Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold

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Sammeln, bewahren, präsentieren“ – Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold

„Der Geschichte eine Heimat geben – Integration über Identität gestalten“ unter diesem Motto bemüht sich das „Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte“ Detmold, die kulturellen und geschichtlichen Erfahrungen der russlanddeutschen Zuwanderer in Deutschland zu dokumentieren und weiter zu vermitteln. Es ist es nicht nur in NRW, sondern auch bundesweit das einzige russlanddeutsche Museum. Seit 2002 wird das Projekt vom „Museumsverein für russlanddeutsche Kultur und Volkskunde e.V.“ getragen. Aber auch der Christliche Schulförderverein Lippe e.V., der bisherige Förderer, unterstützt nach wie vor die Museumsaktivitäten.

„Die Russlanddeutschen haben sehr wohl ein eigenes Museum verdient. In der Sowjetunion konnten wir nichts über unsere Geschichte erfahren. Viele haben erst in Deutschland begonnen, sich mit der eigenen Familiengeschichte oder die der Volksgruppe auseinanderzusetzen. Dieser wiedergewonnene Erinnerungsschatz soll nicht nur vor dem Vergessen bewahrt werden, sondern sich auch ins kollektive Bewusstsein der jüngeren Generationen der Russlanddeutschen und der einheimischen Nachbarn einprägen, um so Teil der heutigen Gesamtkultur in Deutschland zu werden“, beschreibt die Museumsleiterin Dr. Katharina Neufeld den Sinn der Museumsinitiative.


„Sammeln, bewahren, präsentieren“ – Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold

„Der Geschichte eine Heimat geben – Integration über Identität gestalten“ unter diesem Motto bemüht sich das „Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte“ Detmold, die kulturellen und geschichtlichen Erfahrungen der russlanddeutschen Zuwanderer in Deutschland zu dokumentieren und weiter zu vermitteln. Es ist es nicht nur in NRW, sondern auch bundesweit das einzige russlanddeutsche Museum. Seit 2002 wird das Projekt vom „Museumsverein für russlanddeutsche Kultur und Volkskunde e.V.“ getragen. Aber auch der Christliche Schulförderverein Lippe e.V., der bisherige Förderer, unterstützt nach wie vor die Museumsaktivitäten.

„Die Russlanddeutschen haben sehr wohl ein eigenes Museum verdient. In der Sowjetunion konnten wir nichts über unsere Geschichte erfahren. Viele haben erst in Deutschland begonnen, sich mit der eigenen Familiengeschichte oder die der Volksgruppe auseinanderzusetzen. Dieser wiedergewonnene Erinnerungsschatz soll nicht nur vor dem Vergessen bewahrt werden, sondern sich auch ins kollektive Bewusstsein der jüngeren Generationen der Russlanddeutschen und der einheimischen Nachbarn einprägen, um so Teil der heutigen Gesamtkultur in Deutschland zu werden“, beschreibt die Museumsleiterin Dr. Katharina Neufeld den Sinn der Museumsinitiative.

Geschichte vor dem Vergessen bewahren – Identität finden: Das Museum in Detmold entstand 1996 aus einer Wanderausstellung des Studienrats Otto Hertel (1919-1999), der lange Jahre Vorsitzender der Landsmannschaft in Detmold und in NRW war. Schon als Lehrer eines Detmolder Gymnasiums präsentierte er immer wieder  die Geschichte der Russlanddeutschen in Bild und Wort in vielen Städten Deutschlands. 1988 bekam  er sachliche und schöpferische Unterstützung vom russlanddeutschen Künstler und Bildhauers Jakob Wedel, der ebenfalls aus Kirgisien stammte. Seine Werke sind seitdem ein wesentlicher Bestandteil der Exposition des Museums.

Bei dem Aufbau der privaten christlichen August-Hermann-Francke-Gesamtschule in Detmold (seit 1988), konnte auf ihrem Gelände ein Ausstellungsraum für das geplante Museum eingerichtet werden. Im März 1996 fand die feierliche Eröffnung des „Museums zur Geschichte der Deutschen in/aus Russland“ statt. In den nachfolgenden Jahren hat sich die Initiative immer weiter entwickelt – dank dem unermüdlichen Engagement von Landsleuten, denen nicht nur die Aufarbeitung und Bewahrung der russlanddeutschen Geschichte, sondern auch ein besseres Verständnis zwischen den Aussiedlern und einheimischen Mitbürgern am Herzen liegt.

Im Februar 2002 wurde der „Museumsverein für russlanddeutsche Kultur und Volkskunde e.V.“ gegründet, der den Aufbau und Unterhaltung des Museums übernahm.

Jedes Ausstellungsstück ist eine Geschichte für sich: Aus anfänglich 50 Ausstellungsstücken sind es inzwischen über 1.120 geworden, die in einer Dauerausstellung auf 100 qm Fläche untergebracht sind. Vor allem in den letzten Jahren konnte das Museum zahlreiche Neuzugänge verzeichnen. Allein 2004 sind 154 Gegenstände und 2005 ca. 204 Ausstellungsstücke hinzugekommen. In den Museumsbeständen sind alle Regionen, Konfessionen sowie mehrere Themen der russlanddeutschen Kulturgeschichte vertreten. Diese stehen für Forschung, Ausstellungen, Wanderausstellungen, Katalogen u. a. m. zur Verfügung.

Jedes Ausstellungsstück ist im Museum eine Geschichte für sich. Wie etwa die Wanduhr, die etwa 1887 in der Kröger-Fabrik in Russland gebaut wurde, oder eine Pfanne, die in Preußen hergestellt und von den Besitzern nach Russland mitgenommen wurde. „Bei einem Ausstellungsstück verharren unsere Landsleute etwas länger: Die ‚Fufaika‘ – Wattejacke des Trudarmisten, die als Uniform der Zwangsarbeiter in den Lagern und in der Kolchose bekannt ist. Die ersten ‚Fufajkas‘ bekamen die Deutschen 1943 in Arbeitslagern. Damals wurden sie von den gefallenen Rotarmisten abgenommen und unter Zwangsarbeitern verteilt, weil sie zu diesem Zeitpunkt keine warme Kleidung mehr hatten“, erzählt Katharina Neufeld.

Besonders beachtenswert ist die Sammlung von Kunstwerken. Zu sehen sind Werke von Jakob Wedel (geb. 1931), Johannes Gräfenstein (1923-2004), Heinrich Brocksitter (geb. 1932), Michael Heidt (1909-2003), Ernst Dück (geb.1936), Theodor Herzen (1935-2004). Oft stehen die Besucher mit Tränen in den Augen vor Kunstwerken wie „Der Weg des Leidens“ und „Die letzte Kraft“ von Jakob Wedel, mit denen er an die Verbannung deutscher Frauen in Russland während des Zweiten Weltkrieges erinnert. Die beeindruckende Darstellung „Troika“, die Wedel pünktlich zur Eröffnung des Museums fertiggestellt hat, steht für die grauenhaften Terrorjahre der 30-er, die auch Tausende russlanddeutsche Schicksale ausgelöscht hat. Auch zahlreiche einzelne Werke sind  von Hobbykünstlern und Modellbauern gestiftet worden.

Die Museumsexponate werden durch eine Büchersammlung zur Geschichte der  Russlanddeutschen ergänzt.

Außerdem sind Monographien von deutschen, russischen, amerikanischen, niederländischen Autoren in der Bibliothek gesammelt, die sich mit der gesamten russlanddeutschen Problematik (Geschichte, Bildung, Kultur, Volkskunde, Kirche) befassen. Solche Bücher, wie „Die Kaukasusdeutsche“ – ein Bilderband von 1933, über 40 alte evangelische und katholische Bibeln sowie etwa 40 alte Lehrbücher haben in unserer Bibliothek ihr Zuhause gefunden. Zu den öffentlichen Maßnahmen gehören auch Vorlesungen über die Geschichte der Russlanddeutschen zum Thema „Geschichte der Einwanderung der Deutschen nach Russland und die Gründe der Heimsuchung“, die von Frau Dr. Neufeld in den Gemeinden, Volkshochschulen und auf Tagungen gehalten werden.

Ohne Kooperation geht gar nichts: Die Arbeit des Museums wäre ohne enge Kooperationsarbeit kaum vorstellbar. Deshalb setzen der Vorstand des Vereins und die Leiterin des Museums besonderen Wert einerseits auf russlanddeutsche Vereine, Besucher und Kunden, aber auch auf einheimische Institutionen, die dem Museum helfen können. Das Museum Detmold hat sich schon seit 1999 im Lippischen Museumsland eingebettet. Dazu trägt nicht nur die seit 1999 regelmäßige Teilnahme am „Tag der offenen Museen in Lippe“, jetzt „Lippischer Museumstag“, bei. Für die Fragen des Aufbaus dankt das Museum vor allem dem Museumsamt Münster. Auch der Lippischen Landesmuseum in Detmold steht in schwierigen Fragen als Betreuer bei. Der Museumsverein arbeitet auch mit vielen russlanddeutschen Vereinen zusammen, wie Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V., „Mennonitischer Geschichtsverein“, Deutsch-Russische Gesellschaft in Paderborn und Plautdietsch-Freunde e. V. Durch die Teilnahme in wissenschaftlichen Konferenzen in Russland und der Ukraine sind Kontakte auch mit Museen und Archiven aus den GUS-Staaten entstanden. Aber um mit diesen zu kooperieren sind die Möglichkeiten des Museums zu gering. In den Jahren 1999-2003 war das Museum durch die Touristik-Markenting OWL in Aktionen eingebunden, die gute Gelegenheit für Sonderausstellungen und Werbung anboten. Seit 2002 arbeiteten die Detmolder mit der Museumsinitiative OWL e.V. in einem gemeinsamen Projekt „Mahlzeit“ eng zusammen, das 2004 startete. Für den überregionalen Wirkungsbereich bietet das Museum Wanderausstellungen an, wie „Russlanddeutsche – 200 Jahre unterwegs“, „Familienchronik“ – ein Aussiedlerschicksal, „200 Jahre Molotschna“ – über das Damals und das Heute einer Deutschen Siedlung am Schwarzmeer. Und 2005 konnte das Museum durch die Ausstellungen in Paderborn (Museum im Marstall, Schloß Neuhaus und Stadtmuseum Paderborn) sogar mehr als 23.000 Besucher verzeichnen. Darauf ist Katharina Neufeld besonders stolz: „An diesem Projekt waren über 40 verschiedene russlanddeutsche und einheimische Institutionen beteiligt. Das ist noch ein wesentlicher Beweis für die Integrationsmöglichkeiten und die Integrationsfähigkeit unseres Museums.“

Kontakt:

Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte

Dr. Katharina Neufeld

Georgstraße 24

32756 Detmold

Tel.: 05231 – 92 16 26, -22

Öffnungszeiten: Di. – Fr. 14.00-17.00 Uhr; Sa. – 11.00 – 17.00 Uhr

E-mail: museum-russlanddeutsche@t-online.de

www.russlanddeutsche.de