Stellungnahme zum Artikel „Spätaussiedler in Friedland. Heimkehr in die Fremde“

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Wappen-LmDRSPIEGEL ONLINE, 05.02.2017, Heike Klovert

Link:  Spiegel Online – Artikel
Link:  Stellungnahme des Landsmannschaft (pdf, 595 kb)


Der oben genannte Artikel hat bei zahlreichen Deutschen aus Russland zwiespältige Gefühle hervorgerufen. Zum einen sind sie dankbar für die Sympathie, die man den Worten über die Spätaussiedlerfamilie Getts entnehmen kann. Zum anderen sind sie empört über sachliche Fehler und tendenziöse Kommentare zum Spätaussiedlerzuzug im Allgemeinen.

Dazu im Einzelnen:

1. Deutsche aus Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden eingebürgert und bekommen einen deutschen Pass, weil sie der Gesetzgebung entsprechend
– deutsche Volkszugehörige sind,
– sich zum Deutschtum bekennen
– und deutsche Sprachkenntnisse nachweisen können.

Vor allem aber dürfen sie (im Gegensatz zu Antragstellern aus anderen ost- und südosteuropäischen Ländern) weiterhin als Spätaussiedler nach Deutschland kommen, weil ihnen ein „kollektives Kriegsfolgenschicksal“ attestiert wird. Sie wurden nach dem Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 aus ihren angestammten Siedlungsgebieten bspw. an der Wolga, am Schwarzen Meer oder im Kaukasus in die kargen Gebiete Kasachstans und Sibiriens deportiert und in Zwangsarbeitslager gesteckt. Nach einer eher vorsichtigen Schätzung beträgt die Gesamtzahl der russlanddeutschen Todesopfer in der Sowjetunion 480.000 Personen. Unter den Folgen der Enteignung, Deportation und Massenvernichtung sowie des Verbots der deutschen Sprache und der Diskriminierung leiden die Familien und Nachkommen der Opfer bis heute.

Wir wenden uns daher mit Nachdruck gegen jeden Versuch, die Berechtigung unschuldig bestrafter Menschen, in ihre historische Heimat zurückzukehren, in Frage zu stellen oder sie mit einseitigen und tendenziösen Kommentaren zu diskreditieren.

2. Die Formulierung „Nach dem Zerfall der Sowjetunion in den Neunzigerjahren kehrten ihre Nachfahren zu Hunderttausenden zurück.“ lässt breiten Raum für Fehlinterpretationen. Vollständig wäre die Formulierung mit dem Hinweis darauf, dass die Deutschen in der Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte eines zumeist vergeblichen und mit zahlreichen Repressionen verbundenen Kampfes um Ausreise in die Bundesrepublik hinter sich hatten.

3. Es wird nicht explizit darauf hingewiesen, dass die Deutschen aus Russland nicht aus ihren ursprünglichen Siedlungsgebieten nach Deutschland kommen, sondern aus den Vertreibungsgebieten innerhalb der ehemaligen Sowjetunion. Eine Rückkehr in die ursprünglichen Siedlungsgebiete war nämlich gesetzlich untersagt.

4. Vor dem Hintergrund des bisher Ausgeführten dürfte die massive Verärgerung vieler unserer Landsleute über ihre Formulierung „sie (die Familie Getts) würden wohl als Wirtschaftsflüchtlinge gelten“ nachvollziehbar sein, zumal dem Artikel auch zu entnehmen ist, dass der Familienvater Getts noch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg als Deutscher unterdrückt wurde.

5. Wenig Verständnis haben wir für den Vergleich der Rechtsansprüche auf Aufnahme von Asylbewerbern und Spätaussiedlern. Hier wird erneut eine Mauer zwischen Menschen aufgebaut, die, jeweils vor dem Hintergrund ihres eigenen Schicksals, Zuflucht bzw. Heimat in Deutschland suchen.

Bundesvorstand

Traditioneller Neujahrsempfang: Landesgruppe NRW wählt neuen Vorstand

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LMDR NRW LV

Hattingen/Düsseldorf, 21.01.2016„Wir würden uns gern wünschen, dass das Jahr 2017 nicht schlechter wird als sein Vorgänger!“, mit diesen Worten hat der Vorsitzende der Landesgruppe NRW, Alexander Kühl, den Neujahrsempfang 2017 am 21. Januar in Hattingen eröffnet.  Die letzten nicht erfreulichen Ereignisse in der Welt, in Europa und zuletzt das Attentat in Berlin haben ihre Spuren hinterlassen und brachten viele zum Nachdenken. Nichtdestotrotz muss man zusammenhalten wie in guten sowie in den schlechten Tagen und unser alltägliches Leben weiterführen. Darin waren sich alle Teilnehmer des Neujahrsempfangs einig. Auch Thorsten Klute, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein- Westfalen, der die Delegierten der Orts- und Kreisgruppen begrüßte und auf die bevorstehenden Landtagswahlen in NRW hinwies. Er unterstrich den geleisteten Beitrag in der Integrationsarbeit und machte u.a. auf das mit dem Landesbeirat für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen erarbeitete elektronische Lehrmedium über die Geschichte der Deutschen aus Russland aufmerksam. Neben der Landespolitik grüßte auch Margret Melsa, Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Hattingen, alle Anwesenden und betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit der Landsmannschaft mit den anderen Vereinen und Verbänden. Anschließend berichtete Johann Thießen, Stellv. Bundesvorsitzender der LMDR e.V., über „Aufgaben und Ziele der Landsmannschaft“ in seiner Ansprache. Rückblickend in Bezug auf die durchgeführten Veranstaltungen und Projekte der Landesgruppe im Jahr 2016 stellte Alexander Kühl in einer etwa 40-minütigen Präsentation die Arbeitsergebnisse dar. Anwesend waren auch andere prominente Gäste wie Valeria Diewald, Geschäftsführerin des Landesbeirats für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen, die ein mit der Otto- Benecke- Stiftung geführtes Projekt angekündigte sowie Dirk Gläser, Bürgermeister der Stadt Hattingen, der „es dann doch noch schaffte“ bei der Landsmannschaft vorbeizuschauen und besonders das ehrenamtliche Engagement der Ortsgruppe Hattingen zu loben. Im Anschluss fand die Landesdelegiertenversammlung mit Neuwahlen unter der Führung und Moderation von Johann Thießen statt. Die 33 Delegierten wählten einen neuen Vorstand der Landesgruppe NRW, der nun von Dietmar Schulmeister angeführt wird. Unterstützt wird er dabei durch Silvana Schindel (stellv. Vorsitzende), Larissa Barthelmös, Roman Friedrich und Fjodor Fast.

Der neue Vorstand bedankt sich bei allen Mitgliedern der Landsmannschaft für ihr Vertrauen und wünscht sich eine produktive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Vorständen aller Kreis- und Ortsgruppen!

Zur Lage der Deutschen in der Ukraine und auf der Krim

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Pressemitteilung (pdf)

Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V. ist besorgt über die gefährliche Entwicklung in der Ukraine und das Schicksal der deutschen Landsleute in der Ukraine insgesamt und insbesondere auf der Halbinsel Krim, die im Mittelpunkt des Konflikts steht. Um einen differenzierten Einblick in die Situation zu bekommen, nahm die Landsmannschaft Kontakt zu den Deutschen in der Ukraine und auf der Krim auf.

Auf Anfrage der Landsmannschaft schilderte Jurij Hempel, Vorsitzender der Gesellschaft der Deutschen in der Autonomen Republik Krim „Wiedergeburt“, die Lage der Deutschen in den Krisengebieten (Stand: 08.03.2014):

Hartmut Koschyk – Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen

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KoschykDas Amt des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen wurde 1988 eingerichtet und am Bundesministerium des Innern angesiedelt. 2002 wurde das Amt durch die Beauftragung für die nationalen Minderheiten ergänzt. Seit dem 8. Januar 2014 führt der Bundestagsabgeordnete Hartmut Koschyk dieses Amt aus.

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Herr Koschyk war von 1987 bis 1991 Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen. Seit 1990 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.