SONDERSIEDLER IN DER KOMI ASSR — СПЕЦПОСЕЛЕНЦЫ В КОМИ АССР

Standard

Liebe Landsleute!

Einige von Ihnen wer­den es wis­sen, dass die Stif­tung „Pokaja­nie“ („Reue“) in Syktyv­kar ein Mar­ty­ro­lo­gium der Opfer der poli­ti­schen Repres­sio­nen in der Repu­blik Komi erstellt und 9 Bände (13 Bücher) ver­öf­fent­licht hat. Darin sind die Insas­sen der ver­schie­de­nen Zwangs­ar­beits­la­ger, die auf dem Gebiet der Repu­blik exis­tier­ten, mit Kurz­bio­gra­phien auf­ge­führt. In jedem Band ist auch eine Reihe von Doku­men­ten ent­hal­ten, die das Lager­le­ben betref­fen.

Russlanddeutsche

Standard

Zeit­ta­fel von der Aus­wan­de­rung nach Russ­land bis zur Grün­dung der Lands­mann­schaft

1756–1763

Sie­ben­jäh­ri­ger Krieg, u. a. Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Preu­ßen und Ruß­land.

5.1.1762

Tod der Zarin Eli­sa­beth I., Nach­fol­ger Zar Peter III., Enkel Peters des Gro­ßen. Mit ihm setzt sich die Roma­now-Dynas­tie in der rein deut­schen Linie Roma­now-Hol­stein-Got­torp (Schles­wig) fort. Er hei­ra­tet 1745 als Her­zog Karl Peter Ulrich von Hol­stein-Got­torp (Haus Olden­burg) die Prin­zes­sin Sophie Frie­de­rike Auguste von Anhalt-Zerbst.

19.6.1762

Frie­dens­schluß zwi­schen Preu­ßen und Ruß­land.

17.7.1762

Ermor­dung von Peter III. Seine Gat­tin steigt als Katha­rina II. auf den rus­si­schen Thron.

22.7.1763

Mani­fest von Katha­rina II. der Gro­ßen mit dem Auf­ruf an Aus­län­der zur Ein­wan­de­rung nach Ruß­land.

19.3.1764

Kolo­ni­al­ko­dex: Fest­le­gung der Agrar­ord­nung in den Kolo­ni­al­ge­bie­ten.

1764–1768

Mas­sen­an­sied­lung im Wol­ga­ge­biet; die Ein­wan­de­rer stam­men über­wie­gend aus Hes­sen.

29.6.1764

Nish­naja Dobrinka wird als älteste wol­ga­deut­sche Kolo­nie gegrün­det, 1765 Bal­zer.

1765

Anhän­ger der Herrn­hu­ter Brü­der­ge­meinde, 1727 ent­stan­den in der säch­si­schen Ober­lau­sitz, las­sen sich in Sarepta, nahe Zary­zin, mit der Auf­gabe der Kal­mü­cken­mis­sion nie­der.

1765–1767

Anlage der “Nörd­li­chen Kolo­nien” im Umkreis von St. Peters­burg durch Hes­sen, Preu­ßen, Würt­tem­ber­ger (Schwa­ben) und Bade­ner.

1765–1766

Grün­dung von Rie­ben­dorf bei Woro­nesh durch Schwa­ben und der Belo­wesh-Kolo­nien bei Tscher­ni­gow durch Hes­sen und Rhein­län­der.

1782–1783

Deut­sche Kolo­nis­ten aus der Dan­zi­ger Gegend sie­deln im Schwarz­meer­ge­biet, 1782 bei Cher­son, 1783 bei Jeka­te­ri­noslaw (Dnjepro­pe­trowsk).

1786–1789

Grün­dung von Alt-Dan­zig (1786), Fischer­dorf und Josef­stal bei Jeka­te­ri­noslaw durch Preu­ßen und Schwa­ben.

1787–1791

West­preu­ßi­sche Men­no­ni­ten grün­den sechs Nie­der­las­sun­gen in Wol­hy­nien.

Juni 1789

Men­no­ni­ten wan­dern nach “Neu­ruß­land” ein und grün­den Chor­titza (“Iltis­bau”) am Dnjep­ru­fer. In St. Peters­burg leben rund 17.000 Deut­sche.

1794

Grün­dung der Hafen­stadt Odessa.

6.9.1800

Gna­den­pri­vi­leg Pauls I. zuguns­ten der Men­no­ni­ten; danach grün­den sie die Halb­städ­ter Kolo­nien und Gna­den­feld.

1802–1859

Fast 110.000 Deut­sche wan­dern in den Süden Ruß­lands (Schwarz­meer­ge­biet) ein, dar­un­ter ein hoher Anteil von Schwa­ben (Würt­tem­ber­ger) und Ale­man­nen (Elsäs­ser und Bade­ner).

1803

Ansied­lung von Deut­schen (meist Schwa­ben) in Odessa. Grün­dung einer evan­ge­li­schen Gemeinde. Groß­lie­ben­ta­ler Kolo­nie und Neu­satz auf der Krim von Schwa­ben aus Calw gegrün­det.

20.2.1804

Mani­fest Alex­an­ders I. Ein­la­dung zur Ansied­lung Deut­scher im Schwarz­meer­ge­biet; Frei­stel­lung vom Mili­tär.

1804

Pri­schi­ber Kolo­nien in Tau­rien bei Halb­stadt und Lie­ben­ta­ler Kolo­nien bei Odessa durch Bade­ner, Elsäs­ser, Pfäl­zer und Schwa­ben gegrün­det.

1804–1810

Schwa­ben, Bade­ner, Elsäs­ser und Schwei­zer sie­deln auf der Krim.

1808–1809

Kut­schur­ga­ner und Glücks­ta­ler Kolo­nien im Odes­sa­ge­biet von Bade­nern, Elsäs­sern und Pfäl­zern gegrün­det.

1809–1817

Beresa­ner Kolo­nie; unter den Sied­lern sind auch Bay­ern.

1812–1813

Vater­län­di­scher Krieg. Tür­kei muß Bes­sa­ra­bien an Ruß­land abtre­ten. Napo­leon zieht in Mos­kau ein und wird anschlie­ßend geschla­gen.

1814–1815

Wie­ner Kon­greß (“Neu­ord­nung Euro­pas”); Zar Alex­an­der I. erhält als König von Polen das Gebiet War­schau (“Kon­greß-Polen”).

1814–1824

Deut­sche Ansied­lung in Bes­sa­ra­bien. Die Ein­wan­de­rer bestehen haupt­säch­lich aus Schwa­ben, Pfäl­zern, Bay­ern, Meck­len­bur­gern, Pom­mern, Schle­si­ern, Bran­den­bur­gern, Deut­schen aus dem War­schauer Raum sowie eini­gen Sach­sen. Grün­dung von Wit­ten­berg (1814) und Leip­zig (1815).

1816–1861

West­preu­ßen, Rhein­län­der, Pfäl­zer und Schwa­ben wan­dern in Wol­hy­nien ein.

1816–1818

Land­nahme von schwä­bi­schen Sepa­ra­tis­ten im Süd­kau­ka­sus.

1822–1831

Schwa­ben grün­den Kolo­nien bei Berdjansk.

1823–1832

Katho­li­ken und Luthe­ra­ner, vor­wie­gend aus Schwa­ben, grün­den die Pla­ner, Gru­nauer und Mari­u­po­ler Kolo­nien am Nord­rand des Asow­schen Mee­res.

1831

Grün­dung von Neu-Stutt­gart im Kau­ka­sus.

9.11.1838

Zar Niko­laus I. bestä­tigt die Pri­vi­le­gien der Kolo­nis­ten.

1842

Kodi­fi­zie­rung aller Frei­hei­ten, Pflich­ten und Rechte der Kolo­nis­ten; Ver­lei­hung der Bür­ger­rechte im gan­zen Zaren­reich.

1853–1856

Krim­krieg. Ruß­land erlei­det emp­find­li­che Ein­bu­ßen. 1855 Fall von Sewas­to­pol.

1854–1861

Men­no­ni­ten aus West­preu­ßen grün­den Kolo­nien bei Samara.

1861

Auf­he­bung der Leib­ei­gen­schaft über die rus­si­schen Bau­ern.

1863

Ein­wan­de­rung von Schle­si­ern und War­schau-Deut­schen nach Wol­hy­nien. Hier­mit endet 100 Jahre nach dem Mani­fest von Katha­rina II. im gro­ßen und gan­zen die deut­sche Ein­wan­de­rung nach Ruß­land.

1867

2. Sla­wen­kon­greß in Mos­kau; Erstar­ken des Pan­sla­wis­mus (1826 von J. Her­kel gepräg­ter Begriff) unter rus­si­scher Füh­rung.

1869–1873

Kro­nau-Orloff, Toch­ter­ko­lo­nien von Pri­schi­ber und Halb­städ­ter Men­no­ni­ten, gegrün­det.

18.1.1871

Grün­dung des Deut­schen Rei­ches durch Bis­marck.

4.6.1871

Auf­he­bung des Kolo­ni­al­sta­tuts durch die Zaren­re­gie­rung Alex­an­ders II. Abschaf­fung der Selbst­ver­wal­tung der deut­schen Gebiete. Beginn der Aus­wan­de­rung nach Nord­ame­rika.

1872–1873

Rund 13.000 Men­no­ni­ten wan­dern nach Nord­ame­rika aus.

13.1.1874

All­ge­meine Wehr­pflicht ein­ge­führt. Den Men­no­ni­ten bie­tet man als Ersatz den Dienst im Forst­we­sen an.

1874

Ver­mehrte Aus­wan­de­rung nach Nord- und Süd­ame­rika.

1877–1878

Rus­si­sch-tür­ki­scher Krieg. Ers­ter poli­ti­scher Erfolg des Pan­sla­wis­mus. Deut­sch-rus­si­sche Ent­frem­dung.

1879

Lage der Deut­schen in Ruß­land durch Bünd­nis Deutsch­lands mit öster­reich ver­schlech­tert.

13.3.1881

Thron­be­stei­gung Alex­an­ders III. Nach der Ermor­dung Alex­an­ders II. begin­nende Rus­si­fi­zie­rung durch einen offen gegen Deutsch­land gerich­te­ten “Pan­rus­sis­mus”.

1882

Deut­sche Sied­lun­gen (Toch­ter­ko­lo­nien) bei Pisch­pek (Frunse) und Aulie-Ata (Dsham­bul) in Rus­si­sch-Tur­kestan.

1884

Deut­sche Sied­lun­gen bei Chiwa süd­lich des Aral­sees.

1885

Grün­dung der evan­ge­li­sch-luthe­ri­schen Kir­che in Tasch­kent.

1887

Mani­fest Alex­an­ders III.: “Ruß­land muß den Rus­sen gehö­ren.”

1891

Obli­ga­to­ri­sche Ein­füh­rung des Rus­si­schen als Unter­richts­spra­che an den Schu­len.

1893

Eine Welle des “Rus­sis­mus” setzt ein. Die Namen der deut­schen Sied­lungs­ge­biete wer­den teil­weise rus­si­fi­ziert.

1894

Der letzte rus­si­sche Zar Niko­laus II. aus dem Hause Roma­now-Hol­stein-Got­torp gelangt auf den Thron. Deut­sche Sied­lun­gen (Toch­ter­ko­lo­nien) bei Oren­burg.

1895

Deut­sche Sied­lun­gen bei Akmo­linsk (Zeli­no­grad) in der kasa­chi­schen Steppe.

1897

Nach einer Volks­zäh­lung leben 390.000 Deut­sche an der Wolga, 342.000 im Süden Ruß­lands, 237.000 im Wes­ten Ruß­lands und 18.000 in Mos­kau.

1901–1911

Rund 105.000 deut­sche Sied­ler wan­dern aus Ruß­land nach Ame­rika aus.

1903

Ver­bot der deut­schen Ansied­lung in Tur­kestan. Juden­po­grome in Bes­sa­ra­bien (Kischin­jow).

1904–1905

Rus­si­sch-japa­ni­scher Krieg. Nie­der­lage Ruß­lands führt zu teil­wei­ser Libe­ra­li­sie­rung. Sied­lungs­strom nach Sibi­rien in die Gebiete Omsk und Tomsk.

1906–1910

Agrar­re­form durch Minis­ter­prä­si­dent Sto­lypin (ermor­det am 18.9.1911 in Kiew).

1906–1907

Deut­sche Sied­lun­gen bei Ufa im Westu­ral (1906) und bei Akt­ju­binsk im Süd­u­ral (1907).

1908

Geschlos­se­nes deut­sches Sied­lungs­ge­biet bei Slaw­go­rod in der Kul­unda-Steppe.

1909

Gemäß dem Stolypin’schen Gesetz wan­dern mas­sen­weise neue Sied­ler nach West­si­bi­rien und Nord­tur­kestan und grün­den neue Toch­ter­ko­lo­nien (Paw­lo­dar, Kara­ganda, Nowo­si­birsk, Kras­no­jarsk, Irkutsk u.a.).

1914

Nach einer Volks­zäh­lung leben in Ruß­land ins­ge­samt 2.416.290 Deut­sche. Ohne das Bal­ti­kum, Ost­po­len und Wol­hy­nien sind es allein in Zen­tral­ruß­land über 1.700.000 Deut­sche.

1.8.1914

Beginn des I. Welt­krie­ges. Das Deut­sche Reich wird zum Feind des Zaren­rei­ches erklärt. Etwa 300.000 Deut­sche die­nen trotz­dem in der rus­si­schen Armee. Obwohl sie rus­si­sche Staats­bür­ger sind, wird ihr Grund­be­sitz beschlag­nahmt. Die deut­schen Orts­na­men wer­den 1914 durch rus­si­sche ersetzt.

2.2.1915

Liqui­da­ti­ons­ge­setz: Die im Grenz­strei­fen bis 150 Kilo­me­ter leben­den Deut­schen sol­len nach Sibi­rien umge­sie­delt wer­den. Über 50.000 Wol­hy­ni­en­deut­sche wer­den nach Sibi­rien ver­schleppt.

27.5.1915

Pogrome gegen Deut­sche in Mos­kau. Viele Geschäfte wer­den geplün­dert, 40 Deut­sche ver­wun­det, drei ermor­det.

15.3.1917

Abdan­kung Niko­laus II. durch die Februar-Revo­lu­tion. Auf­he­bung der Liqui­da­ti­ons­ge­setze durch die Pro­vi­so­ri­sche Regie­rung unter Minis­ter­prä­si­dent Lwow.

20.-23.4.1917

Ers­ter gesamt­deut­scher Kon­greß in der Geschichte der Deut­schen aus Ruß­land in Odessa. Grün­dung eines Zen­tral­ko­mi­tees aller Ruß­land­deut­schen (86 Ver­tre­ter der deut­schen Sied­lungs­ge­biete aus 15 Gou­ver­ne­ments). 1. Kon­greß der Wol­ga­deut­schen in Sara­tow; 2. Kon­greß der Wol­ga­deut­schen in Schil­ling.

7.11.1917

Bol­sche­wis­ti­sche Okto­ber­re­vo­lu­tion in Petro­grad. Beginn der Sowjet­dik­ta­tur Len­ins. Sturz der Pro­vi­so­ri­schen Regie­rung unter Kerenski.

3.3.1918

Frie­den von Brest-Litowsk zwi­schen Deutsch­land und Ruß­land. Repa­tri­ie­rungs­klau­sel zuguns­ten der Ruß­land­deut­schen. Auf Wunsch wer­den von deut­scher Seite Schutz­briefe an Volks­deut­sche aus­ge­stellt. Davon wis­sen aber nur sehr wenige, und es gelingt nur ein­zel­nen Per­so­nen, in den Wes­ten zu kom­men. Ver­zicht Ruß­lands auf das Bal­ti­kum und Polen. Bes­sa­ra­bien kommt zu Rumä­nien.

April 1918

Schaf­fung eines “Kom­mis­sa­ri­ats für deut­sche Ange­le­gen­hei­ten an der Wolga” unter Lei­tung von Ernst Reu­ter.

1918

Laut einer Volks­zäh­lung leben in Ruß­land 1.621.000 Deut­sche.

16.7.1918

Ermor­dung der Zaren­fa­mi­lie in Jeka­te­r­in­burg.

9.11.1918

Novem­ber­re­vo­lu­tion in Deutsch­land. Abschaf­fung der Mon­ar­chie, Abdan­kung von Kai­ser Wil­helm II. Trotz­kis kom­mu­nis­ti­sche “Per­ma­nente Welt­re­vo­lu­tion” schei­tert in Deutsch­land.

1919

Requi­rie­rung der gesam­ten Ernte durch die Bol­sche­wi­ken. Auf­stände im Odes­saer Gebiet gegen die Armee der neuen Macht­ha­ber. Soge­nann­tes “Rotes Mas­sa­ker” gegen die Bau­ern. Viele Män­ner wer­den stand­recht­lich erschos­sen.

1920

Schlie­ßung des katho­li­schen Pries­ter­se­mi­nars.

1921–1923

Größte Mißernte und Hun­gers­not, bedingt durch Revo­lu­tion, Bür­ger­krieg und Ent­eig­nung. Starke Aus­wan­de­rung aus den Sied­lungs­ge­bie­ten. Die Bevöl­ke­rungs­zahl der Deut­schen ver­rin­gert sich um 26,5 Pro­zent.

1921–1927

Neue öko­no­mi­sche Poli­tik (NöP). Vor­über­ge­hende Erho­lung in den deut­schen Gebie­ten.

16.4.1922

Rapallo-Ver­trag zwi­schen dem Deut­schen Reich und der Rus­si­schen Sozia­lis­ti­schen Föde­ra­ti­ven Sowjet­re­pu­blik (RSFSR) durch Rathenau und Tschit­sche­rin. Gegen­sei­ti­ger Ver­zicht auf finan­zi­elle For­de­run­gen und Auf­nahme von diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen.

30.12.1922

1. Sowjet­kon­greß ver­kün­det die Bil­dung der “Union der Sozia­lis­ti­schen Sowjet­re­pu­bli­ken”.

16.5.1923

Grün­dung des All­rus­si­schen Men­no­ni­ti­schen Land­wirt­schaft­li­chen Ver­ban­des.

9.11.1923

Erneu­ter Ver­such von Sino­wjew und Radek, in Deutsch­land die “Welt­re­vo­lu­tion” fort­zu­set­zen, schei­tert.

16.1.1924

Grün­dung der Auto­no­men Sozia­lis­ti­schen Sowjet­re­pu­blik der Wol­ga­deut­schen (ASS­RdWD) mit der Haupt­stadt Engels (Pokrowsk).

1926

Laut Volks­zäh­lung leben in der Sowjet­union 1.238.539 Deut­sche. Letzte Ver­su­che, über Sibi­rien und China nach Ame­rika aus­zu­wan­dern. Die USA stel­len in Wla­di­wos­tok Schiffe zur Ver­fü­gung. Ein Teil der Flücht­linge wird unter­wegs gestoppt und bei Omsk und Tomsk ange­sie­delt.

1927

Grün­dung des Deut­schen Rayons im Altai­ge­biet. Deut­sche Sied­lun­gen am Amur; das sind zugleich die letz­ten Sied­lungs­neu­grün­dun­gen.

1928

Beginn der Kol­lek­ti­vie­rung, Depor­ta­tion der ent­eig­ne­ten Mit­tel­bau­ern in den hohen Nor­den und nach Sibi­rien. Schlie­ßung der Kir­chen.

Ende 1929

Rund 14.000 Deut­sche aus allen Tei­len des Lan­des kom­men nach Mos­kau in der Hoff­nung, eine Aus­rei­se­ge­neh­mi­gung zu erhal­ten. Nach lan­gen Ver­hand­lun­gen wer­den 5.671 in Deutsch­land — nur zur Durch­reise! — auf­ge­nom­men und nach Nord- und Süd­ame­rika wei­ter­ge­lei­tet. Die ande­ren wer­den gewalt­sam zurück­trans­por­tiert.

1930

50.000 Deut­sche von der ers­ten Mas­sen­de­por­ta­tion betrof­fen.

1932–1933

Zweite sowje­ti­sche Mißernte als Folge von Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung und Ent­eig­nung. Unge­zählte Deut­sche an der Wolga und in der Ukraine ster­ben den Hun­ger­tod.

1933–1939

Ter­ror­welle sichert Sta­l­ins Allein­herr­schaft. Das Mos­kauer Hotel “Lux” wird Exil­ort deut­scher Kom­mu­nis­ten aus dem Mut­ter­land.

1935

600 Deut­sche wer­den aus Aser­bai­dschan nach Kare­lien depor­tiert.

1936

Ver­band der Deut­schen aus Ruß­land e.V. in Deutsch­land gegrün­det.

1937

Sämt­li­che deut­sche Kir­chen ent­weiht; kein deut­scher Pfar­rer mehr im Amt.

1937–1938

Dun­kels­tes Kapi­tel für die Ruß­land­deut­schen in der Vor­kriegs­zeit. Zahl­rei­che Todes­op­fer unter der deut­schen Bevöl­ke­rung wäh­rend der sta­li­nis­ti­schen “Säu­be­run­gen”.

1938

In allen deut­schen Schu­len außer­halb der Wol­ga­deut­schen Repu­blik wird Rus­si­sch bzw. Ukrai­ni­sch als Unter­richts­spra­che ein­ge­führt.

1938–1939

Auf­lö­sung aller deut­schen Rayons außer­halb der ASS­RdWD.

23.8.1939

Unter­zeich­nung des deut­sch-sowje­ti­schen Nicht­an­griffs­pak­tes durch die Außen­mi­nis­ter von Rib­ben­trop und Molo­tow.

1.9.1939

Beginn des II. Welt­krie­ges. Nach einer Volks­zäh­lung leben in der Sowjet­union 1.424.000 Deut­sche in über­wie­gend geschlos­se­nen Sied­lun­gen (95 Pro­zent Deut­sch als Mut­ter­spra­che).

1940

80.000 Deut­sche ver­las­sen Bes­sa­ra­bien und sie­deln sich im Wart­he­l­and (Wart­he­gau) an. Bes­sa­ra­bien und die Bal­ti­schen Staa­ten wer­den der UdSSR ein­ver­leibt.

22.6.1941

Beginn des deut­sch-sowje­ti­schen Krie­ges. Odessa wird im Som­mer von deut­schen und rumä­ni­schen Trup­pen bela­gert und von der Roten Armee nach 69 Tagen auf­ge­ge­ben. Deut­sche von der Krim, aus dem Kau­ka­sus und den Tei­len des Schwarz­meer­ge­bie­tes öst­lich des Dnjeprs wer­den nach Sibi­rien und Mit­tel­asien depor­tiert.

19.7.1941

Sta­lin über­nimmt den Pos­ten des Volks­kom­mis­sars für Ver­tei­di­gung und somit auch das Ober­kom­mando über die Rote Armee.

8.8.1941

Ein­mar­sch rumä­ni­scher Trup­pen im west­li­chen Schwarz­meer­ge­biet; die Kir­chen wer­den wie­der geöff­net.

25.8.1941

Die Deut­sche Wehr­macht besetzt Dnjepro­pe­trowsk. Die Deut­schen west­lich des Dnjeprs ent­ge­hen weit­ge­hend der Ver­ban­nung.

28.8.1941

Der berühmt-berüch­tigte Erlaß des Obers­ten Sowjets der Sowjet­union führt zur Auf­lö­sung der Repu­blik der Wol­ga­deut­schen und zur tota­len Depor­ta­tion der Bevöl­ke­rung nach Sibi­rien und Mit­tel­asien in die Lager der Tru­dar­mee. Inner­halb von zehn Tagen wer­den rund 350.000 Wol­ga­deut­sche in die Ost­re­gio­nen der UdSSR ver­schleppt.

1941–1946

Knapp eine Mil­lion Ruß­land­deut­sche sind vom Schick­sal der Depor­ta­tion betrof­fen. Eine Unzahl von Men­schen fällt die­sem Wahn­sinn zum Opfer. Die Fami­lien wer­den getrennt.

30.8.1941

Gebiet zwi­schen Dnjestr und Bug ein­schließ­lich Odessa unter rumä­ni­scher Ver­wal­tung laut Ver­ein­ba­rung mit dem Deut­schen Reich. Das Gebiet nennt sich Trans­nis­trien. Darin ein­ge­bun­den sind die alten deut­schen Mut­ter­ko­lo­nien der Groß­lie­ben­ta­ler, Kut­schur­ga­ner, Glücks­ta­ler und Beresa­ner. Aus­stel­lung von Volks­tums­aus­wei­sen an die deut­sche Bevöl­ke­rung.

5.10.1941

Die Rote Armee ver­läßt das linke Dnjep­ru­fer. Die Ukraine steht unter deut­scher Ver­wal­tung. Bil­dung des Reichs­kom­mis­sa­ri­ats Ukraine unter Lei­tung von A. Rosen­berg.

Februar 1943

Schlacht bei Sta­lin­grad, Wende an der Ost­front.

1943–1944

Ein­be­ru­fung von ruß­land­deut­schen Wehr­fä­hi­gen in die Deut­sche Wehr­macht.

März — April 1944 

Mit dem Rück­zug der Deut­schen Wehr­macht wer­den rund 350.000 Deut­sche aus der Ukraine und Trans­nis­trien im Wart­he­gau ange­sie­delt, einige von ihnen auch im Sude­ten­gau. Erwerb der deut­schen Staats­an­ge­hö­rig­keit.

10.4.1944

Rück­erobe­rung Odes­sas durch die Rote Armee.

Sep­tem­ber 1944 

Sämt­li­che ein­ge­bür­ger­ten wehr­pflich­ti­gen Män­ner wer­den ein­ge­zo­gen.

12.1.1945

Beginn der sowje­ti­schen Win­ter­of­fen­sive. Flucht nach Wes­ten. Ankunft in Dör­fern in Sach­sen, Thü­rin­gen und Bran­den­burg.

April 1945

Die Ame­ri­ka­ner beset­zen ganz Thü­rin­gen und einen gro­ßen Teil Sach­sens. Spä­ter, gegen Ende Juni 1945, zie­hen sie sich zurück und über­las­sen Sach­sen und Thü­rin­gen den Sowjets.

9.5.1945

Bedin­gungs­lose Kapi­tu­la­tion der Deut­schen Wehr­macht in Ber­lin-Karls­horst.

5.6.1945

Ber­li­ner Erklä­rung” der vier Sie­ger­mächte: Ein­tei­lung Deutsch­lands in vier Besat­zungs­zo­nen.

Juni — Juli 1945 

Mas­sen­weise Zurück­ver­schlep­pung der Ruß­land­deut­schen aus allen Besat­zungs­zo­nen nach Sibi­rien und Mit­tel­asien.

2.8.1945

Unter­zeich­nung des “Pots­da­mer Abkom­mens”. Ver­ein­ba­rung, daß jede Besat­zungs­macht “ihre” Bür­ger ins eigene Land zurück­brin­gen darf. Für jeden ehe­ma­li­gen Sowjet­bür­ger deut­scher Natio­na­li­tät, der aus Deutsch­land depor­tiert wird, wer­den 200 US-Dol­lar Kopf­geld als Kriegs­schuld für Deutsch­land ange­rech­net.

1947

Durch eine Wirt­schafts­krise und die Mißernte von 1946 bricht in der UdSSR eine kata­stro­phale Hun­gers­not aus. Gewal­tige Zahl von Todes­op­fern unter den Ruß­land­deut­schen in den Lagern der Tru­dar­mee.

26.11.1948

Dekret des Obers­ten Sowjets: Ver­ban­nung der Ruß­land­deut­schen auf “ewige Zei­ten” fest­ge­schrie­ben; Ver­las­sen der Ansied­lungs­orte ohne Son­der­ge­neh­mi­gung mit Zwangs­ar­beit bis zu 20 Jah­ren bedroht.

23.5.1949

Ver­kün­di­gung des Grund­ge­set­zes der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

21.9.1949

Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land; einen Tag zuvor Bil­dung der ers­ten Bun­des­re­gie­rung unter Kanz­ler Ade­nauer.

7.10.1949

Grün­dung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik.

22.4.1950

Beschluß zur Grün­dung der “Arbeits­ge­mein­schaft der Ostum­sied­ler e.V.” in Stutt­gart, Archiv­straße 18.

5.8.1950

Charta der deut­schen Hei­mat­ver­trie­be­nen” der Lands­mann­schaf­ten der Ver­trie­be­nen in Stutt­gart; Mit­un­ter­zeich­ner: Dr. Gott­lieb Leib­brandt, Spre­cher der Arbeits­ge­mein­schaft der Ostum­sied­ler (ab August 1955 Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Ruß­land e.V.).

15.10.1950

Erste Bun­des­de­le­gier­ten-Ver­samm­lung mit Kon­sti­tu­tion in Kas­sel. Ers­ter Bun­des­vor­sit­zen­der: Dr. Gott­lieb Leib­brandt. Zu den Per­sön­lich­kei­ten der ers­ten Stunde gehö­ren außer­dem: Super­in­ten­dent Johan­nes Schleu­ning, Pfar­rer Hein­rich Röm­mich, Stu­di­en­rat Dr. Karl Stumpp, Ger­trud Braun, Prof. Dr. Ben­ja­min Unruh und Prof. Wil­fried Schlau.

Ende 1950

12,2 Mil­lio­nen Ver­trie­bene in Deutsch­land, davon 8,1 Mil­lio­nen in der Bun­des­re­pu­blik, dar­un­ter nur 70.000 Ruß­land­deut­sche, also weni­ger als ein Pro­zent; in der DDR befin­den sich 4,1 Mil­lio­nen Ver­trie­bene, dar­un­ter ledig­lich 5.000 Ruß­land­deut­sche.

Dezem­ber 1950 

Erschei­nen der ers­ten Aus­gabe von “Volk auf dem Weg”, der Monats­schrift der Lands­mann­schaft, damals noch als “Mit­tei­lun­gen der Arbeits­ge­mein­schaft der Ostum­sied­ler” mit Sitz in Stutt­gart.

12.5.1951

Ers­tes Bun­des­tref­fen der Ruß­land­deut­schen (Ostum­sied­ler) in Stutt­gart.