„Erinnern für die Zukunft“

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Ausstellung zum Leidensweg der Russlanddeutschen

 

Drei Wochen lang, vom 2. bis 22. Februar 2012, präsentierte die Ortsgruppe Lahr der Landsmannschaft (Baden-Württemberg) im Foyer der Lahrer Stadtbücherei unter dem Motto „Erinnern für die Zukunft“ eine Ausstellung zum Thema „Der Leidensweg eines Volkes“.

 

Mit einer Feierstunde in Anwesenheit zahlreicher Vertreter des Gemeinderates wurde die Ausstellung, die dem 70. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion gewidmet war, eröffnet. Die musikalische Umrahmung übernahm der Chor „Die Heimatstimme“, der deutsche Volkslieder, aber auch ein russischsprachiges Lied über das Leid der Trudarmisten darbot.

Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller begrüßte die Initiative der Deutschen aus Russland zu dieser Ausstellung, die den 70. Jahrestag der Deportation zum Anlass nahm, an die damit verbundenen Verbrechen zu erinnern. Inzwischen sei die Geschichte der Russlanddeutschen auch ein Teil der Lahrer Geschichte geworden, genauso wie die Geschichten anderer Zuwanderer, die in Lahr eine neue Heimat gefunden hätten.

Lilli Kerbs von der Ortsgruppe Lahr führte in die Ausstellung ein; schon 2011 hatte sie eine Reihe von Vorträgen zum Thema der Verfolgung der Deutschen in der Sowjetunion gehalten.

Anhand von Zeitzeugenberichten und Bildern russlanddeutscher Künstler wurde in der Ausstellung an Vertreibung und Zwangsarbeit ebenso erinnert wie an den starken Überlebenswillen der Russlanddeutschen, für die ihr Glaube und ihre Muttersprache Deutsch die einzige Heimat waren, die man ihnen nicht wegnehmen konnte. Zusätzliche Informationen bot ein Büchertisch der Stadtbücherei.

Lilli Kerbs berichtete vom Schicksal ihrer Familie, das für die Geschichte einer ganzen Volksgruppe steht. Deportation, Zwangsarbeit, Gewalt, Unterdrückung und Diskriminierung – mit diesen Begriffen müsse beschrieben werden, was den Russlanddeutschen während und nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion zugefügt wurde, so Kerbs. „Die Sprache und die Lieder haben unseren Eltern geholfen, ihre Identität zu behalten.“

In Russland selbst werde das Thema nach wie vor totgeschwiegen. „Dieser Teil der Geschichte Russlands ist aus den Geschichtsbüchern gestrichen worden“, sagte Lilli Kerbs. Die traumatischen Erlebnisse jener Zeit reichten indes bis in das heutige Leben der Menschen. Lilli Kerbs Vater zum Beispiel konnte erst hier in Deutschland von dem erzählen, was er damals erlebt hatte: „Wir durften das ja nicht aussprechen. Es kam erst raus, als er hier zur Ruhe gekommen war.“

Lilli Kerbs Vater Harry Hoffmann, 1931 in der Ukraine geboren, wurde von der Deutschen Wehrmacht nach ihrem Einmarsch in Russland nach Deutschland geholt und nach Kriegsende von der russischen Armee wieder zurück nach Sibirien verfrachtet. Ihr Schwiegervater wurde unter Stalin in ein Arbeitslager gesteckt und musste dort elf Jahre schuften, weil er sich zu seinem Glauben bekannt hatte. Ihre Mutter Erna Hoffmann wurde, wie alle Verwandten von dieser Seite, aus der Wolgarepublik hinter den Ural deportiert.

Lilli Kerbs wurde 1951 in Krasnoturinsk am Westrand des Ural geboren. 1990 kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland.

Nach „Badische Zeitung“

Breit gefächertes Programm für Aktive

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Mitarbeitertagung der Landesgruppe Baden-Württemberg

 

Ein randvolles Programm hatte die Mitarbeitertagung der Landesgruppe Baden-Württemberg, die am Wochenende des 28. und 29. Januars 2012 in Stuttgart stattfand.

 

Nach der Begrüßungsansprache der baden-württembergischen Landesvorsitzenden und Tagungsleiterin Leontine Wacker, die sich bei den Teilnehmern für ihre ehrenamtliche Arbeit bedankte, referierte Frau Hermann vom Sozialamt der Stadt Stuttgart über Neuerungen und besondere Inhalte der Hilfen im Paket „Bildung und Teilhabe“.

Als nächster Punkt stand die Beantragung von Kulturmitteln nach § 96 Bundesvertriebenengesetz auf der Tagesordnung. Ludmilla Holzwarth, Vorsitzende der Ortsgruppe Stuttgart, sprach über den Begriff der Kultur- und Mittelförderung, was darunter zu verstehen ist und was gefördert werden kann. Über detaillierte Fragen und Wünsche wurde beim gemütlichen Beisammensein am Abend des ersten Tages diskutiert.

Nach der Kaffeepause informierte Leontine Wacker über die aktuelle Fremdrentenregelung, die eventuelle Beantragung der russischen Rente und die Auszahlung von Rentenbeiträgen in Kasachstan. Weitere Diskussionen drehten sich um die Härtefallregelung im Spätaussiedleraufnahmeverfahren nach der Änderung von § 27 des Bundesvertriebenengesetzes.

Zu allen angesprochenen Themen hatte Leontine Wacker umfangreiche Arbeitsmaterialien vorbereitet, die an die Teilnehmer ausgegeben wurden. Ebenfalls verteilt wurden weitere Broschüren und das Buch „Sprung ins Wasser“ von Wendelin Mangold.

Es folgte ein Bericht der Vorsitzenden der Ortsgruppe Karlsruhe, Erna Pacer, über ihre Arbeit in der Stadt und Möglichkeiten zur Finanzierung und Durchführung von Kleinprojekten.

Abgeschlossen wurde das offizielle Programm des ersten Tages mit Ausführungen von Leontine Wacker zu Beitragsrückerstattungen und Neuwahlen in den landsmannschaftlichen Kreis- und Ortsgruppen.

Das gemütliche Beisammensein fiel leider ein wenig kurz aus, doch war es für mich, und ich denke auch für die anderen Teilnehmer, nach dem anstrengenden Tag ein sehr schöner Abschluss. Man kam mit Landsleuten, mit denen man schon so lange zusammenarbeitet, ins Gespräch und erfuhr so manches Persönliche und Nützliche. Es waren sehr gute Gespräche, für sie ich mich gemeinsam mit Leontine Wacker herzlich bedanke.

Nach der Fortsetzung des Meinungsaustauschs und der Tagungskritik erwarteten wir am Vormittag des zweiten Tages Dr. Susanne Dieterich mit ihrem Referat „Württemberg und Russland – Geschichte einer Beziehung“. Es ist ein Thema, zu dem im nächsten Jahr in Stuttgart eine große Ausstellung zu sehen sein wird.

            Landesgruppe Baden-Württemberg, i.A. Ludmilla Holzwarth

 

Die Landesgruppe Baden-Württemberg hat 2011 bei verschiedenen Veranstaltungen mit einer Ausstellung und Informationsmaterial auf das Schicksal der Deutschen aus Russland aufmerksam gemacht. Die Ausstellung erinnert an den Erlass vom 28. August 1941, die grausame Deportation nach Sibirien und Kasachstan und die stalinistischen „Säuberungen“ der 1930er Jahre.

Mit der Feier zum 60-jährigen Bestehen der Kreis- und Ortsgruppe Stuttgart am 16. Juli sowie dem Tag der Heimat am 11. September in Leutenbach (Rems-Murr-Kreis) und am 18. September in der Stuttgarter Liederhalle begannen unsere Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion.

Besonders beeindruckend war die Rede von Ministerialdirigent Herbert Hellstern beim Tag der Heimat am 18. September, die er mit Worten zum Heimatbegriff beendete: “ Die Erinnerung an die alte Heimat ist lebendig. Aus dem ‚Paradies der Erinnerung‘ an die Heimat gibt es keine Vertreibung. Nichts und niemand kann Ihnen diese Erinnerung an die Heimat nehmen. Auch nicht das Gedenken an jene, die mit dem Verlust der Heimat auch ihr Leben verloren.“

Durch die Ausstellung und zahlreiche Gespräche konnten wir den Besuchern und Vertretern des öffentlichen Lebens das Schicksal unserer Volksgruppe nahe bringen und über verschiedene Einzelschicksale Interesse und Betroffenheit wecken.

Ein besonderer Dank geht an die Familie Kremser für ihre Hilfe bei der Ausstellungspräsentation zum Tag der Heimat.

In Backnang wurde die Ausstellung im kleineren Format gezeigt, und in Pforzheim war sie vom 4. September bis 31. Oktober im Haus der Landsmannschaft zu sehen. Dort war das Thema der Ausstellung auch Thema des Tages der Heimat. Weitere Ausstellungsstationen waren Friedrichshafen, Karlsruhe und Schwäbisch Gmünd.

Da die Landesgruppe mehrere Sätze der Ausstellung besitzt, konnte sie an interessierte Ortsgruppe weitergegeben werden. So wurde sie nach Biberach ausgeliehen und dort nach Absprache mit der Ortsgruppe gezeigt. In Bietigheim-Bissingen ist man an der Ausstellung ebenso interessiert wie in Lahr, Heidelberg und anderen Kreis- und Ortsgruppen.

Wir in Baden-Württemberg stellen immer wieder fest, dass das Interesse an der Geschichte der Russlanddeutschen groß ist. Wir streuen daher das Informationsmaterial breitflächig bis in die kleinsten Landgemeinden. Das geschieht bei zahlreichen Veranstaltungen, an denen die Landesgruppe teilnimmt, und so werden mit verschiedenen Institutionen Netzwerke geknüpft. Ein Beispiel war die Ausstellung zum Thema „Menschenrechte und Lebenswege – Jugendliche auf Spurensuche in der Geschichte russlanddeutscher Familien in Tomsk und Stuttgart“ in den Beruflichen Schulen des IB.

            L. Holzwarth

Außerordentlichen Sitzung in Ulm

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Am 3. Februar 2011 trafen wir uns in der „Oase“ in Ulm zu einer außerordentlichen Sitzung, an der sich auch die Vorsitzende der Landesgruppe Baden-Württemberg, Leontine Wacker, beteiligte.

Es war wichtig, vor den Wahlen des neuen Vorstandes der Orts- und Kreisgruppe Ulm im März 2011 eine Strategie auszuarbeiten, um neue Ehrenamtliche für die Tätigkeit im Vorstand zu gewinnen.

Nach der Vorstellungsrunde der Anwesenden ging es sofort an die Arbeit. Da wir glücklicherweise junge, interessierte Landsleute dabei hatten, war es angebracht, sowohl auf die  Geschichte als auch auf die Struktur der Landsmannschaft einzugehen. Sehr behilflich war dabei die Festschrift „60 Jahre Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. 30 Jahre Patenschaft des Landes Baden-Württemberg“, die die wichtigsten Entwicklungsetappen und Schwerpunkte der landsmannschaftlichen Arbeit herausstellt. Außerdem kam es zu einer anregenden Diskussion über einige Punkte der Satzung und der Verbandsordnung, über die bei der Außerordentlichen Bundesdelegiertenversammlung der Landsmannschaft entschieden werden soll.

Die Teilnehmer kamen zu der Überzeugung, dass neue und schon erfahrene Landsleute im neuen Vorstand der Orts- und Kreisgruppe Ulm zusammenarbeiten sollten; das Vereinsleben könne davon nur profitieren.

Wir bedanken uns herzlich bei allen für ihre Bereitschaft mitzumachen; damit dürfte einer guten Zusammenarbeit nichts im Wege stehen.

Landesvorstand Baden-Württemberg