Eine eindrucksvolle Feier!

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Augsburg: 55 Jahre Orts- und Kreisgruppe und Stationen der Verfolgung

 

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass bei einer Veranstaltung einfach alles stimmt: der Ort, der Besuch, die Thematik, das Programm und die feierliche Stimmung. Bei der Jubiläums- und Gedenkfeier der Orts- und Kreisgruppe Augsburg (Bayern) der Landsmannschaft am 23. April war es der Fall.

 Zum wiederholten Male nämlich konnten die Augsburger im prunkvollen Goldenen Saal des Rathauses zusammenkommen, und sie erwiesen sich dieser Auszeichnung als würdig, indem sie ihn bis auf den letzten Platz füllten. Gewidmet war die Veranstaltung nicht nur dem 55. Jahrestag der Gründung der Orts- und Kreisgruppe Augsburg, sondern auch den beiden tragischen Gedenktagen der Deutschen aus Russland 2012 – dem 70. Jahrestag der Einberufungen von deutschen Frauen und Männern in die sowjetischen Zwangsarbeitslager der so genannten Trudarmee und dem 75. Jahrestag des “Großes Terrors” der Jahre 1937 und 1938 in der Sow­jetunion.

Der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl verwies in seiner Begrüßungsansprache auf die Notwendigkeit, die Geschichte der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion, die insbesondere jüngeren Menschen kaum bekannt sei, immer wieder in das Gedächtnis der Öffentlichkeit zu rufen. Der Landsmannschaft habe es hier mit einer bedeutenden Aufgabe zu tun, die auch und gerade in Augsburg in vorbildlicher Weise erfüllt werde – ohne sich von der einheimischen Bevölkerung abzuschotten, sondern in stetem Kontakt mit ihr und allen relevanten öffentlichen Einrichtungen der Stadt.

Stationen der Verfolgung

Detailliert befassten sich der russlanddeutsche Historiker Dr. Viktor Krieger und der Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft, Waldemar Eisenbraun, mit den beiden geschichtlichen Themen des Abends. Dr. Krieger schilderte das perfide System der Zwangsarbeitslager in der Sowjetunion der 1940er Jahre, wobei er in besonderer Weise auf die Geschichte des Tscheljabmetallurg­stroj einging, während Eisenbraun den “Großen Terror” in den 1930er Jahren darstellte, der alle Volksgruppen in der Sowjetunion heimsuchte, vor allen Dingen aber Minderheiten wie Deutsche, Polen, Letten oder Finnen. Besonders bewegt waren seine Zuhörer, als er die Worte der russlanddeutschen Schriftstellerin Nelly Däs zitierte: „Ich denke an das Jahr 1937, als Stalins Häscher im September in unser Dorf kamen und 54 Männer verhafteten und nach Sibirien verbannten. Keiner kam jemals wieder. Ich war damals sieben Jahre alt. Je älter ich werde, desto mehr denke ich an diese Nacht. Was waren die letzten Gedanken meines Vaters? Wie ist er gestorben? Wo ist sein Grab? Wir hatten nicht einmal die kleinste Chance, uns vom Vater zu verabschieden. Noch heute nagt der Schmerz in unseren Herzen.”

55 Jahre Ortsgruppe

Mit der Geschichte der Orts- und Kreisgruppe Augsburg (siehe neben stehenden Kasten) befasste sich deren Vorsitzender Juri Heiser, der gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Geschäftsführer der Orts- und Kreisgruppe, Karl Kromer, und zahlreichen Helfern die Veranstaltung in wochenlanger intensiver Arbeit vorbereitet hatte. Er analysierte aber auch auf die Gegenwart der Deutschen aus Russland in der Hauptstadt des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben, die dort mit einem Bevölkerungsanteil von rund 8,5 Prozent zu einem gewichtigen Faktor geworden sind, und beendete seine Ausführungen mit einem Appell an die politisch Verantwortlichen und Vertreter der Öffentlichkeit auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens, ihre Solidarität mit den Deutschen aus Russland deutlicher zum Ausdruck zu bringen und für eine Verbesserung ihrer Akzeptanz durch die einheimische Bevölkerung zu werben.

Auszeichnungen

Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, kam in seinem Vortrag auf die Bedeutung von Kirche und Religion für die Deutschen aus Russland und ihre Landsmannschaft zu sprechen und zeichnete anschließend mit dem Domdekan der katholischen Diözese Augsburg, Dr. Dietmar Bernt, und dem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde St. Andreas in Augsburg, Wolfgang Küffer, zwei Geistliche mit der goldenen Ehrennadel der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland aus, die sich seit Jahr und Tag in besonderer Weise um Aussiedler und Spätaussiedler in Augsburg kümmern.

Mit der goldenen Ehrennadel wurde auch VadW-Redakteur Hans Kampen ausgezeichnet, während Helene Sauters ehrenamtliches Engagement mit einer bronzenen Ehrennadel gewürdigt wurde.

Abgerundet wurde die Feier durch Zeitzeugenberichte von Angehörigen dreier Generationen der Familie von Karl Kromer und die Präsentation der landsmannschaftlichen Wanderausstellung im Unteren Fletz des Rathauses. Für den musikalischen Rahmen sorgten der Augsburger Chor “Heimatmelodie”, das Vokalquartett “Rudemus”, der Trompeter Georg Selenski und die Kinder der Musicalwerkstatt „A hoch 3“ und des Tanzstudios „Alisa“.

VadW