Erfolgsrezepte aktiver Gruppen

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Workshop der Landsmannschaft in Karlsruhe

Die Teilnehmer des Workshops in Karlsruhe.

Die Teil­neh­mer des Work­shops in Karls­ruhe.

Am 17. und 18. Novem­ber fand  unter der Lei­tung der Bun­des­ge­schäfts­füh­re­rin der Lands­mann­schaft, Dr. Lud­mila Kopp, in Karls­ruhe ein Work­shop für Vor­sit­zende der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land und Lei­ter von Jugend­grup­pen und Migran­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen statt.

Zen­trale The­men des Work­shops, der unter dem Titel „Mit­glie­der begeis­tern – Ver­eins­er­folg stei­gern“ ver­an­stal­tet und aus Mit­teln des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums geför­dert wurde, waren Mit­glie­der­wer­bung und Mit­glie­der­ge­win­nung.

Teil­ge­nom­men haben rund 40 Mit­glie­der der Lan­des­grup­pen Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Nord­rhein-West­fa­len und Rhein­land- Pfalz mit ihren Lan­des­vor­sit­zen­den Leon­tine Wacker, Wal­de­mar Eisen­braun, Dr. Alex­an­der Mora­sch und Dr. Vik­tor Sie­ben. Der Bun­des­vor­stand war neben Leon­tine Wacker durch den Bun­des­vor­sit­zen­den Adolf Fet­sch sowie Wal­de­mar Weiz und Ewald Oster ver­tre­ten

Adolf Fet­sch zeigte sich in sei­ner Begrü­ßungs­rede erfreut dar­über, dass im Rah­men des Work­shops in aller­ers­ter Linie The­men der unmit­tel­ba­ren Ver­eins­ar­beit und der Mit­glie­der­ge­win­nung behan­delt wür­den und die­je­ni­gen zu Wort kämen, die wüss­ten, wie die lands­mann­schaft­li­che Arbeit vor Ort funk­tio­niere, und die in den letz­ten Jah­ren bewie­sen hät­ten, dass man mit Enga­ge­ment und Beharr­lich­keit zum Ziel komme.

Am ers­ten Tag reflek­tier­ten die Teil­neh­mer ihre Erfah­run­gen und tausch­ten Gedan­ken aus. In Arbeits­grup­pen wur­den zwei Pro­blem­fra­gen dis­ku­tiert:

 

• Was moti­viert die Men­schen, Mit­glied eines Ver­eins (der Lands­mann­schaft) zu wer­den? („Warum kom­men neue Mit­glie­der zu uns?“)

• Und was hin­dert sie, bei uns Mit­glied zu wer­den? („Warum kom­men sie nicht?“)

 

Als wich­tigste Anreize für neue Mit­glie­der wur­den immer wie­der genannt:

 

• gute Arbeit vor Ort;

• bedarfs­ori­en­tierte und zeit­ge­mäße Ange­bote für die Ziel­gruppe;

• Maß­nah­men zur Kul­tur, Geschichte und Iden­ti­tät der Deut­schen aus Russ­land;

• Aner­ken­nung bei ört­li­chen Ent­schei­dungs­trä­gern und Poli­ti­kern;

• effek­tive Wer­bung (vor allem per­sön­li­che Anspra­che).

Als Fak­to­ren, die die Wer­bung neuer Mit­glie­der erschwe­ren, wur­den genannt:

 

• Ori­en­tie­rung pri­mär auf Hilfs­an­ge­bote (“Nach­dem die Men­schen Hilfe bekom­men haben, sehen sie kei­nen Grund mehr, wei­ter­hin im Ver­ein zu blei­ben.”);

• man­gelnde Attrak­ti­vi­tät (die Ziele der Lands­mann­schaft wer­den nicht attrak­tiv genug prä­sen­tiert);

• feh­lende Ver­in­ner­li­chung der Ver­eins­kul­tur (es fehlt oft an Wis­sen und Erfah­rung);

• man­gelnde Soli­da­ri­tät und Strei­tig­kei­ten inner­halb des Ver­eins, was  an man­chen Orten für ein schlech­tes Image des Ver­eins gesorgt hat;

• nicht aus­rei­chende Nach­wuchs­ar­beit;

• finan­zi­elle Schwie­rig­kei­ten;

• keine homo­gene Ziel­gruppe, Spal­tung der Mit­glie­der nach ihrer Zuge­hö­rig­keit und Sprach­ver­wen­dung („nur deut­sch – deutsch/russisch –  nur rus­si­sch“).

 

Einig waren sich die Teil­neh­mer vor allem in dem Punkt, dass die Wer­bung neuer Mit­glie­der von der effek­ti­ven Arbeit vor Ort abhängt.

Über Rezepte einer erfolg­rei­chen Arbeit wur­den die Teil­neh­mer in den anschlie­ßen­den Stun­den aus ers­ter Hand infor­miert: Vor allem Ver­tre­ter von Grup­pen, die in den letz­ten Jah­ren sta­bil neue Mit­glie­der gewor­ben haben, stell­ten ihre Arbeit vor und gaben Geheim­tipps:

 

Sie berichteten über die Arbeit in ihren Orts- und Kreisgruppen (von links): Juri Heiser, Waldemar Weiz, Eduard Neuberger, Andreas Wolzenin, Olga Held, Dr. Alexander Morasch, Karls Kromer.

Sie berich­te­ten über die Arbeit in ihren Orts- und Kreis­grup­pen (von links): Juri Hei­ser, Wal­de­mar Weiz, Edu­ard Neu­ber­ger, Andreas Wol­zenin, Olga Held, Dr. Alex­an­der Mora­sch, Karls Kromer.

Dr. Alex­an­der Mora­sch (Vor­sit­zen­der der Orts­gruppe Gel­sen­kir­chen) sieht sich in sei­ner ehren­amt­li­chen Arbeit als Ansprech­part­ner für Hilfs­be­dürf­tige. Er legt gro­ßen Wert auf kul­tu­relle Ange­bote und eine aktive Mit­wir­kung in den Inte­gra­ti­ons­netz­wer­ken in Gel­sen­kir­chen. Er emp­fahl die Ein­rich­tung einer Anlauf­stelle, wobei man auf die Unter­stüt­zung durch 1-Euro-Jobs zurück­grei­fen könne.

 

Juri Hei­ser (Vor­sit­zen­der der Orts­gruppe Augs­burg) ori­en­tiert sich in sei­ner Mit­glie­der­wer­bung an dem Motto “Die beste Moti­va­tion für Mit­glie­der ist die Mit­ar­beit im Ver­ein”. Er setzt auf die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Wer­bung sowie die Qua­li­tät und Trans­pa­renz der Ver­eins­ar­beit. Die jähr­li­chen Groß­ver­an­stal­tun­gen der Orts­gruppe Augs­burg wer­den mit hoch­ran­gi­gen Poli­ti­kern durch­ge­führt. Team­ar­beit im Vor­stand, Trans­pa­renz der Beschlüsse und der finan­zi­el­len Tätig­keit, regel­mä­ßige Bericht­erstat­tung des Vor­stan­des bei Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen – das alles, so Hei­ser, schafft eine Atmo­sphäre des Ver­trau­ens und moti­viert zur Mit­ar­beit. Als wei­tere Erfolgs­re­zepte nannte er Nach­hal­tig­keit („Gene­ra­tio­nen­wech­sel ohne Streit“) und die Ein­bin­dung der Maß­nah­men der Orts­gruppe in die kul­tu­rel­len Ver­an­stal­tun­gen der Stadt.

 

Andreas Wol­zenin lei­tet die erst vor weni­gen Mona­ten reak­ti­vierte Orts­gruppe Müns­ter. Trotz­dem ist es dem Vor­stand bereits gelun­gen, durch ein breit gefä­cher­tes Ange­bot neue Mit­glie­der zu gewin­nen. Sein Geheim­tipp lau­tete, mög­lichst vie­len Bedarfs­grup­pen gerecht zu wer­den. Die Gruppe bie­tet daher Akti­vi­tä­ten für Jung und Alt an, ihre Inhalte erstre­cken sich von Hil­fe­leis­tung über Schu­lun­gen und Kurse bis zu Sport­an­ge­bo­ten und Frei­zeit­maß­nah­men.

 

Olga Held (im Vor­stand der baden-würt­tem­ber­gi­schen Orts­gruppe Lahr) nannte als cha­rak­te­ri­sie­ren­des Stich­wort der Arbeit ihrer Glie­de­rung “Per­spek­tive”. Wich­tig sei, den Lands­leu­ten Per­spek­ti­ven auf­zu­zei­gen, sei es bei der Berufs­ori­en­tie­rung, bei Kurs­an­ge­bo­ten oder mit­tels Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten. Ein brei­tes Spek­trum an Maß­nah­men und Ver­an­stal­tun­gen mit gutem Zweck mache die Zusam­men­ar­beit im Ver­ein attrak­tiv und ver­mittle den Mit­glie­dern das Gefühl, gefragt zu sein und gebraucht zu wer­den.

 

Wal­de­mar Weiz (Vor­sit­zen­der der Orts­gruppe Rhei­ni­sch Ber­gi­scher Kreis) konnte anhand sei­nes eige­nen Wer­de­gangs sehr authen­ti­sch schil­dern, was man alles errei­chen kann, wenn man moti­viert ist. Bei Null anfan­gend, konnte er vor Ort einen star­ken Sport­ver­ein und spä­ter eine dyna­mi­sch wach­sende Orts­gruppe orga­ni­sie­ren, die in kur­zer Zeit große Aner­ken­nung bei Mit­bür­gern und Poli­ti­kern fand. Offen­heit, enge Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Grup­pen und Ver­ei­nen, Aus­rich­tung der Arbeit nicht nur auf die eigene Bedürf­nisse, son­dern auch auf das Gemein­wohl, räume Vor­ur­teile aus und schaffe Ver­trauen und Akzep­tanz. Seine offen­sive Wer­bung hat sich nicht nur lokal, son­dern auch bereits bun­des­weit aus­ge­wirkt. Über 100 neue Mit­glie­der, einige neue Orts­grup­pen der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land, die unter sei­ner per­sön­li­chen Mit­wir­kung ent­stan­den bzw. wie­der belebt wur­den, meh­rere Jugend­grup­pen und Jugend­lei­ter, die er bun­des­weit gewon­nen hat – das ist die Zwi­schen­bi­lanz sei­ner Arbeit als Mit­glied des Bun­des­vor­stan­des.

            VadW