Teilnahme an der Mitgliederversammlung von „MORGEN“, dem Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen.

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Pro­jekt: „Neue Bür­ger ler­nen und erfah­ren Soli­da­ri­tät in Mün­chen

Maß­nah­me­ti­tel Az.. 312/2609000650

Ver­an­stal­tung

Teil­nah­me an der Mit­glie­der­ver­samm­lung von „MORGEN“, dem Netz­werk Münch­ner Migran­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen.
Zie­le: Pro­jek­t­in­for­ma­ti­on, Ver­net­zung mit ande­ren Orga­ni­sa­tio­a­nen, Wahr­neh­mung des Stimm­rechts als Ver­tre­ter der LmDR und des „Neu­bür­ger­pro­jekts“
Ort: „Eine­Welt­Haus Mün­chen“, Schwantha­ler Str. 80 (Rgb.), 80336 Mün­chen

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Datum: 19.4.2016, 18:00–22:00

Verlauf und Ergebnisse

2016-04-19 Morgen Vorstandswahlen_Foto Samir Sakkal (482)a4Bereits 2015 wur­den Kon­tak­te zu MORGEN geknüpft. Es zählt zu den wich­tigs­ten Netz­wer­ken der Inte­gra­ti­on in Mün­chen und ist de fac­to der bedeu­tends­te Zusam­men­schluss von Migran­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen in Mün­chen. Trotz der Vor­be­hal­te man­cher Deut­scher aus Russ­land bzw. Russ­land­deut­scher (im Fol­gen­den RD) sowie auch „Neu­bür­ger“ gegen­über dem Netz­werk haben sich über das „Neu­bür­ger­pro­jekt“ Ver­bin­dun­gen zu MORGEN wie auch zu ihren Mit­glie­dern sowie Ansprech­part­nern im Umfeld ent­wi­ckelt. So waren bei einer wich­ti­gen Mit­glie­der­ver­samm­lung zu  Sat­zungs­fra­gen am 21.5. 2015 Per­so­nen dabei, die zum „Neu­bür­ger­pro­jekt“ zäh­len und die auch mit MORGEN koope­rie­ren. Sie nut­zen seit län­ge­rem und kon­ti­nu­ier­li­ch die Räum­lich­kei­ten in der Son­nen­str. 12.

Stimmkarte_LmDRbei_MORGEN-MV

In die­ser zuneh­mend enge­ren Koope­ra­ti­on – so ist für den Herbst 2016 ein Fach­tag zum The­ma „Neu­bür­ger“ geplant, für den MORGEN als Mit­ver­an­stal­ter gewon­nen wer­den soll – spie­gelt sich die Öff­nung der LmDR nach außen sowie die über die­sen Rah­men hin­aus­ge­hen­de Ori­en­tie­rung auf ande­re Orga­ni­sa­tio­nen. Die via „Neu­bür­ger­pro­jekt“ zusam­men­ge­tra­ge­nen Infor­ma­tio­nen und Erfah­run­gen, für die vor allem auf selbst­ver­ständ­li­che Wei­se die LmDR mit ihrer Geschich­te steht, kom­men ande­ren zugu­te.

Dies wur­de auch bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung nach einer Kurz­in­for­ma­ti­on über das „Neu­bür­ger­pro­jekt“ und die betei­lig­ten Per­so­nen in den Gesprä­chen mit ande­ren  Orga­ni­sa­tio­nen deut­li­ch. Lang­jäh­ri­ge Erfah­run­gen in der Inte­gra­ti­on kom­men ande­ren heu­te zugu­te.

Da vor allem mit Hil­fe des „Neu­bür­ger­pro­jekts“ die LmDR Mit­glied bei MORGEN gewor­den ist, wur­de das Stimm­recht wahr­ge­nom­men. Poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­ti­on ist für nicht weni­ge immer noch ein nicht leich­ter Lern­pro­zess. Gera­de Letz­te­res ist wich­tig zu unter­strei­chen, denn bei den ein­zel­nen Wahl­gän­gen für die Vor­stands­wahl mach­ten etli­che Ver­tre­ter von Migran­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen kon­kre­te Erfah­run­gen mit den Prin­zi­pi­en von Par­ti­zi­pa­ti­on. Das „Neu­bür­ger­pro­jekt“ ist im Netz­werk eta­bliert und aner­kannt. Auf die­ser Basis soll die Koope­ra­ti­on fort­ge­führt und inten­si­viert wer­den.

Peter Hil­kes, Pro­jekt­lei­ter                                                                                        20.4.2016

Typische Neubürger zwischen Migration und Integration? Aktuelle Einblicke und Erfahrungen von Russlanddeutschen in München

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Projekt: „Neue Bürger lernen und erfahren Solidarität in München“ 

Maß­nah­me­ti­tel Az.. 312/2609000650

Ver­an­stal­tung

Typi­sche Neu­bür­ger zwi­schen Migra­ti­on und Inte­gra­ti­on? Aktu­el­le Ein­bli­cke und Erfah­run­gen von Russ­land­deut­schen in Mün­chen”
Ort: “Stadt­teil­kul­tur­zen­trum 2411”, Blo­dig­s­tr. 4, 80933 Mün­chen

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Datum: 15.2.2016, 19:00–21:30
Mode­ra­ti­on: Peter Hil­kes

Verlauf und Ergebnisse

DSC00083Peter Hil­kes führ­te in das The­ma „Neu­bür­ger“ im Rah­men der Inte­gra­ti­ons­po­li­tik und -for­schung in Deutsch­land ein. Dem­nach stand nach 1945 zunächst vor allem die Inte­gra­ti­on von Ver­trie­be­nen und Flücht­lin­gen im Mit­tel­punkt. Mit den ers­ten „Gast­ar­bei­tern“ ent­stan­den For­schun­gen zu ihrer Inte­gra­ti­on, wobei vor allem päd­ago­gi­sche Fra­gen sowie Sprach­kom­pe­tenz und beruf­li­che und sozia­le Inte­gra­ti­on domi­nier­ten. Mit dem Zustrom von Spät­aus­sied­lern und ihren Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen stieg das Inter­es­se auch an der bis dato in der Öffent­lich­keit rela­tiv unbe­kann­ten Per­so­nen­grup­pe der Deut­schen aus Russ­land bzw. der Russ­land­deut­schen (im Fol­gen­den: RD). For­schungs­pro­jek­te unter­such­ten die Lage in den Her­kunfts­län­dern und wid­me­ten sich umfang­reich der Inte­gra­ti­on in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Obgleich Bil­dung, Spra­che und Kul­tur sowie sozia­le Inte­gra­ti­on von hoher Bedeu­tung waren, stan­den Arbeits­platz- und Woh­nungs­fin­dung im Mit­tel­punkt. Mit ihnen wur­den auch Grund­be­dürf­nis­se abge­deckt. Seit Mit­te bzw. Ende der 1990er Jah­re ist mit Aus­nah­me wis­sen­schaft­li­cher Unter­su­chun­gen – hier­zu zäh­len vor allem auch Ver­öf­fent­li­chun­gen des BAMF — das öffent­li­che Inter­es­se an den RD abge­flaut. Sie gal­ten als inte­griert.

Dis­kus­sio­nen über RD sowie deren Aktio­nen und Ver­an­stal­tun­gen seit Janu­ar 2016 haben die Lage geän­dert. Es ist deut­li­ch gewor­den, dass die Inte­gra­ti­on schein­bar auch ande­re bzw. unbe­kann­te Facet­ten hat. Nicht weni­ge RD füh­len sich oder sind de fac­to immer noch „Neu­bür­ger“, wobei dies enspre­chen­der Dif­fe­ren­zie­rung bedarf. Hil­kes unter­strich die Viel­falt, die die Grup­pe von „Neu­bür­gern“ kenn­zeich­net.

Als Über­gang zu Gespräch und Dis­kus­si­on prä­sen­tier­te er ein Musik­vi­deo, das Lisa Kos zum The­ma „Inte­gra­ti­on in Deutsch­land“ kom­po­niert hat und das Gespräch und Dis­kus­si­on beflü­geln soll­te.

Das Lied zur Inte­gra­ti­on, gespickt mit Humor, iro­ni­schen Kom­men­ta­ren und Refle­xio­nen über den Umgang mit zwei Wel­ten hat­te inter­es­san­ter­wei­se zwei­er­lei Wir­kung, die öffent­li­ch und in die­ser Offen­heit sel­ten spür­bar sein dürf­te: Den anwe­sen­den Nicht-RD gefiel die Auf­be­rei­tung des The­mas „Inte­gra­ti­on“ sehr, wohin­ge­gen man­che RD geschockt waren. Sie fühl­ten sich pein­li­ch berührt und pro­vo­ziert. Der Umgang mit Sati­re und Humor ist sehr spe­zi­fi­sch. Das war für alle Anwei­sen­den eine wich­ti­ge Erfah­rung.

Gemäß der Fra­ge, ob man, wie vie­le RD im Janu­ar und Febru­ar 2016, von einer „kal­ten (neu­en) Hei­mat“ spre­chen könn­te, berich­te­ten zwei Per­so­nen exem­pla­ri­sch über ihre Inte­gra­ti­ons­er­fah­run­gen – dies nicht zuletzt vor dem Hin­ter­grund von Situa­ti­on und Ent­wick­lung in den Her­kunfts­län­dern. Im Gespräch mit Dr. Anna Bom­bo­low­sky und Iri­na Aigner stan­den jeweils die eige­ne Bio­gra­phie im Vor­der­grund sowie die Fra­ge nach der Situa­ti­on als „Neu­bür­ge­rin“ in Deutsch­land. Bei­de Fäl­le kön­nen als exem­pla­ri­sch für bestimm­te Gene­ra­tio­nen gel­ten. War in einem Fall mit der Aus­rei­se Mit­te der 1990er Jah­re ins­be­son­de­re das Über­le­ben – dies auch dank eines tief emp­fun­de­nen Glau­bens und einer reli­giö­sen Erzie­hung — sowie das Gestal­ten einer eige­nen Bil­dungs­lauf­bahn trotz Dis­kri­mi­nie­rung und sons­ti­gen behörd­li­chen Schwie­rig­kei­ten im Vor­der­grund, domi­nier­te im ande­ren Fall, der Aus­rei­se nach 2010, der Wil­le, zu den zahl­rei­chen bereits in Deutsch­land leben­den Ver­wand­ten zu zie­hen und sich man­gels Per­spek­ti­ven in Russ­land in Deutsch­land ein neu­es Leben auf­zu­bau­en.

Bei­de prä­sen­tier­ten ihre Ein­schät­zun­gen, wobei die Dis­kus­si­on mit dem Publi­kum fort­ge­setzt wur­de. Ins­be­son­de­re den Nicht-RD waren neben man­chen Fak­ten vor allem spe­zi­fi­sche Ein­stel­lun­gen zur Fra­ge der „Mut­ter­spra­che“ und zur Lage in den Her­kunfts­län­dern, aber auch die Situa­ti­on kon­kret in Mün­chen nicht bekannt. Ihnen erschloss sich mit der Ver­an­stal­tung ein von Viel­falt gepräg­tes Bild, wonach sie es mit Deut­schen, aber teil­wei­se auch noch mit „Neu­bür­gern“ zu tun hat­ten, wobei sie Let­ze­res vor allem mit den (noch zu ver­bes­sern­den) Deutsch­kennt­nis­sen ver­knüpf­ten.

Bemer­kens­wer­ter­wei­se stell­ten auch die anwe­sen­den RD öffent­li­ch ein dif­fe­ren­zier­tes Bild hin­sicht­li­ch der gesam­ten Grup­pe der RD fest. Nach anfangs sehr emo­tio­na­len Wort­bei­trä­gen ver­sach­lich­te sich die Dis­kus­si­on. Des Wei­te­ren wur­de an die­sem Abend das Inter­es­se aller Anwe­sen­den deut­li­ch, aus­führ­li­ch zu debat­tie­ren und sich um eine sach­li­che Debat­ten­kul­tur zu bemü­hen. Dies gelingt erfah­rungs­ge­mäß nicht immer, und daher kann die­se Ver­an­stal­tung als eine beson­de­re gel­ten. Ihre Dau­er unter­streicht dies zusätz­li­ch.

Es wur­den unter ande­rem auch Fak­ten ange­spro­chen, die nicht immer im Fokus vor allem öffent­li­cher Bei­trä­ge von RD selbst ste­hen, z. B. neben der sehr kon­tro­vers dis­ku­tier­ten Ver­wen­dung von Spra­chen (Rus­si­sch – Deut­sch) der unter­schied­li­che Sta­tus von Spät­aus­sied­lern bei der Aner­ken­nung nach dem BVFG (z. B. § 4 oder § 7), die aktu­el­len Demons­tra­tio­nen von RD, Rus­sisch­spra­chi­gen und ande­ren sowie die Begriff­lich­keit („Deut­sche aus Russ­land“, „Russ­land­deut­sche“ etc.). Die leb­haf­te und inten­siv geführ­te Dis­kus­si­on leg­te eini­ge Fra­gen offen. Es bestand letzt­li­ch Kon­sens dar­in, dass die Viel­falt der Russ­land­deut­schen eine Tat­sa­che dar­stell­te, die zu akzep­tie­ren sei. Hier­durch wür­de Tole­ranz geför­dert.

Es wur­de der drin­gen­de Wunsch geäu­ßert, der­ar­ti­ge Dis­kus­sio­nen fort­zu­set­zen und dies ins­be­son­de­re auch in der LmDR selbst zu tun. Indem man sich mit aktu­el­len Fra­gen aus­ein­an­der­set­ze, so die ein­hel­li­ge Mei­nung der RD unter den Teil­neh­mern, kön­ne man auch in der Öffent­lich­keit Infor­ma­tio­nen über­mit­teln, die zum Abbau von Vor­ur­tei­len und Des­in­for­ma­tio­nen bei­trü­gen. Dass ein Jour­na­list vom Baye­ri­schen Rund­funk anwe­send war und Gespräch und Dis­kus­si­on auf­zeich­ne­te, wur­de sehr posi­tiv bewer­tet. Es ist eine Sen­dung zum The­ma geplant.

Peter Hil­kes, Pro­jekt­lei­ter                                                                                        7.3.2016

Zeitzeugenserie „Russlanddeutsche in München…”

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Projekt: „Neue Bürger lernen und erfahren Solidarität in München“ 

Maß­nah­me­ti­tel Az.. 312/2609000650

Ver­an­stal­tung

Zeit­zeu­gen­se­rie „Russ­land­deut­sche in Mün­chen: Bio­gra­fi­en – Hin­ter­grün­de – Per­spek­ti­ven. Ein­bli­cke aus Geschich­te, Kul­tur, Poli­tik und Gesell­schaft“
Ort: Kul­tur­zen­trum „Gie­sin­ger Bahn­hof“, Gie­sin­ger Bahn­hof­platz 1, 81539 Mün­chen

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Datum: 21.11.2016, 18:30–21:00
Zeit­zeu­ge: Eugen Hör­ner
Gesprächs- und Dis­kus­si­ons­lei­tung: Peter Hil­kes

Verlauf und Ergebnisse

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Der in der Nähe von Nowo­si­birsk gebo­re­ne Zeit­zeu­ge reiht sich mit sei­ner beson­de­ren und teil­wei­se unge­wöhn­li­chen, dadurch jedoch beson­ders inter­es­san­ten Bio­gra­phie in die Rei­he der bedeu­ten­den Zeit­zeu­gen­ge­sprä­che ein. Ins­be­son­de­re durch sei­ne Groß­mut­ter erfuhr Eugen Hör­ner bereits im Kin­des­al­ter vom „beson­de­ren Sta­tus“, der die Deut­schen aus Russ­land bzw. Russ­land­deut­schen (im Fol­gen­den: RD) beson­ders kenn­zeich­ne­te. Dies gilt für das Schick­sal von depor­tier­ten und gestor­be­nen Ver­wand­ten. Als „Natio­na­li­tät ohne Rechts­sta­tus“ erfuhr auch Hör­ner Dis­kri­mi­nie­rung in der Schu­le, jedoch wehr­te er sich vehe­ment dage­gen. Die durch die Fami­lie über­mit­tel­te Ori­en­tie­rung auf die deut­sche Spra­che und Kul­tur sowie auf Deutsch­land war prä­gend und bestimm­te Hör­ners Leben in der UdSSR.

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Für die Nicht-RD unter den Anwe­sen­den beschrieb der Zeit­zeu­ge sei­nen prag­ma­ti­schen Umgang mit den Lebens­um­stän­den. Er schloss trotz wid­ri­ger Umstän­de eine Aus­bil­dung zum Geo­de­sis­ten ab, galt als kom­pe­ten­ter Fach­mann und wur­de vom öffent­li­chen Arbeit­ge­ber zu zahl­rei­chen Pro­jek­ten ent­sandt. Dies führ­te ihn in ent­le­ge­ne Regio­nen Sibi­ri­ens, aber auch nach Usbe­kis­tan und Kasach­stan. Gleich­zei­tig blieb das Bestre­ben der Fami­lie, nach Deutsch­land aus­zu­rei­sen.

Mit der Aus­rei­se von Ver­wand­ten in den 1970er Jah­ren nach Deutsch­land setz­te die Fami­lie auf Besuchs­rei­sen in die Bun­des­re­pu­blik, um sich zu infor­mie­ren und ori­en­tie­ren. Damit war auch Eugen Hör­ner auf das Leben in Deutsch­land gut vor­be­rei­tet. Ver­su­che, wegen des Aus­rei­se­an­trags Mit­te der 1970er Jah­re Hör­ner zu benach­tei­li­gen schei­ter­ten, da sei­ne Fach­kom­pe­tenz gefragt war und er es geschickt ver­stand, dem zu ent­ge­hen.

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Der­ar­tig auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor­be­rei­tet, fand er nach der Aus­rei­se Ende der 1970er Jah­re recht bald eine Arbeit, die Hör­ner bis zum Ende des nor­ma­len Erwerbs­le­bens inne hat­te. Sei­nen beruf­li­chen Erfolg ist mit den vor­ab vor­han­de­nen Kennt­nis­sen, den Erfah­run­gen in der UdSSR und dem ziel­ge­rich­te­ten Gestal­ten der beruf­li­chen Lauf­bahn ver­bun­den.

Die Zuge­hö­rig­keit zu einer Groß­fa­mi­lie sicher­te auch die Über­win­dung von Pro­ble­men, etwa durch die neue „Unüber­sicht­lich­keit“ in Deutsch­land. Das „Leben in einer Schach­tel“ in der Sowjet­uni­on wur­de vom „Leben in Ord­nern“ in Deutsch­land ersetzt. Tei­le der Groß­fa­mi­lie gelang­ten früh zur LmDR und waren in füh­ren­der Funk­ti­on tätig. Vor dem Hin­ter­grund der nach Deutsch­land gelan­gen­den Flücht­lings­strö­me kam es Hör­ner in dem Gespräch dar­auf an, einen gere­gel­ten Zuzug zu eta­blie­ren und ins­be­son­de­re auf das Ein­hal­ten von Regeln der Zuwan­de­rer in einem frei­en Land zu set­zen.

In der Dis­kus­si­on bekräf­tig­ten die Nicht-RD die unge­wöhn­li­che, da unbe­kann­te, aber sehr inter­es­san­te Bio­gra­phie des Zeit­zeu­gen. Ins­be­son­de­re der Grad der Infor­miert­heit über Deutsch­land und die kla­re Ori­en­tie­rung dar­auf im Her­kunfts­land hat ent­spre­chend über­rascht. Es hat sich im Lau­fe der Zeit die­se „ande­re“ Sicht auf die Din­ge ent­wi­ckelt, die für Russ­land­deut­sche eher unty­pi­sch ist. Auch die Rol­le der eige­nen Iden­ti­tät, in die­sem Fall der deut­schen, war ein grund­sätz­li­ches The­ma, über das im Ver­hält­nis zu ande­ren Iden­ti­tä­ten (z. B. rus­si­sch, „baye­ri­sch“) leb­haft debat­tiert wur­de. Die dabei über­mit­tel­te Offen­heit ist nicht selbst­ver­ständ­li­ch, da eher die Aus­nah­me.

Auf beein­dru­cken­de Wei­se gab Hör­ner Ein­bli­cke in die sowje­ti­sche Arbeits­welt – einen Bereich, den vie­le heu­te schon „ver­ges­sen“ haben. Auch dar­auf ging man in der Dis­kus­si­on ein.

Dass ein Jour­na­list des Baye­ri­schen Rund­funks anwe­send war, der im Rah­men der Ver­an­stal­tung Auf­nah­men für eine geplan­te Radio­sen­dung mach­te, unter­streicht das öffent­li­che Inter­es­se an der Zeit­zeu­gen­se­rie.

Peter Hil­kes, Pro­jekt­lei­ter                                                                                        25.1.2016