Internationale Wochen der Deutschen aus Russland in München

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Zahlreiche Gäste folgten der Einladung der Orts- und Kreisgruppe München der Landsmannschaft zur Eröffnungsfeier der Internationalen Wochen der Deutschen aus Russland am 22. April in den Räumen des Anton-Fingerle-Bildungszentrums.

In dieser Zeit wird hier zum ersten Mal die landsmannschaftliche Wanderausstellung in München präsentiert. Bei der Eröffnungsfeier stand das kulturelle Erbe der Deutschen aus Russland, vorgestellt von russlanddeutschen Kulturgruppen aus Bayern, im Mittelpunkt.

Die Wochen werden von der Ortsgruppe München (Vorsitzender Viacheslav Lel) in Kooperation mit der Ausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der deutschen aus Russland“ (Projektleiter Jakob Fischer) und dem Projekt „Angekommen und integriert in Bayern“ mit der Projektleiterin Olga Gusch durchgeführt, in deren Händen die Gesamtorganisation liegt. Das Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen und des Hauses des Deutschen Ostens München gefördert.

Neben der Präsentation der Wanderausstellung erwartete die Gäste eine Bil­derausstellung der Schwanthaler Kunstschule von Willi Bunkowski. Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland in Bayern (Leiterin Maria Schefner) stellte sich mit Büchern unter dem Motto „Eine unbekannte Seite der deutschen Literatur“ vor.

Mit allerhand russlanddeutschen Leckerbissen sorgten die Organisatoren auch für das leibliche Wohl der Gäste. Zu den Ehrengästen gehörten unter anderem Adolf Fetsch, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft, Brigitte Steinert, stellvertretende Direktorin des Hauses des Deutschen Ostens, und Lothar Palsa von der Ackermann-Gemeinde München.

Jakob Fischer, der die Veranstaltung moderierte, stimmte die Gäste gemeinsam mit Lina Neuwirt und ihren Liedern „Bayern ist schön“, „Wo bist du geblieben?“ und „Mein Heimatdorf“ auf einen emotionalen Kulturnachmittag ein. „Meine Oma und Mutter trugen in der Verbannung bis zuletzt die Schlüssel ihres Hauses in der Heimat – in der Hoffnung, einmal zurückzukommen“, sagte die Sängerin.

An die schmerzvolle Zeit der Deportation und Verbannung erinnerte auch Adolf Fetsch in seinem Grußwort: „Nachdem wir das vergangene Jahr dem Gedenken an den Beginn der Deportation der Deutschen in der ehemaligen Sowjetunion vor 70 Jahren gewidmet haben, erinnern wir heuer an den 75. Jahrestag des ‘Großen Terrors’ in der Sowjetunion der Jahre 1937 und 1938, der etwa 55.000 Deutschen des Landes das Leben kostete, und den 70. Jahrestag der Mobilisierungen von deutschen Frauen und Männern für die Zwangsarbeitslager der so genannten Trudarmee.”

Weiter hob der Bundesvorsitzende die Bedeutung der landsmannschaftlichen Ausstellung für die Aufklärung über die Geschichte und Gegenwart der Volksgruppe hervor: „Unter den landsmannschaftlichen Projekten ragt die Ausstellung nicht nur deshalb hervor, weil sie anschaulich über die Deutschen aus Russland berichtet, sondern auch weil sie es uns seit Jahr und Tag ermöglicht, Zugang zu breiten Bevölkerungskreisen zu erhalten, die über unsere Volksgruppe nur unzureichend informiert sind.“ Anschließend schilderte Jakob Fischer die wichtigsten Aspekte der russlanddeutschen Geschichte.

Im Duett mit Lina Neuwirt und mit Solo-Gesang unterhielt Fischer die Gäste mit bekannten Melodien aus dem alten und neuen Liedgut der Russlanddeutschen und inspirierte die Zuschauer zum Mitsingen. Unterstützung bekam er auch vom Chor „Russische Seele“ (Leitung: Eleonore Kocnov) aus München, der mit Darbietungen wie „Isabella“ oder „Bierlied“ viel Beifall erntete.

Der Schwerpunkt lag allerdings auf den überlieferten Hochzeitstraditionen der Wolgadeutschen, die durch Lieder und Tänze („Auf dem Bauernhof“, „Paso de España“, „Hopsapolka“, „Stampfpolka“, „Tanz mit den Bändern“  oder „Polka-Galopp“) des Volkskunstensembles „Birkenhain“ aus Schlüsselfeld mit der Leiterin Nadja Fuchs veranschaulicht wurden.

Große tänzerische Klasse zeigte erneut die Tanzgruppe „Letas“ (Leiterin Elena Müller) aus München. Diesmal hatte sie ihre Premiere mit einem „Deutschen Tanz“, bei dem sich gleich zwei Generationen der Gruppe in aufwendig gefertigten Bühnentrachten präsentierten. Im weiteren Verlauf des Kulturnachmittags  brillierte sie mit einem kasachischen, einem russischen und einem Zigeunertanz.

Sowohl Jakob Fischer als auch die Projektleiterin Olga Gusch und der Ortsgruppenvorsitzende Viacheslav Lel nutzten die Gelegenheit, für die weiteren Vorhaben und Projekte der Orts- und Kreisgruppe zu werben, etwa für den Abschlusstag der Internationalen Wochen am 6. Mai (ab 12 Uhr im Anton-Fingerle-Bildungszentrum) mit einem vielfältigen Kulturprogramm.

Nina Paulsen

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