Russlanddeutscher Kulturpreis


Der Preis und seine Träger

Das Land Baden-Württemberg vergibt im zweijährlichen Rhytmus den Russlanddeutschen Kulturpreis. Der Preis ist Ausdruck der Patenschaft des Landes über die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland.

Über die Preisvergabe entscheidet eine Jury, die sich aus Persönlichkeiten zusammensetzt, die vom Innenministerium, der Künstlergilde e.V. Esslingen und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland benannt werden. Über die Vergabe der Preise entscheidet die Jury unter Ausschluss des Rechtsweges.

Der Kulturpreis besteht aus einem mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis und zwei Förderpreisen in Höhe von jeweils 2.500 Euro. Die Förderpreise sind für jüngere Kulturschaffende vorgesehen, die am Anfang ihrer künstlerischen Entwicklung stehen. Anstelle eines Förderpreises kann in begründeten Fällen auch eine Ehrengabe vergeben werden. Eine Verpflichtung, den Kulturpreis zu verleihen, besteht nicht.
  • 2020Kulturvermittlung

    Der Preis 2020 wird voraussichtlich im ersten Quartal des Jahres seitens des Hauses der Heimat ausgeschrieben.
  • 2018Kulturvermittlung

    Ehrengabe: Viktor Hurr

    Im Jahr 2018 wurde die Ehrengabe des Russlanddeutschen Kulturpreises dem Maler Viktor Hurr (*1949) zugesprochen. Er ist Nachfahre einer deutschen Winzerfamilie aus Reutlingen, die sich 1816 auf den Weg nach Russland machte. Bis zum deutsch-sowjetischen Krieg lebten seine Vorfahren im Südkaukasus, wurden 1941 nach Kasachstan deportiert und kurz darauf zur Zwangsarbeit mobilisiert.
    Viktor Hurr wurde im Gebiet Moskau geboren, Kasachstan und Usbekistan waren die nächsten Stationen der Familie. Seine künstlerische Ausbildung als Kunstmaler, Grafiker und Bildhauer erhielt er an Kunstschulen in Moskau und Taschkent in Usbekistan, wo er wiederholt Kunstwerke ausstellte.
    Kein anderer russlanddeutscher Kunstmaler hat sich so umfassend und eindringlich mit der Geschichte der Deutschen im Russischen Reich und der späteren Sowjetunion künstlerisch auseinandersetzt wie Viktor Hurr. In seinen Ölbildern und Grafiken hat er nahezu alle Stationen der 250-jährigen Geschichte der Russlanddeutschen nachgezeichnet. Von der Auswanderung im 18. und 19. Jahrhundert und der Blütezeit der deutschen Kolonien an der Wolga und im Südkaukasus über politische Repressionen, Deportationen und Zwangsarbeit in den stalinistischen Lagern im 20. Jahrhundert bis zur Rückkehr in das Land der Vorfahren.
    Als emotionale und inhaltliche Grundlage für das Entstehen seiner Ölbilder und Grafiken dienten dem Künstler die Erzählungen seiner Eltern und Großeltern sowie anderer Verwandten über ihre Erfahrungen in den 1930er und 1940er Jahren. Um eine plastische Vorstellung von Ereignissen zu bekommen, die weiter zurückliegen, besuchte Hurr die historischen Auswanderungsorte in Baden-Württemberg und Hessen, recherchierte in Bibliotheken und an Forschungsstellen.
    Machen Sie sich im folgenden Interview selbst ein Bild von dem Maler: https://vimeo.com/52707165

    Förderpreis: Haus des Dokumentarfilms

    Den Förderpreis erhielt das Haus des Dokumentarfilms in Stuttgart für sein Webportal „Daheim in der Fremde“. Die multimediale Plattform präsentiert außergewöhnliche filmische und schriftliche Interviews von Zeitzeugen, historische Aufnahmen aus der Landesfilmsammlung Baden-Württemberg und Tondokumente des SWR und bettet diese in einen zeitlichen Kontext ein.
    Nach dem modernen Konzept des Storytelling formt sich für die Nutzer aus einem breiten Spektrum audiovisuell abrufbarer Zeitzeugenberichte ein lebendiges Gesamtbild, das nicht zuletzt die Geschichte der Russlanddeutschen in ihrem historischen Kontext auf sehr berührende Weise sinnlich erfahrbar macht.

    Der Preis wurde von Dr. Irene Klünder, Geschäftsführerin des Medienhauses, und Elena Schilling, die im Projektteam speziell das Thema Russlanddeutsche betreut, entgegengenommen. Sie betonen: „Die Plattform ist offen und soll um weitere Zeitzeugen und Themenfelder ergänzt werden.“ Es steht außer Frage, dass in dieser neuen Dimension der Verfügbarkeit kulturellen Gedächtnisses noch viel Potenzial steckt.

    Hauptpreis: Haus des Dokumentarfilms

    Der Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2018 wurde Ingrid Bertleff, Eckhard John und Natalia Svetozarova für das zweibändige Werk „Russlanddeutsche Lieder. Geschichte – Sammlung – Lebenswelten“ verliehen. Die Autoren „haben die in Russland entstandenen, originären Lieder der Russlanddeutschen aus dieser Zeit gesammelt, verfügbar gemacht und umfangreich kommentiert“, so die Begründung der Jury.
    Die Preisträger haben ihre beispiellose Arbeit auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, indem sie die im ersten Band enthaltenen Lieder zusammen mit wissenschaftlichen Liedkommentaren auch in einem Online-Lexikon publiziert haben.
    In dem historisch-kritischen Lexikon der traditionellen und populären Lieder aus dem deutschsprachigen Raum nehmen die Lieder der Russlanddeutschen dank der Arbeit der Preisträger gegenwärtig beinahe ein Drittel (!) des Bestandes ein.
    Darüber hinaus stellt die Publikation einen wissenschaftlichen Brückenschlag in die Herkunftsregionen der Lieder dar, weil sich daran nicht zuletzt auch das Institut für russische Literatur der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg beteiligte.

  • 2016Kulturvermittlung

    Ehrengabe: Hamburger Verein der Deutschen aus Russland
    Für seinen langjährigen und zugleich erfolgreichen Einsatz für die Pflege und Vermittlung der russlanddeutschen Kultur erhielt der im Jahr 2000 gegründete Hamburger Verein der Deutschen aus Russland (Vorsitzender: Gottlieb Krune) die Ehrengabe des Russlanddeutschen Kulturpreises 2016.
    In der Hansestadt Hamburg leben derzeit rund 50.000 russlanddeutsche Spät-/Aussiedler, von denen einigen die Integration in Deutschland leichter fiel als anderen. Der Hamburger Verein der Deutschen aus Russland begleitet, unterstützt und fördert alle Russlanddeutschen bei ihrer Integration in die Hamburger Gesellschaft. Seine Initiativen reichen von Liedern, über Brauchtum bis zur Volkskunst – mit zahlreichen Ensembles und Gruppen werden regelmäßig interkulturelle Festivals veranstaltet, die Aussiedler, Einheimische und Migranten einander näherbringen. Aber auch jenseits kultureller Fragen ist der Verein in das Stadtgeschehen eingebunden: Als Integrationsbeirat der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz des Hamburger Senats ist er stets über integrationspolitische Entwicklungen informiert und hat damit die Möglichkeit, dort zu beraten und tatkräftig zu unterstützen, wo die Integrationspolitik Mängel aufweist.

    Hauptpreis: Russland-Deutsche Theater in Niederstetten
    Der Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises ging im Jahr 2016 an das Russland-Deutsche Theater in Niederstetten (Baden-Württemberg) mit dem Schauspieler-Ehepaar Maria (geb. Albert, *1957 bei Omsk) und Peter Warkentin (*1958 in der Altairegion).
    Beide studierten Theater- und Filmwissenschaft an der Schtschepkin-Theaterhochschule Moskau und arbeiteten danach 15 Jahre lang als Schauspieler am einzigen Deutschen Theater der ehemaligen Sowjetunion in Temirtau/Almaty.Seit 1995 lebt das Ehepaar in Niederstetten. Hauptberuflich ist Maria Warkentin Theaterpädagogin, Peter Warkentin Sozialarbeiter und Jugendbetreuer.
    Mit liebevoll inszenierten Fremd- und noch mehr Eigenproduktionen finden die charismatischen Warkentins überall begeisterte Zuschauer, zumal ihre meist historisch aufklärenden Theaterstücke eine Einladung zur Toleranz und zum gegenseitigen Verstehen sind. Informieren Sie sich über kommende Aufführungen, vielleicht sogar in Ihrer Nähe, unter: www.rdtheater.de

    Treffen Sie die Warkentins in dieser kurzen Dokumentation.

    Mögen Sie einige Auszüge aus den Theaterstücken sehen? Voilà!
    - „Jener erste Blick“ (9min)
    - „Zimmer 108“ (11min)
    - "Die Oma – Teil 1“ (17min)
    - „Die Oma – Teil 2“ (14min)
    - „Bist du sicher, Martinus?“ (110min)



  • 2014Kulturvermittlung

    Ab dem Jahr 2014 zeichnete der Russlanddeutsche Kulturpreis stets Personen, Initiativen und Organisationen aus, die maßgeblich zur „Kulturvermittlung“ beitrugen.


    Ehrengabe: Rose Steinmark
    Die Ehrengabe des Jahres 2014 erhielt die Dramaturgin, Theaterkritikerin, Drehbuchautorin und Fernsehredakteurin Rose Steinmark (*1951). Geboren im deutschen Dorf Kamyschi bei Slawgorod in Westsibirien, studierte sie Deutsche Sprache und Literatur in Nowosibirsk bei dem bekannten wolgadeutschen Pädagogen Victor Klein und arbeitete anschließend als Deutschlehrerin, ehe sie 1982 zum Deutschen Schauspieltheater wechselte. Über ihre Zeit als Chefdramaturgin des Deutschen Theaters Temirtau/Alma-Ata in Kasachstan (sowie darüber hinaus) veröffentlichte sie 2017 das Buch „Das Schicksal eines Theaters“ (RusDeutsch-Media, Moskau).
    Zwischen 1992 und 2000 moderierte sie die Sendung „Guten Abend!“ im staatlichen Fernsehen Kasachstan mit einer Sendezeit von 60 Minuten pro Woche – dort wurden mehrfach unvergessliche Begegnungen mit Landsleuten in Kasachstan, Russland, Kirgisien und Deutschland gezeigt!
    Seit Dezember 2000 lebt sie in Deutschland, wo sie jahrelang als Dozentin in einem Bildungsinstitut und im Dolmetscherinstitut Münster im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ tätig war.
    Hier können Sie sich zu Rose Steinmarks Buch informieren.
    Förderpreis: Literaturkreis der Deutschen aus Russland
    Der Förderpreis des Jahres 2014 erhielt der Literaturkreis der Deutschen aus Russland, der sich seit seiner Gründung im Jahr 1995 für die Förderung der russlanddeutschen Literatur einsetzt. Unter dem derzeitigen Vorsitzenden Artur Boepple (Artur Böpple) wird die Förderung von Nachwuchsautoren besonders groß geschrieben. Der Literaturkreis veranstaltet Autorenseminare, gibt in jedem Jahr einen Almanach heraus (die aktuelle Ausschreibung läuft sogar noch bis zum 31.12.2019!) und organisiert Lesungen sowie Literaturwettbewerbe und -festivals.
    „Diese Aktivitäten leben von der privaten Initiative der Mitglieder, denn der Verein verfügt nur über äußerst bescheidene Mittel. Der Förderpreis soll den Literaturkreis der Deutschen aus Russland darin bestärken, die Arbeit mit jungen Autorinnen und Autoren fortzuführen“, ist in der Begründung der Jury für die Preisvergabe zu lesen.

    Den Verein gründeten russlanddeutsche Literaten, von denen die meisten in der Sowjetunion zu den Vertretern der sogenannten sowjetdeutschen Literatur gehört hatten. In Deutschland sahen sie sich mit einer anderen literarischen Realität konfrontiert und so entstand der Literaturkreis, der zwölf Jahre lang von Gossen Agnes (Agnes Gossen-Giesbrecht) geleitet wurde, als eine Art „neue literarische Heimat für russlanddeutsche Autoren“.

    „Es war ein Versuch, das kulturelle Vakuum für die russlanddeutschen Schreibenden zu füllen, Gleichgesinnte zu finden und ihnen die Integration in Deutschland zu erleichtern. Wir hatten überhaupt keine finanzielle Unterstützung, nur viel Enthusiasmus, den Willen und den Wunsch, voneinander zu lernen, über geschriebene Werke zu diskutieren, Lesungen zu organisieren, Informationen auszutauschen und gemeinsam Publikationsmöglichkeiten zu finden“, sagt Agnes Gossen-Giesbrecht. Kooperationen ergaben sich vor allem im BMV Verlag Robert Burau und im Geest-Verlag, aber auch bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Inzwischen gibt es auch Kooperationen mit dem ostbooks verlag und mit dem Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland.
    Lesen Sie mehr von den Autoren des Literaturkreises der Deutschen aus Russland unter: https://literaturkreis-autoren-aus-russland.de/

    Hauptpreis: Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold
    Der Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2014 ehrte das 1996 aus einer privaten Initiative hervorgegangene Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte Detmold. Unter dem Motto „Der Geschichte eine Heimat geben – Integration durch Identität gestalten“ sammelt, dokumentiert und vermittelt das Museum die kulturellen und historischen Erfahrungen der Russlanddeutschen und ist damit ein Auswanderungsmuseum der besonderen Art.

    Ganz klein hatte es angefangen – mit einer Wanderausstellung des Studienrats Otto Hertel (1919-1999), der die Geschichte der Russlanddeutschen in vielen Städten Deutschlands präsentierte. Es ist seiner engen Partnerschaft mit dem Christlichen Schulförderverein Lippe zu verdanken, dass beim Aufbau der privaten christlichen August-Hermann-Francke-Gesamtschule in Detmold auch ein Ausstellungsraum für das geplante Museum eingerichtet wurde. 1996 fand die feierliche Eröffnung des Museums auf 100 qm Fläche statt und wurde jahrelang von der Historikerin Dr. Katharina Neufeld geleitet.

    Seit 2002 wird das Museumsprojekt vom „Museumsverein für russlanddeutsche Kultur und Volkskunde“ geleitet. Aus anfänglich 50 Ausstellungsstücken sind inzwischen Tausende geworden. Seit Juni 2011 gibt es neue Räumlichkeiten des Museums auf dem Gelände der August-Hermann-Francke-Gesamtschule. Sie beherbergen auch die neue Dauerausstellung „Ausgepackt. Geschichte und Gegenwart der Deutschen aus Russland“ auf 500 qm und zwei Etagen. Seit 2016 ermöglicht eine Förderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien das Fortbestehen und die inhaltliche Erweiterung des Museums. Nach der Pensionierung von Dr. Katharina Neufeld im Jahr 2017 übernahm Kornelius Ens die Leitung des Hauses.

    Das kulturgeschichtliche Museum in Detmold versteht sich vor allem als interkultureller Begegnungs- und Lernort. Am Beispiel der Geschichte der Russlanddeutschen werden den Besuchern grundlegende Inhalte über die Migrationsthematik vermittelt.
    Seit kurzem ist hier auch das 2017 eingerichtete Kulturreferat der Deutschen aus Russland untergebracht. Der zuständige Kulturreferent ist seitdem Edwin Warkentin. Das Kulturreferat ist im Rahmen der Kulturförderung für Aussiedler, Vertriebene und Flüchtlinge nach dem Bundesvertriebenengesetz eingerichtet. Der Referent initiiert bundesweit Kulturprojekte, wirkt kooperativ bei Projekten des Museums mit und berät externe Organisationen und Institutionen.

    In den Museumsräumlichkeiten finden regelmäßig Sonderausstellungen, Seminare und Workshops zu den verschiedensten Bereichen der russlanddeutschen Kulturgeschichte statt, oft in Kooperation mit Partnern aus Deutschland und dem Ausland.
    Informieren Sie sich über die neuesten Angebote unter: https://www.russlanddeutsche.de/de/

  • 2012Musik

    Im Jahr 2012 würdigte das Land Baden-Württemberg mit dem Russlanddeutschen Kulturpreis erneut die Kategorie Musik.


    Ehrengabe: Eugen Rangau

    Ausgezeichnet mit der Ehrengabe wurde der renommierte Querflöten-Musiker und Musikpädagoge Eugen Rangnau (1947-2013). In Syktywkar in der Komi ASSR, dem Verbannungsort seiner Eltern, geboren, studierte Rangnau 1965 von 1970 an der Musikhochschule Gorki, Russland, als Solist, Orchestermusiker und Musiklehrer und absolvierte in den nächsten vier Jahren eine Aspirantur. Parallel dazu begann Eugen Rangnau seine berufliche Tätigkeit bereits 1965. Er war u.a. Solist im Orchester des Opernhauses Syktywkar sowie Solist und 1. Flötist im Symphonieorchester Gorki und im Symphonieorchester Uljanowsk, das er von 1990 bis 1996 leitete. Zwischen 1996 bis 1998 arbeitete er als Dozent an der Fakultät für Kunst und Flöte der Universität Uljanowsk. Sein Talent wurde mit dem Titel „Verdienter Künstler der Russischen Föderation“ (1993) und Preisen bei internationalen Festspielen gewürdigt.
    Seit 1998 fand Rangnau im Landkreis Heilbronn eine neue Heimat und unterrichtete an den Musikschulen Leingarten und Schwaigern. Seine Schüler gehörten regelmäßig zu den Erfolgreichsten bei „Jugend musiziert”. Auch das Schwaigerner Querflötenquartett war unter seiner Anleitung vielen ein Begriff.

    Förderpreis: Alexander Reitenbach

    Mit dem Förderpreis ausgezeichnet wurde der international preisgekrönte Pianist und Musikpädagoge Alexander Reitenbach (*1979). Geboren 1979 in Tbilissi, Georgien, besuchte er schon ab seinem 7. Lebensjahr das Staatliche Musikgymnasium für Hochbegabte in seiner Heimatstadt.
    Anfang der 1990er Jahre siedelte seine Familie nach Deutschland aus, wo Alexander Reitenbach dank seines Talents und seines Fleißes rasch Anschluss an das Musikgeschehen fand. Ab 1996 studierte er an der Musikhochschule Stuttgart, absolvierte danach ein künstlerisches Aufbaustudium und profilierte sich in den folgenden Jahren in mehreren Kammermusik- und Meisterklassen in Deutschland, Russland, England, Spanien, Ungarn, Polen und Frankreich.
    Den Förderpreis erhielt Alexander Reitenbach in Anerkennung seiner nationalen und internationalen Erfolge als Interpret von Musikwerken der Klassik und Moderne.
    Hörproben und Konzerttermine des begnadeten Pianisten finden Sie unter: https://www.alexander-reitenbach.de/

    Hauptpreis: Dr. Dennis Lomtev

    Den Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2012 für die Kategorie Musik erhielt der Musikwissenschaftler Dr. Dennis Lomtev (*1972). Der gebürtige Moskauer ist ein Nachkomme des Historikers und Musikchronisten Jakob von Stählin (1709-1785) und des Musikwissenschaftlers Paul Lamm (1882-1951) – beides Deutsche, die in der russischen Musikgeschichte eine wichtige Rolle spielten.
    Dr. Dennis Lomtev absolvierte 1996 das Studium der Musikwissenschaft am Moskauer Tschajkowskij-Konservatorium und promovierte 1999 zum Thema: „Deutsche Musiker in Russland: Zur Entstehungsgeschichte der russischen Konservatorien“. Anschließend unterrichtete er an der Akademischen Musiklehranstalt des Moskauer Konservatoriums musiktheoretische Fächer, Ästhetik und Geschichte der Philosophie und erhielt mehrere Lehraufträge am Lehrstuhl für westeuropäische Musikgeschichte des Moskauer Konservatoriums.
    Ab 1999 forschte er am Institut für deutsche Musikkultur im östlichen Europa (Bonn). Daraus entstand die Monografie „Deutsches Musiktheater in Russland“, die 2003 in Russisch und Deutsch erschien. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit realisierte Lomtev außerdem die Herausgabe und Erstaufführung einer Reihe bislang unbekannter Bühnenwerke deutscher Komponisten, die im Russland des 18. und 19. Jahrhunderts tätig waren.
    Mittlerweile ist Dr. Dennis Lomtev Autor von mehreren Büchern und Dutzenden wissenschaftlichen Aufsätzen über Aspekte der deutschen Musikkultur in Russland. Im BMV Verlag Robert Burau sind seine Forschungsergebnisse in Buchform erschienen: „An der Quelle: Deutsche Musiker in Russland“ (2002), „Deutsches Musiktheater in Russland“ (2003), „Geistliche Musikkultur der Deutschen in Russland“ (2005), „Die Deutschen in der russischen Musikwissenschaft“ (2008) und „Deutsche in der musikalischen Infrastruktur Russlands“ (2012).
    Durch seine Forschungsarbeit ist es ihm gelungen, die herausragende Beteiligung von Deutschen an der russischen Musikkultur in einem neuen, von ideologischen und politischen Prägungen freiem Licht darzulegen – dafür erhielt er den Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2012.

  • 2010Literatur

    Das Land Baden-Württemberg verlieh den Russlanddeutschen Kulturpreis 2010 in der Kategorie Literatur.


    Ehrengabe: Agnes Gossen-Giesbrecht

    Mit der Ehrengabe gewürdigt wurde das langjährige literarische Schaffen der Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin Agnes Gossen-Giesbrecht (*1953). Geboren in Podolsk, Gebiet Orenburg (Russland), geboren und entwickelte schon in der Kindheit eine Liebe zum geschriebenen Wort. Sie studierte an der Pädagogischen Hochschule in Orenburg Slawistik (1970-1974) und in Naltschik Bibliothekswesen (1981-1983). Anschließend unterrichtete sie Russische Sprache und Literatur in Podolsk und im Nordkaukasus, war als Bibliothekarin und gleichzeitig als freischaffende Journalistin tätig.
    Seit 1989 lebt Agnes Gossen-Giesbrecht in Deutschland und arbeitet als Bibliothekarin an der Universität Bonn. Sie gehört zu den Gründern des Literaturkreises der Deutschen aus Russland, den sie von 1995 bis 2007 leitete. Für ihre langjährigen Bemühungen um die Integration russlanddeutscher Autoren wurde sie 2008 mit der Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens Deutschlands ausgezeichnet.
    Eine vollständige Werkübersicht finden Sie unter: http://rd-autoren.de/850-bibliographie-agnes-gossen-giesbre…

    Förderpreis: Merle Hilbk

    Den Förderpreis erhielt die Berliner Autorin, Journalistin und Publizistin mit russlanddeutschen Wurzeln Merle Hilbk (*1969). Sie wurde in Düsseldorf geboren, studierte Jura, arbeitete als Redakteurin beim „Spiegel“ und später bei der Wochenzeitung „Die Zeit“. Seit 2001 ist sie als freie Journalistin mit Schwerpunkt Russland und Osteuropa tätig.
    Bekannt wurde Merle Hilbk durch ihr Buch „Sibirski Punk. Eine Reise in das Herz des wilden Ostens“, in dem sie auf dem Weg von Hamburg über Nowosibirsk bis hinter den Baikalsee versucht, die geheimnisvolle „russische Seele“ aufzuspüren. Auch ihr preisgekröntes Buch „Die Chaussee der Enthusiasten. Eine Reise durch das russische Deutschland“ beschäftigt sich mit dem Innenleben und den Lebensumständen von Menschen aus Russland. Für diese differenzierte Bestandsaufnahme der Integration der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion erhielt sie den Förderpreis.
    Mehr Informationen zur vielseitigen Arbeit Merle Hilbks finden Sie unter: https://www.merle-hilbk.de/

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    Hauptpreis: Dr. Elena Seifert

    Der Hauptpreis ging an die Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin, Publizistin und Übersetzerin Dr. Elena Seifert (*1973). Geboren 1973 in einer russlanddeutschen Familie in Karaganda, Kasachstan, studierte sie an der Staatlichen Universität Karaganda Philologie, russische Sprache und Literatur, unterrichtete ab 1995 an derselben Universität am Lehrstuhl für russische und ausländische Literatur und erreichte gleichzeitig ihre Aspirantur im Fach Literaturtheorie.
    1999 verteidigte sie ihre Dissertation über russische Poesie im ersten Drittel des 19. Jh. an der Abai-Universität Alma-Ata und war danach Lehrbeauftragte und Dozentin an der Universität Karaganda im Fach „Russische und ausländische Literatur“.
    2008 verteidigte Elena Seifert ihre Doktorarbeit „Genre-Prozesse in der Poesie der Russlanddeutschen der zweiten Hälfte des 20. bis Anfang des 21. Jahrhunderts“ an der Moskauer Lomonossow-Universität. Für diese Monographie erhielt die bei zahlreichen internationalen Literaturwettbewerben ausgezeichnete Dr. Elena Seifert der Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises. Heute lebt und arbeitet sie in Moskau.
    Eine Übersicht ihrer mehrheitlich russischsprachigen Publikationen finden Sie unter: https://ru.wikipedia.org/wiki/Зейферт,_Елена_Ивановна

  • 2008Darstellende Kunst

    Der Russlanddeutsche Kulturpreis würdigte im Jahr 2008 herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Darstellenden Kunst.


    Ehrengabe: Tanzensemble Birkenhain

    Die Ehrengabe ging an das russlanddeutsche Tanzensemble „Birkenhain“ (2004-2014), unter der Leitung von Nadja Fuchs. Die Tanzgruppe aus Aschbach/Schlüsselfeld in Oberfranken versammelte überwiegend Tänzer aus dem deutschen Dorf Podsosnowo („das Dorf unter den Kiefern“) in der westsibirischen Kulunda-Steppe und wurde dafür gewürdigt, das russlanddeutsche Brauchtum über Landesgrenzen hinweg zu popularisieren.
    Zu sehen waren die in bayerischen Trachten kostümierten „Birkenhain“-Tänzer unter anderem beim Bundestreffen der Deutschen aus Russland 2004 (Karlsruhe) und 2007 (Wiesbaden), bei den Tagen der Russlanddeutschen Kultur in Berlin (2007), beim Jahrmarkt der Kulturen in Bad Salzuflen (2008) sowie während einer Gastspielreise zum Jahreswechsel 2007/2008 nach Argentinien. Eindrucksvoll war auch ihr Auftritt beim Sommerfest des Landesverbandes Bayern der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in Augsburg Ende August 2008. Im Jahr 2014 erhielt die Folkloretanzgruppe für die Pflege deutscher Kolonistentänze aus dem 17. Und 18. Jahrhundert die Ehrengabe des bayerischen Kulturpreises vom Bund der Vertriebenen.

    Förderpreis: Anna Hoffmann

    Den Förderpreis für Darstellende Kunst erhielt die Filmregisseurin Anna Hoffmann (*1980). Geboren wurde sie in Kasachstan und kam 1990 nach
    Deutschland. Heute wohnt Anna Hoffmann in Ludwigsburg. Nach einem Studium der Film- und Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin (2001-2002) studierte sie bis 2009 „Regie“ an der Filmakademie Baden-Württemberg mit der Fachrichtung Dokumentarfilm.
    Anna Hoffmann arbeitet als freie Autorin und Regisseurin, im Mittelpunkt ihres filmischen Schaffens stehen unter anderem Fragen nach der Identität der Russlanddeutschen, ihrer Geschichte und Gegenwart. Zu ihren vielbeachteten und ausgezeichneten Filmen gehören „Welche Richtung geht’s nach Hause?“ (2006), „Die Haushaltshilfe“ (2009/10) und „POKA“ (2014). Der Film „POKA“ läuft gelegentlich auf Kulturfernsehsendern, kann aber auch bestellt werden unter: http://www.bpb.de/…/260750/poka-heisst-tschuess-auf-russisch
    Hier können Sie weitere Werktitel einsehen: https://www.imdb.com/name/nm3292830/?ref_=fn_al_nm_3

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    Hauptpreis: Irene Langemann

    Mit dem Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2008 für Darstellende Kunst ehrte die Jury eine Filmregisseurin und Drehbuchautorin, die unkonventionelle Wege geht: Irene Langemann (*1959). Sie wurde in Issilkul, Gebiet Omsk (Russland), geboren, studierte Schauspiel und Germanistik an der Schtschepkin-Theaterhochschule in Moskau und machte sich anschließend als Schauspielerin, Regisseurin, Theaterautorin, Lyrikerin und Dramaturgin einen Namen. Sie veröffentlichte Kindererzählungen, Gedichte und Bühnenstücke in deutscher Sprache, unter anderem in der Zentralzeitung „Neues Leben“ und im Literaturalmanach „Heimatliche Weiten“.
    Eine kurze Zeit begleitete sie das 1980 gegründete Deutsche Schauspieltheater in Temirtau/Kasachstan. Ihre Stücke fanden einen festen Platz im Spielplan des Theaters. Ab 1983 moderierte und führte sie Regie beim russischen Fernsehen. Drei Jahre später leitete sie die freie Studiobühne „Nasch teatr“ am Moskauer Gebietstheater.

    Seit 1990 lebt Irene Langemann in Köln und hat inzwischen zahlreiche Dokumentarfilme für Fernsehsender als Drehbuchautorin oder Regisseurin geschaffen, etliche ihrer Filme wurden national und international gleich mehrfach ausgezeichnet. Dazu gehören „Russlands Wunderkinder“ (2000, Trailer), „Lale Andersen – Die Stimme der Lili Marleen“ (2001), „Die Martins-Passion“ (2004), die Momentaufnahme der post-sowjetischen Moskauer Gesellschaft „Rubljowka“ (2008, Trailer), „Russlands Wunderkinder 2“ (2010, Trailer) oder der im ARD ausgestrahlte Dokumentarfilm „Wir wollten einfach zusammen sein“ (2014) über drei Liebesgeschichten im Nachkriegsdeutschland.
    Im Mittelpunkt von Irene Langmanns Filmen stehen keine „gewöhnlichen“ Talente, es sind meist Grenzgänger zwischen Ländern, Kulturen und Sprachen, wie beispielsweise der russlanddeutsche Klaviervirtuose Prof. Rudolf Kehrer („Das Ende einer Odyssee...“, 1998) oder der russische Konzeptkünstler und politische Aktivist Pjotr Andrejewitsch Pawlenski (2017, Trailer).

    Hier können Sie weitere Filmtitel einsehen.

  • 2006Kunst

    Der Russlanddeutsche Kulturpreis ehrte im Jahr 2006 erneut Werke der Kunst.


    Ehrengabe: Jakob Wedel

    Die Ehrengabe erhielt der Bildhauer Jakob Wedel (1931-2014). Geboren im deutschen Dorf Nikolaipol, Kirgisien, war seine Familie in den 1930er- und 1940er-Jahren politischer Verfolgung und Repressionen ausgesetzt; während des deutsch-sowjetischen Kriegs (1941-1945) wurde der Rest seiner Familie in eine Sondersiedlung nach Bergtal, Kirgisien, deportiert.
    Mit 23 zog der Sondersiedler Wedel nach Frunse, Kirgisien, wo er in den nächsten Jahren Kunsttischler, Erfinder und Rationalisator zugleich war. Er studierte Bildhauerei und Angewandte Kunst, absolvierte Praktiken in Moskau und Leningrad, unterrichtete an einer Kunstschule und leitete das zentrale Labor für Volkskunst Kirgisiens. Mit 57 kam Jakob Wedel 1988 nach Deutschland, und noch im selben Jahr machte er mit seinen Plastiken bei einer Ausstellung in Detmold auf sich aufmerksam. Das Thema seiner über 800 Kunstwerke ist die russlanddeutsche Leidensgeschichte, sein persönlicher Schmerz und der Schmerz seiner Familie.
    Eine Sonderausstellung mit Jakob Wedels Werken befindet sich aktuell im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold.
    In Detmold hinterließ Jakob Wedel auch am berühmten Hermannsdenkmal seine Spur, nachzulesen auf dem Märchenblog magictatsch: https://magictatsch.com/2019/06/28/hermannsdenkmal/

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    Förderpreis: Eduard Hollmann

    Den Förderpreis erhielt der Künstler Eduard Hollmann (*1965). Er wurde in Aul, Kasachstan, geboren und studierte zwischen 1982 bis 1989 Bildende
    Kunst und Geschichte in Semipalatinsk, arbeitete kurz als Lehrer für Malen, Zeichnen und Werken, bis er nach Wladimir bei Moskau zog. Noch während des Studiums gewann er 1986 den Preis der Stadt Wladimir für sein Gestaltungsprojekt zu ihrem 1000-jährigen Gründungsjubliäum.
    2002 übersiedelte Eduard Hollmann nach Deutschland und lebt in Neu-Ulm, wo er sich inzwischen als Künstler und Pädagoge etabliert hat und aktuell zur Freien Künstlergruppe Ulm/Neu-Ulm gehört. Er hat mehrmals in Neu-Ulm und Umgebung ausgestellt sowie mehrere Kreativ- und Kunstprojekte, Workshops und Aktionen durchgeführt. Über seine Kunst sagt Eduard Hollmann, dass es ihm darum geht, „mit Form und Farbe nicht das Äußere, was den Menschen umgibt, sondern seine innere Stimme und Stimmung auszudrücken“.
    Einen Einblick in seine Arbeit bieten die Videos „das filmportrait“: (1) https://www.youtube.com/watch?v=AlvFFBCb7_A, (2) https://www.youtube.com/watch?v=OQd9bseMipI, (3) https://www.youtube.com/watch?v=9kL_gh7UdVQ.

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    Hauptpreis: Nikolaus Rode

    Im Jahr 2006 ging der Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises an den Künstler Nikolaus Rode (*1940). Geboren wurde er 1940 in der deutschen Kolonie Eigental im Schwarzmeergebiet und erlebte als Kleinkind die Flucht, Vertreibung und Verschleppung seiner Familie – 1943 über den Warthegau nach Ostdeutschland und 1945 für viele Jahre nach Sibirien.

    Nach Aufhebung der Kommandanturaufsicht über die Deutschen in der Sowjetunion arbeitete Nikolaus Rode als Plakatgestalter, von 1963 bis 1968 studierte er Bühnenbild in Taschkent und von 1971 bis 1976 Grafikdesign in Moskau. Bis zu seiner Ausreise nach Deutschland 1980 arbeitete Rode als Bühnenbildner am Städtischen Theater Omsk und als Graphikdesigner im Kunstfonds Omsk.
    In Deutschland arbeitete er bis 2004 als Bühnenbildner und Theatermaler bei den Städtischen Bühnen Krefeld-Mönchengladbach. Außerdem illustrierte er Bücher, gestaltete Plakate und Kataloge, beschäftigte sich mit Innen- und Außenarchitektur und stellte mehrfach im In- und Ausland aus, zuletzt in Aachen (2018) und bei den Russlanddeutschen Kulturtagen 2019 im nordrhein-westfälischen Landtag.
    Nikolaus Rodes Kunst handelt von der Leidens- und Verfolgungsgeschichte der Russlanddeutschen im 20. Jahrhundert und ist damit untrennbar mit seiner eigenen Lebensgeschichte verknüpft. Häufige Motive seines künstlerischen Schaffens sind: Krieg und Tod, Flucht und Vertreibung, Stacheldraht, Baumstümpfe und Fußspuren im Schnee, Zwangsarbeit in den Wäldern Sibiriens und Gewalt, Kälte und Schmerz der Ausgrenzung, die „nationale Zwangsjacke“ sowie das An-die-Wand-gestellt-und-zur-Zielscheibe-gemacht-werden – sowohl in Russland als auch in Deutschland.
    Ausgewählte Bilder sowie einen Bericht der Aachener Ausstellung (2018) finden Sie in der „Volk auf dem Weg“-Ausgabe Nr. 8-9: https://logoi.de/…/Nikolaus-Rode_Stummer-Schrei_Volk-auf-de…

  • 2004Musik

    Im Jahr 2004 lobte das Land Baden-Württemberg den Russlanddeutschen Kulturpreis für die Kategorie Musik aus.

    Ehrengabe: Prof. Wladimir Wecker
    Die Ehrengabe erhielt einer der führenden Komponisten Russlands im 20. Jahrhundert, Prof. Wladimir Wecker (*1947). Geboren in Kopejsk, Gebiet Tscheljabinsk (Russland), studierte er an der Tschajkowski-Musiklehranstalt Knopfakkordeon und anschließend (1970) am Ural-Konservatorium Akkordeon und Komposition. Nach dem Studienabschluss 1975 arbeitete Prof. Wladimir Wecker in seiner Heimatstadt und widmete sich intensiv der kompositorischen Tätigkeit; 1981 wurde er Mitglied des Komponistenverbandes der UdSSR und war ab 1991 Dozent am Institut für Kunst und Kultur. Im Jahr 1994 siedelte er nach Deutschland aus und lebt in Rottenburg am Necker.
    Seit Jahren schon kümmert sich Prof. Wladimir Wecker als Dirigent um das traditionsreiche Mandolinen-Orchester Reutlingen, das bei zahlreichen Konzerten auch seine Stücke spielt. Sein kompositorisches Werk umfasst Orchester-, Instrumental- und Vokalmusik. Den Russlanddeutschen Kulturpreis erhielt er für seine „Neue Musiktheorie“ (Verlag Die Blaue Eule, Band 55, ISBN 3-89206-017-7 in der Reihe Musikwissenschaft/Musikpädagogik). Zum Selbernachspielen finden Sie die Noten zu Prof. Wladimir Weckers Akkordeon- und Zupfstücken zu erschwinglichen Preisen unter: trekel-musikverlag.de

    Förderpreis: Olga Gollej
    Den Förderpreis erhielt 2004 die inzwischen mehrfach preisgekrönte Klaviervirtuosin Olga Gollej (*1983). Geboren in Pawlodar, Kasachstan, wurde sie bereits ab dem fünften Lebensjahr aufgrund ihrer musikalischen Begabung gefördert. Ihre Familie lebt seit 1993 in Weimar, wo Olga Gollej bereits vor ihrem Studium an der Musikhochschule Franz Liszt Weimar sowie dem „Mozarteum“ in Salzburg“ (2002-2007) und der Meisterklasse von Peter Waas in Weimar (2008) erste Auszeichnungen gewann. Dank weiterer Preise hörten auch Musikliebhaber in vielen Ländern Europas, Südamerikas und des Nahen Ostens das Klavierspiel der herausragenden Musikerin. In Deutschland brilliert Olga Gollej oft mit dem Leipziger Streichquartett, das neben dem „Ensemble Kontraste“ und dem Bariton Stephan Genz zu ihren regelmäßigen Kammermusikpartnern gehört. Gemeinsam mit dem Mitglied der Staatskapelle Dresden, Matthias Wilde, gründete sie die Anhaltinischen Kammermusiktage im Gartenreich Dessau-Wörlitz, die alljährlich im Herbst internationale Musikgrößen nach Wörlitz locken. Seit 2013 ist Olga Gollej Geschäftsführerin der Internationalen Gluck Opern Festspiele in Nürnberg.
    Eine Hörprobe von Olga Gollejs Klavierkunst finden Sie unter: https://www.youtube.com/watch?v=Cvrfk8iP82E ansonsten können CDs mit ihrer Musik eingekauft werden unter: https://www.jpc.de/s/olga+gollej
    Hauptpreis: Prof. Rudolf Kehrer
    Das Talent des Hauptpreisträgers 2004 kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden: Prof. Rudolf Kehrer (1923-2013), geboren in Tiflis, Georgien, war ein vielversprechender Nachwuchspianist, der mit nur elf Jahren zu einer hochbegabten Jugendgruppe gehörte, die staatlich gefördert wurde. Doch mit dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Kriegs (1941-1945) wurde seine Familie nach Kasachstan deportiert und er selbst arbeitete auf einer Baumwollplantage – 13 lange Jahre konnte er weder Musik hören noch selbst spielen, doch er übte trotzdem. Die Klaviatur zeichnete er auf ein Brett, bewegte die Finge und ließ die Musik in seinem Kopf erklingen. Als Prof. Rudolf Kehrer längt er keine Hoffnung mehr auf eine Musikkarriere hatte, ließ er sich im Fernstudium zum Mathematiklehrer ausbilden und unterrichtete in der Schule.
    Doch dann lockerten sich die Bestimmungen für die Deutschen in der Sowjetunion und das verborgene Talent bahnte sich seinen Weg: 1954 begann er im Alter von 31 Jahren ein Klavierstudium in Taschkent, Usbekistan, das er mit Auszeichnung abschloss, sodass er noch im selben Jahr eine Berufung auf einen Lehrstuhl des Konservatoriums Taschkent erhielt. Als er 1961 den 2. Allunionswettbewerb gewann, berief man ihn als Professor an das Tschaikowski-Konservatorium in Moskau, und er wurde gleichzeitig Solopianist an der Moskauer Philharmonie. Erst Ende der 1980er Jahre durfte er auch in das westliche Ausland reisen. 1990 erhielt er eine Berufung als Gastprofessor an der Musikhochschule Wien, die er bis 1998 innehatte. Während seiner intensiven Konzerttätigkeit mit über 2.000 Konzerten in mehr als 330 Städten unternahm er Tourneen in der Sowjetunion, in Ungarn, Rumänien, Polen, Japan und anderen Ländern. Sein Repertoire konzentrierte sich auf Komponisten der Romantik wie Liszt und Chopin, doch auch russische Komponisten wie Rachmaninow und Prokofjew hatte er in seinem Programm.
    Lauschen Sie dem begnadeten Konzertpianisten unter der folgenden Musikliste: Musikliste

  • 2002Literatur

    Im Jahr 2002 kam beim Russlanddeutschen Kulturpreis wieder die Kategorie Literatur an die Reihe.

    Ehrengabe: Dr. Viktor Heinz
    Mit der Ehrengabe wurde das Gesamtwerk vom Schriftsteller, Dichter und Dramatiker Dr. Viktor Heinz (1937-2013) ausgezeichnet. Geboren als Sohn eines Lehrers in Nowoskatowka (Schöntal) bei Omsk, Westsibirien, studierte er 1959 bis 1963 Deutsche Sprache und Literatur in Nowosibirsk. An der Pädagogischen Hochschule Omsk widmete er sich der Sprach- und Mundartforschung in Sibirien und promovierte 1971 zum Thema „Oberhessische Dialekte in Omsk“. Zwischen 1974 und 1984 arbeitete Dr. Viktor Heinz als Lehrstuhlleiter für Fremdsprachen an der Pädagogischen Hochschule in Petropawlowsk und war anschließend Literaturredakteur der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ in Almaty.
    Sein dreiteiliges Stück „Auf den Wogen der Jahrhunderte“, aufgeführt vom Deutschen Schauspieltheater Temirtau in den 1980er Jahren, trug zum Erwachen des nationalen Selbstbewusstseins der Russlanddeutschen bei und machte den Schriftsteller landesweit bekannt. Seit 1992 lebte und arbeitete Dr. Viktor Heinz als Schriftsteller in Göttingen und gehörte zu den Mitgründern des Literaturkreises der Deutschen aus Russland; er war lange Jahre Lektor der deutschsprachigen Almanache des Vereins.
    Zu seinem reichen literarischen Erbe gehören auch Gedichte, die Sie finden unter: http://wolgaheimat.net/Literat…/Viktor_Heinz/vh-gedichte.htm
    Förderpreis: Eleonora Hummel
    Der Förderpreis ehrte die damals neuentdeckte und inzwischen mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin Eleonora Hummel (*1970). Sie wurde in Kasachstan geboren und zog als Zehnjährige mit ihren Eltern in den Kaukasus, bis ihre Familie 1982 in die DDR auswanderte. Eleonora Hummel studierte Fremdsprachenkorrespondenz und ist seit 1995 literarisch aktiv. Inzwischen hat sie vier Romane veröffentlich, von denen zwei autobiographisch geprägt waren (Die Fische von Berlin, Die Venus im Fenster) und einer die Frauenschicksale in sowjetischen Arbeitslagern behandelt (In guten Händen, in einem schönen Land).
    Ihr neuester Roman erschien 2019: „Die Wandelbaren“ beschäftigt sich mit der Geschichte des Deutschen Schauspieltheaters Temirtau, aber auch mit dem Verlust und der Rückeroberung der deutschen Muttersprache.
    Weitere Informationen und Termine zu Lesungen und Workshops mit der Autorin finden Sie unter: eleonora-hummel.de

    Hauptpreis: Dr. Alfred Eisfeld
    Mit dem Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2002 ehre das Land Baden-Württemberg den Historiker Dr. Alfred Eisfeld (*1951) für seinen Beitrag zur russlanddeutschen Geschichtsforschung.
    Geboren in Uwa, Udmurtische ASSR, lebt Eisfeld seit 1973 in Deutschland (Göttingen). Er studierte Osteuropäische Geschichte, Politische Wissenschaften und Zeitungswissenschaften in Bonn und München und promovierte 1983 mit dem Thema „Deutsche Kolonien an der Wolga 1917-1919 und das Deutsche Reich“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
    1984 bis 1987 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Osteuropa-Institut München, 1987 bis 1988 Wissenschaftlicher Referent des Göttinger Arbeitskreises, danach Geschäftsführer des Göttinger Arbeitskreises und ab 1990 Geschäftsführender Leiter des Instituts für Deutschland- und Osteuropaforschung des Göttinger Arbeitskreises. Von 2002 bis 2010 leitete Eisfeld die Abteilung Göttingen des Nordost-Institut (IKGN e.V.) an der Universität Hamburg; dort war er zwischen 2010 und 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter.
    Über Jahrzehnte hat Dr. Alfred Eisfeld nahezu alle Aspekte der Geschichte und Kultur der russlanddeutschen Volksgruppe thematisiert und dokumentiert. Aus der Zusammenarbeit mit Archiven in Russland, Aserbaidschan und der Ukraine sind annotierte Findbücher für Archivbestände hervorgegangen, die Dokumente zur Geschichte der Russlanddeutschen enthalten. Er war Redaktionsmitglied der Enzyklopädie „Die Deutschen Russlands“, einem Standardwerk über die Russlanddeutschen, und beteiligte sich mehrfach an internationalen Forschungsseminaren, die vom Internationalen Verband der Deutschen Kultur
    (Moskau, RusDeutsch) veranstaltet wurden, und den daran anschließenden Publikationen. Eine Auswahl der von Dr. Alfred Eisfeld verfassten und mit herausgegebenen Schriften finden Sie unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Eisfeld
  • 2000Kunst

    Nach Literatur und Musik vergab das Land Baden-Württemberg den Russlanddeutschen Kulturpreis im Jahr 2000 in der Kategorie Kunst. Anstatt zweier Förderpreise gab es einen Förderpreis und die erste Ehrengabe!

    Ehrengabe: Andreas Predigerdiv>
    Die Ehrengabe ehrte das Lebenswerk von Andreas Prediger (1926-2017). Er wurde geboren in Marienfeld an der Wolga als Sohn eines Dorfschmieds und litt als junger Mensch unter den Widrigkeiten jener Zeit. So war er von seinem 17. bis 28. Lebensjahr (1943-1954) Zwangsarbeiter in einer Kohlengrube bei Kemerowo. Nichtsdestotrotz verwirklichte er seinen Traum vom Künstlerberuf, eignete sich im Selbst- und Fernstudium das Künstlerhandwerk an und arbeitete als Kunstlehrer in der Schule und als Dekorateur in Prokopjewsk, im Gebiet Kemerowo.
    Das Hauptthema von Andreas Predigers Arbeiten war stets die russlanddeutsche Leidensgeschichte in der Sowjetunion, der er nach seiner Aussiedlung im Jahr 1993 in seiner neuen Heimat Bad Reichenfall zu wachsender Bekanntheit verhalf.
    Sie wollen selbst sehen, wie Andreas Prediger mit seiner Kunst beim Publikum Betroffenheit hervorrief? Dann besuchen Sie die digitale Bildergalerie unter: http://01.andreas-prediger.de/

    Förderpreis: Angelina Bobb
    Mit dem Förderpreis wurde Angelina Bobb (*1975) ausgezeichnet. Geboren in Alma-Ata, Kasachstan, studierte sie ab 1993 Kunst an der Universität Almaty und vertiefte ihre Kenntnisse der klassischen Malerei nach der Aussiedlung im Jahr 1996 in jahrelangen Aufbaustudien.
    Von 1999 bis 2008 studierte Angelina Bobb an der renommierten Hochschule für Kunst und Design an der Burg Giebichenstein in Halle (Saale), wo sie das Diplom für Bildende Künste im Studiengang Malerei/Grafik erwarb – zeitgleich mit ihrem Ehemann Andrey Bobb, der einige seiner und Angelinas Kunstwerke von bundesweiten und internationalen Ausstellungen auf Instagram dokumentiert: https://www.instagram.com/bobb_art/
    In den letzten Jahren beschäftigte Angelina Bobb sich mit Absurdität in der bildenden Kunst. Sie versucht, herauszufinden, „in welchen Mechanismen und Abhängigkeiten sie steckt. Und wie wir, als Künstler oder Betrachter, mit den Beschränkungen unseres Verstehens umgehen.“ Über ihre Kunst sagt sie: „In meinen Bildern stelle ich Vertrautes in so ungewöhnliche Zusammenhänge, dass es ins Bedrohliche kippt. Es entsteht einerseits ein Raum der Sinnleere, andererseits aber auch ein Ort für Sinnfragen.“

    Hauptpreis: Peter Dik
    Der Hauptpreis des Russlanddeutschen Kulturpreises 2000 (Kunst) ging an einen der größten bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts in Russland: Peter Dik (1939-2002). Geboren in dem deutschen Steppendorf Gljaden, Altairegion, studierte er Kunst in Swerdlowsk und Moskau (1968-1973), lebte und wirkte danach in Wladimir. Inspiriert von der altrussischen Kunst der Ikonen und Fresken erfuhr Peter Dik gewaltige Anerkennung für seine meisterhafte Pastellmalerei und die ausschließlich von ihm angewandte Technik. 1977 wurde er in den Kunstverband der Sowjetunion aufgenommen, 1991 wurde er in Russland mit dem Titel „Verdienter Künstler“ und 1999 mit der Auszeichnung „Volkskünstler“ geehrt. Dies ermöglichte ihm, sich durch Reisen und Studienaufenthalte weiterzuentwickeln, zuerst in den ehemaligen Sowjetrepubliken Lettland, Georgien, Armenien und Estland, ab 1992 auch in Deutschland. Einzelausstellungen hatte er unter anderem in Wladimir, Moskau, St. Petersburg, London, Erlangen, Nürnberg und Bozen.
    Möchten auch Sie sich in den Bann von Peter Diks Bildern ziehen lassen? Sie finden eine üppige Online-Galerie unter: http://pyotrdik.ru/de
  • 1998Musik

    Nach der Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises im Jahr 1997 kam 1998 wieder der Russlanddeutsche Kulturpreis an die Reihe, diesmal mit gleich drei Auszeichnungen in der Kategorie Musik.

    Förderpreis: Marie-Luise Bodendorff
    Einer der beiden Förderpreise ging an eine Pianistin mit Faible für internationale Klassik: Marie-Luise Bodendorff (*1983). In Augsburg geboren wuchs die hochbegabte Pianistin in einer russlanddeutschen Musikerfamilie auf. Seit den 1990er-Jahren gewann Sie zahlreiche Wettbewerbe und trat als Solistin unter anderem mit dem Kurpfälzischen Kammerorchester, der Neuen Philharmonie Westfalen, dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, dem Bacau Philharmonic Orchestra, dem Kharkov Philharmonic Orchestra sowie dem Folkwang Kammerorchester Essen auf.
    Und heute? Seit dem Wintersemester 2016/17 unterrichtet Bodendorff im Fach Klavier an der Königlichen Hochschule für Musik in Kopenhagen. Wer dieser begnadeten Pianistin selbst lauschen möchte, findet Hörproben und selbstverständlich Konzertinformationen unter: marie-luise-bodendorff.de
    Förderpreis: Peter Schulmeister
    Der andere Förderpreis ging an den mehrfach preisgekrönten Geiger Peter Schulmeister (*1977). Er wurde in Omsk geboren und feierte noch vor der Aussiedlung seiner Familie nach Deutschland im Jahr 1990 erste nationale und internationale Erfolge, unter anderem als Solokünstler. Auch danach setze sich Peter Schulmeisters aufsehenerregende Karriere fort und ihn schmücken unzählige Preise. Er hatte solistische Engagements mit anerkannten Orchestern in Deutschland, Frankreich, Schweden, Russland, China und der Schweiz, in den USA, Brasilien, Argentinien und Asien.
    Und heute? Als ausgewiesener Orchestermusikprofi wird Peter Schulmeister von international führenden Orchestern regelmäßig als Konzertmeister eingeladen; derzeit ist er Konzertmeister des königlichen Opernhauses London. Informieren Sie sich (auf Englisch) über seine jüngsten Projekte: http://www.roh.org.uk/people/peter-schulmeister
    Hauptpreis: Konstantin Erhard
    Hauptpreisträger: der Komponist, Pianist und Musikpädagoge Konstantin Erhard (*1953).
    Geboren in Michailow, Rjasan, absolvierte er ein Studium des Klaviers und der Musiktheorie und lehrte beide Fächer an der Fachschule für Musik in Nowomoskowsk, Tula. Nach seiner Aussiedlung in die DDR im Jahr 1986 arbeitete er bis 1988 als Ballettrepetitor am Deutschen Nationaltheater in Weimar.
    Seit 1988 ist er Musikpädagoge für Klavier an der Städtischen Musikschule Jena und freischaffender Komponist. Außerdem hat er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, wo er am Institut für Jazz Klavier als Nebenfach und Jazz unterrichtet.
  • 1996Literatur

    Preis: Nelly Däs
    In diesem ersten Jahr ehrte das Land Baden-Württemberg in der Kategorie Literatur die „Chronistin der Deutschen aus Russland“, die Schriftstellerin Nelli Däs (*1930).

    Seit dem Ende der 1960er Jahre hielt Nelli Däs über 2.000 Buchlesungen und Vorträge. Am bekanntesten aber wurde ihr Buch „Das Mädchen vom Fährhaus“: es wurde vom ZDF mit dem Regisseur Thorsten Näher verfilmt und 1996 als Zweiteiler unter dem Titel „Nadia - Heimkehr in die Fremde“ gesendet (Teil 1 und Teil 2)

    Nelli Däs war aber nicht nur als Schriftstellerin erfolgreich. Für ihren jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Goldene Ehrennadel der LmDR und des Landes Baden Württemberg, die Goldene Ehrennadel mit Eichenlaub des Deutschen Roten Kreuzes sowie die Goldene Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen.
    Weitere Informationen zu Nelli Däs sowie Leseproben finden Sie unter: nellydaes.de
Wussten Sie, dass der seit 1996 vergebene „Russlanddeutsche Kulturpreis“ einen Vorgänger hatte? Genau genommen zwei Vorgänger, denn 1990 und 1991 wurden zwei russlanddeutsche Kulturschaffende für ihr Gesamtwerk posthum geehrt.
  • 1991Musik

    Preis: Georg von Albrecht
    Der nächste Kulturpreis im Jahr 1991 ehrte den Komponisten, Pianisten und Hochschullehrer Georg von Albrecht (1891-1976). Geboren in Kasan als Sohn eines deutschen Mathematiker-und-Pianisten-Paars nahm der Kosmopolit von Albrecht die Musik praktisch mit der Muttermilch auf.

    Sein musikalisches und musikwissenschaftliches Studium absolvierte er in Moskau, St. Petersburg und Stuttgart – der Staatlichen Hochschule für Musik in Stuttgart erhielt er 1945 den Professorentitel. Georg von Albrecht hinterließ Orchester- und Kammermusik, Instrumental- und Vokalwerke, Orgelmusik, darunter zahlreiche Klavierwerke, Solowerke für Streicher, Sololieder mit unterschiedlicher Begleitung (meist in Zyklen zusammengefasst), Chorsätze nach deutschen Gedichten und geistliche für den römisch-katholischen und den russisch-griechischen orthodoxen Ritus.
  • 1990Kunst

    Preis: Otto Flath
    1990 verlieh das Land Baden-Württemberg den symbolischen Kulturpreis an den Maler und Bildhauer Otto Flath (1906-1987). Er wurde in Kiew in eine einfache Bauernfamilie geboren, doch gelangte seine Familie nach der bolschewistischen Revolution nach Schleswig-Holstein. So genießt sein Schaffen im norddeutschen Raum bis heute die größte Bekanntheit.

    Otto Flaths Kunstwerke, darunter über 3.500 Holzskulpturen, behandeln religiöse und mythologische Themen. Er schuf über 50 Altäre, die Kirchen in Deutschland, Finnland, Schweden und Dänemark, aber auch in den USA und Südafrika schmücken.

    Sie möchten einige der Kunstwerke selbst sehen? Dann besuchen Sie die Otto-Flath-Kunsthalle in Bad Segeberg! Die Adresse und weitere Informationen zu Otto Flath finden Sie unter: otto-flath.de