„Den Landsleuten die Würde zurückgeben.“

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Lebendige Integration in Karlsruhe

 

Unter dem Motto „Alle unter einem Dach“ ist das Jugendhaus der Orts- und Kreisgruppe Karlsruhe (Vorsitzende Erna Pacer) in der Scheffelstraße 54 seit über zwei Jahren Mittelpunkt der gesamten Vereinsarbeit.

 

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause. Für unsere Landsleute, in deren Auftrag sich die Orts- und Kreisgruppe in Karlsruhe vor 55 Jahren gegründet hat, war schon immer klar, dass ein Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sehr wichtig ist. Aber es hat lange gedauert, bis dieser Wunsch in Erfüllung ging“, sagt Emilia Schmackow, die 2006 bis 2008 das landsmannschaftliche Projekt „Alle unter einem Dach“ (gefördert vom BAMF) leitete.

Bereits in dieser Zeit war es der Ortsgruppe und ihren Aktiven gelungen, durch vielfältige Angebote und Aktivitäten im Rahmen der Projektarbeit Respekt und Anerkennung in der Stadt zu gewinnen.

Unter dem Leitspruch „Jugend ist unsere Zukunft“ bemühten sich der Vorstand mit Erna Pacer und die Projektleiterin, in den gemieteten Räumlichkeiten im Grünwinkel den Grundstein für eine vielfältige Vereinsarbeit von heute zu legen. „Aus dem Bedarf heraus und dem Bestreben, den eigenen Landsleuten die Würde zurückzugeben, wurden die anfänglichen Angebote immer wieder ausgebaut“, sagt Erna Pacer.

So entstanden nach und nach der Beratungsdienst, eine Jugendband, eine Folkloregruppe für Erwachsene und Kinder, eine Bläsergruppe, die Kinder- und Jugendtanzgruppen, ein Senioren- und Frauentreff, Nachhilfeunterricht in Englisch, Deutsch und Mathematik, eine Theatergruppe und schließlich die erste Gruppe der Pinocchioschule mit Frühkunsterziehungsangeboten, die heute fünf Gruppen hat. „Mit Bildung und Erziehung im Kinderalter fängt alles an, darauf legen wir einen großen Wert“, meint Emilia Schmackow, die sich bereits in ihrer alten Heimat St. Petersburg in ähnlicher Weise engagiert hat.

Mit zunehmendem Interesse für die Angebote der Landsmannschaft wurde es in den alten Räumlichkeiten allmählich zu eng, so dass ein Umzug in das Jugendhaus in der Scheffelstraße trotz dessen schlechten Zustandes anstand. Mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe, des Büros für Integration, des Stadtjugendausschusses und zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, die sich ein ganzes Jahr lang an den Umbauarbeiten beteiligten, wurde das ehemalige Haus der djo – Deutsche Jugend in Europa in Eigenregie renoviert und bekam ab dem 1. September 2008 eine neue Verwendung.

Die Bauarbeiten leitete ehrenamtlich Sergej Stol, der in unzähligen Arbeitsstunden abends, an Wochenenden und im Urlaub mit den Jugendlichen Alexander Paul, Viktor Scheck, Roman Miller, Ale­xander Lehmann, Constantin Martjan, Igor Schmackow, Eugen Mörling, Katja Stol, Katharina Dorn, Denis Schlegel, Olexej Repetskij und anderen das marode Haus auf Vordermann brachte. Fenster, Strom, Dielen – alles musste erneuert werden. Auch viele erwachsene Helfer brachten sich ein, darunter Alexander Martjan, Nikolaj Stol, Lidia Zadan, Larissa Repeska, Waldemar Gergenreder, Alexander Kulgunin, Alexander Schmackow, Waldemar Tverdokhlebow, Eugen Erdmann, Wasilij Sebold und Vital Karsten, um nur einige zu nennen.

Seit über zwei Jahren ist das Jugendhaus Treffpunkt für Jung und Alt; hier findet eine gelebte Integration statt. Den Interessen entsprechend gibt es ein breites Spektrum an Angeboten, das ständig erweitert wird. Dabei wird besonders darauf geachtet, dass alles, was angeboten wird, einen interkulturellen und integrationsbedingten Charakter hat.

Die Pinocchioschule für die Kleinen, die von Emilia Schmackow im Rahmen ihrer Projektarbeit 2007 gegründet wurde, wird heute von ihrer jungen Nachfolgerin Anna Kastalion weiter geleitet. Die Lehrerin Klaudia Duscher, die seit drei Jahren die Vorschule leitet, hat 2010 die Studentin Ricarda Staab als Verstärkung bekommen. Bei der Hausaufgabenbetreuung engagieren sich Elena Eichner (Englisch), Olga Miller und Helene Karsten (Deutsch) sowie Lilia Rogatkina und Vera Wild (Mathematik). Vera Wild dokumentiert außerdem die Arbeit des Vereins, pflegt und betreut die gut gestaltete Homepage der Landsmannschaft.

Deutsch für Frauen mit Kinderbetreuung bieten die Lehrerinnen Irina Kiba und Olga Miller an, wobei sich Katja Stol und Julia Grishina bei der Kinderbetreuung engagieren. Emilia Schmackow unterrichtet Russisch als Fremdsprache, für den Musikunterricht sind Galina Schlegel und Elena Moor zuständig, und die Malstunden gestaltet Olga Davydova.

Die Tanzgruppen verschiedener Altersgruppen werden von Ida Martjan und Galina Kulgunina betreut. Die Bläsergruppe „Gute Laune“ und eine Folkloregruppe für Senioren leitet Waldemar Friedrich. Die Jugendband „Ex More“ betreut Denis Schlegel, und das Puppentheater wird von Anna Kastalion geleitet.

Das Märchentheater, das ebenfalls im Rahmen der Projektarbeit entstanden ist, wird nach wie vor von Emilia Schmackow und Ida Martjan geleitet. Die Beratung und Betreuung im sozialen Bereich liegt in den Händen von Irina Kiba, Erna Pacer und Emilia Schmackow.

All das und vieles mehr wird mit Unterstützung der Stadt Karlsruhe und durch Spenden organisiert und umgesetzt. „Wir fühlen uns hier heimisch und aufgehoben“, sagt Erna Pacer, die bei allen Vorhaben tatkräftig von den Vorstandsmitgliedern Irina Kiba, Alexander Martjan, Olga Miller, Emilia Schmackow, Irina Stol, Lina Tomm und Waldemar Gergenreder unterstützt wird.

In der zufriedenen Feststellung schwingt allerdings auch etwas Besorgnis mit, denn auch diese Vereinsräume sind inzwischen zu klein geworden für die generationenübergreifenden Aktivitäten der Landsmannschaft…

VadW

 

Besuchen Sie die Ortsgruppe Karlsruhe unter www. jugendhaus-karlsruhe.de und unterstützen Sie ihre Aktivitäten!