Siegen-Wittgenstein

Rudolf Schauf­ler — Vor­sit­zen­der

Dan­zi­ger Str. 24, 57250 Net­phen

Tel.: 02738 — 6908081, E — Mail: rudolf.schaufler-2@t-online.de

 

Bei einem Rund­gang durch die Zen­tra­le der Poli­zei­be­hör­de in Sie­gen-Wei­den­au stell­te sich kürz­li­ch die Poli­zei in Sie­gen-Witt­gen­stein einer Grup­pe von Mit­glie­dern der Orts­grup­pe Sie­gen-Witt­gen­stein der Land­mann­schaft und von CDU-Mit­glie­dern aus der Frak­ti­on und dem Stadt­ver­band Net­phen vor.

Orga­ni­siert hat­te die Ver­an­stal­tung Rudolf Schauf­ler, Vor­sit­zen­der der Orts­grup­pe Sie­gen-Witt­gen­stein und CDU-Rats­mit­glied in Net­phen, gemein­sam mit Uwe Wein­hold, Poli­zei­ober­kom­mis­s­ar und stell­ver­tre­ten­der Pres­se­spre­cher der Poli­zei Sie­gen-Witt­gen­stein.

Nach dem Bli­ck auf einen Teil des Fahr­zeug­parks wur­den die Arrest­zel­len ange­schaut. Die Ernüch­te­rung hin­sicht­li­ch der kar­gen Ein­rich­tung war deut­li­ch spür­bar. Nie­mand wür­de sich hier zum Ver­blei­ben – auch nur für kur­ze Zeit – ein­ge­la­den füh­ren. Wei­ter ging es mit der Besich­ti­gung der Schalt- und Ein­satz­zen­tra­le.

Höhe­punkt war sicher­li­ch der Besu­ch des „Schieß­ki­nos“, der täg­li­chen Trai­nings­stät­te für die akti­ve Poli­zei. Es wird jedoch nicht nur der siche­re Umgang mit der Waf­fe im Not­fall trai­niert, viel wich­ti­ger ist die Schu­lung in der Nicht­nut­zung von Schuss­waf­fen im Zuge der Dees­ka­la­ti­on bei gefähr­li­chen Situa­tio­nen.

In Uwe Wein­hold hat­ten die Mit­glie­der der Orts­grup­pe Sie­gen-Witt­gen­stein einen Ansprech­part­ner, der den Deut­schen aus Russ­land gegen­über nicht nur posi­tiv ein­ge­stellt ist, son­dern auch bes­tens über sie Bescheid weiß.

Die Teil­neh­mer der Besich­ti­gung konn­ten an ihn auch Fra­gen bezüg­li­ch der Inte­gra­ti­on der Deut­schen aus Russ­land stel­len und beka­men Ant­wor­ten, die den einen oder ande­ren ein wenig über­rasch­ten. So etwa sei­ne Aus­sa­ge, dass laut Sta­tis­tik die Kri­mi­na­li­tät der Aus­sied­ler im Kreis Sie­gen-Witt­gen­stein unter dem Durch­schnitt lie­ge und es zur­zeit kei­ne spe­zi­fi­schen Pro­ble­me mit jun­gen Deut­schen aus Russ­land gebe.

Uwe Wein­hold, der auch Ein­stel­lungs­be­ra­ter der Poli­zei ist, teil­te wei­ter mit, dass er es inzwi­schen mit eini­gen jun­gen Deut­schen aus Russ­land zu tun gehabt habe, die sehr geeig­net für den Ein­tritt in den Poli­zei­dienst sei­en.

Ins­ge­samt trug die Besich­ti­gung dazu bei, Vor­ur­tei­le gegen­über zuge­wan­der­ten Lands­leu­ten und auch gegen­über der Poli­zei abzu­bau­en.

Nach Berich­ten von Hart­mut Cremer (CDU Net­phen), Rudolf Schauf­ler und

Olga Schlei­er­ma­cher, Vor­stands­mit­glied der Orts­grup­pe Sie­gen-Witt­gen­stein

 

Seit eini­gen Jah­ren mischt die Folk­lo­re­grup­pe „RadOst“ (zu Deut­sch „Freu­de“) kräf­tig in der Kul­tur­land­schaft von Sie­gen und Umge­bung mit.

Die Grup­pe aus vier Sän­gern unter der Lei­tung von Svet­la­na Ochs ist bereits mehr­mals bei öffent­li­chen Ver­an­stal­tun­gen auf­ge­tre­ten. Mit ihrem abwechs­lungs­rei­chen Reper­toire begeis­tern sie das Publi­kum immer wie­der.

Bemer­kens­wert sind die Stim­men der Künst­ler der Gesangs­grup­pe. Der sam­ti­ge Ten­or von Micha­el Zak­ha­rov ver­leiht Lie­dern wie „In einem küh­len Grun­de“ ein beson­de­res Flair. Ergrei­fend klin­gen die rus­si­schen Lie­der in sei­ner Inter­pre­ta­ti­on und las­sen die Her­zen des Publi­kums mit­schwin­gen, auch wenn sie die Spra­che nicht ver­ste­hen.

Ihren Mez­zo­so­pran setzt Soja Fuhr-Busch­me­lev viel­sei­tig ein, etwa beim welt­be­rühm­ten “Ave Maria”, beglei­tet von  der Pia­nis­tin Nina Kur­ban­ly, die Musik an der Hoch­schu­le in Baku stu­diert hat.

Einen Gegen­pol zu den Opern­klän­gen bil­det der keh­li­ge Gesang von Valen­ti­na Kramer, den nur die­je­ni­gen beherr­schen, die mit ihren Müt­tern und älte­ren Geschwis­tern schon früh auf die­se Art gesun­gen haben.

Svet­la­na Ochs besitzt eine tie­fe Alt-Stim­me, die kräf­tig und gefühls­be­tont klingt – sie geht in ihren Lie­dern auf.

Die Grup­pe hat meh­re­re Lie­der in ihrem Reper­toire, die von Svet­la­na Ochs ver­fasst und kom­po­niert wur­den, dar­un­ter „Leben in Sie­gen“, „Lapis­la­zu­li-Ring“ im Folk­lorestil und ande­re. Zur­zeit arbei­tet sie an einer CD mit eige­nen Kom­po­si­tio­nen; inzwi­schen sind es 46 Lie­der in Deut­sch und Rus­si­sch.

Als beein­dru­cken­der Mode­ra­tor tritt immer wie­der Micha­el Ochs auf. Ein beson­de­res Lob haben auch die Büh­nen­kos­tü­me der Sän­ger ver­dient.  Zum Teil selbst genäht, zum Teil aus Mos­kau ein­ge­flo­gen, far­ben­froh und abwechs­lungs­reich, unter­stütz­ten sie die Show auf beson­de­re Art.

            VadW

 

Sie­gen: Die Musik hat uns ver­bun­den

 

In der neu­en Hei­mat Deutsch­land bemü­hen sich vie­le Aus­sied­ler, schnell Gleich­ge­sinn­te oder Lands­leu­te mit ähn­li­chen Inter­es­sen zu fin­den, weil es ihnen schwer fällt, sich an die frem­de Umge­bung anzu­pas­sen, auch wenn das Land sie gast­freund­li­ch auf­nimmt.

 

Der Staat unter­nimmt eini­ges, damit unse­re Inte­gra­ti­on mög­lichst rasch gelingt. Dazu gehö­ren u.a. Sprach­kur­se, Inte­gra­ti­ons­pro­gram­me, Mög­lich­kei­ten zur Aner­ken­nung mit­ge­brach­ter Bil­dungs­nach­wei­se, beruf­li­che Wei­ter­bil­dungs­maß­nah­men oder Hil­fen bei der Job­su­che.

Aber auch die geis­ti­gen und kul­tu­rel­len Kon­tak­te mit Men­schen, die glei­che Inte­ressen und Hob­bys haben, spie­len eine sehr wich­ti­ge Rol­le. Wir leben im Sie­ger­land; etwa 10.000 der 105.000 Bewoh­ner von Sie­gen sind Zuwan­de­rer aus den Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­uni­on. Die meis­ten haben sich gut ein­ge­lebt, stu­die­ren, arbei­ten und zie­hen Kin­der groß.

Vie­le sind als Groß­fa­mi­li­en ein­ge­wan­dert, in denen es Ver­flech­tun­gen meh­re­rer Kul­tu­ren und Tra­di­tio­nen gibt. Dazu gehört die sehr musi­ka­li­sche und gebil­de­te Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­fa­mi­lie Fries/Ponomarjow/Hartstein. In die­ser weit ver­zweig­ten Fami­lie betä­ti­gen sich alle musi­ka­li­sch: die Eltern, die bereits um die 90 sind, die Toch­ter Lydia Pono­mar­jow als Sän­ge­rin, der Sohn David Fries als Vir­tuo­se auf dem Bajan, sei­ne Ehe­frau Olga eben­falls als Sän­ge­rin. Lydia und Wla­di­mir Hart­stein sin­gen für ihr Leben gern. Dazu gesell­ten sich mit der Zeit die lei­den­schaft­li­chen Sän­ge­rin­nen Ljud­mi­la Mamyschew und Rais­sa Kaer­le­ber.

Um die­se Men­schen, für die Musik und Gesang einen wich­ti­gen Platz in ihrem Leben ein­neh­men, bil­de­te sich ein Kreis von Musik- und Gesangs­freun­den. Es wur­den deut­sche, rus­si­sche, ukrai­ni­sche, kir­gi­si­sche und jüdi­sche Lie­der gesun­gen, bei Fami­li­en­fes­ten, aber auch in Alten­hei­men, bei Kir­chen- und Stadt­fes­ten sowie ande­ren Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen.

Auch Freund­schaf­ten zwi­schen den Fami­li­en sind mit der Zeit ent­stan­den. Außer der gemein­sa­men Musiklei­den­schaft pflegt man auch ande­re Inter­es­sen und Hob­bys; im klei­ne­ren oder grö­ße­ren Kreis wird über Bücher, Poli­tik, Fil­me und Kul­tur­fra­gen dis­ku­tiert. Alle haben noch in der alten Hei­mat eine gute Aus­bil­dung genos­sen, haben Talent und viel­fäl­ti­ge Inter­es­sen, und sie wol­len die­sen Schatz auch hier nicht ver­lie­ren. Sie wol­len sich am gesell­schaft­li­chen Leben der Bun­des­re­pu­blik betei­li­gen und an ihrer Kul­tur teil­ha­ben und sie berei­chern.

Eine Zeit­lang ver­sam­mel­te man sich zum Sin­gen, Musi­zie­ren oder Dis­ku­tie­ren abwech­selnd in den Woh­nun­gen und Eigen­hei­men der Mit­glie­der des Freun­des­krei­ses. In der jüngs­ten Weih­nachts- und Sil­ves­ter­zeit woll­te man über den engen Kreis hin­aus auf sich auf­merk­sam machen, und so kam es zu einer Fest­ver­an­stal­tung im Gemein­de­haus der evang.-lutherischen Kir­che, dem Zin­zen­dorf­haus.

Die Ehe­paa­re Rais­sa und Vale­ri Kaer­le­ber, Ljud­mi­la und Shany­bek Mamyschew sowie Nata­lie und Edu­ard Koch tüf­tel­ten an einem Sze­na­rio und dach­ten sich sämt­li­che Über­ra­schun­gen aus. Es wur­den Kos­tü­me für die Fest­auf­füh­rung genäht, es wur­de nach der pas­sen­den Musik gesucht und ein fest­li­ches Menü kre­iert. David Fries übte neue Musik­stü­cke und Lie­der ein. Er ist seit Jah­ren Mit­glied der Kreis­grup­pe Sie­gen-Witt­gen­stein der Lands­mann­schaft und gestal­tet zahl­rei­che kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen mit.

Am 8. Janu­ar 2011 ver­sam­mel­ten sich mehr als 30 Per­so­nen zu einem Fest­abend im Zin­zen­dorf­haus. Im Mit­tel­punkt der Ver­an­stal­tung stan­den deut­sche und rus­si­sche Weih­nachts- und Sil­ves­ter­tra­di­tio­nen — mit Lie­dern, Mär­chen, Geschen­ken, Tän­zen und ima­gi­nä­ren Rei­sen.

Bei der Vor­be­rei­tung der inter­na­tio­na­len kuli­na­ri­schen Lecker­bis­sen waren der Phan­ta­sie der Köchin­nen kei­ne Gren­zen gesetzt. Die Kreis­grup­pe Sie­gen-Witt­gen­stein, deren Vor­sit­zen­der Rudolf Schauf­ler anwe­send war, unter­stütz­te die Ver­an­stal­tung finan­zi­ell.

Das Fest begann mit Lie­dern und Gedich­ten zu Weih­nach­ten, dar­auf folg­te das Neu­jahrs­pro­gramm. Und das ist ohne Ded Moros, Sne­gu­rot­sch­ka und einen fest­li­ch geschmück­ten Tan­nen­baum unvor­stell­bar! Alle freu­ten sich über die Geschen­ke und voll­führ­ten nach mit­ge­brach­ter Tra­di­ti­on einen Rei­gen­tanz um den Tan­nen­baum.

Selbst­ver­ständ­li­ch erin­ner­ten sich die Gäs­te, woher sie gekom­men sind: Erin­ne­run­gen aus der Zeit in Mos­kau, Nowo­si­birsk, Bisch­kek, Lenin­grad, Alma­lyk, Omsk oder Duschan­be mach­ten die Run­de. Und wie­der wur­de gesun­gen und getanzt, wobei David Fries unun­ter­bro­chen spiel­te.

Der Abend ver­ging wie im Flu­ge. Beim Abschied wur­de ver­ein­bart, auch in Zukunft Fes­te gemein­sam zu fei­ern und ande­re ein­zu­la­den. Trotz der Schmer­zen in den Bei­nen und bei David Fries in den Armen war die Stim­mung glän­zend gewe­sen. Beson­ders groß aber war der Wunsch, ein­an­der nicht zu ver­lie­ren.

Nata­lie Koch, Sie­gen