Mit Ulla Lachauer auf verschlungenen Wegen russlanddeutscher Familiengeschichten

Standard
Ulla Lachauer                        Foto: Stephanie Schweigert, Rowohlt Verlag

Ulla Lachauer (geb. 1951 in Ahlen/Westfalen) ist Dokumentarfilmerin, freie Journalistin und Buchautorin. Nach ihrem Buch „Ritas Leute – Eine deutsch-russische Familiengeschichte“, das seit 2002 in vierter Auflage erschienen ist, folgt sie nun in ihrem Film „Die Heinrichs aus Kasachstan“, der am 13. April 2012 im WDR (23.15-24.00) ausgestrahlt wird, den verschlungenen Spuren einer anderen russlanddeutschen Familiengeschichte. Wie in „Ritas Leute”, das den Leser auf die Reise in das Unbekannte, in „dunkle Zeiten hinter dem eisernen Vorhang” mitnimmt, lernt man auch in „Die Heinrichs aus Kasachstan“ Fakten und Materialien kennen, von denen hierzulande zu wenig bis gar nichts bekannt ist. Im Buch wie im Film gelingt der Autorin am Beispiel der vielfach verschlungenen Wege zweier russlanddeutscher Familien ein facettenreicher Einblick in die Geschichte der Russlanddeutschen.

Nina Paulsen (VadW) stellte Ulla Lachauer einige Fragen.

 

Liebe Frau Lachauer, dass einheimische Autoren Themen der russlanddeutschen Geschichte aufgreifen, ist immer noch eine Ausnahme. Sie wenden sich zum zweiten Mal dieser Thematik zu – zum ersten Mal in dem Buch „Ritas Leute – Eine deutsch-russische Familiengeschichte“ und nun im WDR-Fernsehfilm „Die Heinrichs aus Kasachstan“. Wie hat dieses Interesse angefangen?

Interview mit Dr. Elena Seifert

Standard

„Die Literatur der Russlanddeutschen sollte zu einer Fiktion verkümmern, hat sich aber in ein Phänomen verwandelt“

Dr. Elena Seifert: Literatur und ihre Gattungen widerspiegeln das ethnische Weltbild einer Volksgruppe

„Die Russlanddeutschen als Ethnie sind eine paradoxe Erscheinung, es ist eine junge Volksgruppe, die genetisch zu einer reifen deutschen Ethnie aufsteigt“, sagt Dr. Elena Seifert  – Literaturwissenschaftlerin, Kritikerin, Prosaikerin, Dichterin und Kinderbuchschriftstellerin aus Moskau. Die begnadete Autorin und Dozentin ist außerdem Preisträgerin einer Reihe von Literaturwettbewerben und Literaturpreisen, Verfasserin einiger Monographien, mehrerer Sammelbände und Literaturalmanache. Ihre Doktordissertation zur Poesie der Russlanddeutschen der Nachkriegszeit liegt der Monographie „Genre und das ethnische Bild in der Poesie der Russlanddeutschen der zweiten Hälfte des 20. – Anfang des 21. Jh.“ Zugrunde, die 2009 im BMV Verlag Robert Burau erschienen ist. Damit beweist sie unter anderem, dass „die Literatur insgesamt kann das ethnische Weltbild widerspiegeln, und die Gattung ein bestimmtes Fragment des Daseinsgeschichte einer Ethnie darstellen“.