Förderpreis – Merle Hilbk

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Förderpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg

Merle Hilbk: „Als Russlandinteressierte hat es mich gefreut, zu erfahren, dass ein Teil meiner Familie selbst aus Russland stammt“

Die Journalistin und Publizistin Merle Hilbk aus Berlin wurde 1969 in Düsseldorf geboren. Nach dem Abitur in Münster studierte sie Jura in Heidelberg. Nach dem Zeitungsvolontariat bei der „Badischen Zeitung“ in Freiburg arbeitete sie als Redakteurin beim Spiegel (Deutschland-Ressort) und bei der Zeit (Ressort Dossier). Seit 2001 ist sie freie Journalistin in Russland und Osteuropa tätig. Nebenbei ist sie als Journalismusdozentin an der Hamburg Media School tätig. Als freie Journalistin und im Auftrag verschiedener Auftraggeber wie  Geo, Brand eins, Die Zeit oder taz bereiste sie Kasachstan, China, Nordkorea  und verschiedene Regionen Russlands. Bekannt geworden ist sie vor allem durch ihr Erfolgsbuch „Sibirski Punk“ – eine faktenreiche und spannende Reisereportage, in der sie sich auf den Weg von Hamburg über Nowosibirsk bis hinter den Baikalsee begibt, die geheimnisvolle „russische Seele“ aufzuspüren. Auf deutsch-russische Seelenwanderschaft geht die Autorin in ihrem zweiten Buch „Die Chaussee der Enthusiasten. Eine Reise durch das russische Deutschland“ (2008).  Eine Reise, die auch mit ihrer eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Auf einem Familienfest erfährt sie unerwartet, dass sie russlanddeutsche Verwandtschaft hat. Als sie danach beginnt, sich näher mit der Familiengeschichte zu befassen, stellt sie fest, dass sie ein „russisches“ Kapitel hat. Ihr Urgroßvater – ein Wolgadeutscher – kam am Anfang des 2. Weltkrieges nach Deutschland. Seine Geschwister wurden nach Kasachstan deportiert und kamen dann in den 90er Jahren als Spätaussiedler mit Kindern und Enkeln nach Deutschland. Konfrontiert mit der eigenen Familiengeschichte und der Debatte über das Zuwanderungsgesetz in Deutschland, wollte Merle Hilbk sich intensiver mit der russischsprachigen Kultur in Deutschland befassen. Herausgekommen ist eine Reisereportage, die ebenso spannend wie erkenntnisreich ist. Das Buch beschäftigt sich mit dem Innenleben und den Lebensumständen von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion und zeigt viele Facetten des neuen deutsch-russischen Lebens. Auf vielen Stationen quer durch Deutschland porträtiert die Autorin zahlreiche Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion und russische Juden in ihrem neuen Alltag. Dabei erzählt Hilbk nicht nur von zerrütteten Familien oder geplatzten Träumen. In ihrem Buch finden sich auch zahlreiche Beispiele für eine erfolgreiche Integration, für eine erfolgversprechende Annäherung zwischen Einheimischen und Zuwanderern.

Ehrengabe – Agnes Gossen-Giesbrecht

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Ehrengabe des Russlanddeutschen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg

Agnes Gossen-Giesbrecht: „Die deutschen Autoren aus Russland sind das Sprachrohr der Russlanddeutschen“

Die Lyrikerin und Essayistin Agnes Giesbrecht (geb. Gossen) wurde 1953 im russlanddeutschen Dorf Podolsk, Gebiet Orenburg, geboren. Schon in ihrer frühen Kindheit entwickelte sie eine Liebe zum Buch und zum geschriebenen Wort, verfasste seit der Schulzeit Gedichte, hauptsächlich in russischer Sprache. Zu Hause sprach man Plattdeutsch. Agnes studierte Slawistik an der Pädagogischen Hochschule Orenburg und Bibliothekswesen im Nordkaukasus, unterrichtete anschließend die russische Sprache und Literatur im Gebiet Orenburg unad im Nordkaukasus, war als Bibliothekarin und gleichzeitig als freischaffende Journalistin tätig, leitete einen Literaturzirkel. Seit 1989 lebt Agnes Gossen-Giesbrecht in Deutschland und arbeitet als Bibliothekarin an der Universität in Bonn. Neben dem Hauptberuf unterrichtet sie Russisch an der Volkshochschule, engagiert sich bei der Bonner Plattdeutschen Initiative, der Bonner Werkstatt Kreatives Schreiben und in der Gesellschaft Prussia, „bastelt“ am Projekt „Literaturbrücke Bonn-Kaliningrad“. 1995 gründete sie mit anderen Gleichgesinnten den Literaturkries der Deutschen aus Russland e.V. und leitete ihn rund 12 Jahre. In dieser Zeit entwickelte sich der Freundeskreis von ursprünglich 14 Autoren zu einem Bundesverband mit über 90 Mitgliedern. Als Vorsitzende hat sie zahlreiche Veranstaltungen organisiert und „Geburtshelferin“ bei vielen Publikationen gewesen. „Es war für mich nie so wichtig, eine Vorsitzende zu sein. Wichtig war immer, dass sich etwas bewegt, dass die russlanddeutsche Literatur in Deutschland präsent wird. Es war mehr Verantwortung als Ehre und außerdem eine riesige Aufgabe, die nur dank immer neuen Kontakten und der Unterstützung vieler Autoren machbar war“, sagt sie rückblickend.