Presseerklärung: Nach Schließung der Goethe-Institute: LmDR warnt vor faktischem Aus für Spätaussiedler-Sprachnachweise in Russland
Stuttgart, 09.09.2026
Der Weg zur Rückkehr nach Deutschland droht sich weiter zu schließen – Verband fordert rasch eine wirksame Übergangslösung
Stuttgart, 8. September 2026 – Nach der von Russland am 3. September 2026 angekündigten Schließung der Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk warnt die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) vor einer nahezu ausweglosen Situation für Spätaussiedlerbewerber. Der Verband fordert von der Bundesregierung rasch eine tragfähige Übergangslösung für den Nachweis deutscher Sprachkenntnisse.
Der Weg zur Rückkehr
Bislang besteht für Spätaussiedlerbewerber in Russland insbesondere über das Goethe-Zertifikat B1 oder höher eine regulär zugängliche Möglichkeit, die erforderlichen Deutschkenntnisse nachzuweisen. Die Deutsche Botschaft Moskau weist aktuell darauf hin, dass Sprachtests im Rahmen des Spätaussiedleraufnahmeverfahrens bis auf Weiteres ausgesetzt sind und deshalb entsprechende Goethe-Zertifikate als Nachweis herangezogen werden. Mit der angeordneten Einstellung der Arbeit der Goethe-Institute zum 13. September 2026 droht daher eine erhebliche Lücke im Aufnahmeverfahren. Bundesregierung und Bundesverwaltungsamt müssen kurzfristig sicherstellen, dass Antragsteller die gesetzlich verlangten Sprachkenntnisse weiterhin tatsächlich nachweisen können.
Rund 400.000 Menschen sind betroffen
Nach Angaben deutscher Stellen leben noch rund 400.000 Angehörige der deutschen Minderheit in Russland, viele mit Familien, die durch Deportation, Sondersiedlung und jahrzehntelange Repression geprägt sind. Wer die gesetzlichen Voraussetzungen des Bundesvertriebenengesetzes erfüllt, darf nicht daran gehindert werden, die von Deutschland selbst verlangten Nachweise zu erbringen.
„Ein gesetzlich bestehendes Aufnahmeverfahren darf nicht faktisch unmöglich gemacht werden. Die politische Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Russland darf nicht zum Nachteil der deutschen Minderheit ausgetragen werden“, erklärt Norbert Strohmaier, Bundesvorsitzender der LmDR.
LmDR schlägt Sprachprüfung nach der Einreise vor
Die LmDR fordert Bundesregierung und Bundesverwaltungsamt auf, rasch zu klären, wie Sprachkenntnisse künftig nachgewiesen werden können. Vorschlag: Der Sprachtest wird vorübergehend nach Deutschland verlagert. Bei bereits geprüften übrigen Voraussetzungen könnte ein vorläufiger Aufnahmebescheid ergehen; die abschließende Sprachprüfung erfolgt – mit Einstufung und Sprachförderung – erst nach der Einreise, ergänzt um eine befristete Sonderregelung zu § 6 Abs. 2 BVFG.
„Gerade in Zeiten der Digitalisierung sollte auch eine onlinebasierte Vorprüfung der Sprachkenntnisse möglich sein – damit Betroffene schon vor der Ausreise eine erste, verlässliche Einschätzung erhalten, ob sie die Voraussetzungen grundsätzlich erfüllen“, schlägt Norbert Strohmaier vor.
Nicht die Sprachanforderung abschaffen – sondern den Menschen eine reale und faire Möglichkeit geben, sie zu erfüllen.
Die Landsmannschaft steht im engen Austausch mit dem Präsidenten des Bundes der Vertriebenen (BdV), Stephan Mayer, sowie dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, der bereits im Einvernehmen mit den beteiligten Institutionen nach Lösungswegen sucht.
Fakten im Überblick
- September 2026: Russland kündigt in Wladiwostok die Schließung der Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Nowosibirsk an.
- Bislang einzige praktikable Nachweismöglichkeit: das Goethe-Zertifikat B1 oder höher.
- Rund 400.000 Angehörige der deutschen Minderheit leben nach Angaben deutscher Stellen noch in der Russischen Föderation.
Über die LmDR: Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. mit Sitz in Stuttgart vertritt die Interessen der Deutschen Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie ihrer Nachkommen und setzt sich für einen funktionierenden Aufnahmeweg für Spätaussiedler ein.
Der Bundesvorstand
der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e. V.



