Backnang

Iri­na Tsche­r­e­pa­nov — Vor­sit­zen­de

Zwi­sche­nä­cker­le 39, 71522 Backnang

Tel.: 07191 — 980597

 

Im treu­en Dienst für ihre Lands­leu­te

Hein­rich Ficht­ner und Eri­ka Dorn — Orts­grup­pe Backnang der Lands­mann­schaft

 

Die “Backnan­ger Kreis­zei­tung” wür­dig­te die Ver­diens­te zwei­er füh­ren­der Mit­glie­der der Orts­grup­pe Backnang: von Hein­rich Ficht­ner, der die Glie­de­rung über vie­le Jah­re hin­weg lei­te­te, und der aktu­el­len Vor­sit­zen­den Eri­ka Dorn, die gera­de erst bei der Bun­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung unse­res Ver­eins mit der sil­ber­nen Ehren­na­del aus­ge­zeich­net wur­de. Wir zitie­ren aus den bei­den Arti­keln.

Hein­rich Ficht­ner

Beim Neu­jahrs­emp­fang in Backnang ehr­te Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Frank Nop­per ent­spre­chend einem Beschluss des Gemein­de­ra­tes fünf ver­dien­te Bür­ger der Stadt vor gro­ßem Publi­kum.

Unter ihnen befand sich auch der lang­jäh­ri­ge Vor­sit­zen­de der Orts­grup­pe Backnang und Trä­ger der gol­de­nen Ehren­na­del  der Lands­mann­schaft, Hein­rich Ficht­ner, der den Backnan­ger Ehren­tel­ler erhielt.

Der Ober­bür­ger­meis­ter wür­dig­te Hein­rich Ficht­ner bei der Ver­lei­hung mit den Wor­t­en: “Er ist nicht nur die Kon­stan­te in der Ver­eins­ar­beit unse­rer Orts­grup­pe der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land, er ist nach­ge­ra­de ihr Gesicht.”

Wäh­rend die Bedeu­tung der Inte­gra­ti­on der Hei­mat­ver­trie­be­nen und Spät­aus­sied­ler als gesell­schaft­li­che Auf­ga­be oft in gro­ßen Reden beschwo­ren wer­de, gin­gen Per­sön­lich­kei­ten wie Ficht­ner die Auf­ga­ben auch vor Ort an — bei der Sozi­al­be­ra­tung und Betreu­ung der Lands­leu­te und bei der Orga­ni­sa­ti­on von Ver­an­stal­tun­gen. Frank Nop­per: „Es ist gera­de auch sei­nem Ein­satz zu ver­dan­ken, dass sich vie­le russ­land­deut­sche Lands­leu­te sehr schnell in Backnang ein­ge­lebt haben und Backnang als ihre lie­bens­wür­di­ge neue Hei­mat emp­fin­den.“

Eri­ka Dorn

Eri­ka Dorn, gebo­ren 1950 in Russ­land, weiß aus der Fami­li­en­ge­schich­te und aus eige­ner Erfah­rung, was es heißt, die Hei­mat mehr­mals — sei es frei­wil­lig oder erzwun­gen — zu ver­las­sen. Der letz­te lan­ge Weg ihrer Fami­lie ende­te 1993 glück­li­ch in der Bun­des­re­pu­blik. Heu­te hilft Eri­ka Dorn neu ange­kom­me­nen Deut­schen aus Russ­land bei der nicht unkom­pli­zier­ten Inte­gra­ti­on in die neue alte Hei­mat.

Aus­ge­rech­net im nord­rus­si­schen Arbeits­la­ger, wohin sie unab­hän­gig von­ein­an­der rekru­tiert wor­den waren, lern­ten sich kurz nach dem Krieg Eri­ka Dorns Eltern ken­nen. Aus der schick­sal­haf­ten Begeg­nung gin­gen Eri­ka und drei wei­te­re Geschwis­ter her­vor, und bald leg­ten auch sie den ers­ten län­ge­ren Weg ihres Lebens zurück. 1958 sie­del­te die Fami­lie nach Kasach­stan um, denn dort leb­ten bereits Ver­wand­te des Vaters.

Hört man Eri­ka Dorns Berich­ten auf­merk­sam zu, so wird immer wie­der deut­li­ch: Im Zen­trum ihres Lebens stand und steht eine Fami­lie, deren Mit­glie­der wis­sen, dass sie sich auf­ein­an­der ver­las­sen kön­nen. Die­ses Urver­trau­en sucht Dorn ganz selbst­ver­ständ­li­ch auch in anders gestrick­ten mensch­li­chen Bezie­hun­gen wie­der, zum Bei­spiel am Wohn­ort unter Nach­barn. In Groß­as­pach, erzählt sie, sei­en sie bei ihrer Ankunft in Deutsch­land herz­li­ch und offen emp­fan­gen wor­den. Den­no­ch: In der Bun­des­re­pu­blik müss­ten die Men­schen grund­sätz­li­ch mehr mit­ein­an­der spre­chen, was heißt, mit den Nach­barn leben, sie ken­nen ler­nen, reden. “Son­st”, so Eri­ka Dorn, “ent­wi­ckeln sich Vor­ur­tei­le.”

Seit neun Jah­ren ist Eri­ka Dorn im Vor­stand der Backnan­ger Orts­grup­pe der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land tätig und für die sozia­le  Betreu­ung der Spät­aus­sied­ler zustän­dig. In der Hohen­hei­mer Stra­ße 38, dem Heim für Spät­aus­sied­ler, heu­te auch Unter­kunft jüdi­scher Migran­ten, bie­tet sie, die das alles schon ein­mal durch­ex­er­ziert hat, eine Art  ers­ter Hil­fe an und erklärt, “wie das Leben hier geht”.

Geset­ze und Rech­te, Auf­bau der admi­nis­tra­ti­ven Struk­tu­ren, des Sozi­al- und des Bil­dungs­sys­tems und nicht zuletzt Fra­gen der Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung, über all das infor­miert Eri­ka Dorn und stellt,  wenn es sein muss, ihre Sprach­kennt­nis­se zur Ver­fü­gung. Die Frau mit dem gro­ßen Her­zen weiß: “Das Wich­tigs­te ist, die Men­schen in das Leben in der Stadt hin­ein­zu­brin­gen.”

War­um sie so viel Zeit und Kraft her­gibt, erüb­rigt sich fast zu fra­gen. Es war und ist ihr Leben. “Ich habe immer gute Men­schen getrof­fen”, sagt sie. Und umge­kehrt trifft man in ihr eben auch auf einen. Für Eri­ka Dorn scheint das die pure Selbst­ver­ständ­lich­keit zu sein.

Eri­ka Dorns müt­ter­li­che Vor­fah­ren waren im 18. Jahr­hun­dert ins Schwarz­meer­ge­biet, nach Odes­sa, aus­ge­wan­dert. Der väter­li­che Zweig ließ sich im Wol­ga­ge­biet nie­der. Wäh­rend bezie­hungs­wei­se nach dem Zwei­ten Welt­krieg gelang­ten bei­de Eltern unab­hän­gig von­ein­an­der zur Zwangs­ar­beit nach Nord­russ­land.

Leave a Reply