Ohne Gedenken keine Zukunft – 75 Jahre Deportation der Russlanddeutschen

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tagung_75jahre_deportationDie wis­sen­schaft­li­che Tagung “Ohne Geden­ken kei­ne Zukunft – 75 Jah­re Depor­ta­ti­on der Russ­land­deut­schen” fin­det am 24. Novem­ber 2016 von 9–17 Uhr in der Ver­tre­tung des Lan­des Sach­sen-Anhalt beim Bund (Lui­sen­stras­se 18  , 10117 Ber­lin) statt.
Ein­tritt frei.  Um Anmel­dun­gen wird gebe­ten.


Link zum voll­stän­di­gen Pro­gramm

Pro­gramm (Kurz­fas­sung)

09.00 – 09.30 Anmel­dung und Regis­trie­rung
09.30 – 10.30 Gruß­wor­te
10.30 – 11.00 Pau­se
10.30 – 11.00 The­men­blo­ck 1:
75 Jah­re Depor­ta­ti­on der Deut­schen aus der  ehe­ma­li­gen UdSSR – His­to­ri­sche Ein­ord­nung und  poli­ti­sche Fol­gen
13.00 – 14.00 Mit­tags­pau­se
14.00 – 17.30 The­men­blo­ck 2:
Gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Teil­ha­be der Deut­schen  aus der ehe­ma­li­gen UdSSR in Deutsch­land und in den  Nach­fol­ge­staa­ten der UdSSR

Anmel­dung und Infor­ma­tio­nen:
Jan Roes­sel
Refe­rent EU & Euro­pa
Tel.: 030 88412 251
E-Mail: jan.roessel@deutsche-gesellschaft-ev.de

Lin zu Infor­ma­tio­nen auf der Inter­net­sei­te der Deut­schen Gesell­schaft e.V.

För­de­rer & Part­ner:
Die Beauf­trag­te des Bun­des für Kul­tur und Medi­en
Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land e. V.
Jugend der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land


Die Tagung befasst sich mit zwei Schwer­punk­ten: Zunächst wer­den eine his­to­ri­sche Ein­ord­nung sowie eine Ana­ly­se der poli­ti­schen und sozia­len Fol­gen des Ereig­nis­ses der Depor­ta­ti­on vor­ge­nom­men. Im Anschluss beleuch­ten wir inter­na­tio­na­le Aspek­te und aktu­el­le Fra­gen der poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Teil­ha­be in Deutsch­land. Zu ers­te­ren gehö­ren die Arbeit der Regie­rungs­kom­mis­sio­nen sowie die Rech­te der Volks­grup­pe bzw. der Min­der­heit in den Nach­fol­ge­staa­ten der UdSSR. Der zwei­te Teil beschäf­tigt sich mit dem Ver­eins- und Fami­li­en­le­ben der Deut­schen aus der ehe­ma­li­gen UdSSR und der Teil­nah­me an den Wahlen sowie gene­rell am öffent­li­chen Leben. Par­ti­zi­pa­ti­ve Aspek­te sowie Zukunfts­vi­sio­nen ste­hen hier im Fokus der Betrach­tung.

Die wis­sen­schaft­li­che Tagung ist eine Ver­an­stal­tung der Deut­schen Gesell­schaft e. V. in Koope­ra­ti­on mit der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land und der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land. Sie wird geför­dert von der Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en, wofür wir uns bedan­ken.

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Altersarmut unter den Deutschen aus Russland

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Wappen-LmDRStel­lung­nah­me der Lands­mann­schaft

Alters­ar­mut unter den Deut­schen aus Russ­land  und den ande­ren Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­uni­on 

Aus Sor­ge um die Zukunft unse­rer Volks­grup­pe for­dern wir die Poli­tik Deutsch­lands auf, wirk­sa­me Maß­nah­men gegen die Alters­ar­mut der Deut­schen aus Russ­land zu ergrei­fen.


Als armuts­ge­fähr­det gel­ten gemäß EU-Defi­ni­ti­on Men­schen, die mit weni­ger als 60 Pro­zent des mitt­le­ren bedarfs­ge­wich­te­ten Ein­kom­mens der Bevöl­ke­rung in Pri­vat­haus­hal­ten aus­kom­men müs­sen. Nach den Ergeb­nis­sen des Mikro­zen­sus gal­ten im Jahr 2013 bei­spiels­wei­se Ein­per­so­nen­haus­hal­te mit einem monat­li­chen Net­to-Ein­kom­men von weni­ger als 892 Euro als armuts­ge­fähr­det. Das ist bei wei­tem mehr, als die meis­ten Rent­ner der Deut­schen aus Russ­land bekom­men.

Unter den Deut­schen aus Russ­land nimmt der Anteil der über 65-Jäh­ri­gen, die im Alter armuts­ge­fähr­det sind, sehr schnell zu. Wäh­rend 2013 jeder sieb­te Ruhe­ständ­ler in Deutsch­land von Alters­ar­mut bedroht war, war die­ser Anteil unter unse­ren Lands­leu­ten erheb­li­ch höher. Betrof­fen sind alle Deut­schen aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on, unab­hän­gig davon ob sie mit dem Sta­tus Heim­keh­rer, Spät­heim­keh­rer, Aus­sied­ler oder Spät­aus­sied­ler geführt wer­den.

Ursa­chen sind die restrik­ti­ven Ände­run­gen des Fremd­ren­ten­ge­set­zes in den 90er Jah­ren. Seit 1996 gibt es Bestim­mun­gen nach dem Wachs­tums- und Beschäf­ti­gungs­för­de­rungs­ge­setz mit einer Decke­lung der im Aus­land erwor­be­nen anre­chen­ba­ren Ent­gelt­punk­te, die eine Berech­nungs­grund­la­ge für die Ren­ten­hö­he bil­den.

Mit dem Argu­ment, dass die Deut­schen aus Russ­land nicht bes­ser­ge­stellt wer­den dür­fen als die Ost­deut­schen, wur­de für sie ein nied­ri­ger Bewer­tungs­fak­tor für Ent­gelt­punk­te von 0,6 ein­ge­führt. Wir begrü­ßen das Vor­ha­ben, die Ost-Ren­te an das West­ni­veau anzu­glei­chen. Gleich­zei­tig kri­ti­sie­ren wir aber, dass die Deut­schen aus Russ­land in die­ser Betrach­tung nicht vor­kom­men. Der Bewer­tungs­fak­tor von 0,6 ist unver­än­dert geblie­ben. Damit ver­schärft sich das Risi­ko der Alters­ar­mut unter unse­ren Lands­leu­ten zuneh­mend.

Beson­ders dra­ma­ti­sch ist die Situa­ti­on für Frau­en und Män­ner, die nach 1993 in Deutsch­land mit dem Sta­tus Spät­aus­sied­ler ein­ge­reist sind. Ein hoher Anteil die­ser ein­ge­reis­ten Per­so­nen wur­de nach § 7 BVFG und deren Ehe­gat­ten nach § 8 BVFG ein­ge­stuft, wodurch sie kei­nen Anspruch auf Aner­ken­nung ihrer Beschäf­ti­gungs­zei­ten in den Her­kunfts­län­dern haben.

Auch in den nächs­ten Jah­ren wer­den die Deut­schen aus Russ­land deut­li­ch häu­fi­ger von Alters­ar­mut bedroht sein. Unse­re Volks­grup­pe ist über­durch­schnitt­li­ch häu­fig von unter­bro­che­nen Erwerbs­bio­gra­phien, hohen Teil­zeit­ar­beits­quo­ten und nied­ri­gen Löh­nen betrof­fen, was die Wahr­schein­lich­keit für nied­ri­ge Ren­ten und Alters­ar­mut erhöht. Der Inte­gra­ti­ons­wil­le und die hohe Bereit­schaft, eine belie­bi­ge nie­der­qua­li­fi­zier­te Arbeit zu über­neh­men, nur um nicht von den Sozi­al­kas­sen abhän­gig zu sein, brin­gen somit nega­ti­ve Fol­gen mit sich.

Die über­pro­por­tio­nal hohe Zunah­me der Alters­ar­mut unter den Deut­schen aus Russ­land soll als gro­ße Her­aus­for­de­rung für Poli­tik und Gesell­schaft auf allen Ebe­nen betrach­tet wer­den. Der „Gene­ra­tio­nen­ver­trag“ soll auch für die Deut­schen aus Russ­land gel­ten. Die Deut­schen aus Russ­land bil­den eine jun­ge Volks­grup­pe und zah­len mehr in die Ren­ten­kas­se ein, als ihre Rent­ner in Anspruch neh­men kön­nen.

Wir  for­dern wirk­sa­me  Schrit­te zur Besei­ti­gung  der  bestehen­den  und  der  dro­hen­den  Alters­ar­mut  bei Deut­schen aus Russ­land auch im Sin­ne des sozia­len Frie­dens in den Rei­hen der Spät­aus­sied­ler. Unse­re Lands­leu­te haben die Soli­da­ri­tät der Gesell­schaft ver­dient.

(Ein­stim­mi­ger Beschluss der Bun­des­de­le­gier­ten­ver­samm­lung der LmDR e.V. am 30.10.2016 in Ful­da)

Stel­lung­nah­me der LmDR zur Alters­ar­mut (pdf)

Heimat ist des Herzens Echo

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Vereinigte Landsmannschaften Lahr beim Tag der Heimat: “Die Wunden sind noch nicht verheilt” / Kreisgruppe gibt es seit 65 Jahren .
Die Gäste beim Tag der Heimat im Lahrer Aktienhof Foto: Heidi Fössel

Die Gäs­te beim Tag der Hei­mat im Lah­rer Akti­en­hof Foto: Hei­di Fös­sel

LAHR. Unter dem Leit­wort “Iden­ti­tät schüt­zen und Men­schen­rech­te ach­ten” hat die Kreis­grup­pe Lahr im Bund der Vertriebenen/Vereinigte Lands­mann­schaf­ten am Sonn­tag den Tag der Hei­mat began­gen. Mit einer Son­der­aus­stel­lung und einem Streif­zug durch die Geschich­te der alten Hei­mat hat die Lands­mann­schaft der Schle­si­er gleich­zei­tig das 65-jäh­ri­ge Bestehen der Kreis­grup­pe Lahr gefei­ert.

Mit einer musi­ka­li­schen Rund­rei­se durch die alte und neue Hei­mat hat der Sing­kreis Freund­schaft die Gäs­te im Akti­en­hof­saal auf den Tag der Hei­mat ein­ge­stimmt und der Kreis­grup­pen­vor­sit­zen­den Irma Barraud die Platt­form für die Begrü­ßung berei­tet. “Auch wenn inzwi­schen vie­le Jahr­zehn­te ver­gan­gen sind, sind die Wun­den nicht alle ver­heilt. Wir wer­den die Erin­ne­rung in unse­ren Her­zen tra­gen, denn Hei­mat ist des Her­zens Echo”, sag­te Irma Barraud.

Identität ist das unsichtbare Fluchtgepäck”

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Chris­ti­ne Boh­nert-Sei­del, 27.09.2016 02:00 Uhr
Die Singgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sang anlässlich des Tags der Heimat. Foto: Bohnert-Seidel

Die Sing­grup­pe der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land sang anläss­li­ch des Tags der Hei­mat.
Foto: Boh­nert-Sei­del

Lahr. “Das jähr­li­che Tref­fen am Tag der Hei­mat ist eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit und dient dem Erin­nern an unver­gess­li­che Spu­ren. Hei­mat ist des Her­zens Echo”, erklär­te Irma Barraud, Kreis­vor­sit­zen­de des Bun­des der Vertriebenen/Vereinigte Lands­mann­schaf­ten. Der Gedenk­tag unter dem Mot­to “Iden­ti­tät schüt­zen – Men­schen­recht ach­ten” stand im Zei­chen des 75. Jah­res­tags der Depor­ta­ti­on der Deut­schen aus Russ­land. Zudem fei­ert die Lands­mann­schaft Schle­si­en, Kreis­grup­pe Lahr, 65-jäh­ri­ges Bestehen.

Ansprache des Bundesvorsitzenden Eisenbraun anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion

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Eisenbraun Waldemar 6177

Wal­de­mar Eisen­braun (Bun­des­vor­sit­zen­der)

Ver­ehr­te Ehren­gäs­te,
geschätz­te Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,
lie­be Lands­leu­te,
sehr geehr­te Damen und Her­ren,

im Namen des Bun­des­vor­stan­des der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land dan­ke ich Ihnen, dass Sie unse­rer Ein­la­dung gefolgt sind, gemein­sam der tra­gi­schen Ereig­nis­se zu geden­ken, deren Opfer mei­ne Lands­leu­te in der Sowjet­uni­on wur­den.

Sinn­bild die­ses Lei­dens ist der Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­uni­on „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ vom 28. August 1941. Die Wol­ga­deut­schen – und in der Fol­ge auch die ande­ren Deut­schen des Lan­des – wur­den dar­in ohne jeden Grund der Kol­la­bo­ra­ti­on mit Hit­ler-Deutsch­land bezich­tigt.

Schließ­li­ch wur­den alle Russ­land­deut­schen aus dem euro­päi­schen Teil der Sowjet­uni­on hin­ter den Ural, nach Sibi­ri­en und Kasach­stan depor­tiert, wo Zwangs­ar­beit und unmensch­li­che Lebens­be­din­gun­gen auf sie war­te­ten.

Der russ­land­deut­sche His­to­ri­ker Dr. Vik­tor Krie­ger kommt – selbst bei einer vor­sich­ti­gen Schät­zung — auf eine Gesamt­zahl der russ­land­deut­schen Opfer des sta­li­nis­ti­schen Ter­rors von 480.000 Per­so­nen. Eine unge­heu­er­li­che Anzahl — zumal die Eth­nie zu Beginn der 1950er Jah­re ledig­li­ch 1,35 Mil­lio­nen Men­schen zähl­te.

Als Rechts­nach­fol­ge­rin der Sowjet­uni­on steht die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on nach unse­rer Ansicht in der Pflicht, die Fol­gen des Depor­ta­ti­ons­er­las­ses fak­ti­sch und voll­stän­dig zu besei­ti­gen. Die Reha­bi­li­ta­ti­on unse­rer Volks­grup­pe, die ohne jede Schuld zum Opfer zwei­er Unrechts­re­gime wur­den, ist längst über­fäl­lig!

Die tra­gi­schen Ereig­nis­se haben sich in das Gedächt­nis russ­land­deut­scher Fami­li­en ein­ge­brannt. Kaum eine von ihnen wur­de von den Repres­sio­nen und Mas­sen­mor­den des Sta­lin-Regimes ver­schont.

Den­no­ch — und das sage ich mit gro­ßem Bedau­ern! — ist die Geschich­te der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Bewusst­seins der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die­se Geschich­te scheint nicht zu exis­tie­ren. Sie wird im Schul­un­ter­richt nicht behan­delt, die Medi­en berich­ten dar­über bes­ten­falls spo­ra­di­sch und unaus­ge­wo­gen. Daher ist mei­ne ein­dring­li­che Bit­te, der Geschich­te und dem Schick­sal der Deut­schen aus Russ­land mehr Auf­merk­sam­keit zu wid­men – auch und gera­de um ihre vor­bild­li­chen Inte­gra­ti­ons­leis­tun­gen in ange­mes­se­ner Wei­se wür­di­gen zu kön­nen.

Ich bin sehr besorgt wegen der nega­ti­ven Pau­scha­li­sie­rung in den bun­des­deut­schen Medi­en in Bezug auf die Deut­schen aus Russ­land. So wur­den aus ver­ein­zel­ten auf­fäl­li­gen Vor­komm­nis­sen wie im Fall „Lisa“ Vor­wür­fe gegen die Gesamt­heit der Volks­grup­pe kon­stru­iert. Oft wur­de der Ein­druck ver­mit­telt, die Deut­schen aus Russ­land wür­den sich von der Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie Mos­kaus miss­brau­chen las­sen. Ohne jede Ver­harm­lo­sung beto­ne ich erneut: Es han­del­te sich um nicht reprä­sen­ta­ti­ve Ein­zel­fäl­le.

Kaum eine ande­re Volks­grup­pe in der Bun­des­re­pu­blik ist immu­n­er gegen jede Form von poli­ti­scher Radi­ka­li­sie­rung als die Deut­schen aus Russ­land. Sie bzw. ihre Eltern und Groß­el­tern haben haut­na­he Erfah­run­gen mit tota­li­tä­ren Sys­te­men gemacht und wer­den sich daher in ihrer gro­ßen Mehr­heit nie­mals Popu­lis­ten und poli­ti­schen Pro­vo­ka­teu­ren anschlie­ßen. Und wir sind uns doch sicher dar­in einig, dass die mehr­heit­li­ch kon­ser­va­ti­ven Ein­stel­lun­gen der Russ­land­deut­schen nichts mit Radi­ka­li­tät zu tun haben.

Viel­mehr zeich­nen sich gera­de mei­ne Lands­leu­te durch eine aus­ge­spro­chen gro­ße Loya­li­tät der Bun­des­re­pu­blik und ihrem demo­kra­ti­schen Wer­te­sys­tem gegen­über aus. Sie haben sich in Jahr­zehn­ten der Unfrei­heit und Ent­rech­tung nach Respekt und Gleich­heit gesehnt. Nach ihrer Rück­kehr in die Hei­mat ihrer Vor­fah­ren haben auch sie in Deutsch­land eine Hei­mat gefun­den.

Nach mei­ner Auf­fas­sung ist für eine aus­ge­präg­te Loya­li­tät nicht das Vor­han­den­s­ein von nur einer Staats­an­ge­hö­rig­keit ent­schei­dend, son­dern eine gefes­tig­te Iden­ti­tät, Rechtstreue und ein gemein­sa­mes Wer­te­sys­tem.

Unser Ver­band wird sich wei­ter­hin dafür ein­set­zen, dass unse­re Lands­leu­te in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­rei­sen dür­fen. Ich begrü­ße es aus­drück­li­ch, dass die Bun­des­re­gie­rung ihrer his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung für die Deut­schen aus Russ­land wei­ter­hin gerecht wird und nach wie vor an der Aner­ken­nung ihres kol­lek­ti­ven Kriegs­fol­gen­schick­sals fest­hält.

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­ti­on der Deut­schen in der Sowjet­uni­on hat die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land eine umfang­rei­che Gedenk­schrift her­aus­ge­ge­ben, die sich unter dem Titel „Ent­rech­tet – Ent­wür­digt – Ent­wur­zelt“ mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Ver­fol­gung der Russ­land­deut­schen befasst.

Die Schau­pro­zes­se in der Sowjet­uni­on Sta­l­ins der Jah­re 1937 und 1938 gehö­ren eben­so dazu wie die Depor­ta­tio­nen, die mit dem Erlass vom 28. August 1941 ihren Höhe­punkt erreich­ten, die Ver­brin­gung in die Zwangs­ar­beits­la­ger der so genann­ten „Tru­dar­mee“ oder die Recht­lo­sig­keit in den Son­der­sied­lun­gen, die erst Ende 1955 auf­ge­löst wur­den.

Abschlie­ßend möch­te ich Fol­gen­des fest­stel­len:

Die par­tei­po­li­ti­sche Land­schaft hat sich in den letz­ten Jah­ren euro­pa­weit merk­li­ch ver­än­dert. Die bewaff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die andau­ern­de Flücht­lings­kri­se und die dro­hen­de Alters­ar­mut füh­ren dazu, dass Men­schen zuneh­mend ver­un­si­chert sind und nach schnel­len Pro­blem­lö­sun­gen suchen. Dabei ist das kein rein deut­sches Phä­no­men, wie ein Bli­ck auf die Ent­wick­lun­gen in den benach­bar­ten Län­dern zeigt.

Von den eta­blier­ten Par­tei­en erwar­te ich durch­dach­te und ver­ständ­li­ch kom­mu­ni­zier­te Pro­blem­lö­sun­gen. Das Ver­trau­en in den Staat, sei­ne Orga­ne und Behör­den muss wie­der her­ge­stellt wer­den.

Mei­nen Lands­leu­ten wün­sche ich mehr Mün­dig­keit, Resis­tenz gegen Paro­len und Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che und poli­ti­schen Weit­bli­ck. Ich bit­te auch dar­um, mehr Geduld für die Auf­klä­rung von ein­zel­nen Vor­gän­gen auf­zu­brin­gen, da vor­schnel­le Urtei­le und Hand­lun­gen nicht sel­ten fal­sch sein kön­nen. Im Hin­bli­ck auf die anste­hen­den Wahlen rufe ich zu einer regen Wahl­be­tei­li­gung auf.

Ich bedan­ke mich herz­li­ch bei allen Betei­lig­ten für die Vor­be­rei­tung und Mit­ge­stal­tung von Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, die bun­des­weit statt­ge­fun­den haben.

Nun schlie­ße ich ger­ne mit dem Mot­to der Lands­mann­schaft
„Zusam­men­hal­ten – Zukunft gestal­ten“

Wal­de­mar Eisen­braun
Bun­des­vor­sit­zen­der

Mitteilung der Landsmannschaft zur Gedenkveranstaltung in Berlin

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75JahreDeportation

H. Kos­chyk, W. Eisen­braun, Dr. T. de Mai­ziè­re, H. Zer­tik


Im Mit­tel­punkt der Gedenk­ver­an­stal­tung am 28.08.2016 in der Aka­de­mie der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung stand die Erin­ne­rung an die russ­land­deut­schen Opfer des sta­li­nis­ti­schen Regimes, die nach dem Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­uni­on vom 28. August 1941 „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ aus ihren Sied­lungs­ge­bie­ten im euro­päi­schen Teil der Sowjet­uni­on nach Sibi­ri­en und Zen­tral­asi­en depor­tiert wur­den.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Dr. Tho­mas de Mai­ziè­re führ­te in sei­ner Anspra­che aus: „Heu­te vor gen­au 75 Jah­ren wur­den die Wol­ga­deut­schen der Kol­la­bo­ra­ti­on mit dem Deut­schen Reich bezich­tigt und in den fol­gen­den Tagen ent­eig­net, ent­rech­tet und kol­lek­tiv nach Sibi­ri­en und Zen­tral­asi­en ver­trie­ben. Wir rufen uns heu­te die Fami­li­en ins Gedächt­nis, die ihre Hei­mat ver­lo­ren haben, wir den­ken heu­te an die vie­len Opfer, die die Stra­pa­zen der Ver­ban­nung nicht über­leb­ten.“ „Die sozia­le Unter­stüt­zung und Sprach­för­de­rung der Russ­land­deut­schen gehö­ren heu­te zur gesell­schaft­li­chen und his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung der Bun­des­re­gie­rung“, so der Minis­ter wei­ter.

Der Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten, Hart­mut Kos­chyk, wies in sei­ner Rede dar­auf hin, dass die beson­de­re Wert­schät­zung der Deut­schen aus Russ­land sei­tens der Bun­des­re­gie­rung bei­spiels­wei­se in der Wei­ter­ent­wick­lung der Kon­zep­ti­on zur Bewah­rung der Kul­tur und Geschich­te der Deut­schen im öst­li­chen Euro­pa nach § 96 Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz (BVFG) zum Aus­druck kom­me.

Auf die Fra­ge, was die Russ­land­deut­schen heu­te in Deutsch­land am meis­ten ver­mis­sen, wür­de ich ant­wor­ten: die gesell­schaft­li­che Wert­schät­zung, eine dif­fe­ren­zier­te Auf­merk­sam­keit und die Prä­senz in poli­ti­schen Gre­mi­en. Mit gro­ßem Bedau­ern muss ich fest­stel­len, dass die Geschich­te der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Bewusst­seins der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist“, sag­te in sei­nem Gruß­wort Wal­de­mar Eisen­braun, Bun­des­vor­sit­zen­der der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land.

Bei der Kranz­nie­der­le­gung auf dem Park­fried­hof Ber­lin-Mar­zahn am Denk­mal für die russ­land­deut­schen Opfer des Sta­li­nis­mus dank­te der Bür­ger­meis­ter und Sena­tor für Inne­res und Sport des Lan­des Ber­lin, Frank Hen­kel, der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land für die Orga­ni­sa­ti­on sol­cher Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, die dazu bei­trü­gen, die Erin­ne­rung an das schwe­re Schick­sal der Russ­land­deut­schen wach­zu­ru­fen.

Die Schirm­herr­schaft über die Gedenk­ver­an­stal­tung hat­te der russ­land­deut­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Hein­rich Zer­tik über­nom­men.

Für die Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung der Gedenk­ver­an­stal­tung bedankt sich die Lands­mann­schaft bei ihren Koope­ra­ti­ons­part­nern, der „Deut­schen Gesell­schaft e.V.“, der „Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung“ und dem „Muse­um für russ­land­deut­sche Kul­tur­ge­schich­te“ in Det­mold.

Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land

 


Link zur Mit­tei­lung der Lands­mann­schaft zur Gedenk­ver­an­stal­tung in Ber­lin (pdf)

Trauer um Josef Schleicher

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Josef SchleicherDie Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land trau­ert um den schmerz­vol­len Ver­lust ihres ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ters Josef Schlei­cher, der sich als enga­gier­ter Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung, lang­jäh­ri­ger Ide­en­spen­der und Mit­ge­stal­ter des Ver­ban­des vor Ort und bun­des­weit her­vor­ge­tan hat.


Josef Schlei­cher wur­de 14.04.1960 in Eli­sa­wet­grad der Altairegion/Russland in einer russ­land­deut­schen Fami­lie gebo­ren. Er stu­dier­te Geschich­te, Päd­ago­gik und Jour­na­lis­tik an der Staats­uni­ver­si­tät Barnaul/Altai. 1986–1991 war er rüh­ri­ger Kor­re­spon­dent der deutsch­spra­chi­gen Regio­nal­zei­tung „Rote Fahne“/„Zeitung für Dich“, 1992–1998 enga­gier­ter Chef­re­dak­teur der „Zei­tung für Dich“.

Auch unter den schwie­rigs­ten wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen der 1990er Jah­re in Russ­land konn­te er das Redak­ti­ons­team lei­den­schaft­li­ch für sei­ne Ide­en und Vor­ha­ben mit­rei­ßen – so sind vie­le Publi­ka­tio­nen und Koope­ra­tio­nen ent­stan­den. Mit ihm fei­er­te die deutsch­spra­chi­ge „Zei­tung für Dich“ 40 Jah­re (1997) ihres Bestehens mit viel­fäl­ti­gen grenz­über­schrei­ten­den Fes­ti­vi­tä­ten und Gäs­ten aus ganz Russ­land und dem Aus­land.

Auch sei­ne akti­ve Teil­nah­me an der Auto­no­mie­be­we­gung und der Wie­der­her­stel­lung des Deut­schen Natio­na­len Rayons Halb­stadt darf nicht ver­ges­sen sein.

Seit 1998 leb­te er mit Ehe­frau und zwei Töch­tern in Deutsch­land. Nach einer Wei­ter­bil­dung als Mul­ti­me­di­a­f­ach­kraft arbei­te­te er als Redak­teur der rus­sisch­spra­chi­gen Zei­tung „Ost-Express“ und war seit Novem­ber 2001 bis Mit­te 2002 Mit­her­aus­ge­ber und Redak­teur der deutsch­spra­chi­gen Zei­tung „DIA­LOGp­lus“.

Seit Sep­tem­ber 2004 bis Ende 2015 war er enga­gier­ter und krea­ti­ver Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung „Volk auf dem Weg. Geschich­te und Gegen­wart der Deut­schen in/aus Russ­land“ tätig. Mit sei­nem umfang­rei­chen Wis­sen zur Geschich­te und Kul­tur der Russ­land­deut­schen und sei­ner ein­zig­ar­ti­ger Art, die­ses Wis­sen zu ver­mit­teln – vor allem bei Vor­trä­gen und Füh­run­gen im Rah­men des Schul­pro­jek­tes an Schul­ein­rich­tun­gen, hat er das Pro­jekt und sei­ne bun­des­wei­te Prä­sen­ta­ti­on auf eine unnach­ahm­li­che authen­ti­sche Art berei­chert. Als Pro­jekt­lei­ter, His­to­ri­ker und Men­sch gelang es ihm jeder­zeit und vor jedem Publi­kum, die Geschich­te und Kul­tur der Russ­land­deut­schen sach­kun­dig, inhalts­reich, span­nend und zugäng­li­ch zu erläu­tern und zu ver­mit­teln.

Als frei­er Jour­na­list ver­fass­te und publi­zier­te er Skiz­zen, Por­träts, popu­lär­wis­sen­schaft­li­che und wis­sen­schaft­li­che Abhand­lun­gen zu ver­schie­dens­ten Aspek­ten der russ­land­deut­schen Kul­tur­ge­schich­te unter ande­rem für die „Mos­kau­er Deut­sche Zei­tung“, „Zei­tung für Dich“ (Russ­land), „Volk auf dem Weg“ und die Hei­mat­bü­cher der Lands­mann­schaft (Stutt­gart), Kalen­der des HFDR e.V. (Nürn­berg), „Kontakt“(Köln) u.a.

Als His­to­ri­ker ver­öf­fent­lich­te er die Diplom­ar­beit „Volks­bil­dung der deut­schen Kolo­nis­ten in Russ­land vor 1917“ (rus., 1985), die Mono­gra­phie „Deut­sche in der UdSSR: Geschich­te und Gegen­wart“ (rus., 1992), das Lehr­buch „Geschich­te der Russ­land­deut­schen“ (rus., 1992), die Mono­gra­phie „Auto­no­mie­be­we­gung: pro­vin­zi­el­le Träu­me“ (deut­sch, 1996) sowie über 20 Auf­sät­ze in wis­sen­schaft­li­chen Sam­mel­bän­den und Zeit­schrif­ten (in Russ­land, Deutsch­land und Kasach­stan) und über 150 Auf­sät­ze in rus­si­schen und russ­land­deut­schen Wochen­schrif­ten (1988–2005).

Im Namen der Lan­des­vor­stän­de und Orts­grup­pen­vor­stän­de der Lands­mann­schaft bun­des­weit spricht der Bun­des­vor­stand der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land der Ehe­frau und den Töch­tern des Ver­stor­be­nen sein tief­emp­fun­de­nes Bei­leid aus. Josef Schlei­cher bleibt in unse­rer dank­ba­rer Erin­ne­rung.

Bun­des­vor­stand

Ge­denk­ver­an­stal­tung “75 Jah­re De­por­ta­ti­on der Russ­land­deut­schen”

Standard

ErlassDatum: 28.08.2016

Ort: Aka­de­mie Ber­lin der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung, Ber­lin

Red­ner: Hart­mut Kos­chyk, MdB, Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten

Am 28. August 2016 jährt sich der Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der UdSSR „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga-Rayons woh­nen” vom 28. August 1941 zum 75. Mal, der letzt­end­li­ch eine mas­sen­haf­te Depor­ta­ti­on der Deut­schen aus dem euro­päi­schen Teil der Sowjet­uni­on in die Tie­fen Sibi­ri­ens und nach Kasach­stan oder Mit­tel­asi­en ein­lei­te­te. Die Fol­gen der Depor­ta­tio­nen wir­ken bis heu­te nach.

Die Ver­an­stal­tung fin­det ab 11:00 Uhr in den Räum­lich­kei­ten der Aka­de­mie Ber­lin der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung (Tier­gar­ten­str. 35, 10785 Ber­lin) statt. Neben den Gruß­wor­ten sind musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen, ein Zeit­zeu­gen­ge­spräch und eine Kranz­nie­der­le­gung auf dem Park­fried­hof Ber­lin-Mar­zahn vor­ge­se­hen.