1996) sowie über 20 Auf­sät­ze in wis­sen­schaft­li­chen Sam­mel­bän­den und Zeit­schrif­ten (in Russ­land, Deutsch­land und Kasach­stan) und über 150 Auf­sät­ze in rus­si­schen und russ­land­deut­schen Wochen­schrif­ten (1988–2005).

Im Namen der Lan­des­vor­stän­de und Orts­grup­pen­vor­stän­de der Lands­mann­schaft bun­des­weit spricht der Bun­des­vor­stand der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land der Ehe­frau und den Töch­tern des Ver­stor­be­nen sein tief­emp­fun­de­nes Bei­leid aus. Josef Schlei­cher bleibt in unse­rer dank­ba­rer Erin­ne­rung.

Bun­des­vor­stand

Gottesdienst in der Erlöserkirche am 28.8.2016

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Evangelische ErlöseEvangelische Erlöserkirche in Essenrkirche in Essen

Evangelische Erlöserkirche in Essen. Quelle: Wikipedia

In diesem Jahr jährt sich zum 75. Mal der Stalin-Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen. Der 28. August 1941 ist zum Schlüsselereignis für die Leidensgeschichte der Russlanddeutschen geworden und bildet eine besondere Art der Identität auch für die nachfolgende Generation.

Vor genau 75 Jahren gab das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR per Erlass bekannt, dass alle Deutschen der Wolgagebiete unverzüglich und restlos umgesiedelt werden müssen. Das gleiche Schicksal erfuhren weitere Deutsche in anderen Siedlungsgebieten der Sowjetunion. Sie wurden aus den europäischen Teilen der Sowjetunion nach Osten in sogenannte Sondersiedlungen deportiert und anschließend vielfach zur Zwangsarbeit im Lagersystem des GULAG verpflichtet. Die Maßnahme stand im Kontext des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941. Alle Sowjetdeutschen wurden kollektiv angeschuldigt, mit Hitlerdeutschland zu kollaborieren - eine unrechtmäßige Annahme, die Stalin als Begründung für seine Politik diente. Repressionen gegenüber Russlanddeutschen hielten auch nach Kriegsende an. In ihre Heimatgebiete durften sie nie zurückkehren.

Für die Erlebnisgeneration und deren Kinder ist ein besonderer Tag des Erinnerns, verbunden mit der Klage über das erfahrene Leid und des Dankes für Gottes Nähe im Leid.

Kulturprogramm 2016 – „Museum am Sonntag“

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Kulturprogramm 2016 – „Museum am Sonntag“

Viktor Krieger

Herzliche Einladung zum Vortrag

Was bedeutet Deportation in der Geschichte der Russlanddeutschen? “

Es sind nun 75. her, dass in der Zeit von 1941 bis 1945 über 1,2 Mio Deut­sche in der Sowjet­uni­on aus dem euro­päi­schen Teil in den Osten, hin­ter das Ural-Gebir­ge depor­tiert wor­den sind. Zu die­sem The­ma wur­de in der Sowjet­zeit wenig recher­chiert und berich­tet. Das Muse­um für russ­land­deut­sche Kul­tur­ge­schich­te sieht sich ver­pflich­tet dar­an mit einem Vor­trag von Dr. Vik­tor Krie­ger zu geden­ken, der als ers­ter schon 1989 in der UdSSR dar­über einen ers­ten Arti­kel ver­öf­fent­lich­te.

Presseerklärung: 75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen

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EKD

Presseerklärung

75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen
Trauerarbeit mit Russlanddeutschen

Spey­er, den 4. August 2016

Wir haben geschwie­gen … aus Angst

Am 28. August 1941 erließ der Ober­s­te Sowjet unter Josif Sta­lin einen Erlass über die Zwangs­um­sied­lung der Wol­ga­deut­schen. Fast 500 Tau­send Men­schen – Män­ner, Frau­en und Kin­der — wur­den in den dar­auf­fol­gen­den Mona­ten in Güter­wag­gons aus den west­li­chen Tei­len der Sowjet­uni­on, aus Geor­gi­en und Aser­bai­dschan nach Sibi­ri­en und Mit­tel­asi­en depor­tiert. Als soge­nann­te Volks­fein­de und voll­kom­men recht­los wur­den Män­ner und Frau­en zur Zwangs­ar­beit ein­ge­zo­gen, die Kin­der blie­ben sich selbst über­las­sen, Vie­le star­ben an Krank­hei­ten, Unter­ernäh­rung und Erschöp­fung. „Wir haben geschwie­gen wie die Fische“ sagt ein heu­te 79 jäh­ri­ger Russ­land­deut­scher. „Die Angst vor Über­grif­fen war unser stän­di­ger Beglei­ter.“