Pressemitteilung des Landesverbandes Bayern der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. 

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Russlanddeutsche Autoren präsentierten ihre Werke im Schweinfurter Rathaus

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Mit etwa drei Millionen sind die Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion derzeit eine der größten Einwanderungsgruppe in Deutschland. Die überwiegende Mehrheit der Russlanddeutschen (ca. zwei Millionen) ist in den 1990er bis in die 2000er Jahren in das Land ihrer Vorfahren gekommen und viel kreatives Potenzial mitgebracht. Für zahlreiche russlanddeutsche Autoren wurde Schweinfurt am vergangenen Wochenende zum Magnet: Im Schweinfurter Rathaus präsentierten 13 von ihnen bei einer Lesung ihre aktuellen Werke. Die Lesung fand im Rahmen der Kulturtagung unter dem Motto „Feder – Kuli – Tastatur“ statt, veranstaltet vom Landesverband Bayern (Vorsitzender Ewald Oster) der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. und gefördert aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.                   

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Ewald Oster überreichte Ehrenurkunden und Katharinen-Medaillen an verdiente Landsleute.

DSCF0582Im Beisein des Schweinfurter Oberbürgermeisters Sebastian Remele und des Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V., Waldemar Eisenbraun, begeisterten die Autoren das Publikum mit einer Vielfalt an literarischen Genres von Prosa über Lyrik bis zum Schwank im „wolgadeutschem Dialekt“ – einer Mischung aus Mundarten, die Auswanderer aus Oberhessen und Pfalz in das russische Wolgagebiet im 18. Jahrhundert mitgebracht hatten. In seiner Ansprache schlug Sebastian Remele eine Brücke zwischen den Einwanderungswellen in die Bundesrepublik – von Gastarbeitern aus der Türkei und anderen Ländern über Zuwanderung von Aussiedlern/Spätaussiedlern aus Osteuropa (darunter drei Mill. Russlanddeutsche) bis zur heutigen „Völkerwanderung“ aus den Kriegs- und Krisengebieten – und rief die Russlanddeutschen auf, mit ihren positiven Erfahrungen der erfolgreichen Integration den heute Hilfesuchenden zu helfen, in Deutschland Fuß zu fassen. Und er zeigte sich beindruckt von der Lesung: „Obwohl ich bereits viele Veranstaltungen der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland miterlebt habe, bin ich sehr positiv überrascht durch die Vielfalt und Tiefe der gegenwärtigen Literatur der russlanddeutscher Autoren, die bei dieser Lesung präsentiert wurde.“

Die kreative Atmosphäre im historischen Rathaus wurde noch durch die musikalische Umrahmung der Künstler des Schweinfurter Ortsverbandes der Landsmannschaft (Chor „Harmonie“ und Solo Margarita Afanasjew) ergänzt. „Ich bin total beeindruckt, wie kreativ die Autorenszene ist und welche Vielfalt wir darin finden. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass mehr Menschen diese schöne Erfahrung machen. Mit dieser Lesung haben wir einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht“, betonte Albina Baumann (Kitzingen), Vorstandsmitglied des Landesverbandes Bayern.

Im Verlauf der zweitägigen Fachtagung, die von Waldemar Weber (Schriftsteller und Verleger aus Augsburg) und der Autorin Maria Schefner (München) moderiert wurde, diskutierten russlanddeutsche Autoren und Journalisten aus verschiedenen Generationen über die Perspektiven und Entwicklungen der russlanddeutschen Literatur sowie Mittel und Wege, wie die Literaturwerke in Zukunft die breite Öffentlichkeit erreichen sollen.

Die Schwerpunktthemen wurden in der Gruppenarbeit vertieft. Die Nürnberger Journalistin Ella Schindler („Nürnberger Zeitung“) leitete den Workshop für Journalisten unter dem Motto „Tue Gutes und schreibe darüber: Pressemitteilung als Türöffner in die Redaktionen“. Und unter der Leitung von Waldemar Weber und Prof. Dr. Graf von Nayhauss (Pädagogische Hochschule Karlsruhe) erörterten die Autoren die „Neuen Perspektiven der russlanddeutschen Literatur“. „Die hochprofessionellen Vorträge der Referenten sowie die Gruppenworkshops haben mir starke Impulse gegeben und neue Perspektiven gezeigt“, sagte Katharina Martin, junge Autorin und promovierte Sprachwissenschaftlerin aus Eppingen.

Die Tagung bot außerdem die Gelegenheit, besonders engagierte Landsleute für ihren langjährigen Einsatz im Bereich der Förderung der russlanddeutschen Kultur und Literatur auszuzeichnen. Bei der Lesung im Rathaus würdigte der Bundesvorsitzende Waldemar Eisenbraun das „beispielhafte Engagement“ der Publizistin und Redakteurin der Verbandszeitung „Volk auf dem Weg“, Nina Paulsen. Am anderen Tag überreichte der Landesvorsitzende Ewald Oster Ehrenurkunden und Katharinen-Medaillen der Landsmannschaft „250 Jahre russlanddeutscher Geschichte“ an den Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V. (Vorsitzender Artur Böpple), die Verleger Robert Burau und Waldemar Weber, sowie die Leiterin des Projektes „Lesungen russlanddeutscher Autoren in Bayern“, Maria Schefner.