Landesgruppe Niedersachsen

www.lmdr-niedersachsen.de

Lil­li Bisch­off — Vor­sit­zen­de

Frie­dens­burg 7, 30890 Bar­sing­hau­sen

Tel.: 05035 — 336, E — Mail: lillibischoff@t-online.de

 

Lilli Bischoff: „Wir sehen uns als Brücke

zwischen Niedersachsen und Tjumen“

Projekttage der Landesgruppe Niedersachsen mit der Partnerregion Tjumen

 

In Anwe­sen­heit zahl­rei­cher Ver­tre­ter der Poli­tik, von Ver­bän­den und der brei­ten Öffent­lich­keit run­de­te ein Kul­tur­fes­ti­val am 2. Juni 2012 im Grenz­durch­gangs­la­ger Fried­land mit Kul­tur­grup­pen und Solis­ten aus ganz Nie­der­sach­sen und dem Gebiet Tju­men die Pro­jekt­ta­ge (30. Mai — 3. Juni) der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen der Lands­mann­schaft mit der Part­ner­re­gi­on des Lan­des Nie­der­sach­sen in Russ­land, Tju­men, ab.

 

Der Nie­der­säch­si­sche Minis­ter für Inne­res und Sport und Inte­gra­ti­on, Uwe Schü­ne­mann, über­nahm die Schirm­herr­schaft über die Pro­jekt­wo­che, die von zwei Schwer­punk­ten geprägt war:

• „20 Jah­re Part­ner­schaft zwi­schen dem Land Nie­der­sach­sen und der Regi­on Tju­men“

• und „5 Jah­re Part­ner­schaft zwi­schen der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen und dem Gebiets­zen­trum der deut­schen Kul­tur Tju­men“.

Geför­dert wur­den die Pro­jekt­ta­ge von der Lan­des­re­gie­rung Nie­der­sach­sen. Für die Orga­ni­sa­ti­on und Betreu­ung der Gäs­te aus Russ­land sorg­ten der Lan­des­vor­stand mit der Vor­sit­zen­den Lil­li Bisch­off, das Pro­jekt „Stark und offen in Nie­der­sach­sen“ (Lei­te­rin­nen Swet­la­na Judin und Anna Welz) und die Orts­grup­pe Han­no­ver.

Enge­re Kon­tak­te der Lan­des­grup­pe der Lands­mann­schaft in Nie­der­sach­sen mit ihrem Part­ner in Tju­men wer­den in vie­len Berei­chen als Brü­cke für bes­se­re Bezie­hun­gen des Lan­des Nie­der­sach­sen mit der Regi­on Tju­men ange­se­hen. „In die­ser Part­ner­schaft sehen sich die Russ­land­deut­schen auf bei­den Sei­ten als Brü­cke zwi­schen Nie­der­sach­sen und Tju­men“, beton­te Lil­li Bisch­off.

Die vor fünf Jah­ren initi­ier­te Part­ner­schaft zwi­schen der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen und dem „Gebiets­zen­trum für Bil­dung, Metho­dik und deut­sche Kul­tur Tju­men“ (Vor­sit­zen­de Natal­ja Mat­schu­ga) ent­wi­ckel­te sich erfolg­reich im Rah­men des Pro­jek­tes „Grenz­über­schrei­ten­de Part­ner­schaf­ten mit Ver­bän­den der deut­schen Min­der­heit in der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on“, das vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern (Deutsch­land) und dem Minis­te­ri­um für regio­na­le Ent­wick­lung (Russ­land) geför­dert wird.

Im Rah­men der Pro­jekt­ta­ge begrüß­te Nie­der­sach­sen eine etwa 30-köp­fi­ge Dele­ga­ti­on aus der Regi­on Tju­men (dar­un­ter vie­le Kin­der und Jugend­li­che) sowie Ver­tre­ter der regio­na­len Part­ner­schaf­ten von deut­scher und rus­si­scher Sei­te. Die Teil­neh­mer dis­ku­tier­ten über Pro­ble­me, Lösun­gen und Per­spek­ti­ven der Part­ner­schaf­ten, wobei fest­ge­stellt wur­de, dass gute Ent­wick­lungs­chan­cen vor allem sol­che regio­na­len Part­ner­schaf­ten haben, die sich mit ihren Pro­jek­ten in die bereits bestehen­den Städ­te- bzw. Län­der­part­ner­schaf­ten ein­brin­gen konn­ten.

 

Wich­ti­ge Sta­tio­nen der Pro­jekt­ta­ge –

poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Ansät­ze

 

Die Pro­jekt­ta­ge beinhal­te­ten eine Mischung aus poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Grund­satz­fra­gen, die sich in Ein­zel­maß­nah­men nie­der­schlu­gen. Das Pro­gramm wur­de so kon­zi­piert, dass „unse­re Gäs­te aus Tju­men mög­lichst viel von Nie­der­sach­sen zu sehen bekom­men und das Land von ver­schie­de­nen Sei­ten erkun­den“, erläu­ter­te Lil­li Bisch­off. Bei allen Ver­an­stal­tun­gen und Aus­flü­gen waren immer auch Ver­tre­ter der Orts­grup­pe Han­no­ver und Umge­bung dabei. Ange­reg­te Gesprä­che und Gesang in bei­den Spra­chen ver­kürz­ten die stun­den­lan­gen Bus­fahr­ten. Betreut wur­de die Grup­pe von der Lan­des­vor­sit­zen­den selbst und von Swet­la­na Judin und Anna Welz.

Die Ver­an­stal­tungs­rei­he eröff­ne­te der etwa zwei­stün­di­ge Besu­ch im Nie­der­säch­si­schen Land­tag (30. Mai). Begrüßt wur­den die Gäs­te aus Russ­land und Deutsch­land durch Lil­li Bisch­off und Rudolf Götz (MdL), Lan­des­be­auf­trag­ter für Hei­mat­ver­trie­be­ne und Spät­aus­sied­ler, der durch das Land­tags­ge­bäu­de führ­te.

Der Besu­ch im Schloss­mu­se­um Jever im Fries­land (31. Mai) bot inter­es­san­te his­to­ri­sche Ver­knüp­fun­gen gera­de für Russ­land­deut­sche, die in ihrer Mehr­heit Nach­fah­ren der deut­schen Aus­wan­de­rer sind, die nach dem Ein­la­dungs­ma­ni­fest von Katha­ri­na II. ab 1763 nach Russ­land kamen. 1793 ging die Herr­schaft über Jever sogar an Katha­ri­na II., die eine Schwes­ter des ver­stor­be­nen letz­ten regie­ren­den Fürs­ten von Anhalt-Zerbst war; bis 1818 blieb es im rus­si­schem Besitz. An die­se his­to­ri­sche Bege­ben­heit erin­nert im Audi­enz­saal ein Ori­gi­nal­por­trät der Zarin des Hof­ma­lers Lam­pi (1794).

Auch die Besich­ti­gung des Natio­nal­park-Hau­ses Dan­gast (31. Mai)  und der Besu­ch der Auto­stadt Wolfs­burg (1. Juni) mit einer kunst­voll gestal­te­ten Park- und Lagu­n­en­land­schaft und meh­re­ren Pavil­lons hin­ter­lie­ßen blei­ben­de Ein­drü­cke.

Der Emp­fang im Katho­li­schen Zen­trum Han­no­ver (1. Juni) durch die Lands­mann­schaft mach­te die Schwer­punk­te der Pro­jekt­wo­che noch ein­mal deut­li­ch. Zu den Ehren­gäs­ten gehör­ten als Ver­tre­ter des Nie­der­säch­si­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums Dr. Frank Früh­ling (Abtei­lungs­lei­ter, „Zen­tra­le Ange­le­gen­hei­ten, Aus­län­der­recht, Spät­aus­sied­ler, Sport“), Klaus Enge­mann und Klaus Bitt­ner vom Büro des Beauf­trag­ten der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung für Hei­mat­ver­trie­be­ne und Spät­aus­sied­ler, Oli­ver Krü­ger (Pro­jekt „Muse­um Fried­land“), Edit­ha Lor­berg, Aus­sied­ler­be­auf­trag­te der CDU-Land­tags­frak­ti­on, BdV-Lan­des­vor­sit­zen­der Oli­ver Dix, Hein­rich Hörn­sche­mey­er, Lei­ter des Grenz­durch­gangs­la­gers Fried­land, und ande­re.

In ihren Anspra­chen beton­ten Dr. Frank Früh­ling, Lil­li Bisch­off, Oleg Strah­ler (Koor­di­na­tor des IVDK, Russ­land) und Edit­ha Lor­berg die Wich­tig­keit der Part­ner­schaft für die bei­den Län­der und die Brü­cken­funk­ti­on der Lands­mann­schaft.

Aus­führ­li­che Inhal­te zu den bei­den Part­ner­schaf­ten ver­mit­tel­te auch die Bro­schü­re, die von der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen mit Unter­stüt­zung der Lan­des­re­gie­rung her­aus­ge­ge­ben wur­de (nach­zu­le­sen unter www.deutscheausrussland.de).

Den musi­ka­li­schen Rah­men des Emp­fangs gestal­te­ten mit klas­si­scher Musik Vadim Mit­nick (Kla­vier) und Olga Welz (Akkor­de­on). Für das leib­li­che Wohl sorg­ten mit einer beacht­li­chen kuli­na­ri­schen Viel­falt die Orts­grup­pe Han­no­ver und das Pro­jekt „Stark und offen in Nie­der­sach­sen“.

 

Ein Tag in Fried­land:

Ein Fest der kul­tu­rel­len Viel­falt

 

Der Tag in Fried­land (2. Juni) begann mit einem Vor­trag zur „Geschich­te des Grenz­durch­gangs­la­gers Fried­land“ von Hein­rich Hörn­sche­mey­er. Auch im anschlie­ßen­den Kurz­film „Abschied, Ankunft, Neu­be­ginn“, den Oli­ver Krü­ger zeig­te, kam die bewe­gen­de Geschich­te des Lagers zum Aus­druck. Zeit­zeu­gen­aus­sa­gen sol­len zen­tra­ler Bau­stein des neu­en Muse­ums wer­den, das bereits bis Herbst 2014 sei­ne Tore für Besu­cher öff­nen soll.

Ein Rund­gang durch das Lager und ein Foto­ter­min an der Fried­land­glo­cke gehör­ten eben­falls zum Pro­gramm. Auch freu­di­ge Fami­li­en­be­geg­nun­gen durf­ten nicht feh­len: Dina Esse aus Tobolsk/Tjumen traf sich hier mit ihrer Schwes­ter Nad­ja Wel­sch und der Nich­te Val­ja Dre­her, die in Gif­horn woh­nen.

Ihren Höhe­punkt erreich­te die Pro­jekt­wo­che beim anschlie­ßen­den Kul­tur­fes­ti­val mit Teil­neh­mern aus ganz Nie­der­sach­sen und dem Gebiet Tju­men. Begrüßt wur­den die zahl­reich erschie­ne­nen Gäs­te von Lil­li Bisch­off.

In der in Tju­men am 21. Mai 1992 zwi­schen dem Land Nie­der­sach­sen und der Regi­on Tju­men unter­zeich­ne­ten Erklä­rung wur­de unter ande­rem ver­ein­bart, stän­di­gen Kon­takt zu pfle­gen mit dem Ziel, die part­ner­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit mit kon­kre­ten Inhal­ten zu fül­len. Die­ser Auf­trag aus der Part­ner­schafts­ur­kun­de wird von der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land und ihrer tju­me­ni­schen Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on in vor­bild­li­cher Wei­se gelebt“, beton­te Uwe Schü­ne­mann in sei­ner Fest­an­spra­che.

Auch der Bun­des­vor­sit­zen­de der Lands­mann­schaft, Adolf Fet­sch, unter­strich in sei­nem Gruß­wort die Bedeu­tung der grenz­über­schrei­ten­den Arbeit des Ver­eins, der sich als Inter­es­sen­ver­tre­tung, Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on und Kul­tur­trä­ger der Russ­land­deut­schen in Deutsch­land wie auch in der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on ver­steht. Der Bun­des­vor­stand der Lands­mann­schaft war außer­dem durch die Mit­glie­der Lil­li Bisch­off und Rosa Emi­ch ver­tre­ten.

Oleg Strah­ler (IVDK) von der rus­si­schen Dele­ga­ti­on stell­te her­aus, dass die Part­ner­schaf­ten stets auch ein Schwer­punkthe­ma bei den jähr­li­chen Sit­zun­gen der Deut­sch-Rus­si­schen Regie­rungs­kom­mis­si­on sei­en. Nata­lia Mat­schu­ga wies auf die „untrenn­ba­ren Ver­bin­dun­gen zwi­schen Russ­land und Deutsch­land“ hin, die nicht zuletzt durch die mas­sen­haf­te Aus­wan­de­rung der Deut­schen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on ent­stan­den sei­en, und bewer­te­te „die fünf Jah­re  Part­ner­schaft als einen gewich­ti­gen Bei­trag zum für bei­de Gesell­schaf­ten wich­ti­gen Annä­he­rungs­pro­zess“.

Gesang, Tanz und Rezi­ta­ti­on domi­nier­ten das Kul­tur­pro­gramm. Die Künst­ler aus Nie­der­sach­sen prä­sen­tier­ten die Tra­di­tio­nen ihrer neu­en, aber auch der alten Hei­mat. Der Chor der Orts­grup­pe Han­no­ver „Hei­mat­me­lo­die“ (Lei­te­rin Olga Welz) umrahm­te das Fes­ti­val mit „Hal­lo, guten Mor­gen Deutsch­land“ und dem „Nie­der­sach­sen­lied“.

Mit Gesangs­bei­trä­gen tra­ten außer­dem Chris­ti­na Steck­lein aus Nien­burg, Wale­rij Bel­kow aus Göt­tin­gen, Ana­to­li und Vio­la Schnei­der sowie das Duo „Pan­do­ra“ aus Pei­ne auf. Klas­si­sche Musik­dar­bie­tun­gen prä­sen­tier­ten Olga Welz (Akkor­de­on) aus Han­no­ver, die Meis­ter­schü­ler der Musik­schu­len von Swet­la­na Klein und Swet­la­na Kru­de aus Roten­burg (Alex­an­der Klein, Marie Hols­ten, Juli­na Schwindt und Isa­bel Wal­ker) sowie der klei­ne Micha­el Kos­ten­ko aus Pei­ne.

Auch eini­ge Tanz­grup­pen sorg­ten tem­pe­ra­ment­voll für Stim­mung, dar­un­ter die Trach­ten­grup­pe aus Gif­horn mit Volks­tän­zen ihrer Regi­on, die Kin­der­tanz­grup­pe „Mira­sch“ aus Pei­ne, die Tanz­grup­pe „Rhyth­mus“ aus Braun­schweig, die Tanz­grup­pe „Sou­ve­nir“ aus Osna­brück sowie die Tanz­grup­pe „Ros­si­ja­not­sch­ka“ aus Pei­ne.

Die rus­si­sche Sei­te war durch die Kul­tur­grup­pen aus den Zen­tren der deut­schen Kul­tur Ischim und Tobolsk und der natio­nal-kul­tu­rel­len Auto­no­mie des Rayon­zentrums Jurg­ins­ko­je ver­tre­ten. Sie alle gehö­ren zum Gebiets­zen­trum in Tju­men und bemü­hen sich um die Wie­der­ge­burt der Kul­tur und Tra­di­ti­on der Russ­land­deut­schen.

Mit ihren Tanz- und Gesangs­vor­trä­gen sowie Rezi­ta­tio­nen aus Wer­ken von Klas­si­kern wie Goe­the oder Hei­ne ent­führ­ten die Künst­ler von sie­ben bis über 60 Jah­ren das Publi­kum in die Zeit des roman­ti­schen Deutsch­lands: die Kin­der­tanz­grup­pe „Zau­ber“ aus Ischim mit deut­schen Volks­tän­zen, die Gesangs­grup­pen „Gute Lau­ne“ aus Tobolsk und „Schön­heit“ aus Jurg­ins­ko­je und eini­ge Solo­sän­ger mit bekann­ten russ­land­deut­schen und deut­schen Volks­lie­dern.

Die Gäs­te des Fes­ti­vals konn­ten sich außer­dem mit den Inhal­ten der lands­mann­schaft­li­chen Wan­der­aus­stel­lung „Volk auf dem Weg. Geschich­te und Gegen­wart der Deut­schen aus Russ­land“, die von den Pro­jekt­lei­tern Josef Schlei­cher und Jakob Fischer prä­sen­tiert wur­de, ver­traut machen. Eine zusätz­li­che Berei­che­rung war eine Aus­stel­lung mit Com­pu­ter­gra­fi­ken von Dmitry Gon­ta­ren­ko aus Olden­burg, die im Rah­men des spi­ri­tu­el­len Kunst­pro­jek­tes „Offe­ne Fens­ter“ von Lud­mil­la Pfaf­fen­rot kon­zi­piert wur­de.

Zum Schluss erhiel­ten die För­de­rer und Hel­fer der Lands­mann­schaft sowie sämt­li­che Teil­neh­mer des Fes­ti­vals für ihren vor­bild­li­chen Bei­trag Urkun­den der Lan­des­grup­pe, die von Lil­li Bisch­off über­reicht wur­den. Für Swet­la­na Judin und Anna Welz gab es Blu­men­sträu­ße und den dank­ba­ren Bei­fall der Teil­neh­mer der Pro­jekt­wo­che.

Die Dank­bar­keit der rus­si­schen Dele­ga­ti­on äußer­te Natal­ja Mat­schu­ga so: „Die Dele­ga­ti­on aus dem Gebiet Tju­men ist von dem war­men Emp­fang hier in Han­no­ver begeis­tert. Wir möch­ten uns vor allem bei Lil­li Bisch­off und ihrem Team für alle Bemü­hun­gen und ein inter­es­san­tes Auf­ent­halt­s­pro­gramm herz­li­ch bedan­ken. Für unse­re Grup­pe waren die Tage an neu­en Infor­ma­ti­on und Ein­drü­cken sehr reich. Wir sind auch der Lan­des­re­gie­rung Nie­der­sach­sen und dem Inter­na­tio­na­len Ver­band der Deut­schen Kul­tur sehr dank­bar für die För­de­rung unse­res gemein­sa­men Pro­jekts. Die Tat­sa­che, dass unser Wunsch, die Part­ner­be­zie­hun­gen wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, von der Regie­run­gen der bei­den Staa­ten geför­dert wird, gibt uns mehr Zuver­sicht und Opti­mis­mus.“

            Nina Paul­sen

 

Innenminister Schünemann

übernimmt Schirmherrschaft

über die Landesgruppe Niedersachsen

 

Im Rah­men einer Fei­er­stun­de am 9. März 2012 im Gäs­te­haus der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung in Han­no­ver über­nahm Uwe Schü­ne­mann, Minis­ter des Lan­des Nie­der­sach­sen für Inne­res und Sport, die Schirm­herr­schaft über die Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land — “in Anbe­tracht der beson­de­ren und lang­jäh­ri­gen Ver­bun­den­heit sowie in Aner­ken­nung der erfolg­reich erbrach­ten Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung von Spät­aus­sied­le­rin­nen und Spät­aus­sied­lern in Nie­der­sach­sen”, wie auf der Urkun­de zu lesen ist, die der Minis­ter der Vor­sit­zen­den der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen, Lil­li Bisch­off, aus­hän­dig­te.

 

Es ist schon eine Wei­le her, dass sich eine Lan­des­re­gie­rung in die­ser Form mit den Deut­schen aus Russ­land und ihrer Lands­mann­schaft soli­da­ri­siert hat. In den spä­ten 1970er Jah­ren war es das Land Baden-Würt­tem­berg, das die Paten­schaft über die Lands­mann­schaft über­nahm, und in den 1980er Jah­ren folg­te das Land Hes­sen mit der Über­nah­me der Paten­schaft über die Wol­ga­deut­schen. Umso bemer­kens­wer­ter ist die Über­nah­me der Schirm­herr­schaft durch Uwe Schü­ne­mann, der damit ins­be­son­de­re die Inte­gra­ti­ons­be­mü­hun­gen der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen mit Lil­li Bisch­off an der Spit­ze wür­dig­te.

Nach der Begrü­ßung durch Klaus Enge­mann vom Nie­der­säch­si­schen Minis­te­ri­um für Inne­res und Sport ging Uwe Schü­ne­mann in sei­ner Fest­an­spra­che auf Merk­ma­le die­ses ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments ein, ohne das die Inte­gra­ti­ons­ar­beit vor Ort nicht gelin­gen kön­ne.

Die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land ste­he, so der Minis­ter, für die­se Arbeit und bil­de ihr Fun­da­ment. Als über­kon­fes­sio­nel­le und über­par­tei­li­che Inter­es­sen­ver­tre­tung bera­te und betreue sie ihre Lands­leu­te in allen Fra­gen der Auf­nah­me und Ein­glie­de­rung in die bun­des­deut­sche Gesell­schaft. Wört­li­ch füg­te er hin­zu: “Von der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen weiß ich, dass Sie die­se Auf­ga­ben tat­kräf­tig, enga­giert und erfolg­reich wahr­nimmt. Dafür dan­ke ich Ihnen per­sön­li­ch und namens der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung!”

Die Grup­pe der Aus­sied­ler bil­det laut Schü­ne­mann mit 400.000 bis 500.000 Men­schen die größ­te Zuwan­de­rungs­grup­pe in Nie­der­sach­sen. Vie­le von ihnen sei­en in der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land enga­giert, und noch mehr Men­schen fühl­ten ihre Belan­ge von der Lands­mann­schaft gut ver­tre­ten.

Als bei­spiel­haft für das Wir­ken der Lands­mann­schaft und ihrer Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen erwähn­te der Minis­ter die Akti­on „Rechts­au­ßen? Nein dan­ke!“. Damit habe die Lands­mann­schaft zum Aus­druck gebracht, dass sie sich unmiss­ver­ständ­li­ch von extre­mis­ti­schen Bestre­bun­gen dis­tan­zie­re und sich für ein gedeih­li­ches Mit­ein­an­der, für Frei­heit, Demo­kra­tie und Völ­ker­ver­stän­di­gung in Euro­pa enga­gie­re. “Die­ses Enga­ge­ment ist”, so Schü­ne­mann, “in der heu­ti­gen Zeit beson­ders wich­tig. Denn unser Staat ist immer wie­der Anfein­dun­gen von Rechts- und von Links­ex­tre­mis­ten aus­ge­setzt, die Hass ver­brei­ten und unse­re Gesell­schaft spal­ten wol­len. Gera­de die Volks­grup­pe der Deut­schen aus Russ­land hat selbst auf das Schmerz­haf­tes­te erfah­ren müs­sen, was es bedeu­tet, unter einer extre­mis­ti­schen Will­kür­herr­schaft zu leben. Inso­fern sind Sie enge und wert­vol­le Ver­bün­de­te, wenn es dar­um geht, unser demo­kra­ti­sches Gemein­we­sen gegen die Fein­de der Frei­heit zu ver­tei­di­gen.”

 

Abschied, Ankunft, Neu­be­ginn”

 

Die­ser Drei­klang der Begrif­fe, der auch für die neue­re Geschich­te der Deut­schen aus Russ­land ste­hen könn­te, wur­de als Unter­ti­tel des “Muse­ums­pro­jek­tes” im Grenz­durch­gangs­la­ger Fried­land (Nie­der­sach­sen) gewählt. Damit wer­de, wie der Minis­ter in sei­ner Anspra­che wei­ter aus­führ­te, unter­stri­chen, dass Fried­land auch für vie­le Spät­aus­sied­ler als Wen­de­punkt in ihrem Leben steht. In dem beab­sich­tig­ten Muse­um sol­len die Schick­sa­le der geflo­he­nen und ver­trie­be­nen Men­schen, ins­be­son­de­re aber auch die Schick­sa­le der Aus­sied­ler und Spät­aus­sied­ler im zeit­ge­schicht­li­chen Kon­text ver­mit­telt wer­den.

Bereits in die­sem Jahr wer­de begon­nen, das beab­sich­tig­te Muse­um in den Köp­fen und Her­zen der Men­schen in Nie­der­sach­sen zu ver­an­kern. In der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2012 wür­den die so genann­ten Fried­län­der Gesprä­che star­ten, ein wis­sen­schaft­li­ches Sym­po­si­um, das den Auf­bau des Muse­ums flan­kie­re und von nun an jähr­li­ch durch­ge­führt wer­den sol­le. The­men­schwer­punkt des Auf­takt­sym­po­si­ums wer­de die „Geschich­te der Ein­glie­de­rung der Aus- und Spät­aus­sied­ler in der Bun­des­re­pu­blik“ sein.

Abschlie­ßend wand­te sich Uwe Schü­ne­mann an die zahl­rei­chen Gäs­te der Fei­er­stun­de mit den Wor­t­en: “Ihre Volks­grup­pe hat in den letz­ten Jahr­hun­der­ten einen lan­gen, einen wech­sel­haf­ten, einen beein­dru­cken­den Weg mit vie­len Höhen, aber auch mit Tie­fen beschrit­ten. Der letz­te und aktu­el­le Teil des Weges liegt in Nie­der­sach­sen. Ich mei­ne, dass der ganz über­wie­gen­de Teil der hier leben­den Deut­schen aus Russ­land in Nie­der­sach­sen ange­kom­men ist und unse­ren All­tag berei­chert.

Sie sind trotz des erlit­te­nen Unrechts nicht ver­bit­tert in der Ver­gan­gen­heit ste­hen geblie­ben, son­dern gestal­ten unver­zagt, tat­kräf­tig und opti­mis­ti­sch die Zukunft unse­res Gemein­we­sens mit. Das ver­dient größ­te Aner­ken­nung! Die heu­ti­ge Über­nah­me der Schirm­herr­schaft ist für mich Ehre und Ver­pflich­tung zugleich. Füh­len Sie sich in Nie­der­sach­sen will­kom­men und zu Hau­se!”

 

In Nie­der­sa­chen wirk­li­ch zu Hau­se

 

Lil­li Bisch­off knüpf­te in ihrer Dank­sa­gung an die­se Worte des Minis­ters an und beton­te, in Nie­der­sach­sen wie so vie­le ihrer Lands­leu­te ein wirk­li­ches Zuhau­se gefun­den zu haben. Mit leb­haf­tem Bei­fall bedacht, füg­te sie hin­zu: “Man könn­te mir eine Mil­lion geben — ich wür­de nir­gend­wo anders hin­ge­hen!”

Der Bun­des­vor­sit­zen­de der Lands­mann­schaft, Adolf Fet­sch, ver­band sein Gruß­wort mit einem Dank an sei­ne Bun­des­vor­stands­kol­le­gin Lil­li Bisch­off, die als Lan­des­vor­sit­zen­de mit ihrer enga­gier­ten Mann­schaft dafür gesorgt habe, dass Nie­der­sach­sen die Num­mer 1 der Lands­mann­schaft im Nor­den Deutsch­lands geblie­ben ist. Sein Dank gel­te allen, die zu die­sem Erfolg bei­ge­tra­gen hät­ten – im Lan­des­vor­stand eben­so wie in den Vor­stän­den der Orts- und Kreis­grup­pen. “Ohne Ihren Ein­satz wären alle unse­re Bemü­hun­gen auf Bun­des­ebe­ne von vor­ne­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt.”

Stell­ver­tre­tend für so vie­le ande­re nann­te Fet­sch den lang­jäh­ri­gen nie­der­säch­si­schen Lan­des­vor­sit­zen­den Wen­de­lin Jundt, der die Lan­des­grup­pe nach oben geführt und sich auf Bun­des­ebe­ne einen Namen als füh­ren­der Sozi­al­ex­per­te der Lands­mann­schaft gemacht habe.

Nach den guten Erfah­run­gen der letz­ten Jah­re wer­de man auch 2012 die zen­tra­le Gedenk­fei­er der Lands­mann­schaft unter Feder­füh­rung der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen in Fried­land durch­füh­ren, und man sei zuver­sicht­li­ch, dort am 1. Sep­tem­ber den Nie­der­säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten David MacAl­lis­ter als Fest­red­ner begrü­ßen zu dür­fen.

In einem wei­te­ren Gruß­wort beton­te der Beauf­trag­te der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung für Hei­mat­ver­trie­be­ne und Spät­aus­sied­ler, Rudolf Götz MdL, die beson­de­re Ver­ant­wor­tung für die schwer geprüf­te Volks­grup­pe der Deut­schen aus Russ­land, die auch in der Über­nah­me der Schirm­herr­schaft zum Aus­druck kom­me.

Mit unge­zwun­ge­nen Gesprä­chen beim anschlie­ßen­den Emp­fang ging die Fei­er­stun­de, die von dem Duo Emi­liya Mal­ki­na (Cel­lo) und Roman Gin­des (Gitar­re) musi­ka­li­sch gestal­tet wur­de, zu Ende.

            VadW

 

 

Lil­li Bisch­off im Amt bestä­tigt

Lan­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung Nie­der­sa­chen in Han­no­ver

 

Gut 30 Akti­ve betei­lig­ten sich an der Dele­gier­ten­ver­samm­lung der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen der Lands­mann­schaft, die am 11. Febru­ar 2012 im Frei­zeit­heim Stö­cken in Han­no­ver durch­ge­führt wur­de.

 

Die amtie­ren­de Lan­des­vor­sit­zen­de Lil­li Bisch­off konn­te unter den Teil­neh­mern auch den Bun­des­vor­sit­zen­den der Lands­mann­schaft, Adolf Fet­sch, und den Ehren­vor­sit­zen­den der Lan­des­grup­pe, Wen­de­lin Jundt, begrü­ßen.

In ihrem Bericht ver­wies sie auf eine arbeits­rei­che, aber auch erfolg­rei­che Amts­pe­ri­ode von Febru­ar 2009 bis Febru­ar 2012. Neben der all­täg­li­chen ehren­amt­li­chen Arbeit erwähn­te sie beson­ders die Fei­er zum 60. Jah­res­tag der Grün­dung der Lands­mann­schaft im Okto­ber 2010 in Han­no­ver mit zahl­rei­chen pro­mi­nen­ten Gäs­ten und einem attrak­ti­ven Kul­tur­pro­gramm, das Sport- und Kul­tur­fest im ver­gan­ge­nen Jahr in Fried­land und natür­li­ch die zen­tra­len Gedenk­fei­ern der Lands­mann­schaft, die seit meh­re­ren Jah­ren unter Feder­füh­rung der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen eben­falls in Fried­land durch­ge­führt wer­den.

Des Wei­te­ren erwähn­te Lil­li Bisch­off die Part­ner­schaft der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen mit dem Kul­tur­zen­trum der Deut­schen in Tju­men, die Bemü­hun­gen der Mit­strei­ter in Nie­der­sach­sen um die Zusam­men­füh­rung von getrenn­ten Fami­li­en und die gute Zusam­men­ar­beit mit der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung, die in den letz­ten drei Jah­ren wei­ter ver­tieft und inten­si­viert wor­den ist.

Adolf Fet­sch drück­te in sei­nem Gruß­wort sei­ne Hoch­ach­tung und Aner­ken­nung der vor­bild­li­chen lands­mann­schaft­li­chen Arbeit aus, die in Nie­der­sach­sen geleis­tet wer­de. Sein Dank galt allen Mit­ar­bei­tern – denen im Lan­des­vor­stand eben­so wie den­je­ni­gen in den Vor­stän­den der Orts- und Kreis­grup­pen. Ohne die­sen Ein­satz wären, so Fet­sch, alle Bemü­hun­gen der Lands­mann­schaft auf Bun­des­ebe­ne von vor­ne­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt.

Nach den guten Erfah­run­gen der letz­ten Jah­re wer­de man auch 2012 die zen­tra­le Gedenk­fei­er in Fried­land durch­füh­ren. Mit eini­ger Sicher­heit kön­ne man heu­te schon sagen, dass sich an der Ver­an­stal­tung am 1. Sep­tem­ber auch der Nie­der­säch­si­sche Minis­ter­prä­si­dent David MacAl­lis­ter betei­li­gen wird.

Bei den anschlie­ßen­den Neu­wah­len des Lan­des­vor­stan­des wur­de Lil­li Bisch­off in ihrem Amt als 1. Vor­sit­zen­de bestä­tigt. Als Vor­stands­mit­glie­der wur­den gewählt: Hele­ne Moser (Nien­burg), Svet­la­na Judin (Han­no­ver), Andre­as Mau­rer (Osna­brück), Mari­an­na Neu­mann (Han­no­ver), Alex­an­der Rudi (Wolfs­burg) und Anna Welz (Han­no­ver).

Abschlie­ßend wur­den in einer Dis­kus­si­ons­run­de die Lage der Lan­des­grup­pe Nie­der­sach­sen und die Pla­nung für die nächs­ten drei Jah­re bespro­chen.

            Svet­la­na Judin / VadW