Olga von der Wolga – 250 Jahre Ansiedlung der Deutschen an der Wolga

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Olga von der WolgaÜberregionale Veranstaltung der Kreis- und Ortsgruppe Regensburg (Bayern) …

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„Kultur ist Spiegel und Identität der Volksgruppe, sie gibt Halt und Orientierung“ – mit diesen Worten sprach Dr. Wolfgang Freytag, Referatsleiter für Vertriebenenpolitik des Bayerischen Sozialministeriums, den Veranstaltern und zahlreich erschienenen Gästen des Kulturveranstaltung „Olga von der Wolga. 250 Jahre Ansiedlung der Deutschen an der Wolga“, darunter viele Vertreter der Politik und Öffentlichkeit, im Festsaal des Kolpinghauses aus dem Herzen. Zum dritten Mal in Folge lud die Kreis- und Ortsgruppe Regensburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (Vorsitzender: Heinrich Kratz) Landsleute und Freunde des Verbandes zu einem überregionalen Kulturfest am 7. November 2014 ein, um die Geschichte und Kultur der Russlanddeutschen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Projekt wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration unterstützt. Die Schirmherrschaft übernahm der Oberbürgermeister der Stadt Regensburg Joachim Wolbergs.

Die Veranstaltung wurde von den Ehrenamtlichen der Landsmannschaft Regensburg mit dem Vorstand an der Spitze in Kooperation mit dem landesweiten Projekt „Ehrenamt fördern – Gemeinschaft stärken“ (Projektleiterin: Olga Knaub) und der Wanderausstellung der Landsmannschaft, die den informativen Rahmen bildete (Projektleiter: Jakob Fischer) vorbereitet und durchgeführt. Künstler aus Nah und Fern gestalteten das Bühnenprogramm mit Elementen einer wolgadeutschen Hochzeit sowie Liedern, Sketchen und Musikdarbietungen mit wolgadeutschem Bezug mit. Jakob Fischer und Andrej Fast moderierten das Kulturfest.

Das Motto der diesjährigen Kulturveranstaltung „Olga von der Wolga. 250 Jahre Ansiedlung der Deutschen an der Wolga“, benannt nach dem gleichnamigen russlanddeutschen Lied (Text: Dominik Hollmann, Musik: Friedrich Dortmann), knüpfte inhaltlich an die zwei vorherigen Kulturfeste der Regensburger Veranstaltungsreihe an: „Von der Bühne in die Herzen“ 2012 und „Der weite Weg zurück – 250 Jahre russlanddeutscher Geschichte“ 2013.

Auch diesmal konnte das vielfältig gestaltete Kulturfest die Zuschauer nicht nur aufklären, sondern auch emotional ansprechen und positive Eindrücke erzeugen. Heinrich Kratz (Kreis- und Ortsgruppe Regensburg) und Ewald Oster (im Namen des Landes- und Bundesvorstandes der Landsmannschaft) begrüßten die Versammelten, namhafte Ehrengäste richteten ihre Grußworte an das zahlreich erschienene Publikum, darunter Dr. Wolfgang Freytag (StMAS), Dr. Astrid Freudenstein (Mitglied des Deutschen Bundetages), Dr. Artur Bechert (stellv. BdV-Landesvorsitzender) sowie Waldemar Eisenbraun (Bundesvorsitzender der Landsmannschaft) und Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der insbesondere die Bemühungen der Landsmannschaft, die Kultur und die Tradition der alten Heimat „zu bewahren und in die neue Heimat mitzunehmen“, herausstellte. „Machen Sie diese Arbeit weiter“, so Wolbergs.

In aufschlussreichen Einblicken in die 250-jährige Geschichte und Gegenwart der der Russlanddeutschen anhand einer Power-Point-Präsentation zeigte Jakob Fischer die Identitätswandlung der Deutschen in ihren Herkunftsgebieten. Die einst aus Schwaben, Hessen und anderen Regionen Deutschlands nach Russland mitgenommene Kultur wurde zunächst über einen längeren Zeitraum in den Siedlungsgebieten der Russlanddeutschen weiter gelebt und nicht selten konserviert. Zunehmend mischten sich unweigerlich die Einflüsse aus dem russischen bzw. ukrainischen Kulturumfeld hinzu. Mit der Verfolgung, Diskriminierung und Zerstreuung der Volksgruppe auf dem riesigen Territorium der Sowjetunion nahm diese Entwicklung spürbar zu.

Und dennoch haben viele Landsleute in ihren Verbannungsgebieten sehr darum bemüht, die deutschen Bräuche, Traditionen und das Liedergut nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Die Bemühungen werden auch in der neuen Heimat fortgesetzt.

Aber auch die Erkenntnis, dass die kulturelle Vielfalt auch bereichernd sein kann, gehört zu der Erfahrung der Russlanddeutschen. Das bewiesen die Künstler auf der Bühne, deren Darbietungen vom Publikum mit großer emotionaler Zuwendung verfolgt wurden. Für gute Stimmung sorgten diesmal insbesondere die Teilnehmer aus Schweinfurt, darunter der Chor „ Harmonie“ (Leitung: Olga Balujev) mit anspruchsvollem Gesang, Emma Lauk mit Schwänken und einer selbstverfassten Humoreske im „wolgadeutschen“ Dialekt sowie Ewald Oswald mit schwungvollen Stücken an der Trompete und Margarita Afanasjew mit Sologesang. Viel Beifall ernteten außerdem die Musiker von der Musikakademie Bad Abbach (Leitung: Viktor Dukart), das Quartett „Stubenmusik“ aus Donaustauf (Leitung: Joseph Kastenmeier) mit Hackbrett, Gitarre und Zitter, das Duo „ Melodie der Seele“ aus Neutraubling mit Waldemar Mosbach und Ida Beck und einfühlsamen Klängen.

Im Rahmen der Projektumsetzung haben die Veranstalter bundesweit nach Frauen mit dem Vornahmen Olga und einem wolgadeutschen Bezug gesucht. Ihre Biografien sollen in die angedachte Broschüre „Olga von der Wolga. 250 Jahre Ansiedlung der Deutschen an der Wolga“ einfließen. Eine davon, Olga Parshnitzky (geb. Stutz) war aus Berlin angereist und konnte aus ihrem Leben erzählen, das sie im Buch „Der Freiheit beraubt“ zusammengefasst hat.

Im Abschlussteil des Kulturfestes unter dem Motto „Zu Gast bei der Wolgadeutsche Hochzeit“ erklärte Jakob Fischer die überlieferten Hochzeitstraditionen der Wolgadeutschen, die durch Lieder und Tänze vorgeführt wurden. Dank dem Engagement der fleißigen Aktiven der Ortsgruppe, allen voran der Vorstand der Kreis- und Ortsgruppe, wurde auch dieses Fest zum Erfolg. Teilnehmer des Bühnenprogramms und Aktive bekamen als Anerkennung eine Urkunde und einen Blumenstrauß überreicht.

Nina Paulsen,  Redaktion „Volk auf dem Weg“