Stellungnahme der Landsmannschaft zu bundesweiten Kundgebungen mit Beteiligung von Deutschen aus Russland

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Aehre_Vektor.jpgStel­lung­nah­me zu bun­des­wei­ten Kund­ge­bun­gen

mit Betei­li­gung von Deut­schen aus Russ­land

Link zur Stel­lung­nah­me (pdf)


Mit­wir­kung der Lands­mann­schaft

Die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land hat die zahl­rei­chen Kund­ge­bun­gen am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de weder orga­ni­siert noch zur Teil­nah­me dar­an auf­ge­ru­fen. Die Ver­ant­wor­tung für den Ver­lauf und die Inhal­te liegt allein bei den Ver­an­stal­tern.

Vor weni­gen Tagen tauch­te in den sozia­len Medi­en ein Auf­ruf zu flä­chen­de­cken­den Demons­tra­tio­nen auf. Die­ser wur­de in rus­si­scher Spra­che ver­fasst und begann mit dem Satz „Ach­tung! Es ist ein Krieg!“. Die­se het­ze­ri­sche und pro­vo­ka­ti­ve For­mu­lie­rung ver­ur­tei­len wir aufs schärfs­te.

 

Media­le Reso­nanz

Wir sind sehr dar­über in Sor­ge, dass die jüngs­ten Ereig­nis­se in den Medi­en und der Gesell­schaft ein ver­zerr­tes Bild unse­rer Lands­leu­te ent­ste­hen las­sen. Wir war­nen ein­dring­li­ch davor, das Ver­hal­ten nicht reprä­sen­ta­ti­ver Grup­pen auf die gesam­te Per­so­nen­grup­pe der Deut­schen aus Russ­land zu über­tra­gen.

In der Bun­des­re­pu­blik leben ca. vier Mil­lio­nen Men­schen, die als deutsch­stäm­mi­ge Heim­keh­rer, Ver­trie­be­ne, Aus­sied­ler und Spät­aus­sied­ler auf Grund­la­ge des Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­set­zes (BVFG) nach Deutsch­land gekom­men sind.

Wir bedau­ern sehr, dass die deut­schen Medi­en bei der posi­ti­ven Bericht­erstat­tung über die Deut­schen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on sehr zurück­hal­tend sind. Die Lands­mann­schaft ist ger­ne bereit, Infor­ma­tio­nen über zahl­rei­che The­men und inter­es­san­te Per­sön­lich­kei­ten zu ver­mit­teln.

Außer­dem emp­feh­len wir die inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit dem For­schungs­be­richt des Bun­des­am­tes für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge „(Spät-)Aussiedler in Deutsch­land“.
http://lmdr.de/spat-aussiedler-in-deutschland-forschungsbericht-des-bamf/

 

Enga­ge­ment der Lands­mann­schaft

Unser Ver­band besteht seit 65 Jah­ren und ist der aner­kann­te Ansprech­part­ner für die Bun­des­re­gie­rung in allen Ange­le­gen­hei­ten der Deut­schen aus den Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­uni­on. Im Auf­trag des BAMF (Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge) betreibt die Lands­mann­schaft bun­des­weit meh­re­re Migra­ti­ons­be­ra­tungs­stel­len für erwach­se­ne Zuwan­de­rer. Wir füh­ren offe­ne Inte­gra­ti­ons­pro­jek­te durch, die u.a. jun­ge Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund als Ziel­grup­pe haben.

In den etwa 130 regio­na­len Glie­de­run­gen der Lands­mann­schaft arbei­ten wir mit ver­schie­de­nen Akteu­ren des öffent­li­chen Lebens zusam­men. Unse­re Mit­glie­der brin­gen sich in Inte­gra­ti­ons­bei­rä­ten und ähn­li­chen Gre­mi­en ein. Unser Ver­band und sei­ne Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on betrach­ten die Ver­tre­tung der Inter­es­sen unse­rer Lands­leu­te, inte­gra­ti­ve und iden­ti­täts­stif­ten­de Maß­nah­men, poli­ti­sche und inter­kul­tu­rel­le Bil­dung, Kul­tur­pfle­ge und Auf­klä­rung über die Geschich­te der Deut­schen in und aus Russ­land als Schwer­punk­te ihrer Arbeit.

 

Posi­ti­on der Lands­mann­schaft

Durch die Ereig­nis­se in Köln und ande­ren deut­schen Städ­ten sind die Poli­zei und die Poli­tik viel­fach in die Kri­tik gera­ten. Die pau­scha­len Vor­wür­fe der man­gel­haf­ten Auf­merk­sam­keit und Untä­tig­keit legi­ti­mier­ter Orga­ne hal­ten wir jedoch für Panik­ma­che.

In Zei­ten von Ver­un­si­che­rung und Unzu­frie­den­heit sind Zivil­cou­ra­ge und bür­ger­li­ches Enga­ge­ment geeig­ne­te Mit­tel, die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger auf Fehl­ent­wick­lun­gen hin­zu­wei­sen und schnel­le und nach­hal­ti­ge Lösun­gen ein­zu­for­dern. Aller­dings dür­fen dabei weder die Prin­zi­pi­en der Rechts­staat­lich­keit noch die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Mit­tel außer Acht gelas­sen wer­den.

Die Deut­schen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on sind flei­ßig und ord­nungs­lie­bend, sie ach­ten die Geset­ze und ste­hen loyal zur Bun­des­re­pu­blik. Fami­liä­rer Zusam­men­halt und Gerech­tig­keits­sinn gehö­ren eben­falls zu ihren mar­kan­ten Eigen­schaf­ten. Uns ist es nicht gleich­gül­tig, wenn Ver­bre­chen in Deutsch­land pas­sie­ren. Daher erwar­ten wir die best­mög­li­che Auf­klä­rung der Vor­fäl­le und ein kon­se­quen­tes Durch­grei­fen der zustän­di­gen Behör­den. Dabei dür­fen weder Her­kunft noch Reli­gi­on, Auf­ent­halts­sta­tus, Ein­kom­mens­si­tua­ti­on oder Berufs­stand straf­mil­dernd aus­ge­legt wer­den.

Offen­sicht­li­ch gibt es Kräf­te, die ein Inter­es­se an der gesell­schaft­li­chen Desta­bi­li­sie­rung Deutsch­lands haben. Wir dür­fen und wer­den uns auf Pro­vo­ka­tio­nen und Het­ze nicht ein­las­sen. Instru­men­ta­li­sie­rung und Radi­ka­li­sie­rung gilt es zu ver­hin­dern. Unser Ver­band wird sich mit aller Kraft für ein gesell­schaft­li­ch sta­bi­les und frei­heit­li­ch-demo­kra­ti­sches Deutsch­land ein­set­zen.

 

Bun­des­vor­stand