SONDERSIEDLER IN DER KOMI ASSR – СПЕЦПОСЕЛЕНЦЫ В КОМИ АССР

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Liebe Landsleute!

Einige von Ihnen werden es wissen, dass die Stiftung „Pokajanie“ („Reue“) in Syktyvkar ein Martyrologium der Opfer der politischen Repressionen in der Republik Komi erstellt und 9 Bände (13 Bücher) veröffentlicht hat. Darin sind die Insassen der verschiedenen Zwangsarbeitslager, die auf dem Gebiet der Republik existierten, mit Kurzbiographien aufgeführt. In jedem Band ist auch eine Reihe von Dokumenten enthalten, die das Lagerleben betreffen.

Geschichte und Erinnerung

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Geschichte und Erinnerung

1763 erließ die Zarin Katharina II. das Einladungsmanifest für Siedler im russischen Zarenreich. 2013 werden es 250 Jahre sein – ein bedeutendes Datum für Deutsche aus und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Im Gnadenprivileg Pauls I. (1796-1801) vom 6.9.1800 wurden den Mennoniten noch zusätzliche Vorrechte eingeräumt (Befreiung vom Kriegs- und Zivildienst für alle Zeiten, keine Eidesleistung vor Gericht, Gewerbefreiheit etc.). Das Manifest Alexanders I. (1801 -1825) vom 20.02.1804 legte besonderen Wert auf Einwanderer, die gute Landwirte, Handwerker, Winzer oder Viehzüchter waren.

Deutsche aus Russland, die jetzt nach Deutschland kommen oder bereits seit einigen Jahrzehnten hier leben, sind fast ausschließlich Nachkommen der Auswanderer aus Hessen, Rheinhessen, Pfalz, Württemberg, Baden, Elsass und Bayern, die zur Zeit der Zarin Katharina II. (1729-1796) und ihres Enkels Alexander I. (1777-1825) nach Russland aufbrachen. In die Regentschaft der beiden Zaren fallen die drei wichtigsten Auswanderungswellen aus Deutschland nach Russland, der Zug an die Wolga überwiegend aus Rheinhessen und Pfalz (ab 1764), der Zug an den Dnjepr (ab 1789) und der Zug ans Schwarze Meer Württemberg, Baden, Elsass und Bayern (ab 1803). Die ursprüngliche Ansiedlung von Deutschen in Sibirien und Mittelasien erfolgte später. Sie wurde vor allem um die Jahrhundertwende 1900 notwendig, als das Land für die Deutschen im europäischen Russland knapp geworden war. Eine besondere Gruppe bildeten die Wolhyniendeutschen, die sich zu verschiedenen Zeiten im 19. Jahrhundert in polnisch-russischen Grenzregionen niederließen.

Die nachfolgenden Rubriken bieten umfassende Informationen über Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen, die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Forschungsinstitutionen und Vereine, Museen, Sammlungen und private Archive von Landsleuten sowie Reisen und Eindrücke aus den ehemaligen Siedlungsgebieten.

Russlanddeutsche

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Zeittafel von der Auswanderung nach Russland bis zur Gründung der Landsmannschaft

1756-1763

Siebenjähriger Krieg, u. a. Auseinandersetzungen zwischen Preußen und Rußland.

5.1.1762

Tod der Zarin Elisabeth I., Nachfolger Zar Peter III., Enkel Peters des Großen. Mit ihm setzt sich die Romanow-Dynastie in der rein deutschen Linie Romanow-Holstein-Gottorp (Schleswig) fort. Er heiratet 1745 als Herzog Karl Peter Ulrich von Holstein-Gottorp (Haus Oldenburg) die Prinzessin Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst.

19.6.1762

Friedensschluß zwischen Preußen und Rußland.

17.7.1762

Ermordung von Peter III. Seine Gattin steigt als Katharina II. auf den russischen Thron.

22.7.1763

Manifest von Katharina II. der Großen mit dem Aufruf an Ausländer zur Einwanderung nach Rußland.

19.3.1764

Kolonialkodex: Festlegung der Agrarordnung in den Kolonialgebieten.

1764-1768

Massenansiedlung im Wolgagebiet; die Einwanderer stammen überwiegend aus Hessen.

29.6.1764

Nishnaja Dobrinka wird als älteste wolgadeutsche Kolonie gegründet, 1765 Balzer.

1765

Anhänger der Herrnhuter Brüdergemeinde, 1727 entstanden in der sächsischen Oberlausitz, lassen sich in Sarepta, nahe Zaryzin, mit der Aufgabe der Kalmückenmission nieder.

1765-1767

Anlage der “Nördlichen Kolonien” im Umkreis von St. Petersburg durch Hessen, Preußen, Württemberger (Schwaben) und Badener.

1765-1766

Gründung von Riebendorf bei Woronesh durch Schwaben und der Belowesh-Kolonien bei Tschernigow durch Hessen und Rheinländer.

1782-1783

Deutsche Kolonisten aus der Danziger Gegend siedeln im Schwarzmeergebiet, 1782 bei Cherson, 1783 bei Jekaterinoslaw (Dnjepropetrowsk).

1786-1789

Gründung von Alt-Danzig (1786), Fischerdorf und Josefstal bei Jekaterinoslaw durch Preußen und Schwaben.

1787-1791

Westpreußische Mennoniten gründen sechs Niederlassungen in Wolhynien.

Juni 1789

Mennoniten wandern nach “Neurußland” ein und gründen Chortitza (“Iltisbau”) am Dnjeprufer. In St. Petersburg leben rund 17.000 Deutsche.

1794

Gründung der Hafenstadt Odessa.

6.9.1800

Gnadenprivileg Pauls I. zugunsten der Mennoniten; danach gründen sie die Halbstädter Kolonien und Gnadenfeld.

1802-1859

Fast 110.000 Deutsche wandern in den Süden Rußlands (Schwarzmeergebiet) ein, darunter ein hoher Anteil von Schwaben (Württemberger) und Alemannen (Elsässer und Badener).

1803

Ansiedlung von Deutschen (meist Schwaben) in Odessa. Gründung einer evangelischen Gemeinde. Großliebentaler Kolonie und Neusatz auf der Krim von Schwaben aus Calw gegründet.

20.2.1804

Manifest Alexanders I. Einladung zur Ansiedlung Deutscher im Schwarzmeergebiet; Freistellung vom Militär.

1804

Prischiber Kolonien in Taurien bei Halbstadt und Liebentaler Kolonien bei Odessa durch Badener, Elsässer, Pfälzer und Schwaben gegründet.

1804-1810

Schwaben, Badener, Elsässer und Schweizer siedeln auf der Krim.

1808-1809

Kutschurganer und Glückstaler Kolonien im Odessagebiet von Badenern, Elsässern und Pfälzern gegründet.

1809-1817

Beresaner Kolonie; unter den Siedlern sind auch Bayern.

1812-1813

Vaterländischer Krieg. Türkei muß Bessarabien an Rußland abtreten. Napoleon zieht in Moskau ein und wird anschließend geschlagen.

1814-1815

Wiener Kongreß (“Neuordnung Europas”); Zar Alexander I. erhält als König von Polen das Gebiet Warschau (“Kongreß-Polen”).

1814-1824

Deutsche Ansiedlung in Bessarabien. Die Einwanderer bestehen hauptsächlich aus Schwaben, Pfälzern, Bayern, Mecklenburgern, Pommern, Schlesiern, Brandenburgern, Deutschen aus dem Warschauer Raum sowie einigen Sachsen. Gründung von Wittenberg (1814) und Leipzig (1815).

1816-1861

Westpreußen, Rheinländer, Pfälzer und Schwaben wandern in Wolhynien ein.

1816-1818

Landnahme von schwäbischen Separatisten im Südkaukasus.

1822-1831

Schwaben gründen Kolonien bei Berdjansk.

1823-1832

Katholiken und Lutheraner, vorwiegend aus Schwaben, gründen die Planer, Grunauer und Mariupoler Kolonien am Nordrand des Asowschen Meeres.

1831

Gründung von Neu-Stuttgart im Kaukasus.

9.11.1838

Zar Nikolaus I. bestätigt die Privilegien der Kolonisten.

1842

Kodifizierung aller Freiheiten, Pflichten und Rechte der Kolonisten; Verleihung der Bürgerrechte im ganzen Zarenreich.

1853-1856

Krimkrieg. Rußland erleidet empfindliche Einbußen. 1855 Fall von Sewastopol.

1854-1861

Mennoniten aus Westpreußen gründen Kolonien bei Samara.

1861

Aufhebung der Leibeigenschaft über die russischen Bauern.

1863

Einwanderung von Schlesiern und Warschau-Deutschen nach Wolhynien. Hiermit endet 100 Jahre nach dem Manifest von Katharina II. im großen und ganzen die deutsche Einwanderung nach Rußland.

1867

2. Slawenkongreß in Moskau; Erstarken des Panslawismus (1826 von J. Herkel geprägter Begriff) unter russischer Führung.

1869-1873

Kronau-Orloff, Tochterkolonien von Prischiber und Halbstädter Mennoniten, gegründet.

18.1.1871

Gründung des Deutschen Reiches durch Bismarck.

4.6.1871

Aufhebung des Kolonialstatuts durch die Zarenregierung Alexanders II. Abschaffung der Selbstverwaltung der deutschen Gebiete. Beginn der Auswanderung nach Nordamerika.

1872-1873

Rund 13.000 Mennoniten wandern nach Nordamerika aus.

13.1.1874

Allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Den Mennoniten bietet man als Ersatz den Dienst im Forstwesen an.

1874

Vermehrte Auswanderung nach Nord- und Südamerika.

1877-1878

Russisch-türkischer Krieg. Erster politischer Erfolg des Panslawismus. Deutsch-russische Entfremdung.

1879

Lage der Deutschen in Rußland durch Bündnis Deutschlands mit österreich verschlechtert.

13.3.1881

Thronbesteigung Alexanders III. Nach der Ermordung Alexanders II. beginnende Russifizierung durch einen offen gegen Deutschland gerichteten “Panrussismus”.

1882

Deutsche Siedlungen (Tochterkolonien) bei Pischpek (Frunse) und Aulie-Ata (Dshambul) in Russisch-Turkestan.

1884

Deutsche Siedlungen bei Chiwa südlich des Aralsees.

1885

Gründung der evangelisch-lutherischen Kirche in Taschkent.

1887

Manifest Alexanders III.: “Rußland muß den Russen gehören.”

1891

Obligatorische Einführung des Russischen als Unterrichtssprache an den Schulen.

1893

Eine Welle des “Russismus” setzt ein. Die Namen der deutschen Siedlungsgebiete werden teilweise russifiziert.

1894

Der letzte russische Zar Nikolaus II. aus dem Hause Romanow-Holstein-Gottorp gelangt auf den Thron. Deutsche Siedlungen (Tochterkolonien) bei Orenburg.

1895

Deutsche Siedlungen bei Akmolinsk (Zelinograd) in der kasachischen Steppe.

1897

Nach einer Volkszählung leben 390.000 Deutsche an der Wolga, 342.000 im Süden Rußlands, 237.000 im Westen Rußlands und 18.000 in Moskau.

1901-1911

Rund 105.000 deutsche Siedler wandern aus Rußland nach Amerika aus.

1903

Verbot der deutschen Ansiedlung in Turkestan. Judenpogrome in Bessarabien (Kischinjow).

1904-1905

Russisch-japanischer Krieg. Niederlage Rußlands führt zu teilweiser Liberalisierung. Siedlungsstrom nach Sibirien in die Gebiete Omsk und Tomsk.

1906-1910

Agrarreform durch Ministerpräsident Stolypin (ermordet am 18.9.1911 in Kiew).

1906-1907

Deutsche Siedlungen bei Ufa im Westural (1906) und bei Aktjubinsk im Südural (1907).

1908

Geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet bei Slawgorod in der Kulunda-Steppe.

1909

Gemäß dem Stolypin’schen Gesetz wandern massenweise neue Siedler nach Westsibirien und Nordturkestan und gründen neue Tochterkolonien (Pawlodar, Karaganda, Nowosibirsk, Krasnojarsk, Irkutsk u.a.).

1914

Nach einer Volkszählung leben in Rußland insgesamt 2.416.290 Deutsche. Ohne das Baltikum, Ostpolen und Wolhynien sind es allein in Zentralrußland über 1.700.000 Deutsche.

1.8.1914

Beginn des I. Weltkrieges. Das Deutsche Reich wird zum Feind des Zarenreiches erklärt. Etwa 300.000 Deutsche dienen trotzdem in der russischen Armee. Obwohl sie russische Staatsbürger sind, wird ihr Grundbesitz beschlagnahmt. Die deutschen Ortsnamen werden 1914 durch russische ersetzt.

2.2.1915

Liquidationsgesetz: Die im Grenzstreifen bis 150 Kilometer lebenden Deutschen sollen nach Sibirien umgesiedelt werden. Über 50.000 Wolhyniendeutsche werden nach Sibirien verschleppt.

27.5.1915

Pogrome gegen Deutsche in Moskau. Viele Geschäfte werden geplündert, 40 Deutsche verwundet, drei ermordet.

15.3.1917

Abdankung Nikolaus II. durch die Februar-Revolution. Aufhebung der Liquidationsgesetze durch die Provisorische Regierung unter Ministerpräsident Lwow.

20.-23.4.1917

Erster gesamtdeutscher Kongreß in der Geschichte der Deutschen aus Rußland in Odessa. Gründung eines Zentralkomitees aller Rußlanddeutschen (86 Vertreter der deutschen Siedlungsgebiete aus 15 Gouvernements). 1. Kongreß der Wolgadeutschen in Saratow; 2. Kongreß der Wolgadeutschen in Schilling.

7.11.1917

Bolschewistische Oktoberrevolution in Petrograd. Beginn der Sowjetdiktatur Lenins. Sturz der Provisorischen Regierung unter Kerenski.

3.3.1918

Frieden von Brest-Litowsk zwischen Deutschland und Rußland. Repatriierungsklausel zugunsten der Rußlanddeutschen. Auf Wunsch werden von deutscher Seite Schutzbriefe an Volksdeutsche ausgestellt. Davon wissen aber nur sehr wenige, und es gelingt nur einzelnen Personen, in den Westen zu kommen. Verzicht Rußlands auf das Baltikum und Polen. Bessarabien kommt zu Rumänien.

April 1918

Schaffung eines “Kommissariats für deutsche Angelegenheiten an der Wolga” unter Leitung von Ernst Reuter.

1918

Laut einer Volkszählung leben in Rußland 1.621.000 Deutsche.

16.7.1918

Ermordung der Zarenfamilie in Jekaterinburg.

9.11.1918

Novemberrevolution in Deutschland. Abschaffung der Monarchie, Abdankung von Kaiser Wilhelm II. Trotzkis kommunistische “Permanente Weltrevolution” scheitert in Deutschland.

1919

Requirierung der gesamten Ernte durch die Bolschewiken. Aufstände im Odessaer Gebiet gegen die Armee der neuen Machthaber. Sogenanntes “Rotes Massaker” gegen die Bauern. Viele Männer werden standrechtlich erschossen.

1920

Schließung des katholischen Priesterseminars.

1921-1923

Größte Mißernte und Hungersnot, bedingt durch Revolution, Bürgerkrieg und Enteignung. Starke Auswanderung aus den Siedlungsgebieten. Die Bevölkerungszahl der Deutschen verringert sich um 26,5 Prozent.

1921-1927

Neue ökonomische Politik (NöP). Vorübergehende Erholung in den deutschen Gebieten.

16.4.1922

Rapallo-Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) durch Rathenau und Tschitscherin. Gegenseitiger Verzicht auf finanzielle Forderungen und Aufnahme von diplomatischen Beziehungen.

30.12.1922

1. Sowjetkongreß verkündet die Bildung der “Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken”.

16.5.1923

Gründung des Allrussischen Mennonitischen Landwirtschaftlichen Verbandes.

9.11.1923

Erneuter Versuch von Sinowjew und Radek, in Deutschland die “Weltrevolution” fortzusetzen, scheitert.

16.1.1924

Gründung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen (ASSRdWD) mit der Hauptstadt Engels (Pokrowsk).

1926

Laut Volkszählung leben in der Sowjetunion 1.238.539 Deutsche. Letzte Versuche, über Sibirien und China nach Amerika auszuwandern. Die USA stellen in Wladiwostok Schiffe zur Verfügung. Ein Teil der Flüchtlinge wird unterwegs gestoppt und bei Omsk und Tomsk angesiedelt.

1927

Gründung des Deutschen Rayons im Altaigebiet. Deutsche Siedlungen am Amur; das sind zugleich die letzten Siedlungsneugründungen.

1928

Beginn der Kollektivierung, Deportation der enteigneten Mittelbauern in den hohen Norden und nach Sibirien. Schließung der Kirchen.

Ende 1929

Rund 14.000 Deutsche aus allen Teilen des Landes kommen nach Moskau in der Hoffnung, eine Ausreisegenehmigung zu erhalten. Nach langen Verhandlungen werden 5.671 in Deutschland – nur zur Durchreise! – aufgenommen und nach Nord- und Südamerika weitergeleitet. Die anderen werden gewaltsam zurücktransportiert.

1930

50.000 Deutsche von der ersten Massendeportation betroffen.

1932-1933

Zweite sowjetische Mißernte als Folge von Zwangskollektivierung und Enteignung. Ungezählte Deutsche an der Wolga und in der Ukraine sterben den Hungertod.

1933-1939

Terrorwelle sichert Stalins Alleinherrschaft. Das Moskauer Hotel “Lux” wird Exilort deutscher Kommunisten aus dem Mutterland.

1935

600 Deutsche werden aus Aserbaidschan nach Karelien deportiert.

1936

Verband der Deutschen aus Rußland e.V. in Deutschland gegründet.

1937

Sämtliche deutsche Kirchen entweiht; kein deutscher Pfarrer mehr im Amt.

1937-1938

Dunkelstes Kapitel für die Rußlanddeutschen in der Vorkriegszeit. Zahlreiche Todesopfer unter der deutschen Bevölkerung während der stalinistischen “Säuberungen”.

1938

In allen deutschen Schulen außerhalb der Wolgadeutschen Republik wird Russisch bzw. Ukrainisch als Unterrichtssprache eingeführt.

1938-1939

Auflösung aller deutschen Rayons außerhalb der ASSRdWD.

23.8.1939

Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes durch die Außenminister von Ribbentrop und Molotow.

1.9.1939

Beginn des II. Weltkrieges. Nach einer Volkszählung leben in der Sowjetunion 1.424.000 Deutsche in überwiegend geschlossenen Siedlungen (95 Prozent Deutsch als Muttersprache).

1940

80.000 Deutsche verlassen Bessarabien und siedeln sich im Wartheland (Warthegau) an. Bessarabien und die Baltischen Staaten werden der UdSSR einverleibt.

22.6.1941

Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges. Odessa wird im Sommer von deutschen und rumänischen Truppen belagert und von der Roten Armee nach 69 Tagen aufgegeben. Deutsche von der Krim, aus dem Kaukasus und den Teilen des Schwarzmeergebietes östlich des Dnjeprs werden nach Sibirien und Mittelasien deportiert.

19.7.1941

Stalin übernimmt den Posten des Volkskommissars für Verteidigung und somit auch das Oberkommando über die Rote Armee.

8.8.1941

Einmarsch rumänischer Truppen im westlichen Schwarzmeergebiet; die Kirchen werden wieder geöffnet.

25.8.1941

Die Deutsche Wehrmacht besetzt Dnjepropetrowsk. Die Deutschen westlich des Dnjeprs entgehen weitgehend der Verbannung.

28.8.1941

Der berühmt-berüchtigte Erlaß des Obersten Sowjets der Sowjetunion führt zur Auflösung der Republik der Wolgadeutschen und zur totalen Deportation der Bevölkerung nach Sibirien und Mittelasien in die Lager der Trudarmee. Innerhalb von zehn Tagen werden rund 350.000 Wolgadeutsche in die Ostregionen der UdSSR verschleppt.

1941-1946

Knapp eine Million Rußlanddeutsche sind vom Schicksal der Deportation betroffen. Eine Unzahl von Menschen fällt diesem Wahnsinn zum Opfer. Die Familien werden getrennt.

30.8.1941

Gebiet zwischen Dnjestr und Bug einschließlich Odessa unter rumänischer Verwaltung laut Vereinbarung mit dem Deutschen Reich. Das Gebiet nennt sich Transnistrien. Darin eingebunden sind die alten deutschen Mutterkolonien der Großliebentaler, Kutschurganer, Glückstaler und Beresaner. Ausstellung von Volkstumsausweisen an die deutsche Bevölkerung.

5.10.1941

Die Rote Armee verläßt das linke Dnjeprufer. Die Ukraine steht unter deutscher Verwaltung. Bildung des Reichskommissariats Ukraine unter Leitung von A. Rosenberg.

Februar 1943

Schlacht bei Stalingrad, Wende an der Ostfront.

1943-1944

Einberufung von rußlanddeutschen Wehrfähigen in die Deutsche Wehrmacht.

März – April 1944

Mit dem Rückzug der Deutschen Wehrmacht werden rund 350.000 Deutsche aus der Ukraine und Transnistrien im Warthegau angesiedelt, einige von ihnen auch im Sudetengau. Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit.

10.4.1944

Rückeroberung Odessas durch die Rote Armee.

September 1944

Sämtliche eingebürgerten wehrpflichtigen Männer werden eingezogen.

12.1.1945

Beginn der sowjetischen Winteroffensive. Flucht nach Westen. Ankunft in Dörfern in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

April 1945

Die Amerikaner besetzen ganz Thüringen und einen großen Teil Sachsens. Später, gegen Ende Juni 1945, ziehen sie sich zurück und überlassen Sachsen und Thüringen den Sowjets.

9.5.1945

Bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst.

5.6.1945

“Berliner Erklärung” der vier Siegermächte: Einteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen.

Juni – Juli 1945

Massenweise Zurückverschleppung der Rußlanddeutschen aus allen Besatzungszonen nach Sibirien und Mittelasien.

2.8.1945

Unterzeichnung des “Potsdamer Abkommens”. Vereinbarung, daß jede Besatzungsmacht “ihre” Bürger ins eigene Land zurückbringen darf. Für jeden ehemaligen Sowjetbürger deutscher Nationalität, der aus Deutschland deportiert wird, werden 200 US-Dollar Kopfgeld als Kriegsschuld für Deutschland angerechnet.

1947

Durch eine Wirtschaftskrise und die Mißernte von 1946 bricht in der UdSSR eine katastrophale Hungersnot aus. Gewaltige Zahl von Todesopfern unter den Rußlanddeutschen in den Lagern der Trudarmee.

26.11.1948

Dekret des Obersten Sowjets: Verbannung der Rußlanddeutschen auf “ewige Zeiten” festgeschrieben; Verlassen der Ansiedlungsorte ohne Sondergenehmigung mit Zwangsarbeit bis zu 20 Jahren bedroht.

23.5.1949

Verkündigung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

21.9.1949

Gründung der Bundesrepublik Deutschland; einen Tag zuvor Bildung der ersten Bundesregierung unter Kanzler Adenauer.

7.10.1949

Gründung der Deutschen Demokratischen Republik.

22.4.1950

Beschluß zur Gründung der “Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler e.V.” in Stuttgart, Archivstraße 18.

5.8.1950

“Charta der deutschen Heimatvertriebenen” der Landsmannschaften der Vertriebenen in Stuttgart; Mitunterzeichner: Dr. Gottlieb Leibbrandt, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler (ab August 1955 Landsmannschaft der Deutschen aus Rußland e.V.).

15.10.1950

Erste Bundesdelegierten-Versammlung mit Konstitution in Kassel. Erster Bundesvorsitzender: Dr. Gottlieb Leibbrandt. Zu den Persönlichkeiten der ersten Stunde gehören außerdem: Superintendent Johannes Schleuning, Pfarrer Heinrich Römmich, Studienrat Dr. Karl Stumpp, Gertrud Braun, Prof. Dr. Benjamin Unruh und Prof. Wilfried Schlau.

Ende 1950

12,2 Millionen Vertriebene in Deutschland, davon 8,1 Millionen in der Bundesrepublik, darunter nur 70.000 Rußlanddeutsche, also weniger als ein Prozent; in der DDR befinden sich 4,1 Millionen Vertriebene, darunter lediglich 5.000 Rußlanddeutsche.

Dezember 1950

Erscheinen der ersten Ausgabe von “Volk auf dem Weg”, der Monatsschrift der Landsmannschaft, damals noch als “Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler” mit Sitz in Stuttgart.

12.5.1951

Erstes Bundestreffen der Rußlanddeutschen (Ostumsiedler) in Stuttgart.

Historischer Forschungsverein der Deutschen aus Russland e.V.

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Historischer Forschungsverein der Deutschen aus Russland e.V.

Vorläuferin des Historischen Forschungsvereins der Deutschen aus Russland e.V. (HFDR) war die „Historische Kommission zur Erforschung der Geschichte und Gegenwart der Deutschen in Russland/UdSSR”, die in den 80er und 90er Jahren einiges zustande brachte.

1999 wurde unter dem Motto „Heimat ist Geschichte und Geschichte ist unser Auftrag!“ der Historische Forschungsverein der Deutschen aus Russland e.V. als der „historische Arm“  der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gegründet. Mehr als 20 Forscher und geschichtsinteressierte Landsleute bundesweit engagieren sich im Verein und veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse in den Publikationen des HFDR.


Scheunenmuseum

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Das „Scheunenmuseum“ von Reinhold Zielke:
Russlanddeutsche Kulturgeschichte zum Anfassen und Erleben



Das „Scheunenmuseum“, wie Reinhold Zielke (geb. 1934) die Unterkunft seiner Exponatensammlung nennt, liegt mitten im historischen Nidda – vor über zwei Jahrhunderten waren deutsche Auswanderer von hier an die Wolga aufgebrochen. Die Scheune ist ein ehemaliger Getreidespeicher, den der Niddaer Karl-Heinz Reinhardt dem passionierten Sammler Reinhold Zielke für seine Sammlung zur Verfügung stellte. „Hier bin ich in warmen Jahreszeiten am liebsten. Es ist immer was zu tun, schließlich muss es wie in einem richtigen Museum aussehen“, sagt er. Im Winter wird die Scheune nicht beheizt.


Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold

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Sammeln, bewahren, präsentieren“ – Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold

„Der Geschichte eine Heimat geben – Integration über Identität gestalten“ unter diesem Motto bemüht sich das „Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte“ Detmold, die kulturellen und geschichtlichen Erfahrungen der russlanddeutschen Zuwanderer in Deutschland zu dokumentieren und weiter zu vermitteln. Es ist es nicht nur in NRW, sondern auch bundesweit das einzige russlanddeutsche Museum. Seit 2002 wird das Projekt vom „Museumsverein für russlanddeutsche Kultur und Volkskunde e.V.“ getragen. Aber auch der Christliche Schulförderverein Lippe e.V., der bisherige Förderer, unterstützt nach wie vor die Museumsaktivitäten.

„Die Russlanddeutschen haben sehr wohl ein eigenes Museum verdient. In der Sowjetunion konnten wir nichts über unsere Geschichte erfahren. Viele haben erst in Deutschland begonnen, sich mit der eigenen Familiengeschichte oder die der Volksgruppe auseinanderzusetzen. Dieser wiedergewonnene Erinnerungsschatz soll nicht nur vor dem Vergessen bewahrt werden, sondern sich auch ins kollektive Bewusstsein der jüngeren Generationen der Russlanddeutschen und der einheimischen Nachbarn einprägen, um so Teil der heutigen Gesamtkultur in Deutschland zu werden“, beschreibt die Museumsleiterin Dr. Katharina Neufeld den Sinn der Museumsinitiative.


Viktor Schäfer: Schriftverkehr

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Schriftverkehr

Im Kapitel Schriftverkehr liegen dem interessierten Leser Schreiben und Briefe aus verschiedenen Jahrgängen von Viktor Schäfer vor, darunter an russische oder auch deutsche Medien und Organisationen. Mit Aufrufen, Rundschreiben und Presseberichten haben Viktor Schäfer und seine Mitstreiter stets am Gewissen ihrer Landsleute gerüttelt, diein den Verbannungsorten verbliebenen Deutschen nicht zu vergessen und sich für sie einzusetzen.

PDF-Dateien :

Viktor Schäfer: Demonstrationen

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Demonstrationen für die Ausreisefreiheit.

In den späten 70er und den frühen 80er Jahren haben die Gesellschaft für Menschenrechte, der Bund „Re Patria“ und die „Initiativgruppezur Hilfeleistung für die ausreisewilligen Deutschen in der UdSSR“ zu Demonstrationenund Protestaktionen (darunter Hungerstreiks) zur Unterstützung der Ausreisefreiheit der Deutschen in der Sowjetunion aufgerufen und organisiert. Auch die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland trat, insbesondere dank den Bemühungen ihrer Aktiven aus der jüngeren Generation,immer mutiger für die verbrieften Rechte der Deutschen in der Sowjetunion auf.

So kam es seit 1978 bis 1981 zu mehreren Demonstrationenunter dem Motto „Familienzusammenführung“ mitBeteiligung von 60 bis zu 200 Teilnehmernin Bonn und Hamburg vor dem sowjetischen Konsulat, insbesondere auch bei Besuchen sowjetischer Politiker hohen Ranges wie Breschnew oder Gromyko.

Zum Breschnew-Besuch in Bonn im Mai 1978 riefen die Gesellschaft für Menschenrechte und der Bund „Re Patria“ zum Schweigemarsch und Kundgebung auf. Am Vortag organisierte der Bund der Vertriebenen einen Informationstag. Die Teilnehmer rückten mit Plakaten an, mit denen sie die Forderung nach derFamilienzusammenführung bzw. Ausreisefreiheit zum Ausdruck brachten. Auch bei den Protestaktionen vor der Botschaft in Bonn, zu denen der Bund „Re Patria“ und die Initiativgruppe aufriefen, ging es um die Ausreisefreiheit für die Deutschen in der Sowjetunion.

Die nachfolgenden PDF-Dateien mit Unterlagen und Berichten vermitteln einen Einblick in diese Aktivitäten.

PDF-Dateien:

 

Viktor Schäfer: Tagungen in Bad Sooden

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Tagungen in Bad Sooden-Allendorf (Bemühungen um die Familienzusammenführung der Deutschen in der Sowjetunion).

Schon in den frühen 70er Jahren erhob die Jugendorganisation der Landsmannschaft  (Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland, der in der DJO integriert war und mit zahlreichen Veranstaltungen hervortrat) die Bemühungen der Landsmannschaft um die in der Sowjetunion verbliebenen Landsleute zu ihrem wichtigsten Ziel. Ihre in Frankfurt/Main, Neustadt, Hannover, Stuttgart und München gewählten Vertreter spielten in der späteren Geschichte der Landsmannschaft eine bedeutende Rolle, darunter Albin Fiebich, Nikolaus Wilhelm, Eduard Markstädter, Waldemar Neumann, Adolf Fetsch, Waldemar Axt, um nur einige zu nennen.