Dingolfing-Landau

Alex­an­der Rol­häu­ser — Vor­sit­zen­der

Glückstal­str. 8, 84130 Din­gol­fing

Tel.: 08731 — 319282

 

Olga Philippi – mit Talent und Fleiß

in den Beruf zurückgefunden

 

Vor der Aus­rei­se hat Olga Phil­ip­pi sogar Kos­tü­me im Auf­trag des staat­li­chen Film­stu­di­os kre­iert, das his­to­ri­sche Fil­me dreh­te. Auch in Deutsch­land hat sie sich nicht ver­lo­ren, son­dern hat gelernt, sich mit ihren Fähig­kei­ten ein­zu­brin­gen. Sie wohnt in Din­gol­fing (Bay­ern) und schnei­dert seit über fünf Jah­ren Kos­tü­me für Kin­der­bal­letts und Thea­ter­auf­füh­run­gen.

 

Für die jun­gen Dar­stel­ler ist das Ent­ste­hen der Büh­nen­kos­tü­me ein span­nen­der Pro­zess; vor allem die Anpro­be berei­tet den Kin­dern und Jugend­li­chen viel Freu­de. Für die Desi­gne­rin ist es eine akri­bi­sche, zeit­rau­ben­de Arbeit, aber auch immer wie­der eine neue Her­aus­for­de­rung.

Das Inter­es­se für Mode­de­si­gn erwach­te in Olga Phil­ip­pi bereits in der Schu­le; bis zum Abschluss wuss­te sie ganz gen­au, dass sie Mode­de­si­gne­rin wer­den woll­te. Am bes­ten gefällt ihr, dass sie über ihren Beruf Men­schen hel­fen kann, in neue Rol­len zu schlüp­fen, in sich neue Sei­ten zu ent­de­cken.

1995, als das Leben in Usbe­kis­tan uner­träg­li­ch wur­de, wan­der­ten auch die Phi­lippis nach Deutsch­land aus. Die Inte­gra­ti­on gestal­te­te sich schwie­ri­ger als gedacht. Bevor Olga Phil­ip­pi zu ihrem Beruf zurück­fand, mus­s­te sie sich mit Jobs am Fließ­band und Putz­stel­len begnü­gen. Den­no­ch: Den Traum, wie­der als Mode­de­si­gne­rin zu arbei­ten, hat­te sie nie ganz auf­ge­ge­ben.

Alles begann mit der Zusam­men­ar­beit mit der Bal­lett­klas­se der Musik­schu­le, in der ihre Toch­ter tanz­te. Bei einer Auf­füh­rung kam Olga Phil­ip­pi die Idee, ihre Unter­stüt­zung als Kos­tüm­de­si­gne­rin anzu­bie­ten.

Zwar kamen in ihr gleich auch Zwei­fel auf, ob sie es schaf­fen wür­de, Kos­tü­me zu ent­wer­fen, in denen man sich frei bewe­gen und tan­zen könn­te, mit den ers­ten Erfah­run­gen kehr­te aber auch ihr Selbst­be­wusst­sein zurück.

In den fünf Jah­ren ihrer Zusam­men­ar­beit mit der Bal­lett­klas­se hat Olga gelernt, die Kos­tü­me gen­au so zu ent­wer­fen und zu nähen, dass sie bequem beim Tan­zen sind und durch Stoff­wahl, schö­ne Far­ben und auf­wen­di­ge Schnit­te beein­dru­cken.

Viel bedeu­tet dabei die jewei­li­ge natio­na­le Kul­tur­tra­di­ti­on. So ver­wen­de­te Olga für die Auf­füh­rung des rus­si­schen Mär­chens „Kon­jok-Gor­bu­nok“ Ele­men­te der rus­si­schen Folk­lo­re. Bevor ein Kos­tüm­ent­wurf ent­steht, recher­chiert sie in Publi­ka­tio­nen und durch­fors­tet Lexi­ken, schaut sich Tän­ze an und hört die jewei­li­ge Musik. Kos­tü­me, Tän­ze und Musik sol­len schließ­li­ch eine Ein­heit bil­den.

Als krea­ti­ver Men­sch betei­ligt sich Olga Phil­ip­pi auch an ande­ren Pro­jek­ten in Din­gol­fing, dar­un­ter Inter­es­sen­a­ben­de für Frau­en, Tref­fen mit Auto­ren, Kon­zer­te oder Aben­de der inter­na­tio­na­len Küche. Auch die Mode­aben­de, die von ihr gestal­tet wer­den, sind immer etwas Beson­de­res.

Im Inte­gra­ti­ons­pro­jekt „Nach­bar­schafts­hil­fe“ lei­tet Olga Phil­ip­pi Bas­tel­kur­se für Kin­der. „Zwar konn­te ich mir frü­her kaum vor­stel­len, mit Kin­dern zu arbei­ten, inzwi­schen klappt es jedoch rich­tig gut. Den Kin­dern macht es rie­si­gen Spaß, sie wür­den am liebs­ten jeden Tag hier­her kom­men“, sagt Olga. Figu­ren aus Kne­te for­men, malen oder aus dem Papier aller­hand aus­schnei­den – unter ihrer Anlei­tung ent­ste­hen in den Kin­der­hän­den klei­ne Kunst­wer­ke.

Auch ihre Fami­lie zieht bei vie­len Vor­ha­ben kräf­tig mit. Sowohl der Mann als auch der Sohn und die Toch­ter unter­stüt­zen ihre Mut­ter mit Ide­en oder bei Pro­jek­ten. Bei­spiels­wei­se hel­fen sie beim Bas­teln von Acces­soires für die Bal­lett­auf­füh­run­gen oder von Model­len für die Bas­tel­kur­se.

Nad­ja Run­de, Din­gol­fing

 

Gedenkveranstaltung

in der katholischen Kirche St. Josef

 

Im Rah­men der Gedenk­ver­an­stal­tung wur­de in der katho­li­schen Kir­che St. Josef in Din­gol­fing ein öku­me­ni­scher Got­tes­dienst durch­ge­führt, den der Pfar­rer der katho­li­schen Kir­che St. Josef, Eugen Prus­zyns­ki, und der Pfar­rer der evan­ge­li­sch-luthe­ri­schen Pfarr­ge­mein­de, Mat­thi­as Frör, gestal­te­ten.

 

Für­bit­ten spra­chen Alex­an­der Roll­häu­ser, Vor­sit­zen­der der Orts­grup­pe Din­gol­fing-Land­au der Lands­mann­schaft, Nadesch­da Run­de, Lei­te­rin des Pro­jekts „Nach­bar­schafts­hil­fe“, und die Buch­au­to­rin Valen­ti­na Som­mer.

Im Stadt­teil­zen­trum Nord wur­de die Ver­an­stal­tung mit über 100 Gäs­ten fort­ge­setzt. Andre­as Dei­bus mode­rier­te den Abend, wäh­rend Alex­an­der Roll­häu­ser Bild­ta­feln zur Geschich­te der Depor­ta­ti­on der Deut­schen in Russ­land vor­stell­te. Der Dia­vor­trag „Erin­nern für die Zukunft: 1941–2011 — 70 Jah­re seit der Depor­ta­ti­on der Deut­schen in der Sowjet­uni­on“, der von den jun­gen Aus­sied­lern Vita­liy und Iri­na Tsche­ter vor­be­rei­tet wur­de, befass­te sich mit dem tra­gi­schen Schick­sal der Russ­land­deut­schen und dem Aus­maß des sta­li­nis­ti­schen Ver­bre­chens.

Valen­ti­na Som­mer prä­sen­tier­te ihr Buch über die Geschich­te der Wol­ga­deut­schen „Das Schick­sal. Der lan­ge Weg nach Solo­thurn-Witt­mann und zurück“ und trug Aus­zü­ge dar­aus vor, die unter die Haut gin­gen.

Auch den Zeit­zeu­gen fiel die Erin­ne­rung an die schwers­te Zeit ihres Lebens nicht leicht. Gor­de­lia Gals­ter und Kla­ra Trip­pel muss­ten viel Mut und Kraft auf­brin­gen, um ihre Geschich­ten zu erzäh­len, bei denen vie­le Gäs­te im Saal Trä­nen in den Augen hat­ten.

The­ma­ti­sche Lie­der und Gedich­te umrahm­ten den Abend.

Für die Unter­stüt­zung dan­ken wir dem Quar­tier­ma­nage­ment des Pro­jekts „Sozia­le Stadt“ mit Mar­tin Drisch­mann und dem Street­wor­ker der Stadt Din­gol­fing, Mar­kus Reif, sowie Olga Roch­lin und Pau­li­ne Kul­mann.

Nad­ja Run­de

 

Zum Tod von Alfred Bitzer

 

Am 25. Mai 2011 ver­st­arb in Reis­bach (Nie­der­bay­ern) im Alter von 79 Jah­ren der bekann­te Sozi­al­ex­per­te Alfred Bit­zer.

 

Er ver­kör­per­te in der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land den Typ des sehr gewis­sen­haf­ten Mit­ar­bei­ters, der aber auch recht unge­hal­ten wer­den konn­te, wenn es um die ver­brief­ten Rech­te russ­land­deut­scher Heim­keh­rer, Aus­sied­ler und Spät­aus­sied­ler ging.

In die­sem Sin­ne setz­te er bald nach sei­ner Ankunft in Deutsch­land 1977 die Schwer­punk­te sei­ner ehren­amt­li­chen Arbeit, die für ihn schon in der Sowjet­uni­on eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit gewe­sen war. Für sei­ne Leis­tun­gen erhielt Alfred Bit­zer zahl­rei­che Aus­zeich­nun­gen, von denen die Ver­dienst­me­dail­le des Ver­dienst­or­dens der Bun­dess­re­pu­blik Deutsch­land die bedeu­tends­te ist.

Alfred Bit­zer, gebo­ren am 27. Dezem­ber 1931 im Gebiet Niko­la­jew, gehör­te zu den Schwarz­me­er­deut­schen, die die Licht- und Schat­ten­sei­ten unter­schied­lichs­ter Sys­te­me haut­nah erlebt haben: 20 Jah­re Dik­ta­tur pur unter Sowjet­stern oder Haken­kreuz, 20 wei­te­re Jah­re unter Sta­l­ins Erben und ein hal­bes Men­schen­le­ben in sei­ner Urhei­mat, die immer noch gegen die Geis­ter der Ver­gan­gen­heit kämp­fen muss. 1944/45 hat­te er sei­ne „erwei­ter­te” Hei­mat als Flücht­ling im Wart­he­gau ken­nen gelernt und anschlie­ßend als „repa­tri­ier­ter” Sowjet­bür­ger unfrei­wil­li­ge Bekannt­schaft mit dem Nor­den Russ­lands gemacht.

Dass Alfred Bit­zer in sei­ner beruf­li­chen Lauf­bahn trotz wid­ri­ger Umstän­de Ober­me­cha­ni­sa­tor und Abtei­lungs­lei­ter wur­de, war ein Zeug­nis der Ziel­stre­big­keit und Beharr­lich­keit des jun­gen Man­nes mit kriegs­be­ding­ten Lücken auf sei­nem Aus­bil­dungs­weg in ent­ge­gen gesetz­ten Sys­te­men mit unter­schied­li­chen Spra­chen in Schu­le und Beruf.

Die glei­chen Eigen­schaf­ten wur­den von ihm auch bei der Rück­füh­rung sei­ner Fami­li­en nach Deutsch­land gefor­dert. Sie führ­te die Bit­zers über den gro­ßen Umweg Kasach­stan (1957–72) und Mol­da­wi­en (1972–77) zuer­st nach Mün­chen und 1990 nach Nie­der­bay­ern.

In Mün­chen rück­te Alfred Bit­zer schnell in das ers­te Glied der Akti­vis­ten der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land auf. Sein zwei­tes ehren­amt­li­ches Stand­bein war die Uni­on der Ver­trie­be­nen (UdV), des­sen Kreis­vor­stand er von 1982 bis 1992 ange­hör­te. In sei­ner Lands­mann­schaft reich­ten sei­ne Akti­vi­tä­ten von Orts- und Kreis­grup­pen über den Lan­des­ver­band bis zum Bun­des­vor­stand. Ihm ver­dankt die Orts­grup­pe Reis­bach ihre Popu­la­ri­tät in der Öffent­lich­keit, die Orts­grup­pe Din­gol­fing ihre Grün­dung und die Bun­des­lands­mann­schaft, deren beru­fe­ner Refe­rent er über vie­le Jah­re war, wert­vol­le Tipps zur Ver­bes­se­rung der Aus­sied­ler­ar­beit vor Ort.

Den größ­ten Dank aber schul­den ihm unzäh­li­ge russ­land­deut­sche Aus­sied­ler, die dank sei­nem per­sön­li­chen Enga­ge­ment — in vie­len Fäl­len vor Gericht — das durch­set­zen konn­ten, was ihnen zustand. Sie alle trau­ern mit sei­ner Ehe­frau Eli­sa­be­th, drei Kin­dern, sechs Enkeln und vie­len Freun­den aus der alten und neu­en Hei­mat um einen Freund, des­sen gutes Herz nicht mehr schlägt.

Johann Kam­pen,

im Namen des Bun­des­vor­stan­des der Lands­mann­schaft

und des Vor­stan­des der Lan­des­grup­pe Bay­ern

 

Bei den Neu­wah­len am 20. Novem­ber 2010 wur­de Alex­an­der Rol­häu­ser aus Din­gol­fing zu unse­rem neu­en Vor­sit­zen­den gewählt. Dazu auch an die­ser Stel­le ein herz­li­cher Glück­wunsch und viel Erfolg bei der Amts­füh­rung! Als wei­te­re Vor­stands­mit­glie­der wur­den Pau­li­na Kul­mann, Nad­ja Run­de, Anna und Albert Schmol gewählt.

            i.A.: Albert Schmol