(Spät-)Aussiedler in Deutschland

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forschungsbericht-020(For­schungs­be­richt 2013, BAMF)

Im Jahr 2013 jährt sich die Ver­ab­schie­dung des Bun­des­ver­trie­be­nen- und Flücht­lings­ge­set­zes (BVFG) zum sech­zigs­ten Mal, die des Kriegs­fol­gen­be­rei­ni­gungs­ge­set­zes (KfbG) zum zwan­zigs­ten Mal. Bei­de Geset­ze sind wesent­li­che Grund­la­gen für die Zuwan­de­rung von (Spät-)Aussiedlern nach Deutsch­land. Aus die­sem Anlass hat der Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten die For­schungs­grup­pe des Bun­des­am­tes beauf­tragt, den nun­mehr vor­lie­gen­den For­schungs­be­richt zu erstel­len.


(Spät-)Aussiedler sind deut­sche Volks­zu­ge­hö­ri­ge aus mit­tel- und ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten, die unter einem Kriegs­fol­gen­schick­sal gelit­ten haben. Bis Ende 1992 zuge­wan­der­te Per­so­nen wer­den als Aus­sied­ler bezeich­net, alle dana­ch Gekom­me­nen als Spät­aus­sied­ler. Waren bis zum Ende des Kal­ten Krie­ges vor allem Polen und Rumä­ni­en bedeu­ten­de Her­kunfts­län­der, wan­dern seit den 1990er Jah­ren ganz über­wie­gend Per­so­nen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on nach Deutsch­land zu.

Licht und Schatten bei der INTEGRATION

Die im For­schungs­be­richt unter­such­ten Berei­che der Inte­gra­ti­on­von (Spät-)Aussiedlern bele­gen vie­le Erfol­ge. So sind (Spät-)Aussiedler im Ver­gleich mit ande­ren Migran­ten­grup­pen zufrie­de­ner mit ihrer Lebens­si­tua­ti­on in Deutsch­land, beur­tei­len das Inte­gra­ti­ons­kli­ma posi­tiv und haben am häu­figs­ten lang­fris­ti­ge Zukunfts­plä­ne. Sie sind auf dem deut­schen Arbeits­markt in hohem Maße aktiv und ihre Erwerbs- bzw. Arbeits­lo­sig­keit ist ver­hält­nis­mä­ßig gering. Als cha­rak­te­ris­ti­sch erweist sich bei der Ana­ly­se sta­tis­ti­scher Daten zur Inte­gra­ti­on, dass (Spät-)Aussiedler eine „Mit­tel­po­si­ti­on“ zwi­schen Per­so­nen ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund­ei­ner­seits und Per­so­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund ande­rer­seits ein­neh­men, so mit Bli­ck auf ihre Ein­kom­mens­si­tua­ti­on und ihre Schul- und Berufs­ab­schlüs­se.

Pro­ble­ma­ti­sch ist die Situa­ti­on jedoch für einen Teil der älte­ren Gene­ra­ti­on der ab den 1990er Jah­ren zuge­wan­der­ten Per­so­nen. Sie konn­ten auf dem deut­schen Arbeits­markt nur begrenzt Fuss fas­sen und haben mit gerin­gen Alters­ein­kom­men zu kämp­fen. Auch die Iden­ti­täts­bil­dung ver­läuft bei jün­ge­ren wie älte­ren (Spät-)Aussiedlern teil­wei­se schwie­rig, wenn sich Erwar­tun­gen bei der Zuwan­de­rung nach Deutsch­land nicht erfül­len.

Ausblick

Seit 2006 ist es zu einer deut­li­chen Abnah­me der Zuwan­de­rung von (Spät-)Aussiedlern und zu einer Beru­hi­gung im Inte­gra­ti­ons­ge­sche­hen gekom­men. Gera­de die „Unauf­fäl­lig­keit“ die­ser Grup­pe spricht auch für ihren Inte­gra­ti­ons­er­folg. Mit einer im Juni 2013 vom Deut­schen Bun­des­tag beschlos­se­nen gesetz­li­chen Ände­rung, die unter ande­rem die Ein­be­zie­hung von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen erleich­tert, wird es mög­li­cher­wei­se in den nächs­ten Jah­ren noch ein­mal zu einem Anstieg der Zuwan­de­rung kom­men. Lang­fris­tig ist jedoch mit einem Aus­lau­fen die­ser Migra­ti­ons­form zu rech­nen, da nur bis Ende 1992 gebo­re­ne Per­so­nen noch als Spät­aus­sied­le­ra­n­er­kannt wer­den kön­nen.

Ver­fas­ser der Stu­die: Susan­ne Worbs, Eva Bund, Dr. Mar­tin Kohls, Dr. Chris­ti­an von Gost­omski

Down­load: For­schungs­be­richt 2013, BAMF