Eisenbraun und Gauks bei Funkhaus Europa

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10649679_644998248939415_6395647763342785638_nAnfang April 2015 wur­de im Stu­dio von “Funk­haus Euro­pa” ein Radio­bei­trag zum The­ma “Russ­land­deut­sche und Ukrai­ne-Kon­flikt” auf­ge­zeich­net.

Damit hat der Sen­der auf die zuvor ver­öf­fent­lich­te Stel­lung­nah­me der Lands­mann­schaft “Kei­ne Dif­fa­mie­rung der Russ­land­deut­schen im Ost­ukrai­ne-Kon­flikt” reagiert.

Mit Ulla Lachauer auf verschlungenen Wegen russlanddeutscher Familiengeschichten

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Ulla Lach­au­er                        Foto: Ste­pha­nie Schwei­gert, Rowohlt Ver­lag

Ulla Lach­au­er (geb. 1951 in Ahlen/Westfalen) ist Doku­men­tar­fil­me­rin, freie Jour­na­lis­tin und Buch­au­to­rin. Nach ihrem Buch „Ritas Leu­te — Eine deut­sch-rus­si­sche Fami­li­en­ge­schich­te“, das seit 2002 in vier­ter Auf­la­ge erschie­nen ist, folgt sie nun in ihrem Film „Die Hein­richs aus Kasach­stan“, der am 13. April 2012 im WDR (23.15–24.00) aus­ge­strahlt wird, den ver­schlun­ge­nen Spu­ren einer ande­ren russ­land­deut­schen Fami­li­en­ge­schich­te. Wie in „Ritas Leu­te”, das den Leser auf die Rei­se in das Unbe­kann­te, in „dunkle Zei­ten hin­ter dem eiser­nen Vor­hang” mit­nimmt, lernt man auch in „Die Hein­richs aus Kasach­stan“ Fak­ten und Mate­ria­li­en ken­nen, von denen hier­zu­lan­de zu wenig bis gar nichts bekannt ist. Im Buch wie im Film gelingt der Auto­rin am Bei­spiel der viel­fach ver­schlun­ge­nen Wege zwei­er russ­land­deut­scher Fami­li­en ein facet­ten­rei­cher Ein­bli­ck in die Geschich­te der Russ­land­deut­schen.

Nina Paul­sen (VadW) stell­te Ulla Lach­au­er eini­ge Fra­gen.

 

Lie­be Frau Lach­au­er, dass ein­hei­mi­sche Auto­ren The­men der russ­land­deut­schen Geschich­te auf­grei­fen, ist immer noch eine Aus­nah­me. Sie wen­den sich zum zwei­ten Mal die­ser The­ma­tik zu – zum ers­ten Mal in dem Buch „Ritas Leu­te — Eine deut­sch-rus­si­sche Fami­li­en­ge­schich­te“ und nun im WDR-Fern­seh­film „Die Hein­richs aus Kasach­stan“. Wie hat die­ses Inter­es­se ange­fan­gen?

Interview mit Dr. Elena Seifert

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Die Lite­ra­tur der Russ­land­deut­schen soll­te zu einer Fik­ti­on ver­küm­mern, hat sich aber in ein Phä­no­men ver­wan­delt“

Dr. Elena Sei­fert: Lite­ra­tur und ihre Gat­tun­gen wider­spie­geln das eth­ni­sche Welt­bild einer Volks­grup­pe

Die Russ­land­deut­schen als Eth­nie sind eine para­do­xe Erschei­nung, es ist eine jun­ge Volks­grup­pe, die gene­ti­sch zu einer rei­fen deut­schen Eth­nie auf­steigt“, sagt Dr. Elena Sei­fert  – Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin, Kri­ti­ke­rin, Pro­sai­ke­rin, Dich­te­rin und Kin­der­buch­schrift­stel­le­rin aus Mos­kau. Die begna­de­te Auto­rin und Dozen­tin ist außer­dem Preis­trä­ge­rin einer Rei­he von Lite­ra­tur­wett­be­wer­ben und Lite­ra­tur­prei­sen, Ver­fas­se­rin eini­ger Mono­gra­phien, meh­re­rer Sam­mel­bän­de und Lite­ra­tu­ral­ma­na­che. Ihre Dok­tor­dis­ser­ta­ti­on zur Poe­sie der Russ­land­deut­schen der Nach­kriegs­zeit liegt der Mono­gra­phie „Gen­re und das eth­ni­sche Bild in der Poe­sie der Russ­land­deut­schen der zwei­ten Hälf­te des 20. — Anfang des 21. Jh.“ Zugrun­de, die 2009 im BMV Ver­lag Robert Bur­au erschie­nen ist. Damit beweist sie unter ande­rem, dass „die Lite­ra­tur ins­ge­samt kann das eth­ni­sche Welt­bild wider­spie­geln, und die Gat­tung ein bestimm­tes Frag­ment des Daseins­ge­schich­te einer Eth­nie dar­stel­len“.

Förderpreis – Merle Hilbk

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För­der­preis des Russ­land­deut­schen Kul­tur­prei­ses des Lan­des Baden-Würt­tem­berg

Mer­le Hilbk: „Als Russ­land­in­ter­es­sier­te hat es mich gefreut, zu erfah­ren, dass ein Teil mei­ner Fami­lie selbst aus Russ­land stammt“

Die Jour­na­lis­tin und Publi­zis­tin Mer­le Hilbk aus Ber­lin wur­de 1969 in Düs­sel­dorf gebo­ren. Nach dem Abitur in Müns­ter stu­dier­te sie Jura in Hei­del­berg. Nach dem Zei­tungs­vo­lon­ta­ri­at bei der „Badi­schen Zei­tung“ in Frei­burg arbei­te­te sie als Redak­teu­rin beim Spie­gel (Deutsch­land-Res­sort) und bei der Zeit (Res­sort Dos­sier). Seit 2001 ist sie freie Jour­na­lis­tin in Russ­land und Ost­eu­ro­pa tätig. Neben­bei ist sie als Jour­na­lis­mus­do­zen­tin an der Ham­burg Media School tätig. Als freie Jour­na­lis­tin und im Auf­trag ver­schie­de­ner Auf­trag­ge­ber wie  Geo, Brand eins, Die Zeit oder taz bereis­te sie Kasach­stan, Chi­na, Nord­ko­rea  und ver­schie­de­ne Regio­nen Russ­lands. Bekannt gewor­den ist sie vor allem durch ihr Erfolgs­buch „Sibirs­ki Punk“ – eine fak­ten­rei­che und span­nen­de Rei­se­r­e­por­ta­ge, in der sie sich auf den Weg von Ham­burg über Nowo­si­birsk bis hin­ter den Bai­kal­see begibt, die geheim­nis­vol­le „rus­si­sche See­le“ auf­zu­spü­ren. Auf deut­sch-rus­si­sche See­len­wan­der­schaft geht die Auto­rin in ihrem zwei­ten Buch „Die Chaus­see der Enthu­si­as­ten. Eine Rei­se durch das rus­si­sche Deutsch­land“ (2008).  Eine Rei­se, die auch mit ihrer eige­nen Fami­li­en­ge­schich­te ver­bun­den ist. Auf einem Fami­li­en­fest erfährt sie uner­war­tet, dass sie russ­land­deut­sche Ver­wandt­schaft hat. Als sie dana­ch beginnt, sich näher mit der Fami­li­en­ge­schich­te zu befas­sen, stellt sie fest, dass sie ein „rus­si­sches“ Kapi­tel hat. Ihr Urgroß­va­ter – ein Wol­ga­deut­scher — kam am Anfang des 2. Welt­krie­ges nach Deutsch­land. Sei­ne Geschwis­ter wur­den nach Kasach­stan depor­tiert und kamen dann in den 90er Jah­ren als Spät­aus­sied­ler mit Kin­dern und Enkeln nach Deutsch­land. Kon­fron­tiert mit der eige­nen Fami­li­en­ge­schich­te und der Debat­te über das Zuwan­de­rungs­ge­setz in Deutsch­land, woll­te Mer­le Hilbk sich inten­si­ver mit der rus­sisch­spra­chi­gen Kul­tur in Deutsch­land befas­sen. Her­aus­ge­kom­men ist eine Rei­se­r­e­por­ta­ge, die eben­so span­nend wie erkennt­nis­reich ist. Das Buch beschäf­tigt sich mit dem Innen­le­ben und den Lebens­um­stän­den von Men­schen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on und zeigt vie­le Facet­ten des neu­en deut­sch-rus­si­schen Lebens. Auf vie­len Sta­tio­nen quer durch Deutsch­land por­trä­tiert die Auto­rin zahl­rei­che Deut­sche aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on und rus­si­sche Juden in ihrem neu­en All­tag. Dabei erzählt Hilbk nicht nur von zer­rüt­te­ten Fami­li­en oder geplatz­ten Träu­men. In ihrem Buch fin­den sich auch zahl­rei­che Bei­spie­le für eine erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on, für eine erfolg­ver­spre­chen­de Annä­he­rung zwi­schen Ein­hei­mi­schen und Zuwan­de­rern.

Interview Reimer — Gossen

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Die russ­land­deut­sche Lite­ra­tur liegt ihr am Her­zen


Inter­view mit Agnes Gies­brecht anläss­li­ch ihres 50. Geburts­ta­ges

 Agnes Gies­brecht, die Vor­sit­zen­de des Lite­ra­tur­krei­ses der Deut­schen aus Russ­land e. V. mit Sitz in Bonn, wird Anfang Febru­ar 50! Anläss­li­ch die­ses Datums hat ihre Schrift­stel­ler­kol­le­gin Lore Rei­mer die Jubi­la­rin inter­viewt. /Erste Ver­öf­fent­li­chung in VadW 2/2003, S. 28–29/

Lore Rei­mer: Agnes, im kom­men­den Som­mer sind es rund zehn Jah­re seit jener denk­wür­di­gen Auto­ren­ta­gung am Boden­see, als du zum ers­ten Mal bei einer der­ar­ti­gen Ver­an­stal­tung russ­land­deut­scher Auto­ren zuge­gen warst und wir uns ken­nen lern­ten. Damals teil­test du uns dei­ne ers­ten schöp­fe­ri­schen Ver­su­che in deut­scher Spra­che mit. Als rus­sisch­spra­chi­ge Lyri­ke­rin warst du natür­li­ch bereits eine erfah­re­ne Auto­rin. Erzäh­le bit­te ein wenig von dei­nem Schaf­fens­weg in deut­scher Spra­che.

Interview Paulsen — Gossen

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Mit Lie­be zur Dicht­kunst

Agnes Gies­brecht über ihr Enga­ge­ment im Lite­ra­tur­kreis und Ent­wick­lun­gen in der russ­land­deut­schen Lite­ra­tur­sze­ne

Die Lyri­ke­rin und Essay­is­tin Agnes Gies­brecht (geb. Gos­sen) wur­de am 2. Febru­ar 1953 im russ­land­deut­schen Dorf Podolsk, Gebiet Oren­burg, gebo­ren. Schon in ihrer frü­hen Kind­heit  ent­wi­ckel­te sie eine Lie­be zum Buch und das geschrie­be­ne Wort, ver­fass­te seit der Schul­zeit Gedich­te, haupt­säch­li­ch in rus­si­scher Spra­che. Zu Hau­se sprach man Platt­deut­sch. Sie stu­dier­te Sla­wis­tik an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le Oren­burg und Biblio­theks­we­sen im Nord­kau­ka­sus, unter­rich­te­te anschlie­ßend die rus­si­sche Spra­che und Lite­ra­tur im Gebiet Oren­burg und im Nord­kau­ka­sus, war als Biblio­the­ka­rin und gleich­zei­tig als frei­schaf­fen­de Jour­na­lis­tin tätig, lei­te­te einen Lite­ra­turzir­kel. Seit 1989 lebt Agnes Gies­brecht in Deutsch­land und arbei­tet als Biblio­the­ka­rin an der Uni­ver­si­tät in Bonn. In Russ­land begeis­ter­te sich die Lyri­ke­rin ins­be­son­de­re für die Klas­si­ker der rus­si­schen Lite­ra­tur, aber auch für die Frei­geis­ter wie Anna Ach­ma­to­wa, Mari­na Zweta­je­wa oder Josef Brods­kij. In der neu­en Hei­mat ent­deck­te sie die poe­ti­sche Spra­che bekann­ter deut­scher Auto­ren und wag­te 1991 den Ver­su­ch in deut­scher Spra­che zu schrei­ben, unter ande­rem im Rah­men einer Lite­ra­tur­werk­statt in Bonn. Inzwi­schen hat sie sich zu einer Auto­rin ent­wi­ckelt, die mit bei­den Spra­chen sou­ve­r­än und krea­tiv umgeht. Von 1995 bis 2007 lei­te­te Agnes Gies­brecht den Lite­ra­tur­kreis der Deut­schen aus Russ­land e.V., der sich aus einem Freun­des­kreis von 14 Auto­ren zu einem Bun­des­ver­band mit 94 Mit­glie­dern ent­wi­ckelt hat. Sie ist Auto­rin von  sechs eige­nen Büchern in Deut­sch und Rus­si­sch sowie Her­aus­ge­be­rin eini­ger Publi­ka­tio­nen des Lite­ra­tur­krei­ses der Deut­schen aus Russ­land. Neben dem Beruf als Biblio­the­ka­rin unter­rich­tet sie Rus­si­sch an der Volks­hoch­schu­le, enga­giert sich bei der Bon­ner Platt­deut­schen Initia­ti­ve, der Bon­ner Werk­statt Krea­ti­ves Schrei­ben und in der Gesell­schaft Prus­sia, „bas­telt“ am Pro­jekt „Lite­ra­tur­brü­cke Bonn-Kali­nin­grad“.

Die Heinrichs aus Kasachstan”

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 Drei Generationen Heinrichs.            Foto: WDR/Ulla Lachauer

 

Am 13. April 2012 überträgt das WDR von 23.15 bis 24 Uhr den Film "Die Heinrichs aus Kasachstan" von Ulla Lachauer als ersten Teil der Reihe "Der Weg meiner Familie"

 

Die Heinrichs – eine lebenslustige Großfamilie bei Detmold, unweit vom Hermanns-Denkmal, die zusammenhält wie Pech und Schwefel. Vier Generationen, die ein Autohaus betreiben, „das beste“ schwärmen viele Kunden, „tüchtige Leute, die kriegen die älteste Kiste wieder flott“. Woher sie kommen, weiß kaum jemand, die Heinrichs selbst sprechen so gut wie nie darüber.

Seniorchef Hans Heinrichs ist als Kind in Sibirien beinahe verhungert. Vaterlos wuchs er auf in einer Baracke „mit den Liedern der Wölfe.“ Seine Frau Lina war einmal Weltmeisterin im Schlange-Stehen in einer kasachischen Stadt namens Dshambul. Ihre Eltern Jakob und Irene sind in der Ukraine aufgewachsen, am Strom Dnjepr.

Die Heinrichs haben eine wahre Odyssee hinter sich, zum ersten Mal reden sie von ihrer Vergangenheit. Der Film folgt den Spuren der dramatischen Familiengeschichte: von der Siedlung der Vorfahren, die aus Westpreußen an den Djnepr kamen, bis zum Untergang der deutschen Dörfer im Zweiten Weltkrieg, der Flucht in den Westen, über die Verschleppung durch die Sowjetmacht 1945 gen Osten, in die sibirischen Wälder, von wo aus sie nach Stalins Tod in den warmen Süden Kasachstans ziehen.

Nie verloren sie dabei die Hoffnung, eines Tages nach Deutschland ausreisen zu können. Dafür kämpften und beteten sie viele Jahrzehnte, riskierten viel. Und als sie endlich 1978 das „gelobte Land“ erreichten, konnten die Heinrichs kaum noch Deutsch. Noch einmal hieß es kämpfen: Sprache lernen, Existenz gründen – sie waren voller Elan, doch es war unglaublich hart. Die drei Söhne von Hans und Lina, die im Lipperland aufwuchsen, hatten vor lauter Arbeit keine Kindheit, die Familie zerbrach beinahe. Erst die nächste Generation wird das Trauma überwinden.

Kirsten Werther, Westdeutscher Rundfunk Köln