Zur Lage der Deutschen in der Ukraine und auf der Krim

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Die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e. V. ist besorgt über die gefähr­li­che Ent­wick­lung in der Ukrai­ne und das Schick­sal der deut­schen Lands­leu­te in der Ukrai­ne ins­ge­samt und ins­be­son­de­re auf der Halb­in­sel Krim, die im Mit­tel­punkt des Kon­flikts steht. Um einen dif­fe­ren­zier­ten Ein­bli­ck in die Situa­ti­on zu bekom­men, nahm die Lands­mann­schaft Kon­takt zu den Deut­schen in der Ukrai­ne und auf der Krim auf. 

Auf Anfra­ge der Lands­mann­schaft schil­der­te Jurij Hem­pel, Vor­sit­zen­der der Gesell­schaft der Deut­schen in der Auto­no­men Repu­blik Krim „Wie­der­ge­burt“, die Lage der Deut­schen in den Kri­sen­ge­bie­ten (Stand: 08.03.2014):

Bis­her ist die Lage auf der Krim sta­bil geblie­ben. Alle Behör­den und Insti­tu­tio­nen arbei­ten wie gewohnt. Ich bin fest davon über­zeugt, dass ein „Mai­dan“ in der Kie­wer Vari­an­te mit Betei­li­gung von Kampf­trup­pen und Natio­na­lis­ten auf der Krim unmög­li­ch ist. Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Krim­be­woh­ner steht der natio­na­lis­ti­schen Orga­ni­sa­ti­on ‚Swo­bo­da’ (‚Frei­heit’) eben­so nega­tiv gegen­über wie der von Kiew ange­dach­ten Spra­chen­po­li­tik und der kor­rum­pier­ten Macht. Unter den Krim­be­woh­nern macht sich außer­dem die Ent­täu­schung über die Regie­rung in Kiew immer stär­ker breit.

Laut Volks­zäh­lung von 2001 leben in der Ukrai­ne ca. 33.000 Deut­sche, davon 3.000 Deut­sche auf der Krim (bei einer Gesamt­be­völ­ke­rung von 2,5 Mil­lio­nen). Wie die Mehr­heit der Krim­be­völ­ke­rung wol­len auch die Deut­schen in einer ein­heit­li­chen und fried­li­chen Ukrai­ne leben. Die Gesell­schaft der Deut­schen in der Ukrai­ne ‚Wie­der­ge­burt’ ist über­zeugt, dass nur ein fried­li­cher Dia­log aller Sei­ten den Kon­flikt lösen könn­te. Als Ansatz­punkt für den Dia­log soll­ten die Mei­nung und der Wunsch der Krim­be­völ­ke­rung gel­ten. Demo­kra­tie bedeu­tet ‚Herr­schaft des Vol­kes’ und kann daher nicht wahl­wei­se auf Kiew oder Sim­fe­ro­pol zuge­schnit­ten wer­den. Ent­we­der es gibt Demo­kra­tie, oder es gibt sie eben nicht.

Wir freu­en uns auch, dass sich vor allem deut­sche Poli­ti­ker inten­siv um einen Dia­log bemü­hen, der den Frie­den und die Ein­heit der Ukrai­ne zum Ziel hat.

Zwar ist die Mehr­heit der Krim­be­völ­ke­rung der Mei­nung, dass der Ober­s­te Sowjet der Auto­no­men Repu­blik Krim effek­ti­ve Maß­nah­men trifft, um die Situa­ti­on in allen Lebens­be­rei­chen sta­bil zu hal­ten. Gera­de unter der deut­schen Bevöl­ke­rung der Krim wächst jedoch die Besorg­nis, ja fast Angst, um ihre Zukunft in der Ukrai­ne. In der gege­be­nen Situa­ti­on wird vie­len bewusst, dass es unter Umstän­den lebens­ge­fähr­li­ch sein kann, in der Ukrai­ne zu blei­ben. Die­se Besorg­nis sehen wir durch fol­gen­de ern­st zu neh­men­de Fak­to­ren unter­mau­ert:

-          Die seit vier Mona­ten andau­ern­de insta­bi­le poli­ti­sche Situa­ti­on, die den Kon­flikt wei­ter ver­schlim­mern wird.

-          Die Macht­be­tei­li­gung in Kiew von rechts­ex­tre­men Poli­ti­kern wie Oleg Tja­gni­bok, der frü­her erklärt hat: ‚Juden, Rus­sen und Deut­sche weg aus der Ukrai­ne oder auf die Guil­lo­ti­ne!’

-          Die Erklä­run­gen der Rechts­ex­tre­men über die Not­wen­dig­keit eines Mili­tär­schla­ges gegen die Krim; ihre Paro­len rei­chen bis: ‚Die Krim ist ent­we­der unser oder tot.’

Zahl­rei­che Deut­sche von der Krim wen­den sich in der letz­ten Zeit an die Gesell­schaft der Deut­schen in der Ukrai­ne ‚Wie­der­ge­burt’ mit der Bit­te, sie bei der schnel­le­ren Aus­wan­de­rung in ihre his­to­ri­sche Hei­mat, nach Deutsch­land, zu unter­stüt­zen. Wir hof­fen sehr, dass Deutsch­land für die­se Aus­rei­se­wil­li­gen grü­nes Licht gibt und unbü­ro­kra­ti­sche Lösun­gen fin­det.

Es wäre auch för­der­li­ch, wenn die deut­sche Sei­te eine Extra-Aus­ga­be unse­rer Zei­tung ‚Hoff­nung’ finan­zi­ell unter­stüt­zen könn­te. Das wäre für uns eine Mög­lich­keit mehr, die Krim­deut­schen über die Situa­ti­on auf­zu­klä­ren, sie zu beru­hi­gen, ihre Fra­gen zu beant­wor­ten oder ihnen Rat­schlä­ge zu geben, wie sie sich ver­hal­ten soll­ten.

Das Prä­si­di­um der Gesell­schaft der Deut­schen in der Ukrai­ne ‚Wie­der­ge­burt’ wen­det sich auch an alle Part­ner im In- und Aus­land, Stim­mungs- bzw. Panik­ma­che rund um die Krim-Pro­ble­ma­tik nicht zu unter­stüt­zen. Was wir heu­te brau­chen, ist gesun­der Men­schen­ver­stand und eine ruhi­ge Hand.“

 

Die Schil­de­rung der Lage auf der Krim, die Jurij Hem­pel der Lands­mann­schaft über­mit­tel­te, lässt vor allem dar­auf schlie­ßen, dass für die Lands­mann­schaft drin­gen­der Bedarf besteht, mit der Bun­des­re­gie­rung über Schutz­maß­nah­men für die deut­sche Bevöl­ke­rung in der Ukrai­ne und auf der Krim zu spre­chen. Wir haben uns daher mit einem ent­spre­chen­den Brief an den Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen, Hart­mut Kos­chyk MdB, gewandt.

Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e. V.