Gelsenkirchen

Dr. Alexander Morasch – Vorsitzender

Am Stäfflingshof 13, 45889 Gelsenkirchen

Tel.: 0209 – 490635, E – Mail: morasch@gelsennet.de

 

Gedenken bewegt

zum Nachdenken und Wirken

Gedenknachmittag der Landsmannschaft in Gelsenkirchen

 

Das Geräusch des fließendes Wassers im Foyer der Evangelischen Gesamtschule Bismarck in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) erinnerte an den Regen draußen, der aber keine Auswirkung auf das Programm des Gedenkfestes „Gegen das Vergessen“ hatte.

 

Wie die Organisatoren von der Ortsgruppe Gelsenkirchen gerieten auch die zahlreich erschienenen Gäste in dem hellen, mit Glas überdachten Raum direkt in die Welt der russlanddeutschen Geschichte.

Den Tafeln der landsmannschaftlichen Wanderausstellung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ folgten das Zeitzeugenprojekt von Alexander Kühl (Neuss) und die Präsentation der Bilderchronik des Malers Günther Hummel.

Ob es nun die russlanddeutschen Zeitzeugen selbst waren oder die Gelsenkirchener Bürgermeisterin Gabriele Preuß, der Beauftragte der CDU für Vertriebene und Spätaussiedler in NRW, Bodo Löttgen, oder die Staatssekretärin für Integration beim NRW-Ministerium für Arbeit, Integ­ration und Soziales, Zülfiye Kaykin (SPD) – ihnen allen begegnete eine Welt der lebendigen Geschichte. Das Gedenken ist kein Ereignis des Erstarrens. Wie fließendes Wasser bewegt es vielmehr zum Nachdenken und Wirken.

Der Festakt wurde mit einem Grußwort des Organisators und Gastgebers Dr. Alexander Morasch eröffnet. Der Vorsitzende der Landesgruppe NRW der Landsmannschaft betonte, das die Kreisgruppe Gelsenkirchen ca. 11.000 in Gelsenkirchen und Umgebung lebende Deutsche aus Russland vertritt und auf der kommunalen und Landesebene als zuverlässiger Partner der Landesregierung bei der Integration von Spätaussiedlern bekannt ist. „Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gedenkt mit einer Reihe von Veranstaltungen des 70. Jahrestages der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion. Es soll ein Zeichen gegen das kollektive Vergessen gesetzt werden. Denn es ist zwar wichtig, dass wir nach vorne schauen, aber die Vergangenheit soll ebenfalls nicht vergessen werden. Uns ist es wichtig, mit dieser Veranstaltung zur Völkerverständigung beizutragen“, so Dr. Morasch.

Auf die Grußworte der Ehrengäste folgte ein Ökumenischer Gottesdienst, gemeinsam zelebriert von Pfarrer Edgar L. Born (Aussiedlerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen) und Dr. Alexander Hoffmann (Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die katholischen Gläubigen aus der GUS) und musikalisch gestaltet von Ludmila Schmidt. Alle Teilnehmer sangen gemeinsam die “Hymne der Deutschen aus Russland”, “Großer Gott, wir loben Dich”.

Die Pause nutzten die meisten Gäste zur Besichtigung der Ausstellungen sowie der Info- und Bücherstände. Danach präsentierte das Russlanddeutsche Theater Niederstetten (Maria und Peter Warkentin) das Theaterstück „Der weite Weg zurück“ – eine Inszenierung zur Geschichte der Auswanderung, des Lebens und Leidens in Russlands Weiten und des Zurückkommens in die historische Heimat. Sie ernteten reichlich Applaus, ebenso die Chöre „Heimatmelodie“ (Dortmund, Leitung: Boris Kufenstein und Taisia Fischer) und „Raduga“ (Bochum, Leitung: Rosa Seifert), das Duo Elena Nuss (Gelsenkirchen), eine Frauengruppe aus Dorsten sowie das Duo Katharina Daubert und Flora Knauer.

Die Gedenkveranstaltung in Gelsenkirchen war eine von zwölf, die in NRW geplant sind. „Mit dieser Veranstaltungsreihe möchte die Landsmannschaft”, so Dr. Morasch, “die russische Regierung an die ausstehende Rehabilitation der Deutschen aus Russland erinnern und die Politik dazu bewegen, dieses Kapitel der Geschichte in Ehren abzuschließen.”

Dies sei auch deshalb wichtig, „weil die Integration der Deutschen aus Russland an einen Punkt angekommen ist, an dem sie sich als Vermittler zwischen Deutschland und Russland sehen und in dieser Funktion bereits tätig geworden sind”.

Das Gedenkfest wurde von vielen ehrenamtlichen Helfern vorbereitet und durchgeführt. Ein besonderer Dank gilt den Jugendlichen Irina Seib, Kirill Benzel, Emil Nuss und Daniel Benzler, die zusammen mit Elena Nuss den Ablauf des Gedenkfestes vorbereitet und schließlich moderiert haben.

Josef Schleicher