Zur Lage der Deutschen in der Ukraine und auf der Krim

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Die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e. V. ist besorgt über die gefähr­li­che Ent­wick­lung in der Ukraine und das Schick­sal der deut­schen Lands­leute in der Ukraine ins­ge­samt und ins­be­son­dere auf der Halb­in­sel Krim, die im Mit­tel­punkt des Kon­flikts steht. Um einen dif­fe­ren­zier­ten Ein­blick in die Situa­tion zu bekom­men, nahm die Lands­mann­schaft Kon­takt zu den Deut­schen in der Ukraine und auf der Krim auf. 

Auf Anfrage der Lands­mann­schaft schil­derte Jurij Hem­pel, Vor­sit­zen­der der Gesell­schaft der Deut­schen in der Auto­no­men Repu­blik Krim „Wie­der­ge­burt“, die Lage der Deut­schen in den Kri­sen­ge­bie­ten (Stand: 08.03.2014):

Hartmut Koschyk — Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen

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KoschykDas Amt des Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen wurde 1988 ein­ge­rich­tet und am Bun­des­mi­nis­te­rium des Innern ange­sie­delt. 2002 wurde das Amt durch die Beauf­tra­gung für die natio­na­len Min­der­hei­ten ergänzt. Seit dem 8. Januar 2014 führt der Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Hart­mut Kos­chyk die­ses Amt aus.

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Herr Kos­chyk war von 1987 bis 1991 Gene­ral­se­kre­tär des Bun­des der Ver­trie­be­nen. Seit 1990 ist er Mit­glied des Deut­schen Bun­des­ta­ges.

Ber­gner aus dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um des In­nern ver­ab­schie­det

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BMI — Pres­se­mit­tei­lung 08.01.2014

Kos­chyk neuer Beauf­trag­ter für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­nale Min­der­hei­ten.

Dr. Chris­toph Ber­g­ner wurde am 23. Novem­ber 2005 als Par­la­men­ta­ri­scher Staats­se­kre­tär beim Bun­des­mi­nis­ter des Innern beru­fen. Im Februar 2006 über­nahm er auch das Amt des Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­nale Min­der­hei­ten. Hinzu kam im März 2011 die Funk­tion des Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für die Neuen Län­der.

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière verabschiedet Dr. Christoph Bergner aus dem BMI
Bun­des­in­nen­mi­nis­ter de Mai­zière ver­ab­schie­det Dr. Chris­toph Ber­g­ner aus dem BMI  (Quelle: BMI)

Der weite Weg zurück — 250 Jahre russlanddeutscher Geschichte“

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Pres­se­mit­tei­lung der Kreis- und Orts­gruppe Regens­burg der LmDR e.V.

Die Ver­an­stal­tung „Der weite Weg zurück — 250 Jahre russ­land­deut­scher Geschichte“ fand einen kur­zen Weg in die Her­zen der Gäste.

Bürgermeister der Stadt Regensburg Gerhard Weber

Bür­ger­meis­ter der Stadt Regens­burg Ger­hard Weber

Das Inter­esse an der Geschichte der Russ­land­deut­schen war über­wäl­ti­gend groß. Sämt­li­che Stuhl­rei­hen im Fest­saal des Kol­ping­hau­ses waren besetzt. 350 Gäste, dar­un­ter viele Ver­tre­ter der Poli­tik, konn­ten einen leben­di­gen und hoch­wer­ti­gen Fest­akt erle­ben. Bür­ger­meis­ter Weber — in Ver­tre­tung des Schirm­herrn Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Regens­burg Hans Schai­din­ger – sprach in sei­nem Gruß­wort davon, dass die Deut­schen aus Russ­land einen gro­ßen und akti­ven Teil der Regens­bur­ger Ein­woh­ner aus­ma­chen. Die schu­li­schen Leis­tun­gen der Aus­sied­ler­kin­der seien oft über­durch­schnitt­lich.

Die Deutschen aus Russland sind angekommen.

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31. Bun­des­tref­fen der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land in Augs­burg

 

Knapp 4.000 Besu­cher konn­ten zum 31. Bun­des­tref­fen der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land begrüßt wer­den, das am 29. Juni unter der Schirm­herr­schaft des Baye­ri­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Horst See­ho­fer und mit Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Dr. Hans-Peter Fried­rich als Fest­red­ner auf dem Augs­bur­ger Mes­se­ge­lände durch­ge­führt wurde.

 

Feierstunde: Das Orchester „Hubert“ aus Bayreuth sorgte für den musikalischen Rahmen der Feierstunde.

Fei­er­stunde: Das Orches­ter „Hubert“ aus Bay­reuth sorgte für den musi­ka­li­schen Rah­men der Fei­er­stunde.

 

 

Innenminister Dr. Hans-Peter Friedrich

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Innen­mi­nis­ter Dr. Hans-Peter Fried­rich beim
31. Bun­des­tref­fen der Deut­schen aus Russ­land in Augs­burg
Katha­ri­nen-Preis für DRK-Such­dienst

 

Pres­se­er­klä­rung

der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e. V.

Unter dem Motto „1763–2013. 250 Jahre russ­land­deut­scher Geschichte“ ver­an­stal­tet die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land am 29. Juni 2013 in Augs­burg (Messe) ihr 31. Bun­des­tref­fen. Die Schirm­herr­schaft hat der Baye­ri­sche Minis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer über­nom­men.

Landsmannschaft der Deutschen aus Russland begrüßt Verbesserungen beim Familiennachzug

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Pres­se­er­klä­rung

der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e. V.

Die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land begrüßt den auf Initia­tive des Lan­des Nie­der­sach­sen ein­ge­brach­ten Gesetz­ent­wurf des Bun­des­ra­tes zur Ände­rung des BVFG im Hin­blick auf Ver­bes­se­run­gen beim Fami­li­en­nach­zug im Spät­aus­sied­ler­auf­nah­me­ver­fah­ren, der mit den Stim­men aller Par­teien des Deut­schen Bun­des­ta­ges mit Aus­nahme der Lin­ken ver­ab­schie­det wor­den ist.

Katharinen-Preis der Deutschen aus Russland

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In sei­ner Sit­zung am 2. Februar 2013 beschloss der Bun­des­vor­stand der

Statue der jungen Zarin im Schlosspark zu Zerbst.

Sta­tue der jun­gen Zarin im Schloss­park zu Zerbst.

Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land die Stif­tung eines Katha­ri­nen-Prei­ses für Per­so­nen und Ein­rich­tun­gen, die sich in beson­de­rer Weise um die Russ­land­deut­schen ver­dient gemacht haben. Der Preis soll erst­mals im Rah­men einer Fei­er­stunde am 28. Juni 2013, also am Vor­tag des 31. Bun­des­tref­fens der Lands­mann­schaft in Augs­burg, im Gol­de­nen Saal des Augs­bur­ger Rat­hau­ses ver­lie­hen wer­den. Nach­ste­hend der Wort­laut des Sta­tuts.

Ausschreibung — Juniorprofessur

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Juni­or­pro­fes­sur — Kul­tur und Geschichte der Russ­land­deut­schen

Der Beauf­tragte der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medien (BKM) schreibt im Rah­men der Wis­sen­schafts- und Kul­tur­för­de­rung nach § 96 BVFG die Finan­zie­rung

einer Juni­or­pro­fes­sur

 zur Kul­tur und Geschichte der Russ­land­deut­schen aus.

Die Schwer­punkte in For­schung und Lehre sol­len im Bereich der Geschichts- und/oder Kul­tur­wis­sen­schaf­ten lie­gen, der Zeit­raum soll das 18. bis 21. Jahr­hun­dert umfas­sen. Die genaue Deno­mi­na­tion der Juni­or­pro­fes­sur soll von der bean­tra­gen­den Uni­ver­si­tät fest­ge­legt wer­den.

1. Gegen­stand der För­de­rung

Ziel der För­de­rung ist die Schaf­fung eines mit der Juni­or­pro­fes­sur ver­bun­de­nen inno­va­ti­ven For­schungs­schwer­punkts zur Geschichte und/oder Kul­tur der Russ­land­deut­schen unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung ihrer eth­ni­schen, sozia­len, kon­fes­sio­nel­len und sprach­li­chen Wech­sel­be­zie­hun­gen zu den Nach­bar­kul­tu­ren sowie zu Fra­gen der Migra­tion, Inte­gra­tion und grenz­über­grei­fen­den per­so­nel­len und insti­tu­tio­nel­len Netz­wer­ken.

Unter Russ­land­deut­schen wer­den im Fol­gen­den die­je­ni­gen Deut­schen und ihre Nach­kom­men ver­stan­den, die auf dem Ter­ri­to­rium des Rus­si­schen Rei­ches und der Sowjet­union leb­ten, ins­be­son­dere die im 18. und 19. Jahr­hun­dert vom Staat ange­sie­del­ten Kolo­nis­ten, aber auch Per­so­nen, die selb­stän­dig ein­wan­der­ten und sich dau­er­haft oder vor­über­ge­hend in Städ­ten oder auf dem Land nie­der­lie­ßen. Ein­ge­schlos­sen sind die­je­ni­gen Deut­schen, die nach dem Über­fall Hit­ler-Deutsch­lands auf die Sowjet­union 1941 in die asia­ti­schen Lan­des­teile depor­tiert wur­den und ihre Nach­kom­men, die heute noch in den Nach­fol­ge­staa­ten der UdSSR leben oder als Spät­aus­sied­ler nach Deutsch­land gekom­men sind. Nicht als Russ­land­deut­sche in die­sem Sinne gel­ten hin­ge­gen die Deut­schen in Polen und im Bal­ti­kum.

Die Juni­or­pro­fes­sur sollte für das jeweils vor­han­dene wis­sen­schaft­li­che Umfeld an der Hoch­schule einen deut­li­chen Mehr­wert ver­spre­chen. Neben der the­ma­ti­schen Rele­vanz sind die Mög­lich­kei­ten zur Ent­fal­tung von Syn­er­gien vor Ort sowie ergän­zende Leis­tun­gen zur Aus­stat­tung der Juni­or­pro­fes­sur durch die bean­tra­gende Uni­ver­si­tät wich­tige Aus­wahl­kri­te­rien.

2. För­der­um­fang

Der För­der­zeit­raum umfasst zunächst drei Jahre. Im Zuge der Eva­lua­tion wird dann über die Fort­füh­rung und die wei­tere Finan­zie­rung der Juni­or­pro­fes­sur zu befin­den sein.

3. Antrag­stel­lung

Anträge zu die­ser Aus­schrei­bung kön­nen nur von staat­li­chen Hoch­schu­len in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gestellt wer­den. Sie müs­sen von der Hoch­schul­lei­tung ein­ge­reicht wer­den. Ergän­zend sol­len Stel­lung­nah­men von den Fakultäten/Fachbereichen bzw. Insti­tu­ten und Lehrstuhlinhabern/-innen bei­ge­fügt wer­den.

4. Aus­wahl­ver­fah­ren

Die ein­ge­gan­ge­nen För­der­an­träge wer­den im Auf­trag des BKM wis­sen­schaft­lich begut­ach­tet. Die Ent­schei­dung über die Mit­tel­ver­gabe trifft der BKM. Ableh­nende Ent­schei­dun­gen wer­den nicht begrün­det. Der Rechts­weg ist aus­ge­schlos­sen.

Die Anträge sind form­los an fol­gende Anschrift zu rich­ten:

Bun­des­in­sti­tut für Kul­tur und Geschichte

der Deut­schen im öst­li­chen Europa

Johann-Jus­tus-Weg 147a

D-26127 Olden­burg

Tel.: (0441) 96195–0

E-Mail:bkge@bkge.uni-oldenburg.de

Bewer­bungs­schluss ist der 15. April 2013.

Wei­tere Erläu­te­run­gen zur Aus­schrei­bung sowie zur Kul­tur­för­de­rung durch den BKM auf der Home­page des Bun­des­in­sti­tuts für Kul­tur und Geschichte der Deut­schen im öst­li­chen Europa (BKGE) unter: www.bkge.de

Stellungnahme der Landsmannschaft zur Sitzung des Beirates für Spätaussiedlerfragen beim Bundesministerium

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Stellungnahme der Landsmannschaft

zur Sitzung des Beirates für Spätaussiedlerfragen beim Bundesministerium

 des Innern (Leiter: Dr. Christoph Bergner) am 26. November 2012

Als Bei­trag zur Sit­zung des Bei­ra­tes für Spät­aus­sied­ler­fra­gen am 26. Novem­ber 2012 ver­fasste die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land eine Stel­lung­nahme zu drei zen­tra­len Fra­gen der gegen­wär­ti­gen Aus­sied­ler­po­li­tik, der Über­be­to­nung deut­scher Sprach­kennt­nisse im Spät­aus­sied­ler­auf­nah­me­ver­fah­ren, der erneu­ten Prü­fung von abge­wie­se­nen Auf­nah­me­be­schei­den und unbe­frie­di­gen­den Rege­lun­gen von Här­te­fäl­len beim Fami­li­en­nach­zug.

 

I. Über­be­to­nung deut­scher Sprach­kennt­nisse im

Spät­aus­sied­ler­auf­nah­me­ver­fah­ren:

 

In den zurück­lie­gen­den zwan­zig Jah­ren hat es wie­der­holt Novel­lie­run­gen des Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­set­zes und der Auf­nah­me­pra­xis von Aus­sied­lern aus den Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­union gege­ben, die für uns nicht nach­voll­zieh­bar sind bzw. den eigent­li­chen Sinn des Geset­zes in Frage stel­len.

Zum einen wurde den Deut­schen aus Russ­land näm­lich das kol­lek­tive Kriegs­fol­gen­schick­sal zuer­kannt, zum ande­ren wur­den sie jedoch in den Anwen­dungs­be­reich des Zuwan­de­rungs­ge­set­zes über­führt, wodurch das Kriegs­fol­gen­schick­sal seine Bedeu­tung ver­lor.

Zum Kriegs­fol­gen­schick­sal zählt unter ande­rem der durch staat­li­che Maß­nah­men erzwun­gene Ver­lust der deut­schen Mut­ter­spra­che. Die­ser konnte ein­tre­ten durch:

 

1. die Umstel­lung des Schul­un­ter­richts außer­halb der ASSR der Wol­ga­deut­schen auf Rus­si­sch bzw. Ukrai­ni­sch als Unter­richts­spra­che in den Jah­ren 1938 bzw. 1939;

2. die Depor­ta­tion der deut­schen Bevöl­ke­rung aus der ASS­RdWD und den Gebie­ten Sara­tow und Sta­lin­grad auf­grund des Erlas­ses des Obers­ten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941;

3. das Fern­hal­ten der schul­pflich­ti­gen Kin­der und Jugend­li­chen vom regu­lä­ren Schul­un­ter­richt (Schul­pflicht) durch ihre Ein­wei­sung im Fami­li­en­ver­band in Son­der­sied­lun­gen bzw. Zwangs­ar­beits­la­ger ohne Mög­lich­keit des Schul­be­suchs;

4. die Ein­be­ru­fung von 14- und 15-jäh­ri­gen Jugend­li­chen zur Zwangs­ar­beit in den Jah­ren 1942–1944;

5. feh­lende Mög­lich­kei­ten zum Erler­nen der deut­schen Spra­che nach der Befrei­ung von der Auf­sicht des Regimes der Son­der­sied­lung.

 

Nach Erkennt­nis­sen der Lands­mann­schaft wur­den bei der Durch­füh­rung des Sprach­tests rudi­men­täre Kennt­nisse einer Mund­art nicht als Kennt­nis der deut­schen Mut­ter­spra­che aner­kannt. Die nach­ge­bo­rene Gene­ra­tion eines wegen man­gel­haf­ter oder feh­len­der Sprach­kennt­nisse abge­lehn­ten Aus­rei­se­wil­li­gen wurde dadurch eben­falls abge­lehnt, ohne sich geson­dert einem Sprach­test unter­zie­hen zu kön­nen. Kin­der kön­nen nicht für Schä­den und Män­gel ver­ant­wort­lich gemacht wer­den, die ihre Eltern durch die Anwen­dung staat­lich ver­ord­ne­ter Zwangs­maß­nah­men erlit­ten haben. Dies kommt einer Sip­pen­haf­tung gleich und ist mit deut­schem Recht, ins­be­son­dere auch mit der Berei­ni­gung von Kriegs­fol­gen, nicht ver­ein­bar.

Die Lands­mann­schaft for­dert daher, den Nach­ge­bo­re­nen eines abge­lehn­ten Aus­rei­se­wil­li­gen ein eige­nes Recht auf Antrag­stel­lung ein­zu­räu­men.

Auf die Durch­füh­rung von Sprach­tests ist auch bei jenen Deut­schen in der ehe­ma­li­gen Sowjet­union zu ver­zich­ten, die zwei­fels­frei ihre Abstam­mung von min­des­tens einem deut­schen Eltern­teil nach­wei­sen kön­nen.

 

II. Erneute Prü­fung von abge­wie­se­nen Auf­nah­me­be­schei­den:

 

In den 1990er Jah­ren kam es wie­der­holt zur Abwei­sung von Auf­nah­me­an­trä­gen von Per­so­nen, die ihr Begeh­ren mit der Ein­tra­gung in die Deut­sche Volks­liste Ukraine bzw. der Ein­be­zie­hung in das Ein­bür­ge­rungs­ver­fah­ren durch deut­sche Behör­den in den Jah­ren 1943–1944 begrün­de­ten, dies aber nicht urkund­lich nach­wei­sen konn­ten. Anfra­gen beim Bun­des­ar­chiv in Ber­lin (Kar­tei der Ein­wan­der­erzen­tral­stelle im ehem. Docu­ment Cen­ter) wur­den des­halb nega­tiv beschie­den, weil dort die frag­li­chen Unter­la­gen fehl­ten.

Der stell­ver­tre­tende Bun­des­vor­sit­zende der Lands­mann­schaft, Dr. Alfred Eis­feld (Nord­ost-Insti­tut Lüne­burg), konnte bei Recher­chen in staat­li­chen Gebiets­ar­chi­ven der Ukraine fest­stel­len, dass sich in zahl­rei­chen Per­so­nal­ak­ten sog. Tro­phä­en­do­ku­mente befin­den. Dabei han­delt es sich um Unter­la­gen, die von mobi­len Stel­len der EWZ aus­ge­fer­tigt, bei Kriegs­ende aber noch nicht im zen­tra­len Regis­ter ange­kom­men waren. Sie fie­len der Roten Armee in die Hände, wur­den in die UdSSR über­führt und stan­den deut­schen Behör­den als Beweis­mit­tel nicht zur Ver­fü­gung. Den Betrof­fe­nen und ihren Ange­hö­ri­gen war die­ser Umstand eben­falls unbe­kannt.

Anträge von Aus­rei­se­wil­li­gen, die wegen feh­len­den Nach­wei­ses ihres Wohn­sit­zes auf dem Gebiet der Ukraine und ver­gleich­ba­rer Gebiete nach dem Stand vor dem 22. Juni 1941 bzw. des Nach­wei­ses über deren Ein­be­zie­hung in das Ein­bür­ge­rungs­ver­fah­ren abge­lehnt wur­den, soll­ten auf­grund der neuen Erkennt­nisse vom BVA von Amts wegen einer erneu­ten Prü­fung unter­zo­gen und die Antrag­stel­ler (im Falle ihres Able­bens ihre Ange­hö­ri­gen und Rechts­nach­fol­ger) dar­über in Kennt­nis gesetzt wer­den.

Nicht gut begrün­det wer­den kann die Ableh­nung von Zuzugs­ge­neh­mi­gun­gen jener Deut­schen aus Russ­land, Kasach­stan und ande­ren GUS-Repu­bli­ken, die ihre Abstam­mung nach­wei­sen, aber Aus­schluss­kri­te­rien (z.B. höhere Bil­dung, Lei­tungs­funk­tio­nen in Indus­trie und Land­wirt­schaft sowie nicht sicher­heits­re­le­van­ten Berei­chen) auf­wei­sen, wäh­rend Deutsch­land einen aku­ten Man­gel an hoch qua­li­fi­zier­ten Ein­wan­de­rern beklagt. Die­ser Per­so­nen­kreis kann in Deutsch­land mit einem wesent­lich gerin­ge­ren Auf­wand inte­griert wer­den und damit zur Ver­bes­se­rung der demo­gra­phi­schen Situa­tion und zur Deckung des Bedarfs an Zuwan­de­rung hoch qua­li­fi­zier­ter Fach­leute bei­tra­gen.

 

III. Här­te­fälle im Spät­aus­sied­ler­auf­nah­me­ver­fah­ren:

 

Wie wir in unse­ren bis­he­ri­gen Stel­lung­nah­men immer wie­der betont haben, begrüßt die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land prin­zi­pi­ell durch­aus die im Neun­ten Gesetz zur Ände­rung des Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­set­zes ange­streb­ten Ver­bes­se­run­gen bei der Rege­lung von Här­te­fäl­len im Spät­aus­sied­ler­auf­nah­me­ver­fah­ren. Wir ver­ken­nen auch nicht die guten Absich­ten der Ver­fas­ser der Geset­zes­än­de­run­gen, waren jedoch von Anfang an der Auf­fas­sung, dass dadurch nur ein klei­ner Schritt getan wird und es auch wei­ter­hin zu tra­gi­schen Fäl­len von Fami­li­en­tren­nun­gen kom­men wird.

In unse­rer Auf­fas­sung wur­den und wer­den wir bei­spiels­weise von der Lan­des­be­auf­trag­ten der Hes­si­schen Lan­des­re­gie­rung für Ver­trie­bene und Spät­aus­sied­ler, Mar­ga­rete Zieg­ler-Rasch­dorf, und in man­cher Hin­sicht auch vom Nie­der­säch­si­schen Minis­ter für Inne­res und Sport, Uwe Schü­ne­mann, unter­stützt. Wei­tere Unter­stüt­zung haben wir dar­über hin­aus von Ver­tre­tern der Kir­chen sowie des Bun­des der Ver­trie­be­nen und des Deut­schen Roten Kreu­zes erfah­ren, deren Aus­füh­run­gen wir in unsere Stel­lung­nah­men auf­ge­nom­men haben.

Inzwi­schen muss­ten wir mit gro­ßem Bedau­ern zur Kennt­nis neh­men, dass sich unsere Befürch­tun­gen mehr als bewahr­hei­tet haben. Wir nen­nen dafür vier Gründe:

 

1. Das Blatt des Bun­des­ver­wal­tungs­am­tes „Nach­träg­li­che Ein­be­zie­hung nach § 27 Abs. 3 BVFG — Was ist ein Här­te­fall?’“ kann kei­nen Betrach­ter zu der Annahme ver­lei­ten, dass darin Kri­te­rien genannt sind, die wirk­lich zur huma­nen Rege­lung von Här­te­fäl­len bei­tra­gen könn­ten. Es han­delt sich – und das nicht nur nach unse­rer Auf­fas­sung – viel­mehr um aus­ge­spro­chen restrik­tive Kri­te­rien, die letzt­lich dazu füh­ren wer­den, dass in den aller­meis­ten Fäl­len der Fami­li­en­nach­zug ver­hin­dert wird.

2. Zudem bezie­hen sich die Kri­te­rien auf die Rege­lung im Falle von „beson­de­rer Härte“, wäh­rend im neuen Geset­zes­text nur noch von „Härte“, also „ein­fa­cher Härte“, die Rede ist.

3. Nach wie vor über­las­sen zahl­rei­che Kri­te­rien dem Sach­be­ar­bei­ter einen unan­ge­mes­sen hohen Ent­schei­dungs­spiel­raum und ver­lan­gen vom Antrag­stel­ler bzw. vom Ein­zu­be­zie­hen­den Leis­tun­gen, die diese ange­sichts ihrer oft­mals bedroh­li­chen Lage nicht erbrin­gen kön­nen.

4. Die Behand­lung ein­zel­ner Fälle ver­läuft der­art schlep­pend, dass Hilfe in Not­fäl­len nicht bzw. zu spät geleis­tet wer­den kann.

 

Um der kon­kre­ten Lebens­si­tua­tion der Betrof­fe­nen und huma­ni­tä­ren Anfor­de­run­gen gerecht zu wer­den, set­zen wir uns daher für gesetz­li­che Rege­lun­gen ein, die sich ins­be­son­dere an den fol­gen­den Argu­men­ten ori­en­tie­ren:

 

1. Nach unse­rer Auf­fas­sung wird durch die Behin­de­rung des Nach­zu­ges von engs­ten Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen der beson­dere Schutz der Fami­lie gefähr­det, der jedem Deut­schen laut Grund­ge­setz garan­tiert wird.

2. Grund­sätz­lich ist die Lands­mann­schaft seit jeher der Auf­fas­sung, dass die Über­prü­fung deut­scher Sprach­kennt­nisse im Spät­aus­sied­ler­auf­nah­me­ver­fah­ren ein sehr frag­wür­di­ges Instru­ment ist. Als Kri­te­rium sollte nicht der Grad der Sprach­kennt­nisse gel­ten, son­dern die Bereit­schaft des Bewer­bers, sich diese als Grund­lage für eine gelin­gende Inte­gra­tion in Deutsch­land anzu­eig­nen. (In die­sem Zusam­men­hang sollte nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass sämt­li­che Stu­dien den in der Bun­des­re­pu­blik leben­den Deut­schen aus Russ­land eine aus­ge­spro­chen hohe Inte­gra­ti­ons­be­reit­schaft und vor­bild­li­che Inte­gra­ti­ons­er­folge attes­tie­ren, so dass von einer Belas­tung für die Gesell­schaft durch ihren Zuzug keine Rede sein kann.)

3. Wir geben zu beden­ken, dass die Inte­gra­tion der bereits hier leben­den Spät­aus­sied­ler gefähr­det wird, wenn sie sich über eine lange Zeit und häu­fig ver­ge­bens um den drin­gend erfor­der­li­chen Nach­zug von Men­schen zu küm­mern haben, die ihnen am nächs­ten sind, wobei sie als Rechts­un­er­fah­rene auf unsi­che­res Ter­rain gezwun­gen wer­den.

Adolf Fet­sch, Bun­des­vor­sit­zen­der