Rostock

Nata­lia Heinz — Vor­sit­zen­de

Gerüst­bau­erring 28, 18109 Ros­to­ck

E — Mail: heinzrostock@gmail.com

 

Aus­flug nach Wis­mar:

Mit einer klei­nen Grup­pe, bestehend aus Anna Kel­er, Lydia Stol, Ella Witt­man, Valen­ti­na Mat­weev und der Lei­te­rin Valen­ti­na Gum­men­schei­mer, fuh­ren wir am 10. Sep­tem­ber 2011 in die bereits 1229 gegrün­de­te Han­se­stadt Wis­mar.

Beim Rund­gang durch die his­to­ri­sche Alt­stadt erfuh­ren wir eine Men­ge, zum Bei­spiel dass Wis­mar 1716 vom rus­si­schen Zaren Peter I. besucht wur­de.

Wir möch­ten unse­re neue Hei­mat bes­ser ken­nen ler­nen, des­halb wer­den sol­che Aus­flü­ge in Zukunft häu­fi­ger statt­fin­den. Die nächs­te Fahrt wer­den wir für eine ande­re Stadt in Meck­len­burg-Vor­pom­mern bzw. Nord­deutsch­land pla­nen.

Unse­re Senio­ren­grup­pe trifft sich regel­mä­ßig zu einer Kaf­fee­run­de. Mit dabei sind auch Kin­der und Jugend­li­che ab zwölf Jah­ren; sie sol­len mehr über unse­re Ver­gan­gen­heit und die Geschich­te der Deut­schen aus Russ­land in der alten Hei­mat und aus der Zeit des Zwei­ten Welt­krie­ges erfah­ren. Bei die­sen Tref­fen erzäh­len wir unse­re per­sön­li­chen Geschich­ten.

            Anna Kel­er

 

Geschich­te haut­nah erle­ben

Volk auf dem Weg” in Ros­to­ck

 

Drei Wochen lang mach­te die lands­mann­schaft­li­che Wan­der­aus­stel­lung Sta­ti­on in Ros­to­ck, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, und war dort an drei Ört­lich­kei­ten zu sehen.

 

Pro­jekt­lei­ter Josef Schlei­cher begann am 1. März 2011 mit Unter­richts­stun­den im Eras­mus-Gym­na­si­um und führ­te sechs Grup­pen mit 160 Schü­le­rin­nen und Schü­lern durch die Aus­stel­lung. “Sei­ne Aus­füh­run­gen waren enga­giert und infor­ma­tiv und wur­den von den Schü­lern sowie den beglei­ten­den Leh­rern mit gro­ßem Inter­es­se auf­ge­nom­men”, so die Schul­lei­te­rin Dr. Ange­la Schulz. Vom 2. bis 5. März stand dann das Begeg­nungs­zen­trum Bör­ger­hus im Stadt­teil Groß Klein ganz im Zei­chen der Deut­schen aus Russ­land. Hier prä­sen­tier­te die Orts­grup­pe Ros­to­ck der Lands­mann­schaft die Aus­stel­lung und umrahm­te sie mit viel­fäl­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen.

Den Ein­hei­mi­schen, aber auch den Deut­schen aus Russ­land selbst ver­mit­tel­te die Aus­stel­lung neu­es Wis­sen über die Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart der Volks­grup­pe. Sie mach­te betrof­fen und berühr­te, rief Fra­gen nach den eige­nen Wur­zeln her­vor und stell­te die Inte­gra­ti­on in ein direk­tes, bei­na­he per­sön­li­ches Licht.

Zahl­rei­che Deut­sche aus Russ­land woh­nen in Groß Klein und den umlie­gen­den Stadt­be­zir­ken Ros­tocks; sie sind Nach­barn, Part­ner in Ver­ei­nen, Schul­freun­de, Mit­glie­der der Kir­chen­ge­mein­den, Kol­le­gen. Dar­um stell­te die Orts­grup­pe Ros­to­ck eine zusätz­li­che Aus­stel­lung zusam­men — mit Erin­ne­rungs­stü­cken aus der frü­he­ren Hei­mat und künst­le­ri­schen Arbei­ten der Deut­schen aus Russ­land des Stadt­teils.

Den Schick­sa­len der Ros­to­cker Spät­aus­sied­ler­fa­mi­li­en war ein geson­der­ter Stand gewid­met. Eine Vitri­ne mit Medail­len und Pokalen, die ihre Kin­der bei Wett­kämp­fen gewon­nen haben, beleg­te die erfolg­rei­che Inte­gra­ti­on der jun­gen Neu­bür­ger.

Bei der offi­zi­el­len Aus­stel­lungs­er­öff­nung am 2. März führ­te Pro­jekt­lei­ter Jakob Fischer in sei­nem Vor­trag in die Geschich­te der Russ­land­deut­schen ein. Nach einem Gruß­wort der Prä­si­den­tin der Ros­to­cker Bür­ger­schaft, Kari­na Jens, stell­te die Vor­sit­zen­de der Orts­grup­pe Ros­to­ck, Nata­lia Heinz, die Zie­le und Inte­gra­ti­ons­be­stre­bun­gen der Lands­mann­schaft vor. Abge­run­det wur­de die Fei­er durch musi­ka­li­sche und tän­ze­ri­sche Dar­bie­tun­gen sowie Fil­me zum The­ma der Aus­stel­lung.

Am 3. März folg­te eine Lesung zum The­ma “In der Fer­ne reift mein Wei­zen: Sie folg­ten dem Ruf der Zarin” in der Stadt­teil­bi­blio­thek Bör­ger­hus, zu der erneut ein viel­schich­ti­ges Publi­kum begrüßt wer­den durf­te. Die Orts­grup­pe Ros­to­ck über­gab der Biblio­thek bei die­ser Gele­gen­heit 14 Bücher über Deut­sche aus Russ­land, für die ein eige­nes Regal ein­ge­rich­tet wur­de.

Der Abend der Begeg­nung mit einem gro­ßen Kul­tur­pro­gramm am 4. März war ein ech­ter Höhe­punkt der Ver­an­stal­tungs­rei­he. Die Deut­schen aus Russ­land prä­sen­tier­ten ihr viel­fäl­ti­ges künst­le­ri­sches und sport­li­ches Kön­nen: Kla­vier- und Gitar­ren­spiel, Ein­zel- und Chor­ge­sang, Kin­der­tanz und gym­nas­ti­sche Übun­gen.

Roland Blank, Lei­ter der Ros­to­cker Gesell­schaft für Stadt­er­neue­rung, Stadt­ent­wick­lung und Woh­nungs­bau, erläu­ter­te die Wich­tig­keit der Unter­stüt­zung des Pro­jek­tes durch das Pro­gramm “Die sozia­le Stadt”. Abschlie­ßend war­te­ten auf die Gäs­te kuli­na­ri­sche Köst­lich­kei­ten, die nach Rezep­ten der tra­di­tio­nel­len rus­si­schen Küche sowie der russ­land­deut­schen Vor­fah­ren zube­rei­tet waren.

Die Ver­an­stal­tun­gen fan­den eine über­aus gro­ße Reso­nanz, und mit mehr als 600 Men­schen, die in den vier Tagen das Bör­ger­hus besuch­ten, wur­den die kühns­ten Erwar­tun­gen über­trof­fen. Josef Schlei­cher führ­te Grup­pen der Stör­te­be­ker Regio­nal­schu­le, der Hun­dert­was­ser-Gesamt­schu­le, der Ros­to­cker Wal­dorf­schu­le und des IB-Inte­gra­ti­ons­kur­ses durch die Aus­stel­lung, orga­ni­sier­te Dis­kus­si­ons­run­den und Film­vor­füh­run­gen. Mari­na Heinz betreu­te die kleins­ten Besu­cher vom Hort der Stadt­teil-Kita.

Die Pro­jekt­ta­ge wur­den nur mög­li­ch durch das Enga­ge­ment und die enge Zusam­men­ar­beit der Mit­glie­der der Orts­grup­pe Ro­stock. Die gemein­sa­me Vor­be­rei­tung und die umfang­rei­che Orga­ni­sa­ti­on, die allen Hel­fern viel Arbeit abver­lang­ten, stärk­ten den Zusam­men­halt der Grup­pe in erheb­li­chem Maße. Akti­ve Unter­stüt­zung kam auch vom Stadt­teil­bü­ro Groß Klein, vom AWO-Sozi­al­dienst Ros­to­ck und dem Jugend­mi­gra­ti­ons­dienst der AWO.

Anschlie­ßend wan­der­te die Aus­stel­lung wei­ter in den Stadt­teil Schmarl, wo sie vom 5. bis 16. März in der Kru­sen­stern­schu­le prä­sen­tiert wur­de, die auch Schau­platz eines Abends der Begeg­nung war.

Vom 9. bis 11. März führ­te Josef Schlei­cher dort Pro­jekt­ver­an­stal­tun­gen durch, die sich mit der The­ma­tik “Inte­gra­ti­on in Deutsch­land am Bei­spiel der Deut­schen aus Russ­land” befass­ten. Sie­ben Klas­sen der Jahr­gangs­stu­fen 8 bis 12 mit ins­ge­samt 140 Schü­le­rin­nen und Schü­lern besuch­ten die Prä­sen­ta­ti­on.

Als Zeit­zeu­ge betei­lig­te sich der Wol­ga­deut­sche Har­ry Simon am Unter­richt. Er schil­der­te, wie er als fünf­jäh­ri­ges Kind 1941 mit sei­ner Mut­ter aus Engels an der Wol­ga nach Ost­si­bi­ri­en depor­tiert wur­de.

Falk Haber­mann, ein Schü­ler der 9. Klas­se, äußer­te sich dazu wie folgt: “Der Lebens­lauf von Herrn Simon war sehr bewe­gend. Es war schwer nach­zu­voll­zie­hen, was die­ser Mann damals durch­ma­chen mus­s­te.”

Und die Zehnt­kläss­le­rin Kris­ti­na Har­bin schrieb: “Die Aus­stel­lung hat mir soweit gut gefal­len. Auch wenn ich schon vie­les wuss­te, habe ich trotz­dem Neu­es dazu­ge­lernt. Ich bin auch eine Aus­sied­le­rin; mei­ne Mut­ter ist Deut­sche, aber mein Vater ist Rus­se. Am heu­ti­gen Tag sind in mir vie­le Erin­ne­run­gen hoch­ge­stie­gen, auch wenn ich schon mit sechs Jah­ren nach Deutsch­land gekom­men bin.”

            Mari­na Heinz / VadW