Presseerklärung: 75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen

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EKD

Presseerklärung

75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen
Trauerarbeit mit Russlanddeutschen

Speyer, den 4. August 2016

Wir haben geschwiegen … aus Angst

Am 28. August 1941 erließ der Oberste Sowjet unter Josif Stalin einen Erlass über die Zwangsumsiedlung der Wolgadeutschen. Fast 500 Tausend Menschen – Männer, Frauen und Kinder – wurden in den darauffolgenden Monaten in Güterwaggons aus den westlichen Teilen der Sowjetunion, aus Georgien und Aserbaidschan nach Sibirien und Mittelasien deportiert. Als sogenannte Volksfeinde und vollkommen rechtlos wurden Männer und Frauen zur Zwangsarbeit eingezogen, die Kinder blieben sich selbst überlassen, Viele starben an Krankheiten, Unterernährung und Erschöpfung. „Wir haben geschwiegen wie die Fische“ sagt ein heute 79 jähriger Russlanddeutscher. „Die Angst vor Übergriffen war unser ständiger Begleiter.“

Es gibt keine russlanddeutsche Familie, für die der 28. August 1941 nicht schicksalhaft gewesen wäre. Der Tag markiert den Anfang von politischer Verfolgung, Mord und Denunziation. Die Ereignisse prägten tiefe Traumata in die Familien, unter denen die Nachfahren heute noch leiden, obwohl sie längst in Deutschland leben und die jüngeren unter ihnen hier geboren wurden.

Mehr als 4 Millionen Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion kamen in den letzten Jahrzehnten in die Bundesrepublik. Etwa die Hälfte von ihnen bekennt sich zum evangelischen Glauben. Damit machen sie durchschnittlich 12% der Mitglieder in den Gemeinden der EKD aus und sind die größte Zuwanderergruppe in unserer Kirche.

Trauerarbeit mit Russlanddeutschen ist noch lange nötig, damit aus ihrem mutigen Aufbruch nach Deutschland auch gelingende Lebensläufe und eine gute, aktive Partizipation in Kirche und Gesellschaft wird. Die Kirchengemeinden tragen hier eine große Mitverantwortung.

Die Aussiedlerseelsorge der EKD entwickelt und veröffentlicht Arbeitsmaterialien, Handreichungen und Gottesdienste, um die Kirchengemeinden bei ihrer Arbeit mit Ausgesiedelten zu unterstützen.

Reinhard Schott, Vorsitzender

Unter der folgenden Adressen können Sie Gottesdienst-Vorschläge und Bausteine für Ihren eigenen Gottesdienst herunterladen:

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Leiden von dem keiner spricht. Deportation und Zwangsarbeit der Russlanddeutschen

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Ansprechpartner: Reinhard Schott, Vorsitzender der Konferenz der Aussiedlerseelsorge der EKD, reinhard.schott@diakonie-pfalz.de, 06232 664 101