Die Deutschen aus Russland sind angekommen.

Standard

31. Bundestreffen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Augsburg

 

Knapp 4.000 Besucher konnten zum 31. Bundestreffen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland begrüßt werden, das am 29. Juni unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und mit Bundesinnenminister Dr. Hans-Peter Friedrich als Festredner auf dem Augsburger Messegelände durchgeführt wurde.

 

Feierstunde: Das Orchester „Hubert“ aus Bayreuth sorgte für den musikalischen Rahmen der Feierstunde.

Feierstunde: Das Orchester „Hubert“ aus Bayreuth sorgte für den musikalischen Rahmen der Feierstunde.

 

 

Als Motto des Treffens hatten die Veranstalter „1763-2013. 250 Jahre russlanddeutscher Geschichte gewählt“. Sie erinnerten damit an das Einladungsmanifest der russischen Zarin Katharina II. vom 22. Juli 1763, das am Anfang der Auswanderung von Deutschen nach Russland im größeren Umfang steht und dem im Jahr darauf die Gründung der ersten deutschen Kolonie an der Wolga, Nischnaja Dobrinka, folgte.

 

Minister Friedrich ging in seiner Rede  auf die Geschichte der Russlanddeutschen ein, die nach den verlustreichen Anfangsjahrzehnten der Besiedlung und einem Aufschwung im 19. Jahrhundert zur Deportation der gesamten Volksgruppe in der Sowjetunion und Verbringung in die stalinistischen Zwangsarbeitslager führte. Etwa ein Drittel der Russlanddeutschen sei in diesen Jahren ums Leben gekommen.

 

Umso mehr bedauere er es, dass sich Russland und die anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bis zum heutigen Tage schwer täten, den positiven Beitrag der Deutschen zum Aufbau des Landes anzuerkennen.

 

Gleichzeitig würdigte der Minister die hohe Eingliederungsbereitschaft und die vorbildlichen Integrationsleistungen der Deutschen aus Russland in der Bundesrepublik: „Wenn Sie mich fragen, ob die Deutschen aus Russland in der Bundesrepublik angekommen sind, antworte ich mit einem klaren ‚Ja’.“

 

Die Deutschen aus Russland, so Friedrich weiter, seien integraler Teil der Solidargemeinschaft, als welche sich Deutschland verstehe. Das Festhalten der Bundesrepublik am nationalen Solidaritätsgedanken sei bei der Schaffung des Bundesvertriebenengesetzes vor 60 Jahren richtig gewesen, und es sei heute nach wie vor richtig.

 

Als Vertreterin der Bayerischen Staatsregierung kam Justizministerin Dr. Beate Merk mit eindringlichen Worten auf das Unrecht zu sprechen, das den Deutschen aus Russland in der ehemaligen Sowjetunion zugefügt worden sei. Dieses dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Es bestehe vielmehr die Pflicht, die Öffentlichkeit in angemessener Weise darüber zu informieren.

 

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Waldemar Eisenbraun, bezeichnete die Erfahrungen des Rückwanderns nach Deutschland, des Ankommens und der Verunsicherung in den ersten Jahren als verbindende Elemente ihrer Identität. Auffälligste Eigenschaft der Deutschen aus Russland sei ihre Unauffälligkeit, denn es sei für sie in der ehemaligen Sowjetunion überlebensnotwendig gewesen, still zu sein und nicht aufzufallen.

 

Mit Blick auf die Wahlen im September beendete er seine Ansprache mit einem Appell an seine Landsleute: „Wir müssen unserer Pflicht nachkommen und zu den Wahlen gehen. Die Stimmen von etwa 2,3 Millionen wahlberechtigten Deutschen aus Russland haben Gewicht!“

 

Innenminister Friedrich nutzte die Gelegenheit, um seinem Amtsvorgänger und gegenwärtigen Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Rudolf Seiters, und dessen Mitarbeiterin Dorota Dziwoki zur Verleihung des in diesem Jahr gestifteten Katharinen-Preises der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland zu gratulieren, den sie am Vorabend des Bundestreffens im Rahmen einer Feierstunde im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses für den DRK-Suchdienst entgegengenommen hatten. Die Preisjury hatte sich für den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes wegen dessen Unterstützung bei der Zusammenführung ungezählter getrennter russlanddeutscher Familie entschieden.

 

Begonnen hatte das Programm des Tages mit einem ökumenischen Gottesdienst, dem sich Arbeitsgruppen zu sozialen, geschichtlichen und kulturellen Themen sowie eine Fragestunde mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner, anschlossen.

 

Zahlreiche russlanddeutsche Tanzgruppen, Chöre, Gesangssolisten und Musiker, Theatergruppen, bildende Künstler und Literaten hatten während des Heimatnachmittags und der in das Bundestreffen eingebundenen Landeskulturmesse Bayern ausgiebig Gelegenheit, sich den Gästen mit ihrem Können zu präsentieren.