Presseerklärung zum Gründungstag der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland 22. April 2026
Stuttgart, 22.04.2026
Am 22. April 1950 wurde die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler“ gegründet. Erster Bundesvorsitzender war Pfarrer Heinrich Römmich. Mit Dankbarkeit und Respekt erinnert die Landsmannschaft an diesem Tag an ihre Gründergeneration – an die Väter- und Großvätergeneration, die in einer schweren und gefährlichen Zeit Mut, Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht bewiesen hat.
Bereits wenige Jahre nach Krieg und Vertreibung fanden sich Männer zusammen, die trotz persönlicher Risiken und unter schwierigsten Bedingungen bereit waren, sich der Not der Russlanddeutschen anzunehmen – jener deutschen Volksgruppe, die über lange Zeit in der Sowjetunion zurückgehalten wurde und deren Schicksal in Deutschland vielfach kaum wahrgenommen wurde. Schon damals begann die wichtige Aufgabe, die durch Krieg, Deportation und jahrzehntelange Trennung auseinandergerissenen Familien wieder zusammenzuführen.
Von Anfang an spielten die sozialen Belange der Deutschen in und aus Russland eine zentrale Rolle. Im Laufe der Jahrzehnte gelang es, ein beeindruckendes Netzwerk sozialer Betreuung, Beratung und Begleitung aufzubauen, das bis heute von Tausenden Ehrenamtlichen getragen wird. Dieses Engagement ist ein unschätzbarer Beitrag für die Gemeinschaft der Russlanddeutschen und zugleich ein starkes Zeugnis gelebter Solidarität.
Für den größeren Teil der Deutschen aus Russland konnten wesentliche Ziele erreicht werden. Vieles, was über Jahrzehnte als drängende Folge von Krieg, Verfolgung und Entrechtung bestand, konnte überwunden oder gemildert werden. Dafür gebührt allen, die sich in den zurückliegenden 76 Jahren in der Landsmannschaft engagiert haben, großer Dank.
Dennoch bleiben wichtige Aufgaben offen.
Dazu gehört erstens die nachholende Integration vieler eingewanderter Deutscher aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Noch immer benötigen zahlreiche Menschen bessere Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe, Bildung, berufliche Entwicklung und volle Anerkennung ihrer Lebensleistung.
Zweitens braucht es ein wirksames Programm zur Rettung und Aufnahme von Deutschen aus Kriegs- und Krisenregionen. Angesichts der weltpolitischen Entwicklungen darf die Bundesrepublik Deutschland die Notlage dieser Menschen nicht übersehen.
Drittens ist die soziale Lage vieler russlanddeutscher Seniorinnen und Senioren ein drängendes Problem. Viele von ihnen sind von Altersarmut bedroht oder bereits betroffen, weil ihre Rentenbiografien durch Deportation, Entrechtung, Zwangsarbeit, Verfolgung und mangelnde Anerkennung von Lebensleistungen geprägt wurden. Hier ist eine gerechte und menschenwürdige Lösung dringend erforderlich.
Viertens müssen die durch § 7 und § 8 BVFG entstandenen Beschränkungen und damit die begrenzten Chancen für zugewanderte Familienangehörige beseitigt werden. Familien dürfen nicht dauerhaft mit Benachteiligungen leben müssen, die ihrer Integration und ihrem sozialen Aufstieg im Wege stehen.
Der Gründungstag der Landsmannschaft ist deshalb nicht nur ein Tag des Erinnerns und des Dankes, sondern auch ein Tag der Verpflichtung. Wir feiern dieses Datum im Bewusstsein der großen Leistung unserer Gründer und aller nachfolgenden Generationen. Zugleich verstehen wir ihn als Auftrag, die Arbeit der Landsmannschaft fortzuschreiben und weiterzuentwickeln.
Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland erlebt auch im Jahr 2026 weiteren Zuwachs. Das zeigt: Ihre Aufgaben sind weiterhin aktuell, ihre Stimme wird gebraucht, und ihr Einsatz bleibt unverzichtbar.
Im Namen des Bundesvorstandes danke ich allen Mitgliedern, ehrenamtlich Engagierten, Wegbegleitern und Unterstützern. Möge die Landsmannschaft auch künftig eine starke, verlässliche und zukunftsorientierte Heimat für die Deutschen aus Russland sein.
Norbert Strohmaier
Bundesvorsitzender Landsmannschaft der Deutschen aus Russland

Pfarrer Heinrich Römmich, geb. 12. Mai 1888, gest. 26. September 1980, ist der geistige Vater der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Er war Mitbegründer und Vorsitzender des "Hilfskomitees der evangelisch-lutherischen Ostumsiedler", auf dessen Initiative die "Arbeitsgemeinschaft der Ostumsiedler" gegründet wurde. So hießdie Landsmannschaft bis zum Jahr 1955.
Pfarrer Römmich war auch ihr erster (provisorischer) Vorsitzender 1950, ab 1952 Geschäftsführer, ab 1954 Sprecher, ab 1968 Ehrenpräsident und Berater auf Lebenszeit. Heinrich Römmich wurde in Worms im Gebiet Odessa geboren. Er studierte Theologie in Dorpat und war dann Lehrer und Pfarrer, zuerst im Schwarzmeergebiet und von 1932-54 in Deutschland, wohin er aus Bessarabien ausgereist war.



