Ansprache des Bundesvorsitzenden Eisenbraun anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion

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Eisenbraun Waldemar 6177

Wal­de­mar Eisen­braun (Bun­des­vor­sit­zen­der)

Ver­ehrte Ehren­gäste,
geschätzte Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,
liebe Lands­leute,
sehr geehrte Damen und Her­ren,

im Namen des Bun­des­vor­stan­des der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land danke ich Ihnen, dass Sie unse­rer Ein­la­dung gefolgt sind, gemein­sam der tra­gi­schen Ereig­nisse zu geden­ken, deren Opfer meine Lands­leute in der Sowjet­union wur­den.

Sinn­bild die­ses Lei­dens ist der Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­union „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ vom 28. August 1941. Die Wol­ga­deut­schen – und in der Folge auch die ande­ren Deut­schen des Lan­des – wur­den darin ohne jeden Grund der Kol­la­bo­ra­tion mit Hit­ler-Deutsch­land bezich­tigt.

Schließ­lich wur­den alle Russ­land­deut­schen aus dem euro­päi­schen Teil der Sowjet­union hin­ter den Ural, nach Sibi­rien und Kasach­stan depor­tiert, wo Zwangs­ar­beit und unmensch­li­che Lebens­be­din­gun­gen auf sie war­te­ten.

Der russ­land­deut­sche His­to­ri­ker Dr. Vik­tor Krie­ger kommt – selbst bei einer vor­sich­ti­gen Schät­zung — auf eine Gesamt­zahl der russ­land­deut­schen Opfer des sta­li­nis­ti­schen Ter­rors von 480.000 Per­so­nen. Eine unge­heu­er­li­che Anzahl — zumal die Eth­nie zu Beginn der 1950er Jahre ledig­lich 1,35 Mil­lio­nen Men­schen zählte.

Als Rechts­nach­fol­ge­rin der Sowjet­union steht die Rus­si­sche Föde­ra­tion nach unse­rer Ansicht in der Pflicht, die Fol­gen des Depor­ta­ti­ons­er­las­ses fak­ti­sch und voll­stän­dig zu besei­ti­gen. Die Reha­bi­li­ta­tion unse­rer Volks­gruppe, die ohne jede Schuld zum Opfer zweier Unrechts­re­gime wur­den, ist längst über­fäl­lig!

Die tra­gi­schen Ereig­nisse haben sich in das Gedächt­nis russ­land­deut­scher Fami­lien ein­ge­brannt. Kaum eine von ihnen wurde von den Repres­sio­nen und Mas­sen­mor­den des Sta­lin-Regimes ver­schont.

Den­noch — und das sage ich mit gro­ßem Bedau­ern! — ist die Geschichte der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Bewusst­seins der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Diese Geschichte scheint nicht zu exis­tie­ren. Sie wird im Schul­un­ter­richt nicht behan­delt, die Medien berich­ten dar­über bes­ten­falls spo­ra­di­sch und unaus­ge­wo­gen. Daher ist meine ein­dring­li­che Bitte, der Geschichte und dem Schick­sal der Deut­schen aus Russ­land mehr Auf­merk­sam­keit zu wid­men – auch und gerade um ihre vor­bild­li­chen Inte­gra­ti­ons­leis­tun­gen in ange­mes­se­ner Weise wür­di­gen zu kön­nen.

Ich bin sehr besorgt wegen der nega­ti­ven Pau­scha­li­sie­rung in den bun­des­deut­schen Medien in Bezug auf die Deut­schen aus Russ­land. So wur­den aus ver­ein­zel­ten auf­fäl­li­gen Vor­komm­nis­sen wie im Fall „Lisa“ Vor­würfe gegen die Gesamt­heit der Volks­gruppe kon­stru­iert. Oft wurde der Ein­druck ver­mit­telt, die Deut­schen aus Russ­land wür­den sich von der Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie Mos­kaus miss­brau­chen las­sen. Ohne jede Ver­harm­lo­sung betone ich erneut: Es han­delte sich um nicht reprä­sen­ta­tive Ein­zel­fälle.

Kaum eine andere Volks­gruppe in der Bun­des­re­pu­blik ist immu­ner gegen jede Form von poli­ti­scher Radi­ka­li­sie­rung als die Deut­schen aus Russ­land. Sie bzw. ihre Eltern und Groß­el­tern haben haut­nahe Erfah­run­gen mit tota­li­tä­ren Sys­te­men gemacht und wer­den sich daher in ihrer gro­ßen Mehr­heit nie­mals Popu­lis­ten und poli­ti­schen Pro­vo­ka­teu­ren anschlie­ßen. Und wir sind uns doch sicher darin einig, dass die mehr­heit­lich kon­ser­va­ti­ven Ein­stel­lun­gen der Russ­land­deut­schen nichts mit Radi­ka­li­tät zu tun haben.

Viel­mehr zeich­nen sich gerade meine Lands­leute durch eine aus­ge­spro­chen große Loya­li­tät der Bun­des­re­pu­blik und ihrem demo­kra­ti­schen Wer­te­sys­tem gegen­über aus. Sie haben sich in Jahr­zehn­ten der Unfrei­heit und Ent­rech­tung nach Respekt und Gleich­heit gesehnt. Nach ihrer Rück­kehr in die Hei­mat ihrer Vor­fah­ren haben auch sie in Deutsch­land eine Hei­mat gefun­den.

Nach mei­ner Auf­fas­sung ist für eine aus­ge­prägte Loya­li­tät nicht das Vor­han­den­s­ein von nur einer Staats­an­ge­hö­rig­keit ent­schei­dend, son­dern eine gefes­tigte Iden­ti­tät, Rechtstreue und ein gemein­sa­mes Wer­te­sys­tem.

Unser Ver­band wird sich wei­ter­hin dafür ein­set­zen, dass unsere Lands­leute in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­rei­sen dür­fen. Ich begrüße es aus­drück­lich, dass die Bun­des­re­gie­rung ihrer his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung für die Deut­schen aus Russ­land wei­ter­hin gerecht wird und nach wie vor an der Aner­ken­nung ihres kol­lek­ti­ven Kriegs­fol­gen­schick­sals fest­hält.

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­tion der Deut­schen in der Sowjet­union hat die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land eine umfang­rei­che Gedenk­schrift her­aus­ge­ge­ben, die sich unter dem Titel „Ent­rech­tet – Ent­wür­digt – Ent­wur­zelt“ mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Ver­fol­gung der Russ­land­deut­schen befasst.

Die Schau­pro­zesse in der Sowjet­union Sta­l­ins der Jahre 1937 und 1938 gehö­ren ebenso dazu wie die Depor­ta­tio­nen, die mit dem Erlass vom 28. August 1941 ihren Höhe­punkt erreich­ten, die Ver­brin­gung in die Zwangs­ar­beits­la­ger der so genann­ten „Tru­dar­mee“ oder die Recht­lo­sig­keit in den Son­der­sied­lun­gen, die erst Ende 1955 auf­ge­löst wur­den.

Abschlie­ßend möchte ich Fol­gen­des fest­stel­len:

Die par­tei­po­li­ti­sche Land­schaft hat sich in den letz­ten Jah­ren euro­pa­weit merk­lich ver­än­dert. Die bewaff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die andau­ernde Flücht­lings­krise und die dro­hende Alters­ar­mut füh­ren dazu, dass Men­schen zuneh­mend ver­un­si­chert sind und nach schnel­len Pro­blem­lö­sun­gen suchen. Dabei ist das kein rein deut­sches Phä­no­men, wie ein Blick auf die Ent­wick­lun­gen in den benach­bar­ten Län­dern zeigt.

Von den eta­blier­ten Par­teien erwarte ich durch­dachte und ver­ständ­lich kom­mu­ni­zierte Pro­blem­lö­sun­gen. Das Ver­trauen in den Staat, seine Organe und Behör­den muss wie­der her­ge­stellt wer­den.

Mei­nen Lands­leu­ten wün­sche ich mehr Mün­dig­keit, Resis­tenz gegen Paro­len und Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che und poli­ti­schen Weit­blick. Ich bitte auch darum, mehr Geduld für die Auf­klä­rung von ein­zel­nen Vor­gän­gen auf­zu­brin­gen, da vor­schnelle Urteile und Hand­lun­gen nicht sel­ten fal­sch sein kön­nen. Im Hin­blick auf die anste­hen­den Wahlen rufe ich zu einer regen Wahl­be­tei­li­gung auf.

Ich bedanke mich herz­lich bei allen Betei­lig­ten für die Vor­be­rei­tung und Mit­ge­stal­tung von Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, die bun­des­weit statt­ge­fun­den haben.

Nun schließe ich gerne mit dem Motto der Lands­mann­schaft
„Zusam­men­hal­ten – Zukunft gestal­ten“

Wal­de­mar Eisen­braun
Bun­des­vor­sit­zen­der

Mitteilung der Landsmannschaft zur Gedenkveranstaltung in Berlin

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75JahreDeportation

H. Kos­chyk, W. Eisen­braun, Dr. T. de Mai­zière, H. Zer­tik


Im Mit­tel­punkt der Gedenk­ver­an­stal­tung am 28.08.2016 in der Aka­de­mie der Kon­rad-Ade­nauer-Stif­tung stand die Erin­ne­rung an die russ­land­deut­schen Opfer des sta­li­nis­ti­schen Regimes, die nach dem Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­union vom 28. August 1941 „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ aus ihren Sied­lungs­ge­bie­ten im euro­päi­schen Teil der Sowjet­union nach Sibi­rien und Zen­tral­asien depor­tiert wur­den.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Dr. Tho­mas de Mai­zière führte in sei­ner Anspra­che aus: „Heute vor genau 75 Jah­ren wur­den die Wol­ga­deut­schen der Kol­la­bo­ra­tion mit dem Deut­schen Reich bezich­tigt und in den fol­gen­den Tagen ent­eig­net, ent­rech­tet und kol­lek­tiv nach Sibi­rien und Zen­tral­asien ver­trie­ben. Wir rufen uns heute die Fami­lien ins Gedächt­nis, die ihre Hei­mat ver­lo­ren haben, wir den­ken heute an die vie­len Opfer, die die Stra­pa­zen der Ver­ban­nung nicht über­leb­ten.“ „Die soziale Unter­stüt­zung und Sprach­för­de­rung der Russ­land­deut­schen gehö­ren heute zur gesell­schaft­li­chen und his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung der Bun­des­re­gie­rung“, so der Minis­ter wei­ter.

Der Beauf­tragte der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­nale Min­der­hei­ten, Hart­mut Kos­chyk, wies in sei­ner Rede dar­auf hin, dass die beson­dere Wert­schät­zung der Deut­schen aus Russ­land sei­tens der Bun­des­re­gie­rung bei­spiels­weise in der Wei­ter­ent­wick­lung der Kon­zep­tion zur Bewah­rung der Kul­tur und Geschichte der Deut­schen im öst­li­chen Europa nach § 96 Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz (BVFG) zum Aus­druck komme.

Auf die Frage, was die Russ­land­deut­schen heute in Deutsch­land am meis­ten ver­mis­sen, würde ich ant­wor­ten: die gesell­schaft­li­che Wert­schät­zung, eine dif­fe­ren­zierte Auf­merk­sam­keit und die Prä­senz in poli­ti­schen Gre­mien. Mit gro­ßem Bedau­ern muss ich fest­stel­len, dass die Geschichte der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Bewusst­seins der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist“, sagte in sei­nem Gruß­wort Wal­de­mar Eisen­braun, Bun­des­vor­sit­zen­der der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land.

Bei der Kranz­nie­der­le­gung auf dem Park­fried­hof Ber­lin-Mar­zahn am Denk­mal für die russ­land­deut­schen Opfer des Sta­li­nis­mus dankte der Bür­ger­meis­ter und Sena­tor für Inne­res und Sport des Lan­des Ber­lin, Frank Hen­kel, der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land für die Orga­ni­sa­tion sol­cher Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, die dazu bei­trü­gen, die Erin­ne­rung an das schwere Schick­sal der Russ­land­deut­schen wach­zu­ru­fen.

Die Schirm­herr­schaft über die Gedenk­ver­an­stal­tung hatte der russ­land­deut­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete Hein­rich Zer­tik über­nom­men.

Für die Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung der Gedenk­ver­an­stal­tung bedankt sich die Lands­mann­schaft bei ihren Koope­ra­ti­ons­part­nern, der „Deut­schen Gesell­schaft e.V.“, der „Kon­rad-Ade­nauer-Stif­tung“ und dem „Museum für russ­land­deut­sche Kul­tur­ge­schichte“ in Det­mold.

Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land

 


Link zur Mit­tei­lung der Lands­mann­schaft zur Gedenk­ver­an­stal­tung in Ber­lin (pdf)

Trauer um Josef Schleicher

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Josef SchleicherDie Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land trau­ert um den schmerz­vol­len Ver­lust ihres ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ters Josef Schlei­cher, der sich als enga­gier­ter Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung, lang­jäh­ri­ger Ide­en­spen­der und Mit­ge­stal­ter des Ver­ban­des vor Ort und bun­des­weit her­vor­ge­tan hat.


Josef Schlei­cher wurde 14.04.1960 in Eli­sa­wet­grad der Altairegion/Russland in einer russ­land­deut­schen Fami­lie gebo­ren. Er stu­dierte Geschichte, Päd­ago­gik und Jour­na­lis­tik an der Staats­uni­ver­si­tät Barnaul/Altai. 1986–1991 war er rüh­ri­ger Kor­re­spon­dent der deutsch­spra­chi­gen Regio­nal­zei­tung „Rote Fahne“/„Zeitung für Dich“, 1992–1998 enga­gier­ter Chef­re­dak­teur der „Zei­tung für Dich“.

Auch unter den schwie­rigs­ten wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen der 1990er Jahre in Russ­land konnte er das Redak­ti­ons­team lei­den­schaft­lich für seine Ideen und Vor­ha­ben mit­rei­ßen – so sind viele Publi­ka­tio­nen und Koope­ra­tio­nen ent­stan­den. Mit ihm fei­erte die deutsch­spra­chige „Zei­tung für Dich“ 40 Jahre (1997) ihres Bestehens mit viel­fäl­ti­gen grenz­über­schrei­ten­den Fes­ti­vi­tä­ten und Gäs­ten aus ganz Russ­land und dem Aus­land.

Auch seine aktive Teil­nahme an der Auto­no­mie­be­we­gung und der Wie­der­her­stel­lung des Deut­schen Natio­na­len Rayons Halb­stadt darf nicht ver­ges­sen sein.

Seit 1998 lebte er mit Ehe­frau und zwei Töch­tern in Deutsch­land. Nach einer Wei­ter­bil­dung als Mul­ti­me­di­a­f­ach­kraft arbei­tete er als Redak­teur der rus­sisch­spra­chi­gen Zei­tung „Ost-Express“ und war seit Novem­ber 2001 bis Mitte 2002 Mit­her­aus­ge­ber und Redak­teur der deutsch­spra­chi­gen Zei­tung „DIA­LOGp­lus“.

Seit Sep­tem­ber 2004 bis Ende 2015 war er enga­gier­ter und krea­ti­ver Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung „Volk auf dem Weg. Geschichte und Gegen­wart der Deut­schen in/aus Russ­land“ tätig. Mit sei­nem umfang­rei­chen Wis­sen zur Geschichte und Kul­tur der Russ­land­deut­schen und sei­ner ein­zig­ar­ti­ger Art, die­ses Wis­sen zu ver­mit­teln – vor allem bei Vor­trä­gen und Füh­run­gen im Rah­men des Schul­pro­jek­tes an Schul­ein­rich­tun­gen, hat er das Pro­jekt und seine bun­des­weite Prä­sen­ta­tion auf eine unnach­ahm­li­che authen­ti­sche Art berei­chert. Als Pro­jekt­lei­ter, His­to­ri­ker und Men­sch gelang es ihm jeder­zeit und vor jedem Publi­kum, die Geschichte und Kul­tur der Russ­land­deut­schen sach­kun­dig, inhalts­reich, span­nend und zugäng­lich zu erläu­tern und zu ver­mit­teln.

Als freier Jour­na­list ver­fasste und publi­zierte er Skiz­zen, Por­träts, popu­lär­wis­sen­schaft­li­che und wis­sen­schaft­li­che Abhand­lun­gen zu ver­schie­dens­ten Aspek­ten der russ­land­deut­schen Kul­tur­ge­schichte unter ande­rem für die „Mos­kauer Deut­sche Zei­tung“, „Zei­tung für Dich“ (Russ­land), „Volk auf dem Weg“ und die Hei­mat­bü­cher der Lands­mann­schaft (Stutt­gart), Kalen­der des HFDR e.V. (Nürn­berg), „Kontakt“(Köln) u.a.

Als His­to­ri­ker ver­öf­fent­lichte er die Diplom­ar­beit „Volks­bil­dung der deut­schen Kolo­nis­ten in Russ­land vor 1917“ (rus., 1985), die Mono­gra­phie „Deut­sche in der UdSSR: Geschichte und Gegen­wart“ (rus., 1992), das Lehr­buch „Geschichte der Russ­land­deut­schen“ (rus., 1992), die Mono­gra­phie „Auto­no­mie­be­we­gung: pro­vin­zi­elle Träume“ (deut­sch, 1996) sowie über 20 Auf­sätze in wis­sen­schaft­li­chen Sam­mel­bän­den und Zeit­schrif­ten (in Russ­land, Deutsch­land und Kasach­stan) und über 150 Auf­sätze in rus­si­schen und russ­land­deut­schen Wochen­schrif­ten (1988–2005).

Im Namen der Lan­des­vor­stände und Orts­grup­pen­vor­stände der Lands­mann­schaft bun­des­weit spricht der Bun­des­vor­stand der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land der Ehe­frau und den Töch­tern des Ver­stor­be­nen sein tief­emp­fun­de­nes Bei­leid aus. Josef Schlei­cher bleibt in unse­rer dank­ba­rer Erin­ne­rung.

Bun­des­vor­stand

Ge­denk­ver­an­stal­tung “75 Jah­re De­por­ta­ti­on der Russ­land­deut­schen”

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ErlassDatum: 28.08.2016

Ort: Aka­de­mie Ber­lin der Kon­rad-Ade­nauer-Stif­tung, Ber­lin

Red­ner: Hart­mut Kos­chyk, MdB, Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­nale Min­der­hei­ten

Am 28. August 2016 jährt sich der Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der UdSSR „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wolga-Rayons woh­nen” vom 28. August 1941 zum 75. Mal, der letzt­end­lich eine mas­sen­hafte Depor­ta­tion der Deut­schen aus dem euro­päi­schen Teil der Sowjet­union in die Tie­fen Sibi­ri­ens und nach Kasach­stan oder Mit­tel­asien ein­lei­tete. Die Fol­gen der Depor­ta­tio­nen wir­ken bis heute nach.

Die Ver­an­stal­tung fin­det ab 11:00 Uhr in den Räum­lich­kei­ten der Aka­de­mie Ber­lin der Kon­rad-Ade­nauer-Stif­tung (Tier­gar­ten­str. 35, 10785 Ber­lin) statt. Neben den Gruß­wor­ten sind musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen, ein Zeit­zeu­gen­ge­spräch und eine Kranz­nie­der­le­gung auf dem Park­fried­hof Ber­lin-Mar­zahn vor­ge­se­hen.

Gedenkschrift zum 75. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion

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Gedenkschrift 75 Jahre Deportation

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­tion der Deut­schen in der Sowjet­union hat die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land eine umfang­rei­che Gedenk­schrift her­aus­ge­ge­ben, die sich unter dem Titel „Ent­rech­tet – Ent­wür­digt – Ent­wur­zelt“ mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Ver­fol­gung der Russ­land­deut­schen befasst.

(Link zur Gedenk­schrift, pdf, 12 MB)

Die Schau­pro­zesse in der Sowjet­union Sta­l­ins der Jahre 1937 und 1938 gehö­ren ebenso dazu wie die Depor­ta­tio­nen, die mit dem Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­union vom 28. August 1941 „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ ihren Anfang nah­men, die Ver­brin­gung in die Zwangs­ar­beits­la­ger der so genann­ten „Tru­dar­mee“ oder die Recht­lo­sig­keit in den Son­der­sied­lun­gen, die erst Ende 1955 auf­ge­löst wur­den.

Zusam­men mit den Toten der Hun­ger­ka­ta­stro­phen in der 1920er und 1930er Jah­ren, die durch kom­mu­nis­ti­sche Miss­wirt­schaft über das Land kamen, beträgt die Anzahl der russ­land­deut­schen Opfer in die­sen Jahr­zehn­ten – selbst bei vor­sich­ti­ger Schät­zung – nicht weni­ger als 480.000.


Vor­wort des Bun­des­vor­sit­zen­den der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land

Nicht zufäl­lig hatte die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land ihr 32. Bun­des­tref­fen am 4. Juli 2015 in Stutt­gart unter das Motto „Von Hil­fe­su­chen­den zu Leis­tungs­trä­gern“ gestellt. Wir brach­ten damit zum Aus­druck, dass sich die Deut­schen aus Russ­land nach einem lan­gen Lei­dens­weg in der ehe­ma­li­gen Sowjet­union und Schwie­rig­kei­ten der ers­ten Jahre nach der Wie­der­an­sied­lung in Deutsch­land zu einem Gewinn für unser Land ent­wi­ckelt haben, wie durch sämt­li­che Unter­su­chun­gen bestä­tigt wird.

Den­noch ver­hin­dern die nach wie vor bestehen­den Benach­tei­li­gun­gen, dass viele mei­ner Lands­leute sich als gleich­be­rech­tigt und behei­ma­tet füh­len kön­nen. Erheb­li­che Ren­ten­kür­zun­gen auf­grund der Fremd­ren­ten­ge­setz­ge­bung gehö­ren ebenso dazu wie die man­gel­hafte bzw. völ­lig feh­lende Aner­ken­nung von in der ehe­ma­li­gen Sowjet­union zurück­ge­leg­ten Aus­bil­dungs­gän­gen bzw. mit­ge­brach­ten beruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen. Dage­gen wer­den allzu leicht aus Ver­feh­lun­gen Ein­zel­ner halt­lose Vor­würfe gegen die Gesamt­heit der Deut­schen aus Russ­land kon­stru­iert.

Mit den ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ist die Lands­mann­schaft seit Jahr­zehn­ten bemüht, gegen Miss­stände die­ser Art vor­zu­ge­hen – in ihren Publi­ka­tio­nen, durch Stel­lung­nah­men und bei Gesprä­chen mit Ent­schei­dungs­trä­gern.

Ebenso ist zu bedau­ern, dass die Geschichte und Kul­tur der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Gedächt­nis­ses der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sind. Ihre Geschichte und Kul­tur „fin­den nicht statt“ – weder im Schul­un­ter­richt, noch in den Medien, noch in der Gesell­schaft.

Publi­ka­tio­nen wie diese Gedenk­schrift sol­len daher dazu bei­tra­gen, diese Wis­sens- und Auf­merk­sam­keits­lü­cken zu ver­rin­gern. Unter Ver­zicht auf allzu tro­ckene Ana­ly­sen schil­dert sie die tra­gi­sche Geschichte der Volks­gruppe in den 30er, 40er und 50er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts vor allem anhand von Zeit­zeu­gen­be­rich­ten sowie von künst­le­ri­schen und lite­ra­ri­schen Dar­stel­lun­gen.

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­tion der Deut­schen in der Sowjet­union wei­sen wir erneut auf die Not­wen­dig­keit einer voll­stän­di­gen Reha­bi­li­tie­rung der russ­land­deut­schen Volks­gruppe hin. Eine Reha­bi­li­tie­rung, die längst über­fäl­lig ist! Eine Reha­bi­li­tie­rung von Men­schen, die ohne jede Schuld zu Opfern zweier Unrechts­re­gime wur­den!

Wal­de­mar Eisen­braun
Bun­des­vor­sit­zen­der

Jubiläumsfeier Nürnberg am 16.10.2016

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Jubiläumsfeier der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland 

anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Kreis- und Ortsgruppe Nürnberg

am 16. Okto­ber 2016

Pro­gramm:

13:30 Uhr
75 Jahre Ver­trei­bung der Deut­schen in der Sowjet­union – Kranz­nie­der­le­gung am Zen­tra­len Denk­mal Flucht und Ver­trei­bung in Nürn­berg (Hall­platz, 90402 Nürn­berg).

16:00 Uhr
Fest­akt im Gemein­schafts­haus Lang­was­ser (Glo­gauer Str. 50, 90473 Nürn­berg) Gruß­worte – Kul­tur­pro­gramm – Bil­der­aus­stel­lung – Steh­emp­fang.

19:00 Uhr
Im Anschluss Thea­ter­auf­füh­rung „Der weite Weg zurück“ (Russ­land-Deut­sches Thea­ter Nie­der­stet­ten mit Maria und Peter War­ken­tin).

Ein­tritt frei

Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel:

Zur Kranz­nie­der­le­gung (U1/U2  — Sta­tion Haupt­bahn­hof, bzw. Lorenz­kir­che);

Zum Fest­akt (U1 – Sta­tion Gemein­schafts­haus Lang­was­ser).
nuern­berg-60-jahre-flyer

Gottesdienst in der Erlöserkirche am 28.8.2016

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Evangelische ErlöseEvangelische Erlöserkirche in Essenrkirche in Essen

Evan­ge­li­sche Erlö­ser­kir­che in Essen. Quelle: Wiki­pe­dia

In die­sem Jahr jährt sich zum 75. Mal der Sta­lin-Erlass zur Depor­ta­tion der Russ­land­deut­schen. Der 28. August 1941 ist zum Schlüs­se­l­ereig­nis für die Lei­dens­ge­schichte der Russ­land­deut­schen gewor­den und bil­det eine beson­dere Art der Iden­ti­tät auch für die nach­fol­gende Gene­ra­tion.

Vor genau 75 Jah­ren gab das Prä­si­dium des Obers­ten Sowjets der UdSSR per Erlass bekannt, dass alle Deut­schen der Wol­ga­ge­biete unver­züg­lich und rest­los umge­sie­delt wer­den müs­sen. Das glei­che Schick­sal erfuh­ren wei­tere Deut­sche in ande­ren Sied­lungs­ge­bie­ten der Sowjet­union. Sie wur­den aus den euro­päi­schen Tei­len der Sowjet­union nach Osten in soge­nannte Son­der­sied­lun­gen depor­tiert und anschlie­ßend viel­fach zur Zwangs­ar­beit im Lager­sys­tem des GULAG ver­pflich­tet. Die Maß­nahme stand im Kon­text des deut­schen Angriffs auf die Sowjet­union im Juni 1941. Alle Sowjet­deut­schen wur­den kol­lek­tiv ange­schul­digt, mit Hit­ler­deutsch­land zu kol­la­bo­rie­ren — eine unrecht­mä­ßige Annahme, die Sta­lin als Begrün­dung für seine Poli­tik diente. Repres­sio­nen gegen­über Russ­land­deut­schen hiel­ten auch nach Kriegs­ende an. In ihre Hei­mat­ge­biete durf­ten sie nie zurück­keh­ren.

Für die Erleb­nis­ge­ne­ra­tion und deren Kin­der ist ein beson­de­rer Tag des Erin­nerns, ver­bun­den mit der Klage über das erfah­rene Leid und des Dan­kes für Got­tes Nähe im Leid.

Kulturprogramm 2016 – „Museum am Sonntag“

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Kulturprogramm 2016 – „Museum am Sonntag“

Viktor Krieger

Herzliche Einladung zum Vortrag

Was bedeutet Deportation in der Geschichte der Russlanddeutschen? “

Es sind nun 75. her, dass in der Zeit von 1941 bis 1945 über 1,2 Mio Deut­sche in der Sowjet­union aus dem euro­päi­schen Teil in den Osten, hin­ter das Ural-Gebirge depor­tiert wor­den sind. Zu die­sem Thema wurde in der Sowjet­zeit wenig recher­chiert und berich­tet. Das Museum für russ­land­deut­sche Kul­tur­ge­schichte sieht sich ver­pflich­tet daran mit einem Vor­trag von Dr. Vik­tor Krie­ger zu geden­ken, der als ers­ter schon 1989 in der UdSSR dar­über einen ers­ten Arti­kel ver­öf­fent­lichte.

Presseerklärung: 75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen

Standard

EKD

Presseerklärung

75. Jahrestag des Stalin-Erlasses zur Deportation der Wolgadeutschen
Trauerarbeit mit Russlanddeutschen

Speyer, den 4. August 2016

Wir haben geschwie­gen … aus Angst

Am 28. August 1941 erließ der Ober­ste Sowjet unter Josif Sta­lin einen Erlass über die Zwangs­um­sied­lung der Wol­ga­deut­schen. Fast 500 Tau­send Men­schen – Män­ner, Frauen und Kin­der — wur­den in den dar­auf­fol­gen­den Mona­ten in Güter­wag­gons aus den west­li­chen Tei­len der Sowjet­union, aus Geor­gien und Aser­bai­dschan nach Sibi­rien und Mit­tel­asien depor­tiert. Als soge­nannte Volks­feinde und voll­kom­men recht­los wur­den Män­ner und Frauen zur Zwangs­ar­beit ein­ge­zo­gen, die Kin­der blie­ben sich selbst über­las­sen, Viele star­ben an Krank­hei­ten, Unter­ernäh­rung und Erschöp­fung. „Wir haben geschwie­gen wie die Fische“ sagt ein heute 79 jäh­ri­ger Russ­land­deut­scher. „Die Angst vor Über­grif­fen war unser stän­di­ger Beglei­ter.“