Tage der Russlanddeutschen Kultur in Berlin

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„Kultur bildet und stärkt die Integration“

Tage der Russlanddeutschen Kultur in Berlin
Unter dem anspruchsvollen Motto „Kultur bildet und stärkt die Integration“ fanden vom 9. bis 23. Oktober zum 14. Mal die traditionellen Tage der russlanddeutschen Kultur in Berlin statt, durchgeführt von der Landesgruppe Berlin-Brandenburg der Landsmannschaft.



„Wir wollen die Identität bewahren, aber auch offen für andere Kulturen sein. Es sollen keine Kulturtage sein, bei denen nur Folklore zu sehen ist, die Vielfalt macht es aus“, erklärte Alexander Rupp, Vorsitzender der Landesgruppe in seiner Begrüßungsansprache beim Gala-Konzert. Zahlreiche Veranstaltungen lockten Deutsche aus Russland und Einheimische generationenübergreifend an. Die Kulturtage wurden vom Berliner Senat und dem Bezirksamt Reinickendorf unterstützt.

Die Kulturtage starteten am 9. Oktober mit dem Jugendprogramm „Jugend rockt!“ im Jugend- und Kulturzentrum „Spirale“ in Berlin-Charlottenburg, das zahlreiche Jugendliche als Akteure und Zuhörer versammelte.

Wenn die „Jugend rockt“, dann beben die Wände – auch Alexander Rupp konnte die Stimmung hautnah erleben. Den musikalischen Abend der Extraklasse mit Musikbands und Solisten präsentierten die „Deutsche Jugend aus Russland“ Berlin und die Landesgruppe Berlin-Brandenburg der Landsmannschaft.

Bei den russlanddeutschen Literaturbegegnungen vom 10. bis 13. Oktober trafen sich russlanddeutsche Autoren aus Russland und ihre deutschen Kollegen.

Am 12. Oktober beteiligten sich sämtliche Literaten an den gut besuchten Russlanddeutschen Autorenlesungen im Berliner Tschechow-Theater. Als Vertreterin der Gastgeber präsentierte die Berliner Autorin Dr. Erika Voigt das neue Buch „Russlanddeutsche Schriftsteller – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ von Herold Belger, an dem sie mitgearbeitet hat, und ihr Buch „Carl Schmidt – ein Architekt in St. Petersburg 1866-1945“.

Die Literaturwissenschaftlerin und Gewinnerin des Russlanddeutschen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg 2010, Dr. Elena Seifert (Moskau), zitierte aus ihren Publikationen. Auch die Historikerin und Übersetzerin Inga Toman (Moskau), die Prosaschriftstellerin Natalia Rosen (St. Petersburg) und ihre junge Kollegin Elena Grinenwald (Tula) stellten Ausschnitte aus ihren Werken vor.

Durch den Abend führte Alexander Reiser, russlanddeutscher Autor von Buchpub­likationen in Deutsch und Russisch, freier Schriftsteller und Journalist aus Berlin.

Die Literaturbegegnungen wurden vom Bundesministerium des Innern und dem Ministerium für regionale Entwicklung der Russischen Föderation unterstützt.

Den Höhepunkt der Kulturtage bildete das Gala-Konzert am 16. Oktober mit über 850 Gästen und Dutzenden Künstlern im Ernst-Reuter-Saal des Rathauses Reinickendorf. Das Programm mit Solisten und Kulturgruppen aus Berlin, Moskau und Kaliningrad bot eine beeindruckende kulturelle und sprachliche Vielfalt – Gesang, Tanz und Musik von Klassik über Folklore bis zur Moderne.

Zwei weitere Veranstaltungen fanden in der Aussiedlerberatungsstelle Berlin-Reinickendorf (Kopenhagener Straße 29) statt, der einzigen festen bezirklichen Beratungsstelle für Aussiedler in Berlin, die seit 1995 von Lilli Selski geleitet wird. Monatlich kommen bis zu 600 Menschen in die Beratungsstelle. Neben einer umfangreichen Beratungstätigkeit in sozialen Fragen zählen zu den Angeboten Sprachkurse und Freizeitmaßnahmen.

Und so war dort auch der beste Ort für Alexander Rupps Vortrag zum Thema „Spuren der russlanddeutschen Kultur im World Wide Web“ am 20. Oktober, mit dem er dem interessierten Publikum so manchen unerwarteten Einblick in die Mentalität und Identität der russlanddeutschen Auswanderer in verschiedenen Ländern vermittelte. Anhand einer MultiMedia-Präsentation berichtete er anschaulich, wie Nachkommen der deutschen Auswanderer weltweit an ihrem sprachlichen und kulturellen Erbe festhalten.

Auch das Kinderprogramm „Kinder im Märchenland“ am 22. Oktober in der Aussiedlerberatungsstelle war gut besucht. Für die Aufführung hatten die Organisatoren das Berliner Theater „Russische Bühne“ mit der Märchenaufführung „Wie Emelja das Glück gefunden hat“ gewinnen können. Die Schauspieler ließen den „Ofen“ und die „Eimer“ spazieren gehen und brachten die kleinen Gäste und ihre Eltern immer wieder zum Lachen.

Ebenso erfolgreich waren Maria und Peter Warkentin vom Russlanddeutschen Theater Niederstetten mit ihrem neuen Programm „MIX-MARKT einfach anders“ bei der Abschlussveranstaltung am 23. Oktober im Kulturforum Hellersdorf. Das Theaterstück berichtet über Befindlichkeiten der Deutschen aus Russland in ihrer neuen Heimat und lässt so manche kritischen Vorgänge rückblickend mit Humor betrachten.