Seminar: „Weihnachten verstehen“

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Eine Reise in die Geschichte der Advents- und Weihnachtssymbole

Der Ingolstädter Chor der „Singenden Herzen“

 

Zu einem Seminar unter dem Motto „Weihnachten verstehen – Reise in die Geschichte der Advents- und Weihnachtssymbole“ lud die Landesgruppe Bayern in Kooperation mit dem Projekt „Ehrenamt fördern – Gemeinschaft stärken“ am 20. und 21. Oktober nach Manching bei Ingolstadt ein.

Über 40 Ehrenamtliche, Kulturreferenten der bayerischen Ortsgruppen sowie Leiter russlanddeutscher Gruppen folgten der Einladung. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Geschichte der Advents- und Weihnachtssymbole, Weihnachtstraditionen der Russlanddeutschen und die Weihnachtszeit in Deutschland.

Vorbereitet und durchgeführt wurde das Seminar von den Ehrenamtlichen der Ortsgruppe Ingolstadt in engster Kooperation mit den Projektleiterinnen Olga Knaub und Helene Sauter. Die Maßnahme wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen über das Haus des Deutschen Ostens (München) gefördert.

Begrüßt wurden die Teilnehmer vom bayerischen Landesvorsitzenden Waldemar Eisenbraun und Olga Knaub, die die Teilnehmer in das Programm der Tagung mit der Musikerin Ida Haag und ihren Helfen von der Ortsgruppe Ingolstadt einführte. Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch, berichtete in seinem Grußwort über die aktuelle Situation der Landsmannschaft und deren künftige Vorhaben, während der Vorsitzende der Ortsgruppe Ingolstadt, Dr. Johannes Hörner, die Aktivitäten seiner Ortsgruppe vorstellte. Deren langjährige Vorsitzende Nelli Dauenhauer wurde für ihr ehrenamtliches Engagement mit der Ehrennadel der Landsmannschaft ausgezeichnet.

 

„Unser Ziel war es, uns als Deutsche zu behaupten…“

 

Die Ortsgruppe Ingolstadt wurde in den 1960er Jahren gegründet und bis Ende der 1980er Jahre von Johann Dobler geleitet. Durch seine Nachfolgerin Nelli Dauenhauer wurde 1995 der Chor „Singende Herzen“ ins Leben gerufen. Seit 1996 leitet Dr. Johannes Hörner die Ortsgruppe. Als erstes wurde der Chor mit allen Kräften unterstützt und zum Aushängeschild der Landsmannschaft in Ingolstadt gemacht. Die Leitung übernahm die Musikerin Ida Haag, die von Anfang an für ein russlanddeutsches bzw. deutsches Repertoire kämpfte. „Man präsentierte sich nicht als russischer, sondern als russlanddeutscher Chor. Heute wissen wir, dass dieser Weg der richtige war“, betonte der Vorsitzende.

„Unser Ziel war es, uns als Deutsche zu behaupten. Wir haben uns nicht dazu hinreißen lassen, mit ‚Kalinka‘ und ‚Matrjoschka‘ identifiziert zu werden. Wir haben klar gestellt, dass bei allem Respekt vor der russischen Kultur sie nicht unsere Kultur war. Das war nicht leicht, aber wir wurden verstanden“ erklärte Hörner.

Höhepunkt dieser Arbeit war die Kommunalwahl 2002. In der Großstadt Ingolstadt wurde mit Dr. Johannes Hörner zum ersten Mal ein Aussiedler in den Stadtrat gewählt. 2008 konnten dieser Erfolg mit der Wiederwahl bestätigt werden.

 

Weihnachten – altes Brauchtum kreativ umsetzen

 

So lautete das Motto der Referentin Ida Haag, die mit viel Geschick und Einfühlungsvermögen Idee und Sinn von Weihnachten als christlichem Fest vermittelte. In Karaganda, Kasachstan, geboren und aufgewachsen, lebt sie seit 1988 in Deutschland und arbeitet seit 20 Jahren an einer Musikschule in Ingolstadt. Unterstützt von Alexander Dopler, Julia Wist und weiteren Helfern von der Ortsgruppe, schlug sie immer wieder eine Brücke von der Gegenwart in Deutschland mit ihrem alten und neuen Weihnachtsbrauchtum in die Zeit ihrer Kindheit und Jugend in Karaganda, als ihre kinderreiche Familie Depperschmidt Weihnachten nur im Untergrund feiern konnte. Erst ab Beginn der 1980er Jahre habe man aufatmen und ein Krippenspiel mit selbst genähten Kostümen aufführen und Weihnachtslieder ohne Angst singen können, so Ida Haag.

Neben besinnlichen Impulsen und geschichtlichen Erklärungen einzelner Weihnachtsbräuche und Symbole bot sie auch praktische Tipps für eine Nikolausfeier für Kinder oder eine Weihnachtsfeier für Erwachsene. Sie wies auch darauf hin, dass die Praxis, deutsches und russisches Brauchtum zu vermischen, kein nachahmenswertes Vorbild sei.

Die Unterschiede zwischen Sankt Nikolaus, dem Weihnachtsmann, Väterchen Frost oder Santa Claus wurden von Ale­xander Hahn aus Nördlingen, einem ehemaligem Schauspieler des Deutschen Theaters Temirtau, nicht nur erklärt, sondern auch anhand von Kostümen gezeigt. Auch über Knecht Ruprecht (deutsches Brauchtum) und Snegurotschka (russisches Brauchtum) wurde gesprochen, und schließlich erschien Julia Wist, unterstützt von Ida Haag und Alexander Dopler, in der Gestalt des Christkindes.

Am zweiten Tag präsentierten die Sänger des Chores „Singende Herzen“ mit Irina Kraft am Klavier eine Auswahl von Weihnachtsliedern, die beim traditionellen Adventssingen in Ingolstadt gesungen werden und von denen einige von Ida Haag mit den Teilnehmern einstudiert wurden.

Und immer wieder kam es zum Austausch von Erfahrungen. So erzählte Juri Heiser, Vorsitzender der Ortsgruppe Augsburg, über die Kinderweihnachtsfeiern in Augsburg, die seit über drei Jahren mit viel Erfolg durchgeführt werden. Für angeregte Gespräche sorgte auch Johannes Hörner jun., der in einer anschaulichen PowerPoint-Präsentation mehrere Generationen seiner Familie von der Auswanderung nach Russland im 20. Jahrhundert bis zur Rückkehr nach Deutschland zeigte.

Die Veranstalter des Seminars danken auch an dieser Stelle vor allem Ida Haag und ihren Helfern für die zahlreichen Anregungen, die vielen Teilnehmern sicher helfen werden, ihre Advents- und Weihnachtsfeiern attraktiver zu gestalten.

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