Heimat ist des Herzens Echo

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Vereinigte Landsmannschaften Lahr beim Tag der Heimat: “Die Wunden sind noch nicht verheilt” / Kreisgruppe gibt es seit 65 Jahren .
Die Gäste beim Tag der Heimat im Lahrer Aktienhof Foto: Heidi Fössel

Die Gäs­te beim Tag der Hei­mat im Lah­rer Akti­en­hof Foto: Hei­di Fös­sel

LAHR. Unter dem Leit­wort “Iden­ti­tät schüt­zen und Men­schen­rech­te ach­ten” hat die Kreis­grup­pe Lahr im Bund der Vertriebenen/Vereinigte Lands­mann­schaf­ten am Sonn­tag den Tag der Hei­mat began­gen. Mit einer Son­der­aus­stel­lung und einem Streif­zug durch die Geschich­te der alten Hei­mat hat die Lands­mann­schaft der Schle­si­er gleich­zei­tig das 65-jäh­ri­ge Bestehen der Kreis­grup­pe Lahr gefei­ert.

Mit einer musi­ka­li­schen Rund­rei­se durch die alte und neue Hei­mat hat der Sing­kreis Freund­schaft die Gäs­te im Akti­en­hof­saal auf den Tag der Hei­mat ein­ge­stimmt und der Kreis­grup­pen­vor­sit­zen­den Irma Barraud die Platt­form für die Begrü­ßung berei­tet. “Auch wenn inzwi­schen vie­le Jahr­zehn­te ver­gan­gen sind, sind die Wun­den nicht alle ver­heilt. Wir wer­den die Erin­ne­rung in unse­ren Her­zen tra­gen, denn Hei­mat ist des Her­zens Echo”, sag­te Irma Barraud.

Identität ist das unsichtbare Fluchtgepäck”

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Chris­ti­ne Boh­nert-Sei­del, 27.09.2016 02:00 Uhr
Die Singgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland sang anlässlich des Tags der Heimat. Foto: Bohnert-Seidel

Die Sing­grup­pe der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land sang anläss­li­ch des Tags der Hei­mat.
Foto: Boh­nert-Sei­del

Lahr. “Das jähr­li­che Tref­fen am Tag der Hei­mat ist eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit und dient dem Erin­nern an unver­gess­li­che Spu­ren. Hei­mat ist des Her­zens Echo”, erklär­te Irma Barraud, Kreis­vor­sit­zen­de des Bun­des der Vertriebenen/Vereinigte Lands­mann­schaf­ten. Der Gedenk­tag unter dem Mot­to “Iden­ti­tät schüt­zen – Men­schen­recht ach­ten” stand im Zei­chen des 75. Jah­res­tags der Depor­ta­ti­on der Deut­schen aus Russ­land. Zudem fei­ert die Lands­mann­schaft Schle­si­en, Kreis­grup­pe Lahr, 65-jäh­ri­ges Bestehen.

Ansprache des Bundesvorsitzenden Eisenbraun anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion

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Eisenbraun Waldemar 6177

Wal­de­mar Eisen­braun (Bun­des­vor­sit­zen­der)

Ver­ehr­te Ehren­gäs­te,
geschätz­te Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen,
lie­be Lands­leu­te,
sehr geehr­te Damen und Her­ren,

im Namen des Bun­des­vor­stan­des der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land dan­ke ich Ihnen, dass Sie unse­rer Ein­la­dung gefolgt sind, gemein­sam der tra­gi­schen Ereig­nis­se zu geden­ken, deren Opfer mei­ne Lands­leu­te in der Sowjet­uni­on wur­den.

Sinn­bild die­ses Lei­dens ist der Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­uni­on „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ vom 28. August 1941. Die Wol­ga­deut­schen – und in der Fol­ge auch die ande­ren Deut­schen des Lan­des – wur­den dar­in ohne jeden Grund der Kol­la­bo­ra­ti­on mit Hit­ler-Deutsch­land bezich­tigt.

Schließ­li­ch wur­den alle Russ­land­deut­schen aus dem euro­päi­schen Teil der Sowjet­uni­on hin­ter den Ural, nach Sibi­ri­en und Kasach­stan depor­tiert, wo Zwangs­ar­beit und unmensch­li­che Lebens­be­din­gun­gen auf sie war­te­ten.

Der russ­land­deut­sche His­to­ri­ker Dr. Vik­tor Krie­ger kommt – selbst bei einer vor­sich­ti­gen Schät­zung — auf eine Gesamt­zahl der russ­land­deut­schen Opfer des sta­li­nis­ti­schen Ter­rors von 480.000 Per­so­nen. Eine unge­heu­er­li­che Anzahl — zumal die Eth­nie zu Beginn der 1950er Jah­re ledig­li­ch 1,35 Mil­lio­nen Men­schen zähl­te.

Als Rechts­nach­fol­ge­rin der Sowjet­uni­on steht die Rus­si­sche Föde­ra­ti­on nach unse­rer Ansicht in der Pflicht, die Fol­gen des Depor­ta­ti­ons­er­las­ses fak­ti­sch und voll­stän­dig zu besei­ti­gen. Die Reha­bi­li­ta­ti­on unse­rer Volks­grup­pe, die ohne jede Schuld zum Opfer zwei­er Unrechts­re­gime wur­den, ist längst über­fäl­lig!

Die tra­gi­schen Ereig­nis­se haben sich in das Gedächt­nis russ­land­deut­scher Fami­li­en ein­ge­brannt. Kaum eine von ihnen wur­de von den Repres­sio­nen und Mas­sen­mor­den des Sta­lin-Regimes ver­schont.

Den­no­ch — und das sage ich mit gro­ßem Bedau­ern! — ist die Geschich­te der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Bewusst­seins der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Die­se Geschich­te scheint nicht zu exis­tie­ren. Sie wird im Schul­un­ter­richt nicht behan­delt, die Medi­en berich­ten dar­über bes­ten­falls spo­ra­di­sch und unaus­ge­wo­gen. Daher ist mei­ne ein­dring­li­che Bit­te, der Geschich­te und dem Schick­sal der Deut­schen aus Russ­land mehr Auf­merk­sam­keit zu wid­men – auch und gera­de um ihre vor­bild­li­chen Inte­gra­ti­ons­leis­tun­gen in ange­mes­se­ner Wei­se wür­di­gen zu kön­nen.

Ich bin sehr besorgt wegen der nega­ti­ven Pau­scha­li­sie­rung in den bun­des­deut­schen Medi­en in Bezug auf die Deut­schen aus Russ­land. So wur­den aus ver­ein­zel­ten auf­fäl­li­gen Vor­komm­nis­sen wie im Fall „Lisa“ Vor­wür­fe gegen die Gesamt­heit der Volks­grup­pe kon­stru­iert. Oft wur­de der Ein­druck ver­mit­telt, die Deut­schen aus Russ­land wür­den sich von der Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie Mos­kaus miss­brau­chen las­sen. Ohne jede Ver­harm­lo­sung beto­ne ich erneut: Es han­del­te sich um nicht reprä­sen­ta­ti­ve Ein­zel­fäl­le.

Kaum eine ande­re Volks­grup­pe in der Bun­des­re­pu­blik ist immu­n­er gegen jede Form von poli­ti­scher Radi­ka­li­sie­rung als die Deut­schen aus Russ­land. Sie bzw. ihre Eltern und Groß­el­tern haben haut­na­he Erfah­run­gen mit tota­li­tä­ren Sys­te­men gemacht und wer­den sich daher in ihrer gro­ßen Mehr­heit nie­mals Popu­lis­ten und poli­ti­schen Pro­vo­ka­teu­ren anschlie­ßen. Und wir sind uns doch sicher dar­in einig, dass die mehr­heit­li­ch kon­ser­va­ti­ven Ein­stel­lun­gen der Russ­land­deut­schen nichts mit Radi­ka­li­tät zu tun haben.

Viel­mehr zeich­nen sich gera­de mei­ne Lands­leu­te durch eine aus­ge­spro­chen gro­ße Loya­li­tät der Bun­des­re­pu­blik und ihrem demo­kra­ti­schen Wer­te­sys­tem gegen­über aus. Sie haben sich in Jahr­zehn­ten der Unfrei­heit und Ent­rech­tung nach Respekt und Gleich­heit gesehnt. Nach ihrer Rück­kehr in die Hei­mat ihrer Vor­fah­ren haben auch sie in Deutsch­land eine Hei­mat gefun­den.

Nach mei­ner Auf­fas­sung ist für eine aus­ge­präg­te Loya­li­tät nicht das Vor­han­den­s­ein von nur einer Staats­an­ge­hö­rig­keit ent­schei­dend, son­dern eine gefes­tig­te Iden­ti­tät, Rechtstreue und ein gemein­sa­mes Wer­te­sys­tem.

Unser Ver­band wird sich wei­ter­hin dafür ein­set­zen, dass unse­re Lands­leu­te in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­rei­sen dür­fen. Ich begrü­ße es aus­drück­li­ch, dass die Bun­des­re­gie­rung ihrer his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung für die Deut­schen aus Russ­land wei­ter­hin gerecht wird und nach wie vor an der Aner­ken­nung ihres kol­lek­ti­ven Kriegs­fol­gen­schick­sals fest­hält.

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­ti­on der Deut­schen in der Sowjet­uni­on hat die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land eine umfang­rei­che Gedenk­schrift her­aus­ge­ge­ben, die sich unter dem Titel „Ent­rech­tet – Ent­wür­digt – Ent­wur­zelt“ mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Ver­fol­gung der Russ­land­deut­schen befasst.

Die Schau­pro­zes­se in der Sowjet­uni­on Sta­l­ins der Jah­re 1937 und 1938 gehö­ren eben­so dazu wie die Depor­ta­tio­nen, die mit dem Erlass vom 28. August 1941 ihren Höhe­punkt erreich­ten, die Ver­brin­gung in die Zwangs­ar­beits­la­ger der so genann­ten „Tru­dar­mee“ oder die Recht­lo­sig­keit in den Son­der­sied­lun­gen, die erst Ende 1955 auf­ge­löst wur­den.

Abschlie­ßend möch­te ich Fol­gen­des fest­stel­len:

Die par­tei­po­li­ti­sche Land­schaft hat sich in den letz­ten Jah­ren euro­pa­weit merk­li­ch ver­än­dert. Die bewaff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die andau­ern­de Flücht­lings­kri­se und die dro­hen­de Alters­ar­mut füh­ren dazu, dass Men­schen zuneh­mend ver­un­si­chert sind und nach schnel­len Pro­blem­lö­sun­gen suchen. Dabei ist das kein rein deut­sches Phä­no­men, wie ein Bli­ck auf die Ent­wick­lun­gen in den benach­bar­ten Län­dern zeigt.

Von den eta­blier­ten Par­tei­en erwar­te ich durch­dach­te und ver­ständ­li­ch kom­mu­ni­zier­te Pro­blem­lö­sun­gen. Das Ver­trau­en in den Staat, sei­ne Orga­ne und Behör­den muss wie­der her­ge­stellt wer­den.

Mei­nen Lands­leu­ten wün­sche ich mehr Mün­dig­keit, Resis­tenz gegen Paro­len und Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che und poli­ti­schen Weit­bli­ck. Ich bit­te auch dar­um, mehr Geduld für die Auf­klä­rung von ein­zel­nen Vor­gän­gen auf­zu­brin­gen, da vor­schnel­le Urtei­le und Hand­lun­gen nicht sel­ten fal­sch sein kön­nen. Im Hin­bli­ck auf die anste­hen­den Wahlen rufe ich zu einer regen Wahl­be­tei­li­gung auf.

Ich bedan­ke mich herz­li­ch bei allen Betei­lig­ten für die Vor­be­rei­tung und Mit­ge­stal­tung von Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, die bun­des­weit statt­ge­fun­den haben.

Nun schlie­ße ich ger­ne mit dem Mot­to der Lands­mann­schaft
„Zusam­men­hal­ten – Zukunft gestal­ten“

Wal­de­mar Eisen­braun
Bun­des­vor­sit­zen­der

Mitteilung der Landsmannschaft zur Gedenkveranstaltung in Berlin

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75JahreDeportation

H. Kos­chyk, W. Eisen­braun, Dr. T. de Mai­ziè­re, H. Zer­tik


Im Mit­tel­punkt der Gedenk­ver­an­stal­tung am 28.08.2016 in der Aka­de­mie der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung stand die Erin­ne­rung an die russ­land­deut­schen Opfer des sta­li­nis­ti­schen Regimes, die nach dem Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­uni­on vom 28. August 1941 „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ aus ihren Sied­lungs­ge­bie­ten im euro­päi­schen Teil der Sowjet­uni­on nach Sibi­ri­en und Zen­tral­asi­en depor­tiert wur­den.

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Dr. Tho­mas de Mai­ziè­re führ­te in sei­ner Anspra­che aus: „Heu­te vor gen­au 75 Jah­ren wur­den die Wol­ga­deut­schen der Kol­la­bo­ra­ti­on mit dem Deut­schen Reich bezich­tigt und in den fol­gen­den Tagen ent­eig­net, ent­rech­tet und kol­lek­tiv nach Sibi­ri­en und Zen­tral­asi­en ver­trie­ben. Wir rufen uns heu­te die Fami­li­en ins Gedächt­nis, die ihre Hei­mat ver­lo­ren haben, wir den­ken heu­te an die vie­len Opfer, die die Stra­pa­zen der Ver­ban­nung nicht über­leb­ten.“ „Die sozia­le Unter­stüt­zung und Sprach­för­de­rung der Russ­land­deut­schen gehö­ren heu­te zur gesell­schaft­li­chen und his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung der Bun­des­re­gie­rung“, so der Minis­ter wei­ter.

Der Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten, Hart­mut Kos­chyk, wies in sei­ner Rede dar­auf hin, dass die beson­de­re Wert­schät­zung der Deut­schen aus Russ­land sei­tens der Bun­des­re­gie­rung bei­spiels­wei­se in der Wei­ter­ent­wick­lung der Kon­zep­ti­on zur Bewah­rung der Kul­tur und Geschich­te der Deut­schen im öst­li­chen Euro­pa nach § 96 Bun­des­ver­trie­be­nen­ge­setz (BVFG) zum Aus­druck kom­me.

Auf die Fra­ge, was die Russ­land­deut­schen heu­te in Deutsch­land am meis­ten ver­mis­sen, wür­de ich ant­wor­ten: die gesell­schaft­li­che Wert­schät­zung, eine dif­fe­ren­zier­te Auf­merk­sam­keit und die Prä­senz in poli­ti­schen Gre­mi­en. Mit gro­ßem Bedau­ern muss ich fest­stel­len, dass die Geschich­te der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Bewusst­seins der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ist“, sag­te in sei­nem Gruß­wort Wal­de­mar Eisen­braun, Bun­des­vor­sit­zen­der der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land.

Bei der Kranz­nie­der­le­gung auf dem Park­fried­hof Ber­lin-Mar­zahn am Denk­mal für die russ­land­deut­schen Opfer des Sta­li­nis­mus dank­te der Bür­ger­meis­ter und Sena­tor für Inne­res und Sport des Lan­des Ber­lin, Frank Hen­kel, der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land für die Orga­ni­sa­ti­on sol­cher Gedenk­ver­an­stal­tun­gen, die dazu bei­trü­gen, die Erin­ne­rung an das schwe­re Schick­sal der Russ­land­deut­schen wach­zu­ru­fen.

Die Schirm­herr­schaft über die Gedenk­ver­an­stal­tung hat­te der russ­land­deut­sche Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Hein­rich Zer­tik über­nom­men.

Für die Unter­stüt­zung bei der Durch­füh­rung der Gedenk­ver­an­stal­tung bedankt sich die Lands­mann­schaft bei ihren Koope­ra­ti­ons­part­nern, der „Deut­schen Gesell­schaft e.V.“, der „Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung“ und dem „Muse­um für russ­land­deut­sche Kul­tur­ge­schich­te“ in Det­mold.

Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land

 


Link zur Mit­tei­lung der Lands­mann­schaft zur Gedenk­ver­an­stal­tung in Ber­lin (pdf)

Trauer um Josef Schleicher

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Josef SchleicherDie Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land trau­ert um den schmerz­vol­len Ver­lust ihres ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ters Josef Schlei­cher, der sich als enga­gier­ter Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung, lang­jäh­ri­ger Ide­en­spen­der und Mit­ge­stal­ter des Ver­ban­des vor Ort und bun­des­weit her­vor­ge­tan hat.


Josef Schlei­cher wur­de 14.04.1960 in Eli­sa­wet­grad der Altairegion/Russland in einer russ­land­deut­schen Fami­lie gebo­ren. Er stu­dier­te Geschich­te, Päd­ago­gik und Jour­na­lis­tik an der Staats­uni­ver­si­tät Barnaul/Altai. 1986–1991 war er rüh­ri­ger Kor­re­spon­dent der deutsch­spra­chi­gen Regio­nal­zei­tung „Rote Fahne“/„Zeitung für Dich“, 1992–1998 enga­gier­ter Chef­re­dak­teur der „Zei­tung für Dich“.

Auch unter den schwie­rigs­ten wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen der 1990er Jah­re in Russ­land konn­te er das Redak­ti­ons­team lei­den­schaft­li­ch für sei­ne Ide­en und Vor­ha­ben mit­rei­ßen – so sind vie­le Publi­ka­tio­nen und Koope­ra­tio­nen ent­stan­den. Mit ihm fei­er­te die deutsch­spra­chi­ge „Zei­tung für Dich“ 40 Jah­re (1997) ihres Bestehens mit viel­fäl­ti­gen grenz­über­schrei­ten­den Fes­ti­vi­tä­ten und Gäs­ten aus ganz Russ­land und dem Aus­land.

Auch sei­ne akti­ve Teil­nah­me an der Auto­no­mie­be­we­gung und der Wie­der­her­stel­lung des Deut­schen Natio­na­len Rayons Halb­stadt darf nicht ver­ges­sen sein.

Seit 1998 leb­te er mit Ehe­frau und zwei Töch­tern in Deutsch­land. Nach einer Wei­ter­bil­dung als Mul­ti­me­di­a­f­ach­kraft arbei­te­te er als Redak­teur der rus­sisch­spra­chi­gen Zei­tung „Ost-Express“ und war seit Novem­ber 2001 bis Mit­te 2002 Mit­her­aus­ge­ber und Redak­teur der deutsch­spra­chi­gen Zei­tung „DIA­LOGp­lus“.

Seit Sep­tem­ber 2004 bis Ende 2015 war er enga­gier­ter und krea­ti­ver Pro­jekt­lei­ter der Wan­der­aus­stel­lung „Volk auf dem Weg. Geschich­te und Gegen­wart der Deut­schen in/aus Russ­land“ tätig. Mit sei­nem umfang­rei­chen Wis­sen zur Geschich­te und Kul­tur der Russ­land­deut­schen und sei­ner ein­zig­ar­ti­ger Art, die­ses Wis­sen zu ver­mit­teln – vor allem bei Vor­trä­gen und Füh­run­gen im Rah­men des Schul­pro­jek­tes an Schul­ein­rich­tun­gen, hat er das Pro­jekt und sei­ne bun­des­wei­te Prä­sen­ta­ti­on auf eine unnach­ahm­li­che authen­ti­sche Art berei­chert. Als Pro­jekt­lei­ter, His­to­ri­ker und Men­sch gelang es ihm jeder­zeit und vor jedem Publi­kum, die Geschich­te und Kul­tur der Russ­land­deut­schen sach­kun­dig, inhalts­reich, span­nend und zugäng­li­ch zu erläu­tern und zu ver­mit­teln.

Als frei­er Jour­na­list ver­fass­te und publi­zier­te er Skiz­zen, Por­träts, popu­lär­wis­sen­schaft­li­che und wis­sen­schaft­li­che Abhand­lun­gen zu ver­schie­dens­ten Aspek­ten der russ­land­deut­schen Kul­tur­ge­schich­te unter ande­rem für die „Mos­kau­er Deut­sche Zei­tung“, „Zei­tung für Dich“ (Russ­land), „Volk auf dem Weg“ und die Hei­mat­bü­cher der Lands­mann­schaft (Stutt­gart), Kalen­der des HFDR e.V. (Nürn­berg), „Kontakt“(Köln) u.a.

Als His­to­ri­ker ver­öf­fent­lich­te er die Diplom­ar­beit „Volks­bil­dung der deut­schen Kolo­nis­ten in Russ­land vor 1917“ (rus., 1985), die Mono­gra­phie „Deut­sche in der UdSSR: Geschich­te und Gegen­wart“ (rus., 1992), das Lehr­buch „Geschich­te der Russ­land­deut­schen“ (rus., 1992), die Mono­gra­phie „Auto­no­mie­be­we­gung: pro­vin­zi­el­le Träu­me“ (deut­sch, 1996) sowie über 20 Auf­sät­ze in wis­sen­schaft­li­chen Sam­mel­bän­den und Zeit­schrif­ten (in Russ­land, Deutsch­land und Kasach­stan) und über 150 Auf­sät­ze in rus­si­schen und russ­land­deut­schen Wochen­schrif­ten (1988–2005).

Im Namen der Lan­des­vor­stän­de und Orts­grup­pen­vor­stän­de der Lands­mann­schaft bun­des­weit spricht der Bun­des­vor­stand der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land der Ehe­frau und den Töch­tern des Ver­stor­be­nen sein tief­emp­fun­de­nes Bei­leid aus. Josef Schlei­cher bleibt in unse­rer dank­ba­rer Erin­ne­rung.

Bun­des­vor­stand

Ge­denk­ver­an­stal­tung “75 Jah­re De­por­ta­ti­on der Russ­land­deut­schen”

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ErlassDatum: 28.08.2016

Ort: Aka­de­mie Ber­lin der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung, Ber­lin

Red­ner: Hart­mut Kos­chyk, MdB, Beauf­trag­ter der Bun­des­re­gie­rung für Aus­sied­ler­fra­gen und natio­na­le Min­der­hei­ten

Am 28. August 2016 jährt sich der Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der UdSSR „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga-Rayons woh­nen” vom 28. August 1941 zum 75. Mal, der letzt­end­li­ch eine mas­sen­haf­te Depor­ta­ti­on der Deut­schen aus dem euro­päi­schen Teil der Sowjet­uni­on in die Tie­fen Sibi­ri­ens und nach Kasach­stan oder Mit­tel­asi­en ein­lei­te­te. Die Fol­gen der Depor­ta­tio­nen wir­ken bis heu­te nach.

Die Ver­an­stal­tung fin­det ab 11:00 Uhr in den Räum­lich­kei­ten der Aka­de­mie Ber­lin der Kon­rad-Ade­nau­er-Stif­tung (Tier­gar­ten­str. 35, 10785 Ber­lin) statt. Neben den Gruß­wor­ten sind musi­ka­li­sche Dar­bie­tun­gen, ein Zeit­zeu­gen­ge­spräch und eine Kranz­nie­der­le­gung auf dem Park­fried­hof Ber­lin-Mar­zahn vor­ge­se­hen.

Gedenkschrift zum 75. Jahrestag der Deportation der Deutschen in der Sowjetunion

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Gedenkschrift 75 Jahre Deportation

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­ti­on der Deut­schen in der Sowjet­uni­on hat die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land eine umfang­rei­che Gedenk­schrift her­aus­ge­ge­ben, die sich unter dem Titel „Ent­rech­tet – Ent­wür­digt – Ent­wur­zelt“ mit ver­schie­de­nen Aspek­ten der Ver­fol­gung der Russ­land­deut­schen befasst.

(Link zur Gedenk­schrift, pdf, 12 MB)

Die Schau­pro­zes­se in der Sowjet­uni­on Sta­l­ins der Jah­re 1937 und 1938 gehö­ren eben­so dazu wie die Depor­ta­tio­nen, die mit dem Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­uni­on vom 28. August 1941 „Über die Über­sied­lung der Deut­schen, die in den Wol­ga­rayons woh­nen“ ihren Anfang nah­men, die Ver­brin­gung in die Zwangs­ar­beits­la­ger der so genann­ten „Tru­dar­mee“ oder die Recht­lo­sig­keit in den Son­der­sied­lun­gen, die erst Ende 1955 auf­ge­löst wur­den.

Zusam­men mit den Toten der Hun­ger­ka­ta­stro­phen in der 1920er und 1930er Jah­ren, die durch kom­mu­nis­ti­sche Miss­wirt­schaft über das Land kamen, beträgt die Anzahl der russ­land­deut­schen Opfer in die­sen Jahr­zehn­ten – selbst bei vor­sich­ti­ger Schät­zung – nicht weni­ger als 480.000.


Vor­wort des Bun­des­vor­sit­zen­den der Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land

Nicht zufäl­lig hat­te die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land ihr 32. Bun­des­tref­fen am 4. Juli 2015 in Stutt­gart unter das Mot­to „Von Hil­fe­su­chen­den zu Leis­tungs­trä­gern“ gestellt. Wir brach­ten damit zum Aus­druck, dass sich die Deut­schen aus Russ­land nach einem lan­gen Lei­dens­weg in der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on und Schwie­rig­kei­ten der ers­ten Jah­re nach der Wie­der­an­sied­lung in Deutsch­land zu einem Gewinn für unser Land ent­wi­ckelt haben, wie durch sämt­li­che Unter­su­chun­gen bestä­tigt wird.

Den­no­ch ver­hin­dern die nach wie vor bestehen­den Benach­tei­li­gun­gen, dass vie­le mei­ner Lands­leu­te sich als gleich­be­rech­tigt und behei­ma­tet füh­len kön­nen. Erheb­li­che Ren­ten­kür­zun­gen auf­grund der Fremd­ren­ten­ge­setz­ge­bung gehö­ren eben­so dazu wie die man­gel­haf­te bzw. völ­lig feh­len­de Aner­ken­nung von in der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on zurück­ge­leg­ten Aus­bil­dungs­gän­gen bzw. mit­ge­brach­ten beruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen. Dage­gen wer­den all­zu leicht aus Ver­feh­lun­gen Ein­zel­ner halt­lo­se Vor­wür­fe gegen die Gesamt­heit der Deut­schen aus Russ­land kon­stru­iert.

Mit den ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ist die Lands­mann­schaft seit Jahr­zehn­ten bemüht, gegen Miss­stän­de die­ser Art vor­zu­ge­hen – in ihren Publi­ka­tio­nen, durch Stel­lung­nah­men und bei Gesprä­chen mit Ent­schei­dungs­trä­gern.

Eben­so ist zu bedau­ern, dass die Geschich­te und Kul­tur der Deut­schen aus Russ­land nach wie vor nicht Bestand­teil des kol­lek­ti­ven Gedächt­nis­ses der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sind. Ihre Geschich­te und Kul­tur „fin­den nicht statt“ – weder im Schul­un­ter­richt, noch in den Medi­en, noch in der Gesell­schaft.

Publi­ka­tio­nen wie die­se Gedenk­schrift sol­len daher dazu bei­tra­gen, die­se Wis­sens- und Auf­merk­sam­keits­lü­cken zu ver­rin­gern. Unter Ver­zicht auf all­zu tro­cke­ne Ana­ly­sen schil­dert sie die tra­gi­sche Geschich­te der Volks­grup­pe in den 30er, 40er und 50er Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts vor allem anhand von Zeit­zeu­gen­be­rich­ten sowie von künst­le­ri­schen und lite­ra­ri­schen Dar­stel­lun­gen.

Aus Anlass des 75. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­ti­on der Deut­schen in der Sowjet­uni­on wei­sen wir erneut auf die Not­wen­dig­keit einer voll­stän­di­gen Reha­bi­li­tie­rung der russ­land­deut­schen Volks­grup­pe hin. Eine Reha­bi­li­tie­rung, die längst über­fäl­lig ist! Eine Reha­bi­li­tie­rung von Men­schen, die ohne jede Schuld zu Opfern zwei­er Unrechts­re­gime wur­den!

Wal­de­mar Eisen­braun
Bun­des­vor­sit­zen­der

Jubiläumsfeier Nürnberg am 16.10.2016

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Jubiläumsfeier der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland 

anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Kreis- und Ortsgruppe Nürnberg

am 16. Okto­ber 2016

Pro­gramm:

13:30 Uhr
75 Jah­re Ver­trei­bung der Deut­schen in der Sowjet­uni­on – Kranz­nie­der­le­gung am Zen­tra­len Denk­mal Flucht und Ver­trei­bung in Nürn­berg (Hall­platz, 90402 Nürn­berg).

16:00 Uhr
Fest­akt im Gemein­schafts­haus Lang­was­ser (Glo­gau­er Str. 50, 90473 Nürn­berg) Gruß­wor­te – Kul­tur­pro­gramm – Bil­der­aus­stel­lung – Steh­emp­fang.

19:00 Uhr
Im Anschluss Thea­ter­auf­füh­rung „Der wei­te Weg zurück“ (Russ­land-Deut­sches Thea­ter Nie­der­stet­ten mit Maria und Peter War­ken­tin).

Ein­tritt frei

Öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel:

Zur Kranz­nie­der­le­gung (U1/U2  — Sta­ti­on Haupt­bahn­hof, bzw. Lorenz­kir­che);

Zum Fest­akt (U1 – Sta­ti­on Gemein­schafts­haus Lang­was­ser).

nuern­berg-60-jah­re-fly­er

Gottesdienst in der Erlöserkirche am 28.8.2016

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Evangelische ErlöseEvangelische Erlöserkirche in Essenrkirche in Essen

Evangelische Erlöserkirche in Essen. Quelle: Wikipedia

In diesem Jahr jährt sich zum 75. Mal der Stalin-Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen. Der 28. August 1941 ist zum Schlüsselereignis für die Leidensgeschichte der Russlanddeutschen geworden und bildet eine besondere Art der Identität auch für die nachfolgende Generation.

Vor genau 75 Jahren gab das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR per Erlass bekannt, dass alle Deutschen der Wolgagebiete unverzüglich und restlos umgesiedelt werden müssen. Das gleiche Schicksal erfuhren weitere Deutsche in anderen Siedlungsgebieten der Sowjetunion. Sie wurden aus den europäischen Teilen der Sowjetunion nach Osten in sogenannte Sondersiedlungen deportiert und anschließend vielfach zur Zwangsarbeit im Lagersystem des GULAG verpflichtet. Die Maßnahme stand im Kontext des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941. Alle Sowjetdeutschen wurden kollektiv angeschuldigt, mit Hitlerdeutschland zu kollaborieren - eine unrechtmäßige Annahme, die Stalin als Begründung für seine Politik diente. Repressionen gegenüber Russlanddeutschen hielten auch nach Kriegsende an. In ihre Heimatgebiete durften sie nie zurückkehren.

Für die Erlebnisgeneration und deren Kinder ist ein besonderer Tag des Erinnerns, verbunden mit der Klage über das erfahrene Leid und des Dankes für Gottes Nähe im Leid.