Identität ist das unsichtbare Fluchtgepäck”

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Chris­ti­ne Boh­nert-Sei­del, 27.09.2016 02:00 Uhr
Die Singgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sang anlässlich des Tags der Heimat. Foto: Bohnert-Seidel

Die Sing­grup­pe der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land sang anläss­li­ch des Tags der Hei­mat.
Foto: Boh­nert-Sei­del

Lahr. “Das jähr­li­che Tref­fen am Tag der Hei­mat ist eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit und dient dem Erin­nern an unver­gess­li­che Spu­ren. Hei­mat ist des Her­zens Echo”, erklär­te Irma Barraud, Kreis­vor­sit­zen­de des Bun­des der Vertriebenen/Vereinigte Lands­mann­schaf­ten. Der Gedenk­tag unter dem Mot­to “Iden­ti­tät schüt­zen – Men­schen­recht ach­ten” stand im Zei­chen des 75. Jah­res­tags der Depor­ta­ti­on der Deut­schen aus Russ­land. Zudem fei­ert die Lands­mann­schaft Schle­si­en, Kreis­grup­pe Lahr, 65-jäh­ri­ges Bestehen.

Die Ver­an­stal­tung am Sonn­tag im Akti­en­hof war mit gut 80 Per­so­nen, die unter ande­rem aus Frei­burg, Offen­burg und Gen­gen­bach ange­reist waren, gut besucht. Die Vor­sit­zen­de der Kreis­grup­pe Lahr begrüß­te Mit­glie­der der Lands­mann­schaft der Ost- und West­preu­ßen, der Sude­ten­deut­schen, der Schle­si­er, der Bana­ter Schwa­ben, der Sie­ben­bür­ger Sach­sen und der Spät­aus­sied­ler aus Russ­land.

Peter Frank, Vor­sit­zen­der der Lands­mann­schaft Schle­si­en, ging auf die Geschich­te Schle­si­ens und die Grün­dung der Lands­mann­schaft am 14. Juli 1950 in Lahr ein. Musi­ka­li­schen erin­ner­te das Akkor­de­on-Duo Anja Berg­mül­ler und Inge Herr an die Kul­tur der unter­schied­li­chen Lands­mann­schaf­ten.

Wenn wir uns auch längst ein­ge­wöhnt, uns Gedan­ken nicht mehr quä­len, die Hei­mat wird uns am Ende immer feh­len. Bild und Zeit blei­ben ver­ewigt, in deut­li­cher Leben­dig­keit”, zitier­te Chris­ta Scholz aus einem Gedicht von Olga Brau­ner.

Gast­red­ner beto­nen die Wich­tig­keit des Erin­nerns

Selbst nach sie­ben Jahr­zehn­ten sei­en noch nicht alle Wun­den ver­heilt, beton­te Barraud. Ihr Dank galt den schle­si­schen Lands­leu­ten, deren ihre Lie­be zur Hei­mat nie ein Ende gefun­den habe. Statt­des­sen hät­ten sie die­se wie­der­be­lebt und in Ehren gehal­ten. Barraud dank­te vor allem dem Ehe­paar Her­mann und Chris­ta Scholz.

Iden­ti­tät ist das unsicht­ba­re Flucht­ge­päck”, erklär­te Barraud. Die Erin­ne­rung an die Hei­mat sei not­wen­dig, damit die Geschich­te nicht ver­ges­sen wer­de. Es sei an der Zeit, Ver­trei­bung zu äch­ten. “Wir kön­nen nicht jedem hel­fen, aber den Men­schen mit Anteil­nah­me und Ach­tung begeg­nen.”

Bür­ger­meis­ter Til­man Pet­ters erklär­te, das Leid der Ver­trie­be­nen wie die Depor­ta­ti­on der Russ­land­deut­schen gehö­re ins kol­lek­ti­ve Gedächt­nis der Men­schen. Die Spät­aus­sied­ler sei­en in Lahr ange­kom­men und wür­den mit­re­den und mit­ge­stal­ten. Im Hin­bli­ck auf die Demons­tra­ti­on eini­ger Spät­aus­sied­ler gegen die Auf­nah­me von Flücht­lin­gen im ver­gan­ge­nen Jahr (wir haben berich­tet) beton­te er aber, es gel­te zu beden­ken, dass der Flücht­lings­schutz auch ein Men­schen­recht sei. Lahr sei eine Stadt des Ankom­mens und der neu­en Hei­mat für alle Men­schen.

Der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Peter Weiß dank­te den Lands­mann­schaf­ten für ihr Enga­ge­ment. Es kom­me dar­auf an, Ver­söh­nung und Ver­ge­bung mög­li­ch zu machen. Auch dafür stün­den die Lands­mann­schaf­ten. Mit Lie­dern und Gedich­ten klang der Nach­mit­tag aus.

 

Quel­le: http://www.lahrer-zeitung.de/