Die Landsmannschaft und ihre historische Entwicklung

Bereits kurz nach dem II. Weltkrieg gründeten die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Deutschen aus Russland mit der Landsmannschaft eine Organisation, die sich bis zum heutigen Tag als Interessenvertreterin, Hilfsorganisation und Kulturverein aller Russlanddeutschen versteht. Sie verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke, ist überparteilich und überkonfessionell. Familienzusammenführung sowie die soziale, gesellschaftliche, berufliche und religiöse Eingliederung in die deutsche Gesellschaft, Kultur-, Öffentlichkeits- und Jugendarbeit gehören zu ihren wichtigsten Aufgaben. Hinzu kommt die Teilnahme an grenzüberschreitenden Maßnahmen mit den Ländern der ehe. Sowjetunion. Die LmDR ist unterteilt in Landes- sowie rund 130 Orts- und Kreisgruppen. Koordiniert wird ihre Arbeit durch die in Stuttgart ansässige Bundesgeschäftsstelle. Weitere Mitarbeiter sind in Außenstellen tätig. Im Laufe ihrer beinahe 70-jährigen Geschichte hat die Landsmannschaft vor allem erreicht, dass die Deutschen aus Russland anderen Heimkehrern und Vertriebenen gleichgestellt wurden, dass die Existenz einer deutschen Volksgruppe in der ehemaligen Sowjetunion nicht in Vergessenheit geriet und dass inzwischen rund 3 Millionen Deutsche aus der Sowjetunion, deren Eingliederung als vorbildlich zu bezeichnen ist, eine Heimat in der Bundesrepublik gefunden haben.
In dem Motto „Deutsche aus Russland – hier und heute. Von Hilfesuchenden zu Leistungsträgern“, drückt sich die Neuorientierung der LmDR aus, die in den letzten Jahren Gestalt angenommen hat. Grob gegliedert, lassen sich die 69 Jahre seit der Gründung der Landsmannschaft 1950 in drei Phasen unterteilen:
Phase I – 1950 bis Ende der 1980er Jahre
Die ersten vier Jahrzehnte nach dem II. Weltkrieg waren für die Landsmannschaft gekennzeichnet durch - die Sorge um die Deutschen in der damaligen Sowjetunion, denen lediglich in minimalem Ausmaß die Ausreise nach Deutschland gestattet wurde, - die Forderung nach Familienzusammenführung, - den Einsatz für die Gleichstellung der Deutschen aus Russland mit anderen Vertriebenen (Stichworte Lastenausgleich, Fremdrentengesetz, allgemeine Ausgleichsgesetzgebung), - Kampf gegen das Vergessen einer in der Sowjetunion festgehaltenen Volksgruppe, - die Lenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit auf das Schicksal der politischen Gefangenen im sowjetischen Machtbereich.
Phase II – Ende der 1980er Jahre bis etwa 2008
Mit dem rapiden Anstieg der Aussiedlerzahlen aus der damaligen Sow­jetunion ab Ende der 1980er Jahre änderten sich die Anforderungen für die Landsmannschaft. In den Vordergrund traten Bemühungen um das Gelingen der Integration von Menschen, denen verstärkt Hindernisse in den Weg gestellt wurden. Stichworte: - mangelhafte Akzeptanz seitens der Politik und Öffentlichkeit; - Nichtanerkennung von mitgebrachten schulischen und beruflichen Qualifikationen; - gravierende Benachteiligungen durch die sog. Fremdrentenregelung (Stichwort Altersarmut); - fehlende aktive Einbeziehung in politische Entscheidungsprozesse im Spätaussiedlerbereich; - kaum vorhandenes Wissen der Öffentlichkeit über die Deutschen aus Russland. Hinzu kam der drastische Rückgang der Spätaussiedlerzahlen durch die Neufassung des Zuwanderungsgesetzes vom 1. Januar 2005.
Phase III – Gegenwart
Unterstützt durch offizielle Untersuchungsergebnisse geht die Landsmannschaft davon aus, dass die Integration der Deutschen aus Russland als Erfolgsgeschichte zu betrachten ist. Ohne nach wie vor bestehende Integrationshindernisse zu übersehen, hat die Landsmannschaft daher ihre Herangehensweise an die Herausforderungen im Aussiedlerbereich modifiziert und ihren traditionellen Maßnahmenkatalog ergänzt und den Gegebenheiten der Gegenwart angepasst. Einige Beispiele: - Ausgangspunkt: Deutsche aus Russland als positiver Bestandteil der bundesdeutschen Bevölkerung. - Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit unter Nutzung aktueller Kommunikationsmedien. - Ausweitung des landsmannschaftlichen Beratungsangebotes im Sozialbereich. - Reaktivierung des Kulturrates der Deutschen aus Russland. - Zusammenarbeit mit Vertretern der im Bundestag vertretenen Parteien. - Beteiligung an grenzüberschreitenden Maßnahmen der Bundesregierung. - Wanderausstellung „Deutsche aus Russland – gestern und heute“. - Herausgabe von Publikationen zur russlanddeutschen Thematik. - Projektarbeit