Einmal Russland und zurück. 250 Jahre Katharinenerlass”

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Ein­mal Russ­land und zurück. 250 Jah­re Katha­ri­nen­er­lass” — Ver­an­stal­tungs­jahr 2013 in Nürn­berg

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Auch aus Nürn­berg und Umge­bung mach­ten sich eini­ge Hun­dert Män­ner und Frau­en auf den Weg nach dem Osten, als Zarin Katha­ri­na II.  am 22. Juli 1763 ihr Mani­fest ver­öf­fent­lich­te und Aus­län­der ein­lud, in Russ­land zu sie­deln. In der hoff­nungs­lo­sen Situa­ti­on — Deutsch­land war vor 250 Jah­ren von Kri­sen und Krie­gen erschüt­tert — such­ten auch sie, wie Tau­sen­de ande­re aus ande­ren deut­schen Gebie­ten, eine Zukunft in der Fer­ne. Hun­dert­tau­sen­de ihrer Nach­fah­ren wur­den vor allem im 20. Jahr­hun­dert Opfer von Unter­drü­ckung, Depor­ta­ti­on und Mord. Seit Mit­te der 1950er Jah­ren wan­der­ten nach und nach auch deut­sche Fami­li­en aus der Sowjet­uni­on in die Bun­des­re­pu­blik aus — zurück in das Land ihrer Vor­vä­ter.

Die Nürn­ber­ger Ver­an­stal­tungs­rei­he (sie­he Fly­er) zeigt Aspek­te deut­scher Aus- und Ein­wan­de­rung, blickt an Hand von Nürn­ber­ger Archiv­do­ku­men­ten in die Geschich­te und the­ma­ti­siert Migra­ti­ons­fra­gen zwi­schen Ost- und West. Zu den Ver­an­stal­tern gehö­ren neben der SinN-Stif­tung des Evang.-Luth. Deka­nats und der Evan­ge­li­schen Stadt­aka­de­mie auch das Haus der Hei­mat Nürn­berg e.V., der His­to­ri­sche For­schungs­ver­ein der Deut­schen aus Russ­land e.V. und  die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land (Orts­grup­pen Nürn­berg und Für­th und die Lan­des­grup­pe Bay­ern).

Den Auf­takt zur Ver­an­stal­tungs­rei­he 2013 „Ein­mal Russ­land und zurück. 250 Jah­re Katha­ri­nen­er­lass“ bil­de­te die Lesung mit der russ­land­deut­schen Auto­rin Eleo­no­ra Hum­mel aus Dres­den in der Evan­ge­li­schen Stadt­aka­de­mie Nürn­berg Ende 2012. Die 1970 in Zelinograd/ Kasach­stan gebo­re­ne Eleo­no­ra Hum­mel kam 1982 mit ihren Eltern in die ehe­ma­li­ge DDR. Nach dem Schul­ab­schluss absol­vier­te sie eine Aus­bil­dung zur Phy­sik­la­bo­ran­tin und anschlie­ßend dann eine Zwei­t­aus­bil­dung als Fremd­spra­chen­kor­re­spon­den­tin. Seit 1995 ist sie lite­ra­ri­sch aktiv, sie lebt in Dres­den und ist frei­schaf­fen­de Auto­rin, ver­öf­fent­licht Pro­sa und Arti­kel in zahl­rei­chen Lite­ra­tur­zeit­schrif­ten und tritt bun­des­weit mit Lesun­gen auf. 2005 ist ihr Debüt­ro­man „Die Fische von Ber­lin“ im Steidl-Ver­lag (2007 auch als Taschen­buch) erschie­nen, für den sie 2006 mit dem Adel­bert-von-Cha­mis­so-För­der­preis (Aus­zeich­nung der Robert-Bosch-Stif­tung für her­aus­ra­gen­de lite­ra­ri­sche Leis­tun­gen deutsch­schrei­ben­der Auto­ren, deren kul­tu­rel­le Her­kunft nicht die deut­sche ist) geehrt wur­de. Zum ers­ten Mal hat­te die Baye­ri­sche Aka­de­mie der Schö­nen Küns­te den Preis an eine Deut­sche aus Russ­land ver­ge­ben. Für die Arbeit am Nach­fol­ge­pro­jekt „Die Venus im Fens­ter“ (2009 im Steidl-Ver­lag erschie­nen) erhielt Hum­mel ein Arbeits­sti­pen­di­um der Kul­tur­stif­tung des Frei­staa­tes Sach­sen für säch­si­sche Schrift­stel­ler.

Das Jahr 2013 begann mit der Dis­kus­si­ons­run­de Ein­ge­wan­der­te Aus­ge­wan­der­te. Erfah­run­gen Russ­land­deut­scher mit Inte­gra­ti­on am 24. Janu­ar in der Nürn­ber­ger Refor­ma­ti­ons-Gedächt­nis­kir­che. Im Febru­ar wird die Aus­stel­lung Ein­mal Russ­land, bit­te! (Ver­nis­sa­ge am 24. Febru­ar in der Kir­che St. Bar­tho­lo­mäus-Wöhrd) bis­her unbe­kann­te Fund­stü­cke aus Nürn­ber­ger Archi­ven zei­gen. Denn wer weiß heu­te schon noch, dass sich allein in der Kir­che St. Bar­tho­lo­mäus-Wöhrd 66 Paa­re trau­en lie­ßen, weil unver­hei­ra­te­te nicht nach Russ­land rei­sen durf­ten?

 

Der His­to­ri­sche For­schungs­ver­ein der Deut­schen aus Russ­land e.V. prä­sen­tiert eine Wan­der­aus­stel­lung unter dem Mot­to 250 Jah­re Ein­la­dungs­ma­ni­fest von Katha­ri­na. II – 250 Jah­re russ­land­deut­scher Kul­tur­ge­schich­te, die eine­kom­pri­mier­te Über­sicht über die 250-jäh­ri­ge Kul­tur­ge­schich­te der Deut­schen im Rus­si­schen Reich und in der spä­te­ren Sowjet­uni­on mit Schwer­punkt Wol­ga­ge­biet bie­tet. Anton Bosch vom HFDR tritt mit Vor­trä­gen zur Geschich­te der Russ­land­deut­schen an ver­schie­de­nen Stand­or­ten in Nürn­berg auf.

Wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen im Lau­fe des Jah­res sind: Eine Aus­stel­lung bil­den­der Künst­ler in der Mar­tin-Nie­m­öl­ler-Kir­che, das Russ­land­deut­sche Thea­ter Nie­der­stet­ten mit dem Stück „Der wei­te Weg zurück“  (Epi­pha­ni­as­kir­che) und der Vor­trag (mit Dis­kus­si­on) des Aus­sied­ler­be­auf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung, Dr. Chris­to­ph Ber­g­ner in der Evan­ge­li­sche Stadt­aka­de­mie. Im Juni und Juli 2013 wird die Rei­he mit zwei Ver­an­stal­tun­gen abge­schlos­sen – den Aus­sied­ler­kul­tur­ta­ge und dem Fest unter der Eiche im Haus der Hei­mat.

Nina Paul­sen